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ear
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02.07.2009, 11:39 / 1 x geändert
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In ein paar Wochen werden wir im Rendlesham Forest Shakespeare's nur ganz selten gespieltes 'The Winter's Tale' erleben.
Eine recht unglaubliche Geschichte, im Sinne des Wortes 'The Winter Tale': erschreckend und symbolisch fuer den Zerfall von Ehe, Verlust des Sohnes ,Aussetzung der Tochter, zerbrochener Freundschaft: nicht gerade unterhaltend fuer einen Sommerabend unter freiem Himmel.....
Zwei Koenige: Leontes von Sizilien, verheiratet mit Hermione und Sohn Mamillius, sowie Koenig Polixenes von Boehmen , der einen Sohn Florizel hat und Sizilien als Freund besucht. Leontes beschuldigt seine Frau Hermione des Ehebruchs.
Und doch dauert die Verstoertheit des scheinbar zum Tyrannen gewordenen Koenigs Leontes von Sizilien nur kurz, denn sobald aus Delphi die Antwort des Orakels eintrifft, ist die Unschuld der Koenigin Hermione bewiesen.
Es scheint,dass sie, die zu Unrecht Beschuldigte, von Trauer um den gestorbenen Sohn, an gebrochenem Herzen stirbt.
Das Schiff mit Antigonus, der das neugeborene Toechterchen an unerreichbaren Ufern aussetzen soll, ist laengst unterwegs nach Boehmen, geraet in einen schweren Sturm, landet, setzt die kleine Perdita aus, mit Briefen Erklaerungen und Gold. Sie wird von einem alten Schaefer gefunden und waechst als dessen Tochter Perdita auf.
Antigonus wird abseits vom Baer gefressen( das beruehmte 'Exit,pursued by a bear') und die Mannschaft des Schiffes versinkt im Meer.
Sechzehn Jahre lang buesst Leontes den von ihm verursachten 'Tod' Hermiones, indem er taeglich ihre Statue besucht.
Der Sohn des Polixenes, Florizel, verliebt sich in die vermeintliche Schaeferin Perdita. Polixenes und der entflohene sizilianische Camillo in Verkleidung besuchen das 'Sheep Shearing Feast' der Schaefer. Florinzel und Perdita erbitten von den Fremden, sie zu verheiraten: Koenig Polixenes und Camillo geben sich zu erkennen und der Koenig verflucht seinen Sohn. Zurueck bleibt Camillo, der den Liebenden raet, sofort nach Sizilien zu entfliehen, er werde ihnen bald nachfolgen, denn er wolle zurueckkehren an den Hof des gelaeuterten Koenig Leontes.
Leontes nimmt den Sohn des boehmischen Koenigs mit seiner Braut in Freuden auf. Camillo und der inzwischen 'wissende' Koenig Polixenes erleben die 'Wiederauferstandene ' Hermione, lediglich um viele Jahre gealtert. Allgemeines Happy-End, wobei auch Camillo und die getreue Witwe Paulina ein Ehepaar werden.
Ingeborg Bachmanns beruehmtes Gedicht von1964 “Boehmen liegt am Meer”, bezieht sich auf diese Comedy. Utopie gab ihr neue Hoffnung. Es waere interessant, wenn Kommentare zu Ingeborg Bachmanns Gedicht kaemen, es ist abrufbar bei Google.
In Koeln wird im Oktober 2009 eine Komposition des Bachmann-Gedichtes von Thomas Larcher uraufgefuehrt werden.
Es ist schwieriger zu erzaehlen, als ich annahm. Im zweiten Teil ueberwiegt der Sommer: Liebe, Intrigue, Missverstaendnisse, das Leben der Schaefer.
Es geht um die scheinbar schwache Stellung der Frau, die sich als Staerke erweist. Ein missverstandenes 'Royal We' das falsch gedeutete Wort 'Friend', welches damals auch als 'Liebhaber' verstanden wurde, brachte den Zusammenbruch einer gluecklichen Ehe, aber endete nach vielen Jahren in Heilung und Versoehnung.
Eine solche Freilicht-Auffuehrung im Wald,zu der die Zuschauer und ganze Familien Picnickkoerbe mitbringen und eigenes Gestuehl, hat eine eigene Atmosphaere. Die Kulisse der Baeume, der Mond , die Nachtrufe vereinzelter Voegel, die Fledermaeuse und , nicht zuvergessen: die Insekten und die einbrechende neblige Kaelte am Abend gehoeren ebenso dazu, wie Tanz-und Gesangseinlagen der jungen Schauspieler der beruehmten 'Red Rose Chain' in Ipswich.Sie arbeiten auch intensiv mit Schulen zusammen, haben Kurse und engagieren Schueler in ersten, ein wenig professionellen Theater-Auftritten.

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zuppanova
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ear, grüsse dich.
-> hier hab ich ein paar interpretierende sätze zu Bachmann's Böhmen liegt am Meer gefunden, und -> hier ist das gedicht selbst zu lesen.
dieses Gedicht, so Bachmann, "ist gerichtet an alle Menschen, weil es das Land ihrer Hoffnung ist, das sie nicht erreichen werden." sie hat also, ganz verkürzt gesagt, die shakespear'sche geografieverirrung (Böhmen -> Meeresküste) als metapher für eine Utopie oder für das Unerreichbare benutzt. hab mich aber mit Bachmann nie wirklich befasst, hatte immer eine scheu , sie zu lesen (ebenso auch Celan), vllt. weiß jemand anderes also mehr ...
und noch, weil aller guten dinge doch drei sind, ein -> link zum Wintermärchen (könnt ja sein, es will wer schauen).
als kind hab ich selbst einige male aufführungen einer freilichtbühne besuchen dürfen, so dass ich wohl eine gewisse vorstellung hab, wie so ein sommertheater sich anfühlt - es war sehr besonders, aufregend und schön.
lg, zuppa

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ear²
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03.07.2009, 14:17 / 1 x geändert
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Zuppa, ein dreimaliges Dankeschoen fuer die Links.
Es ist ein sprachlicher 'Genuss', Wielands Fassung zu lesen.
Ich bin gespannt, ob sich Stimmen zur Intertextualitaet finden und das Bachmann-Gedicht mit Heidegger, Wittgenstein oder Celan in Verbindung gebracht werden kann.
Dass du mehrmals Freilichtauffuehrungen erleben konntest, zeigt wohl, wie sehr Shakespeare in Deutschland geschaetzt wurde und noch gespielt wird.

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