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Jolante
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09.06.2009, 17:49 / 1 x geändert
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Von dir ging ich fort
Ohne Schuld da war keine
Reue kein Vorsatz
Bei dir war kein Bleiben
Es tönten die Lieder
Ich glaubte kein Wort
Von dir bin ich frei
Ohne Schmerz da ist keine
Rachsucht kein Klagen
Bei dir war kein Bleiben
Es tönen die Lieder
Ich löse den Schrei

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zuppanova
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Jolante,
was mich hier vor allem beeindruckt, ist der strenge, symmetrische Aufbau: zwei strophen, die analog zueinander geführt sind. bemerkenswert ist auch der umgang mit den reimen bzw. assonanzen (keine - Bleiben).
durch die klare, konsequente struktur entsteht ein gerüst, das den inhalt, die entwicklung, verselbständigung, befreiung des sprechenden ich, die (er)lösung des schreis oder durch den schrei hält und desto klarer hervorhebt. dass jeweils der erste und letzte vers jeder strophe reimt, somit die beiden strophen einen je eigenen rahmen erhalten, gefällt mir sehr. hinzu kommt die inhaltliche verbindung (-> steigerung) zwischen:
fort -frei
Wort - Schrei
das ist eine sehr geschickt verknüpfung von "innen" und "außen", verbindet die beiden strophen formal sehr gekonnt miteinander und unterstreicht die aussage.
einzige irritation für mich: der punkt am ende der ersten strophe. weglassen?
lg, die eilige zuppa

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lost
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Liebe Jolante,
Vorbei scheint mir eine Fortführung oder auch Verfeinerung von Wechselwirkung, sowohl inhaltlich als auch stilistisch.
Wie zuppanova beschreibt, lebt der Text aus dem klaren Aufbau mit seinen formalen Wiederholungen und den sorgsam eingebrachten Differenzen, welche den Inhalt vorantreiben und Pointen setzen. Der metrische Fluss unterstützt den liedhaften Charakter, gibt Leichtigkeit, fast Beiläufigkeit, ohne dass jedoch der Eindruck von Banalität oder Flachheit entstünde.
Ein apart gelungenes Gedicht, wenn ich das so sagen darf.
best regards, lost

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Jolante²
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Liebe zuppa, lieber lost,
eure positive Kritik hat mich erfrischt und erfreut. - In meinem persönlichen Umfeld ist das Thema Trennung derzeit sehr aktuell, und ich fühle mich manchmal wie Gretchens Ausgusssiebchen, in das mehr ausgeschüttet wird, als es ent-sorgen kann. Hängen geblieben ist das Wörtchen "vorbei", und es spukte mir so lange im Kopf herum, bis ich beschloss, ein kleines Gedicht daraus zu entwickeln. Wie du richtig bemerktest, lost, soll es formal und inhaltlich eine Fortführung und Verfeinerung von "Wechselwirkung" darstellen. Den Punkt am Ende der ersten Strophe habe ich ausradiert, zuppa. Er hatte dort in der Tat nichts verloren.
Was euch vielleicht nicht aufgefallen ist: Liest man die jeweils ersten Buchstaben der Zeilenanfänge von oben nach unten, ergibt sich zweimal das Wort VORBEI.
Mit herzlichem Dank für euer Feedback
grüßt Jolante

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augustine
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12.06.2009, 14:57 / 1 x geändert
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Liebe Jolante,
hast du keine weiteren Kommentare erwartet? Die Wechselwirkung dieses Gedichts mit der Wechselwirkung hatte ich bemerkt, war aber ein paar Tage mit Wieder-Ankommen beschäftigt. - Jetzt lese ich: noch ein doppeltes Akrostichon! Das hab' ich nicht bemerkt, obwohl Akrostichon-Gedichte mich im April noch sehr beschäftigt haben, darunter ein eigenes, ein Sonett zu einem 80. Geburtstag, das nicht so recht gelungen ist. Aber ich weiß von daher, welche zusätzlichen Schwierigkeiten man sich selber macht, wenn man sich unter diesen formalen Zwang stellt.
Und das kannst du ja immer beneidenswert gut: das 'Alltägliche' (wenn ich eine Trennung so nennen darf) ins Allgemeine führen!
Liebe Grüße von augustine

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zuppanova
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Jolante, das akrostichon hatte ich auch nicht bemerkt.
gut, dass du darauf aufmerksam machst.
eine sehr feine arbeit!
lg, zuppa
(hatte auch den eindruck gehabt, dass die thematik dich wohl beschäftigt zur zeit, und mich insgeheim gewundert, wie das kommt. das ist jetzt ja aufgeklärt.)

