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Gretchen
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27.08.2009, 01:47 / 2 x geändert
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Andichtung
Was ist der Mensch?
Was ist der Mensch? Ein Schieber, Schlachter, Schläger,
ein Kapitalverbrecher, eine arme Sau,
ein dummes Huhn, ein schlauer Fuchs, ein eitler Pfau.
Der Mensch ist Aktenkoffer-, Brillen- und Krawattenträger,
ein mürbes Krückenwesen, das halb blind durch's Leben kriecht.
Mensch? - Eine Krankheit, Pest und Pein.
Mensch! - Das Geschwür, an dem die Schöpfung siecht.
Mensch ist ein müder Gott, ein nacktes Kind, ein Mann und eine Frau,
Gespenst, Kadaver. Mensch auch: sehr allein.
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Dies ist entstanden im Zusammenhang mit einer Diskussion in einem anderen Faden (Link)
und bezieht sich auf folgendes Gedicht von Erich Mühsam:
Was ist der Mensch?
Was ist der Mensch? Ein Magen, zwei Arme,
ein kleines Hirn und ein großer Mund,
und eine Seele daß Gott erbarme!
Was muß der Mensch? Muß schlafen und denken,
muß essen und feilschen und Karren lenken,
muß wuchern mit seinem halben Pfund.
Muß beten und lieben und fluchen und hassen,
muß hoffen und muß sein Glück verpassen
und leiden wie ein geschundner Hund.

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rivus
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04.10.2010, 11:11 / 2 x geändert
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danke gretchen,
fürs gedicht erinnern, fürs fast zeitgemäße angedicht angesichts der zeitgenössischen gefährdungen von mensch.
ja, wir können uns getrost wiederfinden: postmodern, polarisiert, nachindustriell, globalisiert, riskiert. die mühsamsche anfrage, das angedichtete stellt uns nicht infrage, nicht bloß, sondern skizziert grob und sehr aufmerksam unser antinomisches mühen und dichotomisches sein. wir können uns dagegen wehren, anwehren, zudichten, doch die fokussierung der welt scheint zuzunehmen u. uns immer mehr platzieren zu wollen.
dank auch für den verweis. mühsam ermordet!(das wusste ich noch nicht) wie beiläufig zynisch klingen dann noch die letzten beiden angedichteten verse, wie phrophezeiten, wie kassandrische erfüllungen.
gruß
rivus
p.s.:
vergessene fäden sind nicht tot, auch wenn sie ihr elend scheinbar unendlich fristen.

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