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Jolante
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24.11.2009, 19:21 / 4 x geändert
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Wenn mich die Einsamkeit würgt,
frag ich oft mehrmals am Tag
das Wetter am Telefon ab.
Zu sagen habe ich nichts.
Die menschliche Stimme vom Band
soll reichen, erreicht sie doch
mich.

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Gerd
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26.11.2009, 13:14 / 2 x geändert
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Liebe Jolante,
Einsamkeit ist leider kein Einzelphänomen, sondern oftmals traurige Gewissheit unserer Gesellschaftsform, potenziert im Alter und städtischem Umfeld. Das lyrische Ich verdeutlicht jedoch die persönliche Einsamkeit drastisch und somit auch greifbar. Kein allgemein anklagendes Gefühlsgedudel, wie wir in letzter Zeit auf unserem kleinen Planeten leider oft lesen dürfen, nein, konkret auf den Punkt und nachlebbar. Die Einsamkeit würgt, schnürt ab, lässt verstummen. Der eigenen Kommunikationsfähigkeit beraubt, nicht wissend wen anrufen, der sich um seine Seele sorgen würde – einfach nur sprechen, ein paar Worte übrig hätte. So viel Empfangsbereitschaft für ein fehlendes Gegenüber, dass die Konserve einzige Ersatzbefriedigung ist, da das Telefon den Schein von persönlicher Kommunikation besser aufrecht erhalten kann, als Radio oder TV. Seelsorge, sei es die um die eigene oder jene um andere tut not. Professionelle Seelsorge, wie Krisenhotlines, Caritas usw. sind nur das letzte Auffangbecken jener, die mit ihrer Not noch öffentlich werden – Manifestation des Versagens einer Gesellschaft.
Die einzelne Zeile in der Mitte wirkt verloren/einsam und unterstreicht den Inhalt des Gedichts sehr treffend.
Dein Gedicht verstörend und erschütternd, für mich damit inhaltlich wie formal äußerst gelungen.
Herzliche Grüße in einen hier recht trüben Novembertag
Gerd

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augustine
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Die einsame Seele sorgt (noch) für sich selber, hört Stimmen (ab), die reichen müssen, sie noch erreichen, Wetteransagen. Sie selbst spricht nicht mehr. Was wird sein, wenn die einsame Seele auch nicht mehr hört?
Wieder eine kleine jolantinische Kostbarkeit, findet
augustine
(Und fragt den Maitre admin, ob er nicht die Kategorie 'Miniaturen' einrichten möchte. Bitte, Marcel.)

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Vladimir
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Mir kommen da diese weit in mich gesenkten Goehte-Verse wieder:
"Verstrickt in solche Qualen halbverschuldet / Geb' ihm ein Gott zu sagen, was er duldet"
Aber es ist eben nicht nur das "sagen" - es ist auch das hören-können. Die Harthörigkeit, die Verhärtung mehr auf dieser empfangenden Seite, hab ich als ein eigentlich noch akuteres Symptom von Einsamkeit schon öfters erlebt.
Kann das für jemanden gelten, der noch in der Wetteransage eine Art Nähe findet, in dieser ganz ganz allgemeinen Ansprache (vielleicht weil sie eine direktere nicht aushielte?)? Ich glaube nicht.
Und das "sagen" - das tut das Gedicht.
Vladimir

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