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Woddi
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Edit 26.07.2010
- Faden von Kurzgeschichten nach Entwürfe verschoben - Elise
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Ich hatte immer gedacht, einen Menschen zu töten würde alles verändern. Irgendwie änderte sich gar nichts. Das gab mir zu denken.
Ich hatte doch zugeschlagen, den blutigen Kopf weiter traktiert und die Leiche entsorgt. Weder tagsüber noch nachts in meinen Träumen wurde ich von Reminiszenzen, Alpgefühlen oder gar Schuld übermannt. Nichts.
Damals hatte ich meine Frau mit einem Fremden erwischt. Meine Frau schlug ich nur, ihn schlug ich tot. Sie war fort. Für immer und sonst wo hin. Nichts hatte ich gehört. Die Polizei kam nicht, niemand fragte mich. Auch nicht danach, wo denn meine Frau war.
Ich ging zur Arbeit und führte die allzeit gleichen unbedeutsamen, unpersönlichen Gespräche mit meinen Kollegen. Ich kam nach Hause, trank mein Bier und aß. Ich ging schlafen und stand wieder auf.
Das passte mir zunächst sehr. Doch allmählich fragte ich mich, ob denn diese Welt komplett verrückt sei, wenn sie keine Notiz von dem nahm, was ich getan hatte. Nicht, dass ich entdeckt werden wollte, aber verrückt war es nun mal.
Und war ich verrückt? Ich empfand gar nichts. Das war doch nicht normal? Fast sehnte ich Seelenqual herbei. Doch sie kam nicht. Ich war wohl ein schlechter Mensch.
Wenn ich überhaupt darüber nach dachte, wen ich denn da getötet hatte, welche Hoffnungen ich für immer beendet hatte, dann war es gewollt. Niemals kam so etwas spontan.
Wurde er denn gar nicht vermisst? Dann dachte ich: Egal.
Irgendwann wurden meine Frau und ich von einem Kollegen eingeladen. Ich sagte, sie sei fort. Der Kollege sagte, das täte ihm leid. Er schaute verlegen auf den Boden und sprach mich nicht wieder an.
Nun ist es zwei Jahre her. Ich werde ungeduldig. Irgendetwas muss doch passieren. Doch es tut sich absolut nichts. Ich halte es nicht mehr aus. Ich werde mich stellen. Und nun frage ich mich, ob es nicht doch alles verändert hat, dass ich einen Menschen umgebracht habe.

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Gretchen
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25.05.2009, 07:36 / 1 x geändert
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Woddi, willkommen, und - ja, ach ja,
ich hatte gedacht ... irgendwie ... das gab mir zu denken ... ich dachte ... irgendwann ... dachte darüber nach ... ich sagte ... ich schaute ... irgendetwas ... und nun frage ich mich ... - na, egal eigentlich, ob oder ob doch nicht: Hauptsache, bisschen Blut klebt am Text und sonn' Hauch von Vorabendserienproblematik, die tut als nähm sie sich und den Zuschauer ernst, aber light bleibt dabei , immer schön light, damit das Problem, dieser ethische Konflikt, um den es doch irgendwie geht irgendwo, damit also diese Menschen-töten-ja-oder-nein-plus-alles-ist-anonym-und-ohne-Bedeutung-Themat
ik so bisschen triggert, so bisschen soapig den Leser ankitzelt, aber mehr bitte nicht, nix irgendwie wirklich Vitales, nix, was wach machen könnte oder irgendwem irgendwann irgendwo echt auf die Pelle rückt, nix, was sich von den anderen tausendfach schon gehörtgelesenen Plattheiten unterschiede ...
Hm, noch mal anders: Gut an dem Text find ich, dass er keine Rechtschreibfehler aufweist, dass die Sätze nicht krumm und schief und verkrüppelt daher kommen, dass sogar Konjunktive korrekt gebildet wurden (nicht alle ...), dass da tatsächlich erkennbar ist: Es hat sich wohl wer Gedanken um so was wie "Inhalt" gemacht, doch, schon --- aber: Leider ist die Ausführung flach und blass. Dem Sprecher glaub ich kein Wort. Die Sätze, die sein Autor ihm in den Mund legt, die Gedanken, die er ihn denken lässt, sind so offensichtlich konstruiert und sprachlich so reizlos, so arm, dass (bei mir) vor allem Langeweile entsteht, ein augenbrauenhochziehendes, schulterzuckendes Morgengähnen ob solcher Ver(un)künstelung. Nee, da rollt nix, da knackt nix, das - ähm - lebt irgendwie schon nicht mehr ...
Also weiter üben, oder? Falls gar nix geht, mach einfach ne Kontaktanzeige draus: Nachdenklicher Mörder, nur wenig Blut an den Händen, literarisch ambitioniert, seit zwei Jahren Single, sehr einsam, auch und gerade unter Kollegen, sucht tolerante Sie mit glühenden Wärmegefühlen und hübschen Topfpflanzen für formvollendete Stunden zweisamen Zweifelns ...
Gretchen grüßt

