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ruelfig
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Mein Gott ist ziemlich schnell pikiert,
wird er bezweifelt, kriegt er Krisen.
An Fragen ist er gar nicht interessiert.
Sofort ist die Gemeinschaft alarmiert
und stürzt sich auf die frevlerischen Fiesen.
Mein Gott ist ganz schön schnell pikiert.
Doch was er immer gerne akzeptiert,
sind fromme Lobeshymnen, nicht Sottisen.
An Fragen ist er niemals interessiert.
Was wäre in der Welt nicht noch passiert,
ohne diesen unbezweifelbaren Riesen?
Mein Gott ist immer schnell pikiert.
Wer etwa gegen ihn argumentiert,
wird ewig aus dem Paradies verwiesen.
An Fragen war er niemals interessiert.
Er hat schon ganze Völker massakriert,
die falsche Namen, nicht den Seinen priesen.
Mein Gott ist immer gleich pikiert,
an Fragen ist er gar nicht interessiert.

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augustine
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28.05.2009, 00:07 / 1 x geändert
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(Pardon, mein eigentlicher Beitrag ist erst hier hinter.)
augustine

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augustine
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28.05.2009, 00:10 / 3 x geändert
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Hallo ruelfig,
du kannst flott reimen, suchst dir auch durchaus ernste Themen (wie Feldpost) - und doch ergibt sich daraus für mich keine Möglichkeit, was dazu zu schreiben. Ich könnte schreiben, was dann so in anderen Foren steht; ich kann's aber nicht, weil ich es nicht will; deins ist mir ganz einfach nicht ernst genug.
Ich hab' auch in deinen blog gesehen, aber was da steht, wird nicht bemerkt; darum die Foren, viele. Deine Bilder 'gefallen' mir mehr als deine Gedichte.
In deinen Anfängen hier hast du mal was von "Germanistik" geschrieben, die du wertschätztest. Da konnte man dir in der Tat sagen, was kein Sonett ist (die Bearbeitung war dann auch noch keins). Aber was soll denn "Germanistik" zu deinen flott gereimten Sachen eigentlich sagen?
Zum Thema, etwas weiter gefasst, wie es ja aktuell ist,
hier ein Textauszug aus der SZ von vorgestern (26. 5. 09), Einleitung zu einem Beitrag von Navid Kermani:
In der vorletzten Woche entschied das Kuratorium des Hessischen Kulturpreises, dem iranisch-deutschen Schriftsteller Navid Kermani den Preis wieder abzuerkennen, den er gemeinsam mit dem Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann, dem früheren Präsidenten der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, und dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, hätte erhalten sollen. Lehmann und Steinacker hatten den Preis nicht gemeinsam mit Kermani entgegennehmen wollen, nachdem dieser in einem Zeitungsartikel kritisch über das christliche Symbol des Kreuzes reflektiert hatte. Hinter den theologischen Argumenten der durch die Aberkennung ausgelösten Debatte zeichnet sich die Kernfrage ab, wie offen das Religionsgespräch in der deutschen Gesellschaft geführt werden kann. Eine mögliche Antwort könnte der Plan für die Schaffung einer neuen Akademie in Kermanis Heimatstadt Köln sein.
DAS ist ernster aktueller Streit unter nicht Unbedeutenden (und den Kermani schätze ich überdies sehr), der leider peinlich ist - jedenfalls aber ernst. Und der sich fröhlichem Reimen eben dadurch entzieht.
Ich habe nicht gesagt, dass der Reim an sich unernst sei. Der wichtigste Teil einer lyrischen Produktion ist er nicht. Da sind Gedanken und Empfindungen, und da gibt es die Metapher als Mittel der Verdichtung.
Nichts für ungut für diese offenen Worte.
Grüße von augustine
Lies vielleicht in FAUST I mal die Szene Wald und Höhle; da kannst du bemerken, wann der Reim nicht und wann er dann doch eingesetzt wird.

