Hab beim abendlichen online-Rumlesen einen SPIEGEL-Artikel zu mir genommen, den ich so infohalber mal hier reinbringen möchte (Link). Liest sich schnell, es geht um Zuschussverlage, die "mit vollmundiger Werbung" (Möchtegern-)Autoren ködern.
Offenbar sind viele Leute bereit, ordentlich für den Druck ihrer Werke zu löhnen.
feinfein, dass du das vid reingebracht hast. datt iss ja eigentlich "das gelbe" von den ganzn attikkell ("vergiss die zuschussverlage, ist doch sowieso jedem klar, was da abgeht"), weil er eine bestimmte sorte von gehypten büchern bzw. autoren parodiert, persifliert, demontiert.
sollte beutlich sich entschließen, gegen schlämmer anzutreten: ich würd direkt für ersteren voten ...
Pfiffiges Geschäftskonzept: Die Bibliothek deutscher Gedichte (Link) stellt Lyrikanthologien zusammen, die sie den für die Anthologie jeweils "ausgewählten" Autoren zum Kauf anbietet.
Wenn von nicht ganz 4000 stolzgeschwellten Möchtegernautoren, die sich in solch einem über 1000 Seiten dicken Anthologieband schließlich tummeln, auch nur die Hälfte ein einziges Exemplar erwirbt ("Vorzugspreis": schlappe 45,- Kröten), um ihn der Mamma zu schenken (und die Omma? kriegt die keinen?) kleckert sich das, und alle sind richtig glücklich - die Auserwählten, die sich endlich gedruckt sehen und sich als "gute" Lyriker fühlen dürfen, ebenso wie die BdG-Macher, die sich z.B. durch die Erstellung von "Gutachten" zu den eingereichten Texten und über Schreiblehrgänge ("Entdecken Sie die facettenreiche Welt der Lyrik – mit dem staatlich zugelassenen Fernstudium Das lyrische Schreiben. Unter individueller Anleitung schulen Sie in diesem einjährigen Lehrgang ihr dichterisches Talent. ...") weitere Abzockmöglichkeiten erschließen.
Neben der "Bilbiothek deutschsprachiger Gedichte" gibt es auch noch die "Frankfurter Bibliothek" der Bretano-Gesellschaft, die ein ganz ähnliches Geschäftskonzept verfolgt.
Immer werden die Autoren nicht etwa mit der Aufnahme in einen Gedichtband geködert, sondern mit der Teilnahme an einem Lyrik-Wettbewerb, bei dem ein verlockendes Preisgeld winkt.
Offensichtlich muss man vorsichtig sein mit dem, was man über das Treiben dieser Vereine berichtet, denn sie scheinen sehr klagefreudig zu sein:
P.S.: Google-Anzeigen sind schon witzig. Da ist ein Artikel, der sich kritisch mit diesen Druckkostenzuschussverlägen auseinandersetzt - und direkt drunter die Anzeige: "Verlag sucht Autoren!"
Wenn von nicht ganz 4000 stolzgeschwellten Möchtegernautoren, die sich in solch einem über 1000 Seiten dicken Anthologieband schließlich tummeln, auch nur die Hälfte ein einziges Exemplar erwirbt ("Vorzugspreis": schlappe 45,- Kröten), um ihn der Mamma zu schenken (und die Omma? kriegt die keinen?) kleckert sich das ...
Ja, allerdings glaube ich, dass noch weitaus mehr Leute das Teil kaufen. Ich meine, wer schon so verpeilt-narzisstisch drauf ist, dass er sein "Werk" und seinen "guten Namen" voller Freude und Dankbarkeit hergibt, nur um zusammen mit anderen grottigen Peinlichkeiten in einen Topf geworfen zu werden, der setzt sicher noch einen drauf und kauft die Anthologie - und wahrscheinlich noch doppelt und dreifach: zum Herzeigen, Protzen und Verschenken.
Ja, allerdings glaube ich, dass noch weitaus mehr Leute das Teil kaufen. Ich meine, wer schon so verpeilt-narzisstisch drauf ist, dass er sein "Werk" und seinen "guten Namen" voller Freude und Dankbarkeit hergibt, nur um zusammen mit anderen grottigen Peinlichkeiten in einen Topf geworfen zu werden, der setzt sicher noch einen drauf und kauft die Anthologie - und wahrscheinlich noch doppelt und dreifach: zum Herzeigen, Protzen und Verschenken.
aswad, das glaube ich auch! Und gugg, -> hier (Link) - es gibt Wiederholungstäter, also solche, die den Kick immer wieder brauchen.
