| |
|
ruelfig
|
Zum Schluss des Tages radikal im Preis gesenkt,
die superfrische Ware jetzt und hier im Sonderangebot.
Da geht der Kunde glücklich heim, komm, fass mal an,
ja schaut nur her, so festes Fleisch, die Haut ist straff.
Zahl zwei, nimm drei, ach was, ich geb noch eine drauf,
das ist geschenkt - die jüngste Beute aus Somalia.

|  |
Gretchen
|
das ist tückisch. tückisch text, jawoll. tut so harmlos
als ging es um obst. geht aber doch um was anderes, geht um viel mehr.
in welchem jahrhundert leben wir? welche ware wird da verkauft? böse, sehr böse.
und politisch. (das politische macht mir immer angst. bin zu naiv, um wirklich politisch zu sein.)
grete
____________________________
auch mal ins hinterzimmer guggn, bitte!

|  |
zuppanova
|
ruelfig, es ist ganz schwierig, find ich, sich einem thema wie dem, das in deinem text steckt, zu nähern - auf versfüßen, in gedichtform mein ich jetzt. allzu groß ist die gefahr, dass dabei gefühliges betroffenheitsgesäusel mit integriertem zaunpfahl herauskommt. das hast du vermieden, meiner meinung nach, durch die kürze, durch das konsequente ironische aufspiessen der problematik auf ein bestimmtes, natürlich sich anbietendes wortfeld:
titel -> markt -> media-markt, nimmdreizahlzwei, geizistgeil-mentalität
titel -> markt -> ware -> frische ware, " frischfleisch"
der inhaltliche bezug ist mehrfachverwendbar, denk ich:
schuldknechtschaft, arbeitssklaven (bergbau/köhlereien, kleidungsindustrie, kosmetikindustrie, stahlproduktion, landwirtschaft, kaffeeanbau, zuckerherstellung, private haushalte), prostitution, kindersoldaten, organhandel --- im grunde ist das alles austauschbar; aufgezeigt wird in dem text, dass es drei "positionen" oder "rollen" gibt, nämlich die der ware, die des käufers, die des händlers; und nun darf leser/in sich aussuchen, an welcher stelle des gefüges sie/er steckt und warum; und vermutl. kennt sie/er auf die eine oder andere weise sogar alle drei positionen. wo entsteht "schuld"? komplexe sache. viel stoff zum nachdenken.
kleiner splitter noch zum thema, nur so als anreicherung gedacht: => link
lg, zuppa
---
ps
der text könnte auch unter
. . . . . . . . . => Gegenwart - Politik - Soziales
stehen; verschieben?
und @greta: bin auch naiv; auch unpolitisch; aber manchmal so voller zorn über "die verhältnisse", dass ich nicht weiß, wohin mit mir; du verstehst, was ich meine, gell?

|  |
ruelfig²
|
Hallo Grete,
ich nenne dich jetzt so. Das "chen" kommt mir so verkleinernd, herabwürdigend vor, da fühle ich mich als paternisierender Oberchauvi, nein, das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, was ist das denn für eine Welt, in der wir leben? Überall Verbrecher und Politiker und Gefahr, da ist Angst ein falscher Fünfziger. Furcht macht keinen glücklich und Glück macht keinem Furcht, so sollten wir leben. In der Hoffnung, dich ein Stück weit aufgebaut zu haben,
Ruelfchen.
Hallo Zuppanova,
vielen Dank für deine erhellenden Anmerkungen, ich hatte eigentlich viel eindimensionaler geplant und jetzt hast du mich zum Nachdenken gebracht. Vielleicht ändere ich den Schluss noch, um es uneindeutiger zu machen und ja, das was du schreibst, hat mich auch bewegt. Wie kommt es zu solchen Verhältnissen, wenn wir alle doch dagegen sind und jeder nur das gute will?
Verschieben, ja bitte und danke für den Link. Ich lese gerade "Weltgeschichte der Sklaverei" von Egon Flaig. Aus einer Rezension: "Daß wir ohne Sklaverei leben, ist nicht selbstverständlich. Dieser Zustand ist historisch errungen und kann wieder verloren gehen. Die Anzahl der in Unfreiheit geratenden Menschen steigt täglich; damit drohen die Menschenrechte zu wertlosem Papier zu werden."
LG,
Ruelfig

|  |
|
|