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ruelfig
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An der Eingangstür hängt ein Adventskranz aus Plastik mit einem umlaufend geschalteten Kreis bunter Birnchen. Ich zähle mindestens sieben Farben, bevor mir geöffnet wird. Die Türglocke spielt "Jingle Bells", polyphon. Ich stehe vor einer Mischung aus Grinch und Rudolf, dem rotnasigen Rentier. Die Gestalt hält eine Flasche Glühwein in der einen Hand und ein batteriebetriebenes Räuchermännchen in der anderen. Es riecht nach Sandelholz und alter Pisse. "Was iss'n"? lallt die Erscheinung. "Ich komme von der Firma Kalori und möchte die Heizung ablesen", ist meine Antwort. Wortlos macht der Rotgewandete den Weg in die Wohnung frei. Im Flur stehen zwei Rentiergespanne, umfassend illuminiert. Überall Lametta und blinkende Weihnachtsbäume, aus verschiedenen Zimmern hämmern unterschiedliche Weihnachtslieder. Am lautesten ist "Last Christmas". Jetzt riecht es nach gebrannten, nein eher verbrannten Mandeln und Wunderbäumen mit Tannenduft, leicht unterlegt von Zimt, Koriander und Billigwein. Die Heizung im Flur ist zu heiß, um sie zu berühren. Ich tausche das Röhrchen und betrete den Stall von Bethlehem. Drei lebensgrosse Krippen nehmen den größten Teil der Bodenfläche ein, darüber kreisen silberne Engel mit Waldhörnern und Trompeten. Die Fenster sind komplett behängt und zugestellt mit blinkenden Installationen. Während ich drei Tannenbäume vom Heizkörper entferne, drückt der Hausherr mir eine Tasse mit dem Aufdruck "Weihnachtsmarkt Herne, 1976" in die Hand. "Willsu auch ein'"? Die Böden sind bedeckt mit zerbröselten Lebkuchenherzen und Marzipan. Ich nehme das Gefäß und lasse es unter dem Rock der Maria verschwinden, die mir am nächsten steht.
Im Schlafzimmer liegt ein Paar im Bett und frohlockt, bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet von circa zweihundert Lichterketten. Eine größere Anzahl Räucherkegel macht das Atmen anstrengend, ich schlage mich durch eine Rotte lobpreisender Engel zur Rippe durch, lese ab und wanke in die Küche. Am Tisch sitzen mehrere Hirten vor Bechern voll undefinierbarer Flüssigkeit und drei Königsfiguren werfen mit Gold, Myrrhe und Weihrauch um sich. Der Heizkörper befindet sich hinter einer Esels- und Rinderherde. Das Bad ist besetzt von einer Horde elektrifizierter Heilande, die in unregelmäßigen Abständen "Hosianna" ruft. Ich lasse mir von dem auf dem Klo stöhnenden Hausherrn den Ablesezettel unterschreiben und begebe mich zur nächsten Wohnung auf der Liste.

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augustine
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Hallo, ruelfig - satt, satter, am sattesten - übersatt die Weihnachtssatire. Da wird nix ausgelassen, was es hierzulande bald wieder in unerträglicher Fülle geben wird. Bloß das Kindlein. (Statt dessen "die Heilande"?) Liegt darin der tiefere Sinn? Das Kindlein fehlt, dem der ganze Zinnober scheinbar gilt. Seine Eltern (?) machen Liebe und brauchen sich ja ums Kind nicht zu kümmern, weil keins da ist. -
Trotzdem: mir ists zu dick aufgetragen.
lg augustine

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derSibirier
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13.11.2009, 13:56 / 1 x geändert
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halllo ruelfig
was diese Landschaftsbeschreibung mit einer Kurzgeschichte zu tun hat, weiß ich nicht.
Du wirfst dem Leser in diesem kurzen Stückchen so viele Eindrücke um die Birne, dass sie auch bald blinkt aber nicht erleuchtet. Wo bleibt die Handlung? Es gelingt dem Text nicht, der vielen Eindrücke wegen, sich ein Bild von dieser Wohnung zu machen. Tut mir leid, ich finde den Text schwach und als Kurzgeschicte taugt er schon gar nichts.
schöne grüße
der Eismann

