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      augustine



damals

   04.05.2009, 21:29 / 2 x geändert



nebeneinander nun zwei
in gleißendem weiß

eingeschlafen
aufwachend

allein
gemeinsam
leicht

nach gewaltigem beginn
unwissbare zukünfte

 

      Gerd



damals

   15.05.2009, 10:12



Liebe augustine,

Dein Gedicht trägt den Titel „damals“, damit lese ich dieses als Rückschau.

„nebeneinander nun zwei
in gleißendem weiß“

und

„nach gewaltigem beginn“

Mit diesen Zeilen verorte ich die Handlung an den Anfang einer Beziehung. Das „weiß“ trägt für mich verschiedene Deutungsansätze. Ein weißes Laken, auf dem zwei Liebende nach der ersten gemeinsam Nacht eingeschlafen sind. Weiter „unbefleckt“ im Sinne von, dass beide sich noch nicht gegeneinander versündigt haben und ein „weißes – unbeschriebenes Blatt“ oder auch „nichts steht geschrieben“, will heißen, es stehen noch alle Möglichkeiten offen.

Das „gleißende“ erinnert mich an weiß angestrichene Häuser in Griechenland. Schaut man an einem wolkenlosen Sommertag auf solch ein Haus, wird man quasi geblendet und kann kleine Risse im Putz oder Verunreinigungen an der Fassade kaum erkennen. Wie man auch in der ersten Verliebtheit blind und geblendet ist und Fehler des Partners noch nicht sieht. So schläft man ein, wie der gesunde Menschenverstand, der bereits vorher schon nicht mehr wach ist. Das Aufwachen aus diesem Zustand erfolgt meist allein.

Was man gemeinsam hat bzw. Gemeinsamkeit in jeder Form ist was leicht macht.

Der Beginn einer Beziehung ist oft gewaltig, doch danach ist die Zukunft ungewiss. Den Plural von Zukunft lese ich als verschiedene Lebensentwürfe, die zu diesem Zeitpunkt offen stehen, gemeinsame und getrennte.

Bei der hier beschriebenen Beziehung, sehe ich allerdings keine tragende Zukunft. Es gibt kein ICH und vor allem kein DU. Außer einem „gemeinsam“ ist auch kein echtes WIR erkennbar. Was mich jedoch besonders zweifeln lässt, ist die gewählte Zusammenstellung der Zeilen. Ich sehe in den Strophen eins bis drei jeweils einen formalen Bruch. Passender wäre aus meiner Sicht eigentlich folgender Aufbau:

nebeneinander nun zwei
in gleißendem weiß
eingeschlafen

aufwachend
allein

gemeinsam
leicht

nach gewaltigem beginn
unwissbare zukünfte

Ich halte die gewählte Zuordnung jedoch für gewollt, um das „nicht zueinander passen“ zu verdeutlichen. In diesem Zusammenhang kann ich die „unwissbaren zukünfte“ – den Plural, nur als getrennte Wege interpretieren.

Wenige Zeilen, die viel Raum lassen, was mich, wie Du Dir sicher denken kannst, sehr anspricht.

Herzliche Grüße, in der Hoffnung, nicht völlig über das Ziel hinausgeschossen zu sein
Gerd

 

      Jolante



damals

   21.05.2009, 19:32



Liebe augustine,

deine Verse sind für mich sehr kryptisch und auch der Kommentar von Gerd bringt mich dem Verstehen nicht wirklich näher. Das gleißende Weiß erinnert mich an einen Kreiß-Saal (das habe ich dir schon in einer pn geschrieben), aber es hat für mich auch etwas Kaltes, Steriles, Abweisendes, ja sogar Bedrohliches. Zum Verständnis dieses Gedichtes fehlt mir ein wenig mehr Fleisch an den Knochen, da ist dir der Spagat zwischen Verhