Mütter und Töchter · Elskugi · ·


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      Elskugi



Mütter und Töchter

   18.11.2009, 00:01



Ein kleines Mädchen kniet auf Holzscheiten im Schuppen, gleich hinter dem Haus.Eine saubere Schürze bedeckt das verschlissene Kleid. Wo zwei Knöpfe waren,klagen jetzt ausgefranste Löcher,gemeinsam mit den verschwollenen ,geröteten Augen. Beides Zeugen einer Wut, die sich in ohnmächtigem Aufbäumen ihres nicht verstehenden,kleinen Geistes noch vor Kurzem Luft gemacht hatte.Es war ein mageres Vergehen. Ein Gebäckstück,verbotenerweise in Zucker und Rahm aus der Vorratskammer getaucht,als die Mutter aus dem Haus war.Ihre Mutter hat ein Reiskorn auf den Zucker gelegt.Nun ist es verschwunden ,als hätte es sich,Mittwisser und Ankläger der Tat,verschämt verkrochen.
Das kleine Mädchen wächst heran im Käfig seiner Verbote und voller Scham.
Es wird selbst eine Mutter.Sie legt keine verräterischen Reiskörner aus und in der großen Stadt gibt es auch keinen Schuppen mit Holzscheiten.Doch den Käfig kann sie nicht verlassen.Und so kniet die Seele ihres kleinen Mädchens auf den kantigen Holzscheiten die alle Familienmitglieder aufschichten.Sie legt keine schützende Hand über die scharfen Kanten.Das hat sie auch nie gelernt.Und unter sauberen,ordentlichen Kleidern,ganz so wie es sich gehört blutet die Seele des kleinen Mädchens,ungesehen...

 

      Gretchen



Mütter und Töchter

   18.11.2009, 08:05 / 1 x geändert



Heiala, Elskugi,

keine Ahnung, wie ich das finden soll und was ich dazu sagen soll, weil:

Bin ganz betäubt von all dem kindlichen Elend, das so flutwellengleich heute Nacht hier in den Garten sich spülte. Schlimm ist das schon, und unerschrocken vorgeführt in aller Schrecklichkeit werden Ärmlichkeit, Erbärmlichkeit, Elend, Hunger und Leid. Missbrauch, Trunksucht, Gewalt und Geschrei. Viel Not, innen wie außen. Gezückte Messer, gezischte Drohungen, Züchtigung, Vater bös, Mutter bös, schwarze Pädagogik allenthalben, die Familiendynamik mit weinfauligem Atem gefügig geohrfeigt von Generation zu Generation hoffnungslos modernd bis in die Knochen und unterschwellig auch immer die Sehnsucht nach Erlösung im Schwange: nimmt das denn nie ein End', Hellinger-hilf-uns!

Ich spür jetzt richtig, wie mir das alles Angst macht, was da beschrieben wird. Die blutende Seele macht mir so eine schwüle Angst, und das Blut, das, von der Güte des Mondes begleitet, schwarz in der Erde versickert, macht mir schwülstiger Angst. Und bei Tränen, die wie Tau auf schwarzen Schwingenwimpern klimpern oder stumm über glühende Wangen gleiten, wobei sie dann zögernd am Lippenrand verharren, wahrscheinlich, weil sie darauf warten, weggeküsst zu werden - also, bei so hochemotional aufgeladenen, gefühlsstark vibrierenden Verdichtungen krieg ich Gänsehaut und werd ganz still vor schauderndem Mitgefühl. Ja, weiß nicht ... kann gar nix sagen, wie gesagt ... keine Ahnung ...

greta muta

 

      Elskugi²



Mütter und Töchter

   18.11.2009, 13:37



Liebes Gretchen!
Sehr intensiv hast du deine Gefühle zum Ausdruck gebracht...und,es freut mich....nämlich die Tatsache,diese Gefühle bei dir,in dir ausgelöst zu haben.Herzlichsten Dank sowohl für die rasche Antwort,als auch für das tiefe Eintauchen in das Geschriebene...
Elskugi

 

      gregor libkowsky



Mütter und Töchter

   18.11.2009, 18:07 / 1 x geändert



hallo elskugi,
deine hier eingestellten geschichten umkreisen ein wiederkehrendes thema in variation : gewalt in familien, gewalt gegenüber kindern, zerrüttete familienverhältnisse.

jedoch ist deine geschichte bei mir auf granit gestossen. nicht weil ich als kommandant schon viele schlimme dinge gesehen habe, damals in der zeit der sandkriege, nein, ganz einfach weil deine geschichte von anfang an so berechenbar daherkommt. deine personen bleiben unbestimmt: ein kleines mädchen und deren mutter. dem leser wird schnell klar, dass hier bewusst eine verallgemeinerung gesetzt wurde. so wird die geschichte zum sinnbild aller traumatisierten töchter dieser welt. das heißt, die geschichte möchte exemplarisch gelesen werden, weil sie so angelegt wurde, weil der moralische zeigefinger hinter jeder zeile lauert, weil sie sehr schnell mit verallgemeinernden verflachungen daherkommt.
die szenerie des ersten abschnittes wurde sprachlich sauber umgesetzt. hier mag ich noch mitgehen, auch wenn solch eine charles dickens - welt nicht jedermanns geschmack darstellt. das reiskorn als mitwisser und ankläger der tat - eine schöne formulierung.

die einleitung zum zweiten abschnitt bzw. das bindeglied der beiden absätze kommt dann sehr klischeehaft daher
Das kleine Mädchen wächst heran im Käfig seiner Verbote und voller Scham.
hier wird eine scheinbar logische schlussfolgerung aus dem im ersten absatz beschriebenen geschehen gezogen, die meines erachtens die kleine kindheitsszene entwertet, weil sie für die begründung einer folgerichtigkeit herhalten muss, der ich als leser nicht folgen mag. das ganze wirkt ab hier konstruiert, um eine bestimmte intention zu verfolgen, den leser an die hand zu nehmen und ihm dabei ins ohr zu flüstern: siehst du, so schlimm ist das alles, du solltest nun betroffen sein. nicht dass es schlecht sei, gefühle mittels eines textes freiszusetzen oder zu transportieren, man darf nur nicht dazu aufgefordert werden oder sich indirekt dazu aufgefordert fühlen.
ein personengebundener aufzug (namensgebung finde ich hier überaus wichtig) exkulpierte den ersten abschnitt vom vorwurf des exempels.
die zweite hälfte des textes entwertet den ersten teil.
... blutet die seele des kleinen mädchens, ungesehen ist so abgegriffen und klischeehaft und bleibt nun leider - da am ende stehend - als letzter eindruck haften.
sprachlich gibt es nichts auszusetzen, besonders der erste absatz macht spaß zu lesen. aber ... siehe oben.

grüße von gregor libkowsky (kommandant, hartleibig)

 

      Gretchen



Mütter und Töchter

   18.11.2009, 20:34



joa, Elskugi, hab den eindruck, du hast meinen kommentar nicht verstanden. zum glück hat der kommandant aber alles schön übersetzt. merci bien, greg.

 

      zuppanova



Mütter und Töchter

   19.11.2009, 00:19



Nun ist der Kommandant mir zuvorgekommen. Diesen seinen Kommentar hätte ich nämlich auch gern geschrieben. Geht jetzt nicht mehr, steht ja schon alles da, was den Text schwach macht, sorgfältig ausgeführt und wohlbegründet noch dazu. Da bin ich so frei und schließe mich schlichtweg einfach nur den Worten Libkowskys an. Das allzu Berechenbare der Geschichte stört (mich) ebenso wie das Moralisierende und die klischeehaften Wendungen.
Circa zwei von fünf Tränchen ...


Elskugi, zum Thema "sechs Texte sind zu viel, weil ..." wurden dir ja inzwischen einige Begründungen vorgeschlagen. Ich füge noch eine grobe Richtlinie bei: nicht mehr als einen Text pro Tag, sonst kriegt die Forenseele Verdauungsprobleme. ;)
Danke für dein Verständnis.



LG, zuppa (manchmal auch mod)




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