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gregor libkowsky
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13.11.2009, 15:51 / 1 x geändert
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| Zitat: |
| was diese Landschaftsbeschreibung mit einer Kurzgeschichte zu tun hat, weiß ich nicht. |
Was eine Landschaftsbeschreibung mit dieser Kurzgeschichte zu tun hat, weiß ich nicht.
Ab hier wären wir bei der Frage, ob das Angerichtete schmackhaft daherkommt. Und mir schmeckt es sehr. Die Geschichte ist mit satirischen Elementen und Einfällen so prall kostümiert, dass der Geschichtensack schon bald platzen mag. Gerade die Überfülle, diese maßlose Übertreibung - nicht nur der sich entspinnenden Fabulierfreude geschuldet - erfüllt in der Gesamtschau des Textes seine Funktion: die prallgefüllte Sinnentleerung die sich materialisiert im Beschriebenen und im Text selbst.
Mir gefällt dieser Text sehr gut, da er zu nichts auffordert, keine versteckten moralischen Bezüge herzustellen versucht, nur eine Zustandsbeschreibung, die scheinbar oberflächlich Lachsalven einfangen möchte, jedoch in der Fülle der gedrängten Bilder darüber hinauszuweisen versteht.
Das Thema entfremdete christliche Tradition bzw. religiöse Bräuche kann ich symbolisch verstehen und wird damit austauschbar. Sinnentleerung ist das große Thema - humorig serviert im ruelfigschen Stil.
Libkowsky, Kommandant
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zuppanova
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dick aufgetragen ist es schon: ein ruelfig halt. aber ich hab einen hang zum kracherten und les es deshalb gern. the more the merrier.
gut, dass der heizungsrippenchmann die ruhe bewahrt, er ist schließlich der ankerpunkt des textes, an dem die ganze lichterkettenbunt illuminierte, duftstoffverseuchte, marzipanbebröckelte asi-szenerie festgemacht ist. ohne ihn wäre da nichts (erzähltechnisch!).
der schluss gefällt mir sehr gut. da steckt so eine geste darinnen von stoisch unerschütterlicher amtlichkeit:
ganz egal, was du siehst, stell keine fragen und tue deine pflicht. nicht weiter nachdenken, das formblatt ausfüllen, den vorgang abhaken und zum nächsten TOP weitergehen.
doch, für mich funktioniert das so. als text und überhaupt.
voradventliche grüße: zuppa
ps: was erwartet ihn wohl eine wohnung weiter?
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ruelfig, wenn du willst, verschiebe ich den faden in die satireabteilung. muss aber nicht sein. wenn ja, sag bescheid.
@derSibirier: was hat dein Elite-stückchen eigentlich mit einer kurzgeschichte zu tun? - falls du's erklären kannst, schick mir eine PN; hier im faden hätte die antwort nichts zu suchen und würde womöglich entfernt werden müsssen. und vielleicht überlegst du dir, ob es sinnvoll ist, dich hier weiter einbringen zu wollen. auch dazu, falls du willst, antwort an mich per PN. hier im faden will ich nichts zu dem thema sehen. keine offtopic- oder metadiskussion. danke.

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derSibirier
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@zuppanova, es spielt mir keine rolle. ich war hier und gehe wieder. ihr denkt, ihr seid wohl die besten. selten solche vielstimmige überheblichkeit gesehen. eure texte habe ich gelesen, mit wörtern könnt ihr umgehen, mehr ist es nicht, keine fantasie, keine ideen und vermutlich keine träume. die welt ist voll von solchen typen wie euch, großartig sind sie - es ist die "elite" vielleicht verstehst du den text jetzt- er wurde euch wegen geschrieben.
der sibirier

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ruelfig²
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Hallo Augustine,
das Kindlein ist mir irgendwie abhanden gekommen. Zu dick aufgetragen, das trifft es wohl, kann ich gerne verstehen.
Hallo der sibirier,
tja, was Kurzgeschichte? Me no know nothing. Ich wollte dir gar nicht so viel um die Birne werfen, aber das ist schon ein elitärer Haufen hier, da muss man dick Robbenspeck auf die Knifte klatschen, um einen Eindrück zu machen. Aber wenn es dir keine Rolle spielt, deines wegen, hoffe ich, keine größeren Verletzungen an deiner Seele verursacht zu haben und verbleibe mit einer Entschuldigung wegen Verschwendung der Zeit.
Lieber Kommandant, das ist keine Erzählung, sondern Tatsachenbericht. Die Namen wurden geändert, um die Unschuldigen zu schützen. Ja, ein großer Sack voll Sinnentleerung, traurig das.
Hallo Zuppanova,
wenn du wüsstest, was den armen Kalorimann eine Wohnung weiter erwartete, du würdest es nicht wissen wollen. Deinem Angebot einer Verschiebung in die Satireabteilung würde ich gerne Folge leisten, allein schon, um die Angriffsfläche zu verkleinern. Ich kann ja leider nur Wörter umdrehen und finde immer nur meine Überheblichkeit. Ach, die Welt ist voll von Typen wie mir, wie werd ich mich nur los?
Danke für eure Antworten auf meinen unwürdigen Text,
bescheidenst,
R

