27º im Schatten · kirmesbollo · ·


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      kirmesbollo



27º im Schatten

   12.05.2009, 20:23



Bitumenweich,
und katzengleich,
über weiche Wiesen fließen.
Rot in warme Lider gießen,
wo Mauerseglerlüfte flirren.

Hängematten,
Nadelschatten,
Eibenatem, süßes Kissen.
Teilt die Luft, mit den Hornissen,
wo Amsellieder sich verirren.

Sommerträge
Flügelschläge,
gleiten zärtlich auf den Tagen.
Lass dich in die Stille tragen,
durch unfassbares Blau, zu mir.

(03/2007)

 

      Jolante



27º im Schatten

   19.05.2009, 19:31 / 1 x geändert



Hallo Bollo,

deine bilderreichen und formschönen Verse haben mich in die somnambule Stimmung eines heiß-trägen Sonntagnachmittags versetzt, und so war es kein Zufall, dass ich nach langer Zeit mal wieder Lust hatte, mir Debussys "Prélude à l´après-midi d´un faune - Printemps" anzuhören. Ich liebe diese impressionistische Musik, und wenn ich dank deines Gedichts ein paar stimmungsverstärkende Verse dazu im Kopf habe, genieße ich sie umso mehr.

Um diesen Erstkommentar auf die nach dem Regelwerk geforderten fünf Zeilen zu bringen, möchte ich die Alliterationen, Assonanzen und Reime erwähnen, die dein Gedicht so musikalisch und sinnlich machen. Aber eigentlich ist im ersten Absatz schon alles gesagt, was mir spontan dazu eingefallen ist. - Fein gemacht, Bollo.

findet Jolante

 

      kirmesbollo²



27º im Schatten

   20.05.2009, 05:40



Hallo Jolante,
der Text entstand an genau solch einem Sommernachmittag und es freut mich, dass ich damit dieses ganz spezielle Einverstandensein mit so ziemlich allem wieder heraufbeschwören kann. Noch mehr, weil es bei Dir offenbar die selben Assoziationen wecken konnte. Schlägt man sein Hängemattenlager unter einer Eibe auf, die in der Mittagssonne brät, können die Ausdünstungen des Baumes leichte Halluzinationen hervorrufen. Die Natur hat Tricks parat, wenn man sie machen läßt. Ich danke Dir für Deinen wohlwollenden Kommentar.
Einen charmanten Tag und Sonnesonnesonne: der bollo

 

      augustine



27º im Schatten

   22.05.2009, 00:25 / 2 x geändert



Lieber bollo,
bei 27° im Schatten würde ich mich wohlfühlen. Und dann eine laue Nacht, in der man noch immer draußen sein kann... Das Ganze kommt mir vor als ein schönes weiches Liebeswiegen, nicht ganz ungestört aber (Hornissen!).
Trotzdem: Einzelnes stört mich. Das Bitumen z. B. Du meinst die Konsistenz, aber es ist schwarz und klebrig, und das mag ich nicht mal im Vergleich. - Dann: mit anderer (auch, pardon: richtigerer) Zeichensetzung könntest du vielleicht noch mehr verdeutlichen - oder könntest auch ganz drauf verzichten und damit die Möglichkeiten der Zuordnungen weiter öffnen.
Deshalb hab' ich so lange mit der Antwort gewartet: Ohne noch zu wissen, was genau es wäre, hatte ich das Gefühl, dass ich auf Einzelheiten kommen würde.
Also auch noch: wieso "verirren" sich die Amsellieder? Sie gehören doch zu dem locus amoenus, dem lieblichen Ort, der sich dem Leser mitteilt, nicht die Hornissen, die im Gedicht eigentlich nur da sein dürfen, damit sie die allzu umfassende Idylle ein wenig stören (ganz egal, wie es 'wirklich' gewesen ist).
Und noch: wieso können Flügelschläge auf Tagen gleiten?

Manchmal sind ja Gedichte auch schön, weil sie schöne Wörter benutzen; das sind für mich die "Mauerseglerlüfte", der "Eibenatem" (danke für die Erläuterung; ich wusste nur, dass die Eiben verdammt giftig sind), 'sommerträg'.

Danke!
Liebe Grüße von augustine

 

      kirmesbollo²



27º im Schatten

   22.05.2009, 18:07



Hallo Augustine

Zuerst einmal muss ich zugeben, dass die Interpunktion von je her mein persönliches Kryptonit ist. Die Kommata, die ich logisch herleiten kann sind klein an Zahl, der Rest ist nahezu gewürfelt. Auch muss ich Deiner Kritik nachfolgend wohl zugeben, dass einige Formulierungen im Text zu sehr dem individuellen Erleben des Texters geschuldet sind, z.B. das Bitumen meines Vordaches das ich im Sommer oft gerochen und Barfuß betreten habe, so dass es für mich seinen Status als simple Dachpappe verloren hat. Ebenso verhält es sich mit den sich verirrenden Amselgesängen, war doch die Amsel vor nicht allzu langer Zeit noch ein scheuer Waldbewohner und mein Text als Stadtsommerloblied gedacht. Das Hornissennest im morschen Holzzaun des Gartens gab es auch tatsächlich und die Tiere sind in meinem Empfinden schön und willkommen und haben mein Harmoniebedürfnis nie gestört. Das Gleiten auf den Tagen ist zugegeben wohl ein bisken kapriziös, so hab ich mir wohl einfach einen endlosen Sommer herbeigedichtet, der mehr als nur einen Tag andauert. Mag sein, dass es auch nur dem Reim geschuldet ist und ich nur zu feige bin es zuzugeben, aber dort mag ich den Klang und es ist ein wie ich finde zumindest vorstellbares Bild. (Ich glaube im vorhergegangenen Satz fehlt mindestens ein Komma). Ich überlege noch an der Umsetzung Deines Vorschlages, die Dinger ganz wegzulassen.
Ich danke Dir, für Lesen und Schreiben.

Gruß vom bollo

 

      Jolante



27º im Schatten

   22.05.2009, 23:19



Hallo augustine und Bollo,

wie ähnlich unsere Wahrnehmungen doch manchmal sind, aber auch wie verschieden sie sein können. Gerade von dem "Bitumenweich" fühlte ich mich außerordentlich angesprochen, erinnert es mich doch an unvergessliche Kindheits-Barfuß-Erlebnisse im Sommer auf klebriger Straße mit stechendem Teergeruch in der Nase, von dem ich mich immer ein wenig benebelt fühlte. - Ja, und auch die Hornissen gehören zum Idyll eines Sommertages. Gerade heute hatte ich die Freude, in meinem Höfchen zu beobachten, wie eine Hornisse aus dem Efeu auftauchte und in den verblühten Flieder entschwirrte, beachtlich groß, aber zum Glück mich nicht beachtend. Die Stimmung eines Sommernachmittags kann auf vielfältige Art die Sinne reizen. - Nur Rotkehlchen mit Schlagsahne wären ein wenig zu süß für meinen Geschmack.

Es grüßt Jolante




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