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kirmesbollo
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Nimm deine Zeit und trag sie fort,
wohin es dir gefällt.
Dann versteck dich mit ihr dort,
nimm deine Zeit und trag sie fort,
weil sie da länger hält.
Die Stunden sonnen sich am Meer,
sie bräunen sich den Bauch.
Vergessen ist der Stadtverkehr,
die Stunden sonnen sich am Meer,
und du bräunst deinen auch.
Nenn keinen Preis für deine Zeit,
sonst zücken sie Papier.
Dann kommst du nicht mehr allzu weit,
nenn keinen Preis für deine Zeit,
sonst bleibst du immer hier.
(Dem Herrn Kästner zugeeignet)

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ruelfig
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Bollissimo,
bevor das hier unter den Sand kommt: ich mag es. Ich mag es sehr. Eine beschwingte Melancholik und ich mag die Form und diesen leisen Aufforderungscharakter (hier duzt der Dichter sich noch selbst).
Rein technisch könnte man sich, wenn man wollte, ein kleines Problem machen: da "Stadtverkehr" das letzte Nomen ist würde sich "und du bräunst deinen auch" eigentlich darauf beziehen. Ich mach das nicht, nur so ein kleiner, blöder Deutschlehrerteufel im Hintergrund spricht so, wir hatten ja noch echt autoritäre, alte Knacker als Lehrer, die uns in den Aufstand gezwungen aber das ist eine andere Geschichte.
Ich liebe dieses Dingens, es ist menschlich.
Liebe Grüße,
R

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Gretchen
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15.10.2009, 01:30 / 1 x geändert
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Hei, Kumpaneros,
mir gefällt das auch.
Das technische Problem, von dem ruelfig spricht, ja, das könnte man sich machen, muss man aber nicht. Sollte alles genau so stehen bleiben wie es ist, wirkt hier - finde ich - wie ein geschickt ins Gedichtgetriebe eingestreutes Sandkörnchen (golgochisch?), gekonnt und absichtsvoll platziert, ein kleiner Schubs für den Leser, Pfiff, Wink, durch die anderen Wiederholungen zu gut vorbereitet als dass Bezugsunklarheiten wirklich entstehen könnten.
Besser kann ich's nicht erklären.
Ist eben Bollo-Style.
Nacht schichtend: Gretchen

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zuppanova
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hola kirmesbollo,
zu dem hier wollt ich längst gesagt haben, dass ich es gut finde, so wie es ist.
leicht fließend, etwas wehmütig oder sehnsüchtig, aber nicht zu viel, nicht zu schwer,
ein beiläufiger aufruf, gelegentlich die zeit auszuschalten (bevor sie "uns" ausschaltet).
besonders das paket numero zwo ("Die Stunden sonnen sich am Meer, / sie bräunen sich den Bauch ...")
finde ich schön bebildert. ohne die zueignung, die unten dabei steht, hätte ich vllt. vor allem an "Momo"
gedacht, an die "grauen Herren". hattest du bei der zueignung was bestimmtes von Herrn Kästner im sinn?
lg, zuppa
hier ist ja eine schleimspur im faden.
oder bilde ich mir das nur ein?

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kirmesbollo²
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20.11.2009, 09:52 / 1 x geändert
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Ola zusammen,
erstmal Dank für Lesen & Schreiben. Das „technische Problem“ hab ich überhaupt nicht als solches wahrgenommen, für mich stellt sich der richtige Bezug des gebräunten Bauches beim Lesen von ganz allein her. Ich hatte einfach nur die Lohnarbeit im Sinn und den Preis der Zeit. Früher, als es die feinen golgochischen Sanduhren noch gab – ja, da war die Zeit noch was wert, mit dem kostbaren Sand Golgostans. Heuer geht einer über 40 Stunden rabotti machen und muss mit Billo-Tabak seine Kippen selber stopfen. An Flucht ins Karibische ist da nicht zu denken. Schön, dass Du fragst zuppa, da kann ich nämlich mal auf die Kästnersche Inspirationsquelle verweisen, die mir mit ihrem Sound so gut gefallen hat, das ist so mhhh… „salbungsvoll“, oder feierlich vielleicht. Hier liest auch der Meister selbst, dass es eine Freude ist (unterm Text zum Hören): Hier draufdrücken!
Beste Grüße vom bollo

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guitarist
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hi,
ich bin neu hier und hoffe, dass ihr mich freundlich annimmt.....
Lieber Gruss an alle

