zuflucht: weiß · gregor libkowsky · ·


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      gregor libkowsky



zuflucht: weiß

   14.10.2009, 20:42



im blick von gestern noch
saugt mir der himmel bitternis
bis in die finger spitzelt
die zeit gefriergeschwitzt
ahnungen und demnächst ein name
stirnwärts den schlafräubern
ins gefieder gehaucht
doch kein bleib
im beschnittenen wind
nur leises aufbegehren
trage ich schwer
mein weiß
ins leere heute

 

      Lyriker



zuflucht: weiß

   19.06.2010, 16:02



Ins Weiße hinein - wohl ein Sinnbild für Leere - ist das Lyrische Ich hier gerutscht; es ist selbst weiß. Überall türmen sich Belege für die Einsamkeit und die Verzweiflung, in der es lebt. Der Himmel, der bedrohlich wirkt, und die Zeit, die "gefrorene", die kaum vergehen will. Selbst der Schlaf ist nicht mehr erholsam.
Auch das "Aufbegehren" gegen den vorherrschenden Zustand ist nur sehr minimal. Nur eine Ahnung davon, was das Lyrische Ich wirklich verändern könnte. Im Hier und Jetzt bleibt deshalb nur die Einsamkeit, der blanke Raum.
Schwieriges Gedicht. Aber es gefällt mir, da es intuitiv etwas in mir anspricht, was ich aber nicht so genau benennen kann.

 

      Dantow



zuflucht: weiß

   03.11.2010, 14:48



Zitat:

Ins Weiße hinein - wohl ein Sinnbild für Leere - ist das Lyrische Ich hier gerutscht; es ist selbst weiß. Überall türmen sich Belege für die Einsamkeit und die Verzweiflung, in der es lebt. Der Himmel, der bedrohlich wirkt, und die Zeit, die "gefrorene", die kaum vergehen will. Selbst der Schlaf ist nicht mehr erholsam.
Auch das "Aufbegehren" gegen den vorherrschenden Zustand ist nur sehr minimal. Nur eine Ahnung davon, was das Lyrische Ich wirklich verändern könnte. Im Hier und Jetzt bleibt deshalb nur die Einsamkeit, der blanke Raum.
Schwieriges Gedicht. Aber es gefällt mir, da es intuitiv etwas in mir anspricht, was ich aber nicht so genau benennen kann.


Vielmehr kann man da eigentlich nicht zu sagen. Ich finde es aber sehr gelungen!

 

      augustine



wer weiß wann was?

   04.11.2010, 00:08



Zitat:
Schwieriges Gedicht. Aber es gefällt mir, da es intuitiv etwas in mir anspricht, was ich aber nicht so genau benennen kann.
Zitat:
Vielmehr kann man da eigentlich nicht zu sagen. Ich finde es aber sehr gelungen!
Ist jetzt das der neue Kommentarstil?Es geht auch, erstmal abzuwarten, was einem bei weiterem Lesen noch einfiele. Dass dies Gedicht es wert ist, das mehrmals Gelesenwerden, DAS immerhin teilt sich wirklich sofort mit. Da kann man etwas Zeit und Mühe wohl anwenden. augustine

 

      augustine



zuflucht: weiß

   06.11.2010, 15:36 / 2 x geändert



Noch mehrmals gelesen, wie vorgestern 'versprochen', habe ich: aber ohne 'belastbare' Ergebnisse.

In die Kopie hier setze ich versuchsweise vielleicht verständnisbringende Satzzeichen:

im blick von gestern: noch
saugt mir der himmel bitternis.
bis in die finger spitzelt
die zeit, gefriergeschwitzt:[siz
e=14] ein name[/size]
stirnwärts den schlafräubern
ins gefieder gehaucht.
doch kein bleib
im beschnittenen wind.
nur leises aufbegehren
trage ich schwer:
mein weiß
ins leere heute

Nicht dass das viel hülfe. Denn wollte man (ich wollte) mit Satzzeichen Sinnabschnitte finden, gibt's noch x andere Möglichkeiten. Die Anschauung, nach der ich zuerst immer suche, finde ich nirgendwo durchgängig.
"aus den Fingern saugen": die Redensart wird hier umspielt und ins Gegenteil verkehrt, aber es wird zugleich 'gesaugt' und 'gespitzelt'
wer "spitzelt"? nicht bloß ein möglicher Gegensatz zu saugen, sondern wohl auch: Spitzeldienste leisten
"gefriergeschwitzt" - das war die Wortbildung, die mich überhaupt zu einer Beschäftigung mit dem Text angestachelt hat -: etwas, was es nicht geben kann
vielleicht geht's um die Zeit, deren Unumkehrbarkeit wir alle unterliegen, die wir aber nicht verstehen können, nicht wirklich:
"doch kein bleib": das wäre dann wieder ein GL-Markierung der nicht bleibenden Zeit in der Textur
auch der Wind, beschnitten, bleibt nicht - Wind, Hauch, ruach, Geist...?
ein "leises aufbegehren" ist das Gedicht; es ist nur 'leise', aber trotzdem trägt das Ich schwer daran
"mein weiß" - vielleicht sogar: mein Wissen, das eben kein Wissen ist/sein kann; deshalb ist/wäre das "heute" 'leer' - wie jedes Heute


Sagen kann ich also nur: Widersprüche, gewollte sicher, konstituieren den Text. Und: es geht wohl um Zeiterfahrung.

Doch, das Schreibenwollen hilft zu einem Verstehen. Das muss ja nicht das vom Autor gemeinte sein.
Eine Frage ist aber auch: wieviel Hermetik 'darf' ein Autor Lesern zumuten, damit sie überhaupt anfangen zu lesen?

Grüße von augustine

siehe aber auch dort: http://www.literature-online.de/thread.p...14994#post14994




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