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Vladimir
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Liebe Jolante,
das gefällt auch mir wirklich gut.
Eine formale Strenge, die sich nicht aufdrängt und der Lockerheit des Ausdrucks keinen Abbruch tut.
Der einfache Satz: "Bei dir war kein Bleiben" - das reicht. Mehr bedarfs nicht, um die Trennung zu rechtfertigen - "Am Lichtsinn errätst du die Seele" - der geht woanders hin. Und das bleibt denn auch in der zweiten Strophe so - die Reduzierung der Begründung für das Geschehen auf ein essenzielles, eigentlich unerklärbares aber dennoch unbedingtes.
Dazu gehört aber in engster Umarmung die Sprache: "Ich glaubte kein Wort". Und das steht da so frei, dass man gar nicht meinen will, der zurückbleibende habe nun nur gelogen - schließlich wurde "Schuld" ja doch auch für ihn anfangs ausgeschlossen; nein: das ist eine elementare Entfremdung von der Sprache um das lyr. Ich herum; der Glaube fehlt.
Und erst - auch das gefällt mir sehr gut - im letzten Vers, ganz zart aber dann doch so, dass es sitzt, wird an die Schwere und Tiefe gerührt, die das Geschehen doch hat. Ich weiß gar nicht, wie ich dies "lösen" nun verstehen soll, ob nun geschrieen werden kann, oder vom schreien gelassen - egal, es war etwas gebunden, festgebunden - unfrei -, ein Schmerz, und der wird nun gelöst. Erlöst.
Also ein wunderbar zartes Verhältnis auch zum Publikum, dem der Gehalt des ganzen nicht wüst entgegengeschleudert wird im Sinne einer "Expressivität", sondern: es wird gesagt; aber es wird nicht übertrieben; nicht ausgekleidet; es steht da bloß.
Gruß,
Vladimir

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augustine
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14.06.2009, 20:33 / 1 x geändert
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Beschwingt von Vladimirs Les-Art habe ich deinen Text auch nochmal gelesen, Jolante, und die Kommentare davor nochmals überflogen.
Kurz noch diese Beobachtungen zur Mach-Art:
1. Strophe: Präteritum (ja, sicher); und viermal der (Rück-)Blickwinkel des Negativen mit "kein"
2. Strophe: Präsens und nur noch dreimal "kein" - Lösung und Erlösung.
lg augustine

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Jolante²
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Liebe augustine, lieber Vladimir,
auch euch beiden danke ich herzlich für die intensive Beschäftigung mit meinem Gedicht. Du hast es inhaltlich gut ausgeleuchtet, Vladimir, das hat mich besonders gefreut.
LG Jolante

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ruelfig
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17.06.2009, 22:03 / 1 x geändert
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Hallo Jolante,
was kann ich noch schreiben? Beeindruckend, dein Gedicht. Formal, inhaltlich überwältigend und schon halte ich die Klappe.
LG,
R

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Gretchen
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Jolanta-mi-Tanta, wenn man als absent gewesenes Gretchen schließlich an sechster Stelle kommentiert, kann man ja wohl nicht mehr viel sagen außer: genau, so iss-ett, ganz wie die andern fünf meinen!
Doch, eines noch. Mich beschäftigt dieses:
Es tönen die Lieder
der Frühling kehrt wieder
es spielet der Hirte
auf seiner Schalmei
la la la ...
Das ist im Text zitiert, zweimal, und ich kann das nicht so wirklich deuten. Ist es so zu verstehen, dass die Lieder "falsch" tönen, dass gelogen wird, Versprechungen gemacht und nicht gehalten werden? Und ist die Bedeutung in der zweiten Strophe eine andere als in der ersten?
Grüße von der Knobelkröte

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Jolante²
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Ja, Gretchen, du hast den zitierten Kanon "Es tönen die Lieder" im Zusammenhang mit der ersten Strophe des Gedichts, die ja ein Abgesang ist, schon richtig verstanden. In der zweiten Strophe dagegen ist er Symbol für Aufbruch und Neubeginn. - Über dein Feedback habe ich mich gefreut.
Auch dir, ruelfig, danke ich für den freundlichen Kommentar.
Liebe Grüße
von Jolante

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