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zuppanova
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Humor versus Satire?
"Einen wesentlichen Unterschied zwischen Humor und Satire auszumachen, fällt mir immer schwer. Satire scheint mir so ernst."
Das hat ruelfig kürzlich geschrieben - und ich hoffe, ruelfig, du verzeihst es mir, dass ich dich einfach so zitiere. Dachte mir aber, es könnte doch interessant sein, einmal dem Unterschied zwischen Satire und Humor nachzuforschen, der da angesprochen wird --- im Bereich der Komik gibt es ja noch mehr Tretminen: Parodie, Persiflage, Pastiche, Pasquille, Posse, Groteske, Glosse, Burleske, Farce undundund ... wie soll man das alles unterscheiden?
Was nun den Humor und die Satire betrifft, so denke ich, dass Satire immer ein Ziel hat. Sie "kreidet etwas an", möchte auf einen Missstand aufmerksam machen, ganz konkret - während der Humor "gemütlicher" ist, der Unterhaltung dient, nicht unbedingt eine Spitze haben muss, die treffen möchte, sondern für sich selbst steht. Insofern ist - wie ruelfig sagt - die Satire "ernst" oder "ernsthaft" (in ihrer Absicht), während der Humor "heiter" bleibt, schlichtweg unterhalten will.
Wer hat weitere Gedanken dazu? Ich würde mich freuen, wenn jemand den Unterschied zwischen Humor und Satire noch etwas präziser fasst oder einfach Überlegungen dazu mitteilt.
LG - zuppa
siehe auch -> Ironie und Postmoderne

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ear
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03.07.2009, 20:55 / 1 x geändert
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Eine kurze Anmerkung zur Satire:
“Ein bescheidener Vorschlag” von Jonathan Swift.
In seinem Pamphlet benutztete Jonathan Swift, der grosse Satirist, eine literarische Rhetorik, die auf die Oberschicht als amuesanter Lesestoff zugeschnitten war.
Die arme Bevoelkerung Irlands solle ihre durch Muttermilch guternaehrten, einjaehrigen Kinder als Nahrung fuer die Reichen verkaufen, das bringe ihnen Geld, spaeter auf die Jungen und Maedchen bis zu 12 Jahren ausgedehnt.
Er argumentiert mit Zahlen, stellt Prognosen auf, warum ein solches Toeten helfen koenne, aber in Wirklichkeit ging es Swift um eine Attacke gegen die reichen Iren und die Englaender. Niemand revoltierte, denn die arme Bevoelkerung wusste nichts von dem Pamphlet und konnte nicht lesen.
Zu Swifts Lebzeiten wurde sein Pamphlet belacht, oder nicht beachtet, die Reichen bewunderten nur Swifts literarisches Koennen.
Wie sehr es fuer Swift eine Satire war, beweist der Schluss, wenn er davon berichtet, dass es ihn nicht selbst betraefe, da seine Frau aus dem Alter des Kindergebaehrens heraus waere. (Swift heiratete nie).
Ich erinnere mich daran, dass meinem Sohn dieser Text in der Volksschule gegeben wurde,was nie eine sinnvolle Auseinandersetzung sein konnte, denn Kinder haben kein Verstaendnis fuer Satire.

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zuppanova²
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Liebe ear, das von dir erwähnte Pamphlet Jonathan Swifts kenne ich nicht, ich habe von ihm nur Gullivers Reisen gelesen vor langer Zeit, ein Werk, dessen zeitkritisches Anliegen und satirisches Potential überlagert und verdeckt wurde/wird durch den Ruf, ein Kinderbuch zu sein.
Was du über "Ein bescheidener Vorschlag" erzählst, klingt nach einer besonders streitbaren und bitteren Satire, die nicht davor zurückschreckt, jedes Tabu zu brechen, um so die allfälligen sozialen Missstände der damaligen Zeit zu entlarven. Meine eingangs erwähnte Vermutung bzgl. Unterschied zwischen Humor und Satire scheint mir durch dein Beispiel unterstützt zu werden. Der Autor einer Satire bezieht Position, er hat ein klares Anliegen, das ihn beschäftigt und beunruhigt, und er möchte eine wie auch immer geartete Öffentlichkeit aufrütteln und für seine Sache sensibilisieren.
Nun habe ich noch etwas gefunden von Tucholsky, der sich ebenfalls nicht scheute, mit satirisch spitzem Finger (oder mit satirisch spitzer Feder) in den Wunden seiner Zeit zu bohren - hier zu lesen:
Was darf die Satire?
Liebe Grüße, zuppa

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zuppanova²
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Beispiele für satirische Texte hier im Forum und noch mehr zur Definition von "Satire"
- Ruelfig 1
- Gretchen
- Ruelfig 2
Satire - was ist das eigentlich?
Satire ist spöttisch-humoriges, boshaft-kritisches Anprangern, Kommentieren und Entlarven von Missständen und Unsitten innerhalb der Gesellschaft, oder aber auch gezielte Kritik an bestimmten Ereignissen und Personen. Satire enthält, indem sie Verwerfungen aufzeigt, immer auch eine erzieherische Absicht und den Willen, eine bestehende Situation zu verändern. Satire ruft dazu auf, bestimmte "Gegebenheiten" zu hinterfragen, zu überdenken.
Wie funktioniert Satire bzw. mit welchen Stilmitteln arbeitet sie?
Satire bedient sich der karikierenden Überspitzung eines Sachverhalts, der (oft extremen) Überzeichnung, der Ironie; sehr häufig auch übertritt sie bewusst die Grenzen dessen, was vom Publikum als "guter Geschmack" empfunden wird.
Satire verkürzt, vertauscht, mischt scheinbar unvereinbare Stilebenen, gebraucht Sprachspiele und Wortneuschöpfungen, verfremdet, konstruiert Zusammenhänge, in denen Vertrautes absurd erscheint, hebt Widersprüche in übertriebener und komischer Weise hervor, stellt kritisch gegenüber, verzerrt einseitig die angeprangerten Zustände und gibt sie der Lächerlichkeit preis.
Satire stellt bloß und setzt herab, und insofern wohnt ihr natürlich ein gewisses aggressives Potential inne.
Dem Verfasser einer Satire (oder der Verfasserin, ha!) wird zur Zielscheibe, was er/sie für ein individuelles oder gesellschaftliches Fehlverhalten hält, was ihm/ihr unerträglich scheint. Dies kann - wie schon angedeutet - ein gesellschaftlich-kultureller Trend sein, eine gesellschaftliche Gruppe, oder eine einzelne Person. Satire ist subjektiv. Satire "darf alles" (Tucholsky, siehe Link weiter oben).

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