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Jolante
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Pardon, ruelfig, aber diese Villanelle erscheint mir zu seicht und zu wenig durchdacht. Das Spiel mit der Form ist ja ganz schön, aber wo bleibt der Gehalt? - Warum, ruelfig, nennst du ihn d e i n e n Gott, wenn du dich von ihm so im Stich gelassen fühlst? Ich denke mal, du meinst den von Menschen gemachten und institutionalisierten Gott, der in der Kirche aufgegangen ist. Da sind Fragen und ist Kritik durchaus berechtigt. Aber so flappsig und oberflächlich sollte man dieses Thema nicht angehen, meine ich. M e i n Gott, und mit ihm ist nicht die Kirche gemeint, hat mir schon manche Frage beantwortet.
Jolante grüßt

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ruelfig²
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Hallo Augustine,
warum sollte man zu ernsten Themen ernst schreiben und was ist an "flottem" Reimen bedenklich? Dein Zitat aus der SZ (das Thema habe ich interessiert verfolgt) fasst doch alles prima zusammen: Einer glaubt dies, ein anderer das, einer will Ärger, einer will Spaß.
Ich habe mir hier mal ein lyrisches Ich geliehen, das seinem Gott Respekt entgegenbringt und dies auch von allen anderen einfordert. Und da ist das Problem: ein Gott, den es für mich (als tatsächliches Ich) nicht gibt, ist für mich nur tolerabel, solange sein Bannerträger sich im privaten vergnügt und nicht versucht, mich nach seiner Facon glücklich werden zu lassen. Die christlichen Kirchen unterstützen das Vordringen des Islam doch nur, um dem Thema Religion wieder mehr Gewicht verschaffen zu können. Und sind dann, oh Wunder, ebenso beleidigt wie der Mohammedaner, wenn es mal gegen sie geht. Und was Kermani sagen würde, wenn einer seinem Propheten Päderastie vorwürfe, würden wir nicht wirklich wissen wollen.
Aber, nebenbei, was hat mein Blog hiermit zu tun? Schön, dass du Gefallen fandest an den Bildern, doch in wie vielen Foren ich mich tummele und warum, kann für diesen Text nicht von Belang sein. Und warum der Reim? Das folgt in Teil zwei.
Hallo Jolante,
gerade für das Thema Gott schien mir die Villanelle die geeignete Form, ein ständiges, floskelhaftes herunterbeten. Da sollte der Gehalt in der Form sich wiederfinden. Mir ging es hier nicht um Kirche (daher auch der Titel: Mein Gott, nicht vermittelt durch eine Institution), sondern um ein lyrisches Ich, welches anderen seinen Glauben aufzwingen will mit Drohungen. Er fühlt sich gerade eben nicht im Stich gelassen von seinem Gott, hat der doch schon früher ganze Völker massakriert.
Mein eigener, nicht lyrischichgefesselter Gott, sieht übrigens ganz anders aus. Wir diskutieren viel und gerne und manchmal können wir uns auch aufraffen und freveln, indem wir unsere Meinung kundtun, ohne dafür vorher Erlaubnis zu erbitten von höheren Stellen. Selbst auf die Gefahr hin, Fehler zu machen. Ich glaube, Faust hat das auch so gehandhabt.
Euch Grüße,
Ruelfig

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augustine
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Hallo ruelfig,
meinerseits d'accord. Wollte dich mal zu einer Stellungnahme verlocken, und die gefällt mir.
Einverstandene Grüße, augustine

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kirmesbollo
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29.05.2009, 09:40 / 3 x geändert
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hallo ruelfig,
diesmal hast du es übertrieben. was ist das nur für ein gott:
| Zitat: |
Sofort ist die Gemeinschaft alarmiert
und stürzt sich auf die frevlerischen Friesen. |
dem aufmerksamen leser wird es nicht entgangen sein, wie hier eine nationale minderheit diskriminiert wird. als wäre das entbehrungsreiche leben im watt, fischfang, krabbenpulen und ackerbau und viehzucht unter erschwerten bedingungen gleich hinterm deich nicht genug.
gruß & pfui: der bollo
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ruelfig²
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Bollo, du Schelmeur:
Quäl den Friesen nie im Scherz,
denn er fährt leicht aus dem Nerz.
Die Diskriminierung von Friesen liegt mir ansonsten eng am Herzen, aber hier war es doch ein anderes Thema.
Grüße, R

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