friedlosigkeit, allzeit · augustine · ·


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      augustine



friedlosigkeit, allzeit

   19.09.2009, 01:24 / 6 x geändert



versiegelt: tongeritzte kriegsziele
verraten
außer landes gebracht als lastende fracht
vergraben
vergessen

gefunden
entziffert
linien sinnlos erkriegter siege
siegreiche götterfiguren gepriesen
besiegte verhöhnt zerschlagen

vernunft aussichtslos
einst und einst
friedfertigkeit enthält sie nicht
die genetische disposition
von homo sapiens sapiens


Das hier ist sozusagen ein Selbstzitat und war eine Art von Selbstversuch: eine Antwort in einem Kommentar, von der ich dachte, sie sei mit dem Kommentar untergegangen. (Ich suchte einen anderen Kommentar von mir, den ich aber nicht mehr finde; kann aber auch sein, der stand gar nicht hier. - )
Das folgende mal gleich jetzt, weil ich's sonst wohl verschweigen müsste, denn es nach Kommentaren zu bekennen, wär' vielleicht unfair: dieser Text ist ein wenig zufallsgeneriert; ich habe einfach aufgeschrieben die ersten sechs oder sieben Wörter, die mir einfielen und dann was draus zu machen versucht.
'Darf' man das?

Neugierige Grüße von augustine

 

      augustine²



friedlosigkeit, allzeit

   02.11.2009, 13:32



Natürlich konnte dieser Text unkommentiert in den Keller fahren.
Aber auf den hier möchte ich unbedingt aufmerksam machen.
augustine

 

      gregor libkowsky



friedlosigkeit, allzeit

   03.11.2009, 11:04 / 1 x geändert



hallo augustine,
dein text scheint dir im zusammenhang mit deiner erklärung und der darin enthaltenen frage wichtig zu sein. ich muss dir gestehen, ein wenig rätsele ich, ob deiner frage "darf man das?".
ich denke, der zugang zum projekt gedicht ist bei jedem unterschiedlich geprägt, hat der/die eine den titel schon im sinn, schwebt einem anderen nur grob das ihm wichtige thema durch den kopf und wieder ein anderer trägt eine zeile, ein wort mit sich, welches ihm sehr wichtig und drängend wird.
hier also ein selbstversuch, wie du schreibst. ich gehe davon aus, dass dies nicht deine ansonsten präferierte annäherung ans schreiben darstellt. warum also? wahrscheinlich aus lust an der laune. in anderen foren laufen gedichtwettbewerbe mit wortvorgabe bzw. themenvorgabe. das ist letztendlich das gleiche prinzip.
sich mit sechs oder sieben wörtern einzuengen, wie du in der erklärung schreibst, wird da schon etwas schwieriger.
aber egal, man kann alles machen. doch eigentlich interessiert den leser nicht die herangehensweise des/der autors/autorin, sein kriterium ist und bleibt das fertige werk.

einige gedanken zum gedicht selbst:

der titel kommt in form einer feststellung daher und ich lese dabei mindestens zehn unsichtbare ausrufezeichen. so bildet der titel die quintessenz des gedichtes. das ist sehr unglücklich, zumal die dritte strophe noch einmal den titel erklärt. da bleibt kein zweifel, kein staunen. eine pure festellung: der mensch an sich kann nicht auf dauer friedfertig sein. kein bild, keine verdichtung, kein lyrisches stilmittel, das macht das ganze recht langweilig. diese aussage ist bekannt, mag auch streitbar sein, aber ich fühle mich dabei nicht angesprochen.

die beiden ersten strophen vermitteln einen schnellflug durch die kriegerische menschheitsgeschichte. auf die sinnlosigkeit des krieges und die rolle der religion wird kurz bezug genommen. das sind deutliche aussagen, wo keiner widersprechen mag. und das ist der kritikpunkt: aussagen und feststellungen, lese ich hier.
die erste strophe kommt auf grund des doppelpunktes strukturierter daher als die zweite, vielleicht auch, weil man wegen der partizipienhäufung eine ähnliche struktur in der zweiten strophe erwarten möchte, dies aber nicht der fall ist. so wird die masse der verwendeten partizipien zum störfaktor.

ich gehe mal davon aus, dass du mit sicherheit hier kein großes lob erwartet hast, denn deine drängendste frage war ja doch, ob die von dir gewählte herangehensweise legitim sein. ich denke, der erfolg rechtfertigt die mittel.

liebe grüße, gregor

 

      augustine²



friedlosigkeit, allzeit

   03.11.2009, 15:28



Danke, Gregor. Meine Frage war eigentlich die nach - so etwa - Aufrichtigkeit beim lyrischen Schreiben.
Ich weiß aber, wie Gedichte entstehen (können).
Dieser Text war geschrieben nur als Antwort in einem Zorn , den ich damit zu bändigen suchte; war an eine jemandin gerichtet, die glaubte, zu allem was sagen zu können. Daher die sieben Worte, die mir nacheinander einfielen, verknüpft und ja immerhin ein Thema daraus gefunden. Der Selbstversuch hatte eben das mich erschreckende Ergebnis: irgendwas machen kannst du aus allem, irgendeine Betroffenheitslyrik z. B. absondern.
Aber auf den ZEIT-Artikel wollte ich aufmerksam machen, der das damals in meinem Kopf Assoziierte so schrecklich bestätigt.
Gruß augustine

 

      gregor libkowsky



friedlosigkeit, allzeit

   03.11.2009, 22:45



na ja, augustine, dann fehlte mir trotz deiner ersten erklärung ein gefühl für das setting, aus welchem das gedicht entstand, und was dich im umfeld beschäftigte. nach deiner antwort wird es deutlicher. klar weißt du, wie gedichte entstehen können, ich wollte nicht belehrend daherkommen.

lg gregor

 

      augustine²



friedlosigkeit, allzeit

   04.11.2009, 00:00



Hab' mich sogar mal im Gedicht mit dem Gedicht-Schreiben befasst, wie's gehen kann, aber nicht muss: hier. Sei erlaubt, darauf bei dieser Gelegenheit nochmal hinzuweisen.

Das geplante Zufallsgenerieren von Gedichten in manchen Foren finde ich übrigens grauenerregend. Aber das ist nun so.
Grüße von augustine




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