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augustine
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01.12.2009, 17:36 / 1 x geändert
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"dass ihr mich freundlich annimmt" - guitaristin, du hast da leider gleich zwei Problemchen erzeugt:
1) eine solche Bemerkung gehört nicht in einen Faden, in dem es um einen Text geht, zu dem du gar nichts sagst
2) richtig ist: "dass ihr mich freundlich annehmt" - sorry, aber ein einziger Satz und darin ein Fehler, das ist keine Empfehlung
(3) einen Vorstellungsfaden findest du in der Forenliste
mit dennoch freundlichem Gruß
augustine

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ruelfig
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Hallo guitarist,
bestimmt wirst du hier jemanden finden, der sich deiner annimmst. Nun hast du deine Begrüßung gestartet in einem Faden, dessen Titel deinem Anliegen undienlich ist. Vielleicht bist du ja schwer von Sehen und darfst darum nicht verärgert sein. Ich freue mich auf Text von dich,
R

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augustine
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03.12.2009, 15:59 / 1 x geändert
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Hab' mich zu einem Zwischenruf veranlasst gesehen, als ich eigentlich zu deinem Gedicht was sagen wollte,
bollo,
nämlich dass es mir auch gefällt mit seinem Bänkelsängerton, den ich darin höre. (Kann's nicht jemand wirklich vertonen und singen?)
Dann hab' ich mir den Kästner-Referenz-Text angehört - und war ganz erschrocken. Das klingt ja, wie NS-Wochenschau-Sprecher gesprochen haben und Nachkriegswochenschausprecher auch noch. Grauslich!
lg augustine
Darf ich mir einen Hinweis auf Eigenes zur Zeit erlauben?

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Bert Föner
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Hallo kirmesbollo,
das Gedicht spricht mich an! Sehr, sehr gelungen umgesetzte Thematik.
Das technische Problem, das ruelfig hier sieht, sehe ich allerdings auch, aber unter einem anderen Blickwinkel. Wenn ich autor*****s kurze Interpretation in Betracht ziehe, der ich übrigens sehr zuneige, Stichwort Entschleunigung, ergibt sich durch die Ellipse "und du bräunst deinen auch." eine Beschleunigung des Textes. Form und Inhalt verhalten sich an der Stelle dann nicht mehr koheränt. Man könnte sich dann Fragen, ob das Konzept der Entschleunigung durch diesen formal-inhaltliche Diskrepanz nicht sogar in Frage gestellt wird. Und dann wäre die Interpreation eine ganz andere als die der Entschleunigung oder des Zeithabens, dann wäre die Unmöglichkeit der Entschleunigung oder des Zeithabens die konsequente Lesart Deines Gedichtes.
Viele Grüße von Bert

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Gretchen
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05.12.2009, 17:53 / 1 x geändert
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| Zitat: |
| ... ergibt sich durch die Ellipse "und du bräunst deinen auch." eine Beschleunigung des Textes. Form und Inhalt verhalten sich an der Stelle dann nicht mehr koheränt. Man könnte sich dann Fragen, ob das Konzept der Entschleunigung durch diesen formal-inhaltliche Diskrepanz nicht sogar in Frage gestellt wird. Und dann wäre die Interpreation eine ganz andere als die der Entschleunigung oder des Zeithabens, dann wäre die Unmöglichkeit der Entschleunigung oder des Zeithabens die konsequente Lesart Deines Gedichtes. |
joa, genau darum geht es, das hast du schön beobachtet und dargelegt, Bert Föner. das ist, was ich mit "sandkorn im gedichtgetriebe" meinte (-> formaler kniff). ineinanderverflochten sind u.a. der wunsch nach -, der aufruf zum -, die unmöglichkeit des "bauchbräunen[s]" (bauchbräunen mal als zentrales bild genommen für das, was man als "entschleunigung" bezeichnen könnte), das schangschiert und schafft freiraum im text, so dass leser/in sich aussuchen kann, auf welcher ebene er/sie landen möchte. ist wohl eine der zutaten, die dem text diesen scharm verleihen.
ganz allgemein gesprochen, kommt es ja wohl nicht nur lyrischen texten stets zugute, wenn "form" und "inhalt" sich zuarbeiten, woll. und manchmal arbeiten die sich zu, indem sie auseinanderlaufen. oder so tun, als liefen sie auseinander.

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