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        arisia
        (Gast)

Gehört eine pol. Diskussion in ein Lyrik-Forum?

   04.06.2006, 17:31 / 2 x geändert



Gehört eine politische Diskussion in ein Lyrik-Forum?

Manch eine, einer mag sich fragen, was eine politische Diskussion in einem
Lyrik-Forum zu suchen habe.
Darauf möchte ich, aus meiner Sicht der Dinge, der hypothetischen Fragestellerin,
dem hypothetischen Fragersteller antworten.

Zu diesem Behufe habe ich mir die Arbeit angetan und die Ursprünge der Lyrik betrachtet.

Dichtung, so erscheint es mir, wurde in ihren Ursprüngen hauptsächlich
dazu benutzt um Informationen weiterzugeben. Informationen, die erst
einmal dazu dienten stammesimmanent Riten, Kräuterkunde,
Stammesgeschichte und Genealogien geschichtsrelevanter Persönlichkeiten
zu bewahren, d.h., die Geschichte und die Fertigkeiten des Stammes für
die Nachkommen zu sichern.
Zum anderen ging es darum, Informationen an andere Gemeinschaften
weiterzugeben. Informationen über z.B., auszutauschende Waren, erlebte
Katastrophen, Informationen von Errungenschaften, vom Leben und Wirken
des eigenen Stammes, von Siegen und von Niederlagen, von der Erkundung
entdeckter Gebiete u.s.w..
Dies alles wurde schon in prähistorischer Zeit, wie wir Modernen sie so gerne
nennen, d.h., in einer Zeit angelegt, die noch keine Schriftsprache kannte.
Gereimtes und/oder Melodisches behält sich nun mal leichter als Prosatexte
und darum ging es ja, dass die Ereignisse behalten und bewahrt wurden,
und die Dichtkunst war die einzige, die diese Aufgabe meistern konnte.
Mit Aufkommen der Schriftsprache wurden dann viele, bisher nur
mündlich weitergegebene Überlieferungen, aufgezeichnet, aber noch war
ja nicht jede und jeder des Schreibens und Lesens kundig.
Die Barden und Harfner der einzelnen Kulturen waren auch immer Überbringer
politischer Inhalte, bis in die höfische Zeit hinein sogar vorwiegend Überbringer
politischer Inhalte, der Minnesänger ist eine eher späte Ausformung der Dichtung.
Auch das Darstellen innerer Befindlichkeiten erscheint mir eher eine Bewegung
der neueren Zeit zu sein.

Ich, für mich, folgere daraus, dass politische Diskussion durchaus
eine Daseinsberechtigung in einem Lyrik-Forum hat.
Politische Rede und Gegenrede, politisches Essay und Gedicht sind durchaus
wichtige Formen der Kommunikation. Lyrisches Verarbeiten und Mitteilen von
Tagespolitik kann noch einmal ganz anders zur Schärfung des Bewusstseins
des Einzelnen beitragen, als die Art und Weise, in der Nachrichten in unseren
Medien verbreitet werden. . .

arisia

 

      Jolante



RE: Gehört eine pol. Diskussion in ein Lyrik-Forum?

   08.06.2006, 11:34



Hallo acerdoux,

Dein Beitrag hat meine volle Zustimmung. Ich finde, Gedichte oder andere Texte politischen Inhalts kann/soll jeder nach seinem Gusto und Sprachvermögen vorstellen. Im übrigen halte ich nichts von einer politischen Diskussion im Rahmen dieses Forums. Das gilt m.E. auch für eine Gemeinschaftsaktion (Vereinnahmung) im Sinne eines Europagedichtes. Auch wenn wir hier mehr oder weniger dilettieren, sollte doch ein gewisses Anspruchsdenken nicht fehlen.
Ich hoffe, arisia nimmt mir diese Meinung nicht übel.

Gruß Jolante




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