Dankeschön auch an Städter und SimonLore für Beiträge + Links.
Hallo Gretchen!
Vielen Dank für den Text und den Hinweis auf den Spiegelartikel. Es wäre sehr verwunderlich, wenn bei solchen Verlagen ein anderes Ergebnis herausgekommen wäre, allerdings, dass auch soviel Blödsinn problemlos angenommen wird, wenn man nur zahlt, stimmt doch etwas traurig. Traurig deswegen, weil man auf diese Weise wohl nicht dahin kommlt, wo man gerne sein möchte. Als Vertreter der älteren Generation, für den Bücher und Zeitschriften immer noch das Publikationsmittel für Literatur sind, muss man wohl allen Mut und alle Hoffnung sinken lassen, jemals im Leben mit einem eigenen Buch auf den Markt zu kommen. Es gibt solche Unmassen an Büchern, solch hohe Hürden, solch hohe Kosten - nein, man sollte das realistischerweise vergessen, obwohl man ja von der Qualität und Einmaligkeit seiner Werke überzeugt sein muss, um sich überhaupt solche Gedanken zu machen. Und nun ist, zwar wirklich nicht verwunderlich, aber dennoch frustrierend, auch der Weg "Verlag sucht Autor" großer Quatsch. Bleiben noch zwei Dinge, das eine sich ein schönes Fotobuch mit eigenen Texten selber machen und 5 Exemplare für die Verwandtschaft bestellen oder eben das Medium Internet nutzen, wie auch immer.
Man kann solche Pläne natürlich auch ganz lassen und sich in das Unvermeidliche fügen, aber dann gibt man leichtfertig eine schöne Illusion auf. Und Illlusionen sollte man sich bewahren, die halten einen über Wasser.
hab' selber keine Erfahrung damit, aber je nach Umständen ist vllt. P(rint) O(n) D(emand) (Link) eine Alternative. Wenn man z.B. bestimmte Texte schön zusammengestellt haben möchte, um sie einem speziellen LeserInnenkreis zugänglich zu machen.
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Zitat:
Und Illlusionen sollte man sich bewahren, die halten einen über Wasser.
Ja, klar, jede/r braucht seinen Traum und soll ihn haben, okeeh.
Dennoch dürfte es wohl kritisch werden mit den Illusionen, sobald jemand von den Mitmenschen erwartet, sie müssten seine/ihre traumhaften Vorstellungen (z.B. die von der Grandiosität der eigenen Schreibprozessendprodukte) ganz selbstverständlich und ohne Widerspruch und ausnahmslos teilen.
Auch mag es etwas bedenklich sein, wenn beim Illusionsquotienten der Nenner größer ist als der Zähler; also, dann sollte man vielleicht mal überlegen, welche von den Illusiönchen man entsorgt, um den Bruch wieder in die Balance zu bringen; um zu verhindern, dass das ganze Leben nur noch aus Sich-was-in-die-Tasche-lügen besteht.
Anders gesagt: Besser hin und wieder ehrlich absaufen als ein Leben lang auf dem Trockenen rudern und sich und anderen einreden wollen, man schwimme im Meer. - Naja, vllt. nicht so knackig ausgedrückt jetzt, aber ich hoffe, Du verstehst, was ich meine - und soll keine Spitze sein oder Bösartigkeit, nur so eine Anmerkung, kleine Relativierung des Illusionenbewahr-Statements ...
Kleiner Nachtrag an dieser Stelle: Dank den Google-Anzeigen haben wir nun auch auf Lit-On regelmäßig Werbung für besagte Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Verlage. Die Maßnahme, Google-Ads hier einzustellen, steht außer Kritik und ist absolut nachvollziehbar. Leider jedoch hat der Admin keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Google-Anzeigen, die kontextabhängig sind.
Darum also noch einmal der Hinweis: Die dort angebotenen "Gedichtwettbewerbe" sind Lockfallen für Druckkosten-Zuschuss-Verlage. Ein Verlag, der "Autoren sucht", verdient kein Vertrauen.
Dank den Google-Anzeigen haben wir nun auch auf Lit-On regelmäßig Werbung für besagte Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Verlage.
Yes, über diese kleine Pikanterie musst' ich auch schon smilen.
Hätte übrigens nix dagegen, wenn der @minz die google-Dinger auf der linken Seite total wieder wegnähme (woandershintun?), so dass da zur Link'n nur die Forennavigation wär' und Online und die 20 aktuellen Themen und sonstgarnix ...