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kirmesbollo
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Hoi Woddi,
auch von mir ein herzliches Willkommen. Ich kann gar nicht so präzise festmachen, was mich genau an der kleinen Räuberpistole stört. Anfangs dachte ich „hey fein, endlich mal eine Mörder und Ich-Erzähler in einem-Story.“ Liest man viel zu selten sowas, aber dann bleibt im Verlauf der Geschichte dieselbe hinter den Erwartungen zurück, die Du geweckt hast. Der Erzähler bleibt farblos und distanziert ohne zu verstören, oder weiteres Interesse an seiner Situation zu wecken. Sieh mal, da hat man mal einen Mörder, der aus dem Nähkästchen plaudert (wer kennt schon einen, sind wir mal ehrlich) und der hat nichts weiter zu erzählen, dass er sich aufgrund ausbleibender Fahndung wohl stellen wird. So distanziert und beiläufig wie er erzählt, so wenig bleibt beim Leser haften. Ich denke wenn es um Mord geht, da darf das ganze auch mit etwas mehr Leidenschaft vorgetragen werden. Mag sein, das ist es gar nicht, was Du erzählen wolltest, aber so kommt es bei mir an. Hoffe, Du konntest was damit anfangen.
Gruß vom bollo

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Woddi²
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Moin.
Vielen Dank fürs Willkommen und für die ehrliche Kritik. Ich bin leider jetzt erst dazu gekommen, hier mal wieder rein zu schauen (hab im Moment viel um die Ohren).
Mit dem Text bin ich selber auch nicht sonderlich zufrieden. Das Angesprochene kann ich nachvollziehen. Vielleicht wäre es einfacher und besser gewesen, die "Unruhe" aus etwas Greifbarerem zu gestalten (z.B. panische Angst vor der Ergreifung oder Strafe, Schuld etc.)... Naja, war ein Versuch....
Gruß, Woddi

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Retep
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Hallo Woddi,
dein Text entspricht einer Kurzgeschichte: Er hat geringen Umfang, einen personalen Erzähler, keine lange Einleitung, du kommst gleich zur Sache. Du verwendest einen offenen Schluss.
Es handelt sich um einen entscheidenden Einschnitt im Leben des Ich-Erzählers, du beschreibst kaum Handlung, benutzt eine einfache Sprache. (die ich überladenen Metaphern vorziehe)
Die Personen sind Alltagsmenschen.
In seinem Inneren Monolog wundert sich der Protagonist, dass nichts passiert. Er kommt zum Entschluss, sich zu stellen.
Diese Motivation wird mir nicht klar. Vielleicht solltest du weiter ausführen, warum er sich stellen will.
- „Meine Frau schlug ich nur, ihn schlug ich tot.“
- finde ich kurz und gut
- „Und nun frage ich mich, ob es nicht doch alles verändert hat, dass ich einen Menschen umgebracht habe.“
- guter Schluss, regt zum Nachdenken an.
Du schreibst in einem ziemlich „unterkühlten“ Stil, vielleicht ein bisschen mehr zeigen, statt nur zu erzählen, ein bisschen Leidenschaft in den Text bringen. Es handelt sich ja immerhin um einen Mord.
Du überlässt dem Leser zuviel.
Gerne gelesen.
Gruß
Retep

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yupag
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Hallo Woddi!
Deine Geschichte ist kurz und prägnant und, für mich, total konstruiert und unglaubwürdig. Wenn eine Geschichte nicht völlig fiktiv sein will, also in einer Welt oder zu einer Zeit spielt, die es real nicht gibt, sollten einige elementare Kriterien der Logik und dieser unserer Welt, beachtet werden.
Bei uns wird Mord sehr intensiv untersucht und wenn dann noch ein Mensch verschwunden ist, kann es nicht sein, dass zwei Jahre lang nichts passiert. Zudem sind die nächsten Angehörigen erst mal immer die Hauptverdächtigen.
Ist Fremdgehen heute noch ein Motiv für Mord und Totschlag, wenn man nicht irgend welchen extremen Weltanschauungen anhängt?
Wenn der Protagonist in der Lage ist seine Frau zu verjagen und den Rivalen äußerst brutal totzuschlagen, nimmt man dir nicht ab, dass er dann zur Polizei geht. Nicht aus Gewissensqualen, sondern??? Warum hält er es nicht aus? Weil er den perfekten Mord getätigt hat und die Polizei ihm nicht auf die Spur kommt, weil er keinen Fehler gemacht hat? Das Verhalten widerspricht jeder Logik.
Grundsätzilch könnte eine solche, sehr knappe Geschichte, ganz interessant sein, aber diese ist es einfach nicht.
Gruß yupag

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rovf
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Mir gefällts! Die von einigen Postings geäußerte Sprachkritik kann ich nicht teilen. Hier paßt es doch einwandfrei, daß die Sprache so läuft, wie der Ich-Erzähler denkt bzw. das, wenn er es denn jemandem mitteilte, sagen würde.

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