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ruelfig
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Holunderblütenduftgeflutet liegt der Garten,
wo Spinnen kunstvoll feine Netze weben.
Lebendiglaut besingen Vögel ihre Taten,
bestäuben Bienen summend neues Leben.
Kopfüberkletternd pochen Kleiber an die Bäume,
Libellenpärchen paaren sich voll Lust am Teiche,
geschäftig modert eine morsche Eichenleiche.
Und was mach ich? Ich liege emsig rum und träume.

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ear
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15.07.2009, 10:39 / 1 x geändert
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Gruess dich, ruelfig, ueber den English Channel, deine modernde Eiche wir noch jahrzehntelang ganze 'Foodchains' versorgen und das emsige Herumliegen und Traeumen brachte dir detailierte Naturbeobachtung in zwei grossartig gereimten, inhaltsreichen Strophen.
Zwar sind die Holunderblueten und ihr intensiver Duft laengst vergangen( die Beeren wachsen heran), doch Traeume bringen sie zurueck. Voegel haben ihre letzten Nachbruten zu versorgen und finden reichlich Nahrung hinterm Zaun, aber weniger Zeit fuer Territorien-Verteidigung und Gesang.
Der Kleiber, diese einzigartige Spechtmeise, auf und abkletternd,ein Baumeister mit Lehm, der nur Bewohntes uebernimmt und seinen Beduerfnissen anpasst, spiesst seine Gourmetspeise auf, um sie in Abstaenden zu geniessen.
Nur kurze Lebenszeit ist den Libellen zur Fortpflanzung beschieden, nach ihrem jahrelangen Leben unter Wasser. Natur auf kleinstem Raum zusammengebracht.

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Gretchen
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16.07.2009, 07:27 / 3 x geändert
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Hei, so also geht es zu in ruelfigs Garten!
Kunstvolles Weben, summendes Leben, lustvoll geschäftiges Treiben, Duft, Klang, Sang: Alle Sinne werden angesprochen, zugleich liegt eine angenehme Gelassenheit über dem Bild. Der Titel ist der Zaun, der diesen Gartenraum schützt und den Blick (meinen jedenfalls) auf einen eigentlich verborgenen Innenraum hinlenkt. Dessen Seele oder Zentrum ist dieser Sprecher, der so "emsig träumend" die ganze Idylle entwirft als einen locus amoenus = Gegen-Ort zum harten Alltäglichen.
Bestimmt gibt es in ruelfigs Garten auch eine Ecke, wo Frauenmantel wächst, oder? Iss sonn'ne Lieblingspflanze von mir.
alchemilla frauenmantel
ruhe dich aus im licht
für einen augen blick
dort auf dem mantelblatt.
tauch in den tropfen tau:
badende frau ...
Morgenfrische Margaretengrüße

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ruelfig²
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Hallo ear, danke für deine Antwort. Ich hatte einige Jahre so ein Gärtchen und einmal kam mich sogar ein Kleiber besuchen und ich konnte das Schlüpfen einer Libelle beobachten, morgens in der Frühsonne. Erstaunlich, wie viel Natur sich in der Stadt einfindet.
Hallo Gretchen,
leider bin ich vor einigen Jahren aus meinem Garten vertrieben worden, auf einmal stand da so ein Kerl mit Flammenschwert und alles, aber das ist ein anderes Thema.
Ja, Frauenmantel hatte ich am Teich und mich immer wieder entzückt am Glitzern der Sonne in den Tauperlen. Schönes Photo hast du hinterlegt und einen gefühlsvollen Text.
Liebe Grüße euch,
Ruelfig

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zuppanova
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ruelfig, jetzt flieg ich auch noch rasch durch deinen Garten.
Die "angenehme Gelassenheit", von der das Tautropfenkrötchen spricht (mir wäre "Weichheit" eingefallen), könnte u.a. vllt. auch damit zusammenhängen, dass die Vers-Enden ausnahmslos verweiblicht sind.
Bemerkenswert und den Punkt am Gedicht finde ich die "geschäftig" modernde Eichenleiche. Diese sehr originelle Verknüpfung nimmt dem Zerfallsbild alles Dumpfe, Bedrückende, Dunkle. Mit dem agilen Modern der Baumleiche korresponiert das ebenfalls ungewöhnliche "emsige" Träumen des herumliegenden Sprechers, und da Baum und Träumer so deutliche Analogien vorweisen, stelle ich mir jetzt vor, dass die beiden seelenverwandt sind und der eine im anderen steckt. Herumliegen und vor sich hin (ver)wesen ist - wie ear auch ausdeutet - eine hochproduktive Angelegenheit und verdient höchste Wertschätzung.
Ein bisschen hadere ich vielleicht damit, dass die beiden Strophen reimtechnisch unterschiedlich gebaut sind bzw. im ersten Päckchen ist ein Reimpaar des Kreuzreims durch eine Assonanz ersetzt. Aber ich weiß nicht, bin unsicher, ob es nicht doch genau so stimmig ist ... wie auch immer: liebe Grüße von der ebenfalls ausgesprochen hortophilen
zuppa

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Jolante
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Grüß dich, ruelfig,
ich hab zwar nur ein ganzganz kleines Gärtchen, aber auch dort ist das pralle Leben zu beobachten, das mit dem geschäftigen Sterben Hand in Hand geht, so dass ich mich in deine gelungene Gartenimpression leicht hineinversetzen kann. Was mir besonders gefällt, ist das emsige Herumliegen und Träumen. Mit emsig=ameisenfleißig bleibst du ganz im Bild der Natur, die rastlos mit Werden und Vergehen beschäftigt ist. Das lyrische Ich, dessen Sinne beim Träumen weit geöffnet sind, weiß sich untrennbar mit diesem immerwährenden Prozess verbunden. - Dieses Gedicht genieße ich wie einen kleinen Schwips.
Sommerweinselig
grüßt Jolante

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ruelfig²
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Hallo Zuppanova, das Durcheinander im Reimschema sollte schon dem Kurmel im Garten entsprechen. Da geht auch nicht alles nach Plan, aber schön, dass du enttarnt hast, was mir wesentlich schien an dem Text und danke dafür.
Hallo Jolante, glückliche Du. Ich habe nur noch ein Balkönchen, doch selbst da stellt sich die Solitärbiene ein und versucht sich zu vermehren. Wie scheißeschön kann die Natur doch sein.
Modernde Grüße, ewige Blumenkraft,
Ruelfig

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augustine
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27.07.2009, 23:21 / 1 x geändert
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Ach ja, hier wollt' ich noch was Klitzekleines sagen.
Ich finde zwar nicht, wie Gretchen irgendwo vorgeschlagen hat, dass eine hauseigene Wörter-Novitäten-Sammlung 'ginge' (und schon gar kein -Shop, so was mit Wortpatenschaften oder so, kam ja hier auch mal vor, das Stück zu 10 €),
aber: das Wort "holunderblütenduftgeflutet", das kriegt von mir ein *. Oder **.
Grüße augustine

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ruelfig²
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Hallo Augustine,
das Wort hat mich überfallen. Ich fuhr ganz friedlich mit dem Rad durch Reste einer gewachsenen Kulturlandschaft und Peng! war es da, quasi erschnüffelt. Ich fände ein Verzeichnis von Neologismen recht ansprechend, wie schnell verweht ein Wort, wird es nicht festgehalten.
Freut mich, dass es dir Sternchen wert ist.
Grüße,
R

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