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augustine
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Hallo, bollo,
zuerst hab' ich die graphische Version angesehen, dann den 'einfachen' Text, dann wieder die, auch in der Hoffnung, daraus eine Interpretationshilfe zu gewinnen, also etwa: die größten Buchstaben transportieren die Sinn-Essenz. Mit meinem Verstehensversuch bin ich da aber gescheitert. Trotzdem möchte ich dir sagen, dass ich solche graphische Umsetzung toll finde (für kurze Texte); und das à la Turiner (oder Manopello-) Grabtuch verschwommene Gesicht des in sich Emigrierten finde ich außerordentlich stark. (Ist das deine von Anfang an eigene Arbeit oder 'nur' eine Bearbeitung?)
Den Autistischen Rückzug im Verzicht auf vollständige Sätze darzustellen, das ist auch ein großartiger Einfall.
Mit der zweiten Hälfte der 4 Strophen habe ich dann aber Schwierigkeiten. Erst habe ich gedacht, so wäre es besser:
In der Menge stehn.
Zwischen Wortgewalt
sich zur Stille wenden.
Aber vielleicht ist es das Wort 'Stille', das mich stört, und das "Sich zur Stille wenden". Stille: das ist doch etwa innere Sammlung, Konzentration, vielleicht Meditation - aber aus einem umkehrbaren Entschluss heraus. Diese Freiheit hat der Autist nicht.
Eine andere Reihenfolge der Strophen könnte vielleicht sein:
3 - 4 - 2 - 1; denn in der bei dir ersten Strophe ist eigentlich der Rückzug schon vollendet, und diese aphoristisch-spitze Doppelbedeutung von "zerbrechen" wäre ein wirkungsvoller Schluss.
Gespannt auf deine Reaktion und andere Stimmen: augustine

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kirmesbollo²
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14.06.2009, 16:15 / 1 x geändert
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Hallo Augustine,
die Kollision der Zeilen in der PDF-Version ist, wie ich zugeben muss, nur ein graphisches Mittel. Eine rein persönliche Vorliebe. Ich mag es, wenn Ober- und Unterlängen sich überschneiden, rein gestalterisch finde ich, das macht was her. Klar ist sowas nur lesbar und ansehnlich, wenn es kurz ist und keine Prosa/Fließtext. Den Autismus im klassischen Sinne hatte ich dabei gar nicht so intendiert, weshalb der Text dieser Lesart wohl nur bedingt standhält. Vielmehr war es ein Versuch einer Annäherung, einer sich steigernden sozialen Phobie Ausdruck zu verleihen. Den Verlust von Behaglichkeit in einer Menschenmenge, in Gesellschaft allgemein. Dieser (auch nicht selbst gewählte) Rückzug in die Innenwelt ließ die Parallele zum Autisten zu und hat mich zum Titel inspiriert, der wohl nicht so gut gewählt war. Vielleicht muss ich da noch mal bei. Der Verzicht auf ausladende Sätze und der eher telegraphische Stil schien mir in der Tat die richtige Wahl, da es ja um ein Defizit an Kommunikation ging. Die Photographie ist ein altes Selbstportrait. Das extrem unscharfe Bild habe ich handkopiert, gescannt und sonst nur ein wenig den Kontrast erhöht. Die Grabtuch-Assoziation kam mir auch in den Sinn, doch da war es schon zu spät – das PDF war fertig. Danke Dir für Deine Beschäftigung mit meinem Text.
Groetjes: van bollo

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