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Jolante
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14.11.2009, 00:03 / 2 x geändert
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Hallo Meister Ruelfig,
deine kleine boshafte Satire über ausufernde Weihnachtsdümmelei, die in weinseligem Kitsch ertrinkt und in billigen Aromen erstickt, habe ich mit schauderndem Vergnügen gelesen. Sie hat mich gedanklich auf meinem heutigen Abendspaziergang durch ein Wohnviertel begleitet, in dem an manchen Fenstern schon etliche Wochen vor dem längst sinnentleerten sogenannten "Fest der Liebe" grellbunte Sterne verdächtig blinkten und in manchen Vorgärten illuminierte Rentiere wachten, um mutmaßlich pissfreudige Hunde fernzuhalten. - Dein stoischer Heizungsmann, der den faulen Zauber protokolliert, aber nicht kommentiert, erinnert mich an das Sandmann-Video der "Komiker", das zuppa kürzlich hier vorgestellt hat. Dein "unwürdiger Text" hat es in sich, wie ich finde, und deine bescheidene Überheblichkeit auch!
Mit einem Petzauge
grüßt Jolante

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Gretchen
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bah, ruelfig, wollt auch noch was sagen, nämlich, dass dein ding da echt grottig ist, ein richtig schlechter film, aber - wie ich finde - ein ganz gut gemachter schlechter film. nix ausgelassen und schnuckelig arrangiert, womöglich ist das die privatwohnung von santa claus, da chillt der ab, wenn er nicht in kaufhäusern oder vereinsheimen oder bei betriebsweihnachtsfeiern (gibt's das noch?) auf arbeit ist, also, ich hab das überschrillte, durchgeknallte, comedymäßige auch ganz gern und werf dir nix vor, seh keine wunde stelle, in die ich ein spitzes fingerchen würde bohren wollen. und was die sinnentleerung respektive die sinnentleerungsbewältigung anbetrifft, geh ich mit dem kommandanten im gleichschritt, jawoll.
kann man so machen, denk ich. wüsste auch nicht, wie sonst.
klaro, nicht jede/r wird - kann - soll - muss es mögen, so wie auch die weihnachtsente - und sei sie nochsoschmackhaftigfein zubereitet und angerichtet - nicht jedermenschs paradies ist.
es grüßt: das @gretel

( >> eure texte habe ich gelesen, mit wörtern könnt ihr umgehen, mehr ist es nicht, keine fantasie, keine ideen und vermutlich keine träume. <<
boar, derSibirier hat "unsere" texte gelesen? alle? meine auch? iss ja 'n ding, in der kurzen zeit!und "wir" haben keine fantasie, keine ideen und vermutlich keine träume? fuck. datt iss hart. datt trifft. mitten ins herz. aberhallo. obwohl. dass "wir" mit wörtern umgehen können, ist auch was wert, ne?! soll ja welche geben, bei denen weder die wörter noch die fantasien, ideen, träume undsoweiter ... da kommen "wir" vergleichsweise doch direkt gut wechch, wenn wer über "uns" sagt, "wir" könnten mit wörtern. außerdem, verdammtnochmalja, "wir" bewegen was in den leuten, irgendwie, weil, sonz würdman "uns" doch nicht in blogs besingen und "uns" ELITE-texte widmen undso. "wir" sind die, die sich nix vorpissen lassen, und das ist ganz gut so ... )

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ruelfig²
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Hallo Jolante,
überheblich -moi? Ich bin ja immer noch nicht so glücklich in der Satireabteilung, aber der erweiterte Faden Humor-Satire bringt auch in mir ein paar Glöckchen zum Schwingen. Mein Problem ist z.B., mich gegen so was wie Hagen, Rether Deutschlands abzugrenzen, Satire ist von "Links" gekapert und läuft sich wund in den dritten Programmen. Vielleicht muss man den Begriff wieder freikämpfen. Aber ja, was du beschreibst, hat mich unter anderem zu diesem Text getrieben, Vorgärten voll Herden rotnasiger Rentiere und dann denkt man: wenn das draußen schon so aussieht, welche Hölle dräut dann drinnen?
Freue mich über dein schauderndes Vergnügen.
Hallo Gretchen,
ich bin ja quasi von Frau Dr. Erika Fuchs sozialisiert, der genialen Übersetzerin der obergenialen Geschichten von Carl Barks, Hauptdarsteller Donald Duck. Ich habe noch meinen Mickymausclub-Aufnäher von ca 1962 (obwohl Micky Maus so ein Moralvieh ist) und einen Aufkleber mit dem Motto: Mein Freund ist eine Ente. Darum würde ich NIE Enten essen, nur um das mal klarzumachen.
Ansonsten gehe ich mit deinem Kommentar konform, ich könnte nicht anders bis zur Rente und darüber hinaus. Weihnachten macht mich ambivalent.
Liebe Grüße,
Rülfig, der rotnasige Rentier

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