SatzCollage: Der Alte ist · Samsa · ·


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      Samsa



SatzCollage: Der Alte ist

   19.10.2009, 18:21 / 1 x geändert



SatzCollage: Der Alte ist tot. Beginn einer Kriminalerzählung

Wer die Kunst um ihrer selbst willen liebt, stellt oft fest, dass ihm die größte Freude aus ihren unwichtigsten und niedrigsten Ausprägungen erwächst. Zwar lässt sich damit weder Gewinn noch Ruhm ernten, aber dennoch drängt es einen, die Sache in Ordnung zu bringen. Die schrecklichsten menschlichen Tragödien spielen sich jedoch oft in den Fällen ab, die mir die geringsten Möglichkeiten zu persönlichem Eingreifen boten, und einen davon möchte ich nun darlegen. In meinem Notizbuch finde ich vermerkt, dass es ein trüber und windiger Morgen im März des Jahres 1892 war.
No. 175 war eins von einer Reihe flachbrüstiger, ehrbarer und überaus unromantischer Häuser und wahrscheinlich hätte ich es gar nicht gefunden, wenn ich nicht einen Mann gefragt hätte, der rauchend auf der Straße herumstand. Lestrade erwartete mich bereits an der Tür.
»Es tut mir leid, dass ich Sie so früh aus dem Bett hole. Aber es gibt heute morgen schlechte Neuigkeiten«, bemerkte er.
»Ich habe noch nichts gehört«, erwiderte ich.
»Dann kommen Sie nach oben und sehen Sie selbst.«
Wir stiegen die Treppe hinauf und warfen einen Blick auf die Leiche. Der Schädel des Mannes war durch einen von hinten geführten Schlag mit einem Schürhaken zerschmettert worden. Sein Kopf war grässlich verwundet, und der ganze Raum zeugte von der wilden Wucht des Schlages, der ihn niedergestreckt hatte.
»Ich nehme an, Sie wissen, wen Sie da haben?«
»Er ist, soviel ich weiß, eine anerkannte Autorität für chinesische Keramik und hat darüber bereits ein Buch geschrieben.«
»Ach ja?« Ich warf den Schürhaken scheppernd zu Boden. – »Und wie lange ist diese Sauerei her?« »Nun, das kann ich Ihnen auch nicht sagen.« Der Kamin brannte noch gut, das Zimmer wurde davon erleuchtet: Ein Bett, ein kleines Holzregal voller Bücher, ein Armsessel neben dem Bett, ein einfacher Holzstuhl an der Wand, ein runder Tisch und ein großer eiserner Geldschrank waren die wichtigsten Dinge, die uns ins Auge fielen. »Wie auch immer, das lässt sich ermitteln.« Ich untersuchte bereits den Inhalt des Safes, von dem das meiste herausgenommen und auf dem Tisch liegengelassen worden war.
»Nun, ich fürchte, ich kann Ihnen nicht helfen, Lestrade«, sagte ich. »Aber da ich nun schon einmal hier bin, gibt es einen Punkt, über den ich mir gern Klarheit verschaffen würde. Haben Sie sich diese Papiere auf dem Tisch angesehen?«
»Ich hatte noch keine Zeit –« Plötzlich kam ein grauhaariger Mann auf den Treppenabsatz herausgestürzt. Er bedachte uns mit einem kurzen Seitenblick aus seinen dunklen Augen und wäre an uns vorbeigegangen, hätte ihn Lestrade nicht aufgehalten. »Bleiben Sie, wo Sie sind. Ich hätte ein, zwei Fragen, die ich Ihnen gerne stellen würde. Kennen Sie ihn?«
Er zuckte mit den Achseln. »Er war ein ungewöhnlicher Mann, heftig und reizbar, unflätig in der Sprache, wenn er in Wut geraten war, und im übrigen sehr eigenbrötlerisch. Der Mann war Quartalssäufer, und wenn er seinen Anfall hatte, war er der reinste Satan. Ich habe ihn gehasst für die Art, wie er seine Frau behandelt hat. Und wenn ich ihm den Schädel eingeschlagen hätte, was eigentlich bisweilen mein Wunsch war, dann hätte er von meiner Hand nicht mehr als den ihm gebührenden Lohn empfangen.«
»Tatsächlich?« Lestrade blickte in sein Notizbuch. »Wo ist sie jetzt?«
»Ich weiß es nicht.«
»Ach wirklich? – Hiermit verhafte ich Sie unter dem Verdacht des Mordes an einem gewissen James Smith«, schloss Lestrade.
»Sie sind verrückt!« rief er.
»Wir werden ja sehen!« Eine Minute später standen wir wieder auf der Straße.
»Ich denke, Sie benötigen doch ein wenig inoffizielle Hilfe. Hier sind die Papiere, Lestrade.«
»Könnten Sie nicht etwas konkreter werden?«
»Nun, Lestrade, was halten Sie davon: Es wäre vielleicht wichtig, etwas über den Mann zu erfahren, mit dem unser Professor eine geheime Korrespondenz unterhält. Verstehen Sie – wichtig, ohne interessant zu sein.« Es handelte sich um einige Briefe und Notizbücher, die Lestrade nun durchblätterte und mit flinken Fingern und huschendem Blick untersuchte. »Wieviel wissen Sie?« fragte er schließlich, ohne den Kopf zu heben. »Gibt es noch irgendeinen anderen Umstand, auf den Sie meine Aufmerksamkeit lenken möchten?«
»Neben den offensichtlichen Tatsachen, dass er Freimaurer ist, dass er in China war und dass er in der letzten Zeit sehr viel geschrieben hat, kann ich nichts deduzieren.« Vom Fenster in unserem Rücken schien ein unbestimmtes Geräusch zu kommen. »Die Fenster sind alle dunkel«, bemerkte der Inspektor.
»Pah! Sie kennen meine Methoden in derartigen Fällen, Lestrade: Ich werde mir trotzdem Zutritt verschaffen und nachsehen, wer sich in dem Haus befindet. Wenn nötig.« 


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Doyle, Sir Arthur Conan: Sherlock Holmes. Sämtliche Romane und Erzählungen.
Digitale Bibliothek 129. Berlin: Directmedia Publishing GmbH, 2005. - - vgl. Anhang
[pdf] sherlock

 

      Gretchen



zu werbezwecken?

   19.10.2009, 19:18



naja, Samsa, auf den ersten blick (und ich für mein teil werd wohl keinen zweiten riskieren) würd ich mal ganz subjektiv sagen, dass es

A) ne fleißarbeit ist, die man sich machen kann, wenn man will, statt sudoku; dass aber

B) in dem so mühsam zusammengebastelten text nix an spannung, fluss, sprachzauber oder sonstwas drin ist, was mich hier bei der sache halten könnte, und dass ich

C) im zweifelsfall, wenn ich lust auf oder bedarf nach sonn'ne(r) art von lektüre hätt, lieber den alten Sir Arthur persönlich läse im ohriginall. joa ...


g.-grüße




die pe-enns in meiner box les ich später, bitte entschuldigt, aber hier taucht grade ne kleine störung auf neben dem schirm, neben mir, und ich muss wech ...

 

      Samsa²



zu werbezwecken?

   19.10.2009, 19:40



Nun, ich muss zugeben, dass es mir Spaß gemacht hat, Doyle zu lesen (übrigens nicht am Bildschirm) und eine kleine Collage zu basteln.

Ausgangspunkt war das Buch "Ausgelesen" von Akbari und Mayer (2001), die ähnliches gemacht haben. Über den Sinn, die Arbeit an sich oder den Erfolg kann man natürlich streiten.

Warum heißt dein Topic aber "zu werbezwecken?" Das verstehe ich nicht.

 

      zuppanova



Warum so ablehnend, Greta?

   19.10.2009, 20:00



Das ist doch ein durchaus bemerkenswertes und ganz respaktables Unterfangen, was Du, Samsa da begonnen hast, und ich fände es allemal interessant zu erfahren, ob die Geschichte auf diese Art und Weise einer Bricolage zu Ende geführt werden kann, werden wird, oder ob es beim Beginn bleiben wird, weil es halt doch zu schwer ist, zu schwierig. Ja, das wär mein POI, ob es ein Fragment bleibt oder ob es zur Abrundung kommt, zu einer fertigen, schlüssigen Krimi-Story - da würd ich dann wirklich sagen: Chapeau!

Doyle zu lesen finde ich übrigens auch angenehm; die manchmal (für unsere Begriffe) etwas umständlichen, aber wohlgebildeten, differenzierten Sätze, die ausgewogene, ruhige Sprache, die ich als Signum einer klaren, regen Gedankenwelt sehe - ja, da möcht ich schon manchmal manchem Zeitgenossen empfehlen, Sherlock-Holmes-Geschichten zu lesen ...

Liebe Grüße, zuppa

 

      Samsa²



Warum so ablehnend, Greta?

   19.10.2009, 20:12



Wenn ich jede Geschichte der Doyle-Digitalen Bibliothek gelesen (und keine vergessen) habe, dann ist an dieser Stelle der Geschichte Schluß. 64 Geschichten = 64 Sätze inklusive Titel. Ich müsste erst die CD in der Bibliothek ausleihen, um noch einmal nachzuzählen ...

 

      Gretchen



was? das iss schon alles?

   19.10.2009, 22:20



hmm. das ist aber wirklich mager, manno. nur der beginn von was, das ist doch ... also, ne ---
da möcht ich dir direkt raten, mal bei sonn'ner VHS-station in golgostan eine autorenzuführungseinführung zu machen - obwohl: weiß gar nicht, ob die da nichteinheimische überhaupt je zulassen ...

>> Wenn ich jede Geschichte der Doyle-Digitalen Bibliothek gelesen (und keine vergessen) habe, dann ist an dieser Stelle der Geschichte Schluß. 64 Geschichten = 64 Sätze inklusive Titel. <<

hättest doch aus jeder geschichte zwei oder drei oder x sätze nehmen können. oder satz-fragmente oder einzelne worte und dann den doyle-style imitierend was fertiges schreiben, jaha, das wär nen POI, aberhallo.
naja.
egal.



die pe-enns in meiner box les ich später, bitte entschuldigt, aber hier spukt immer noch diese kleine störung rum neben mir, so dass ich nur ganz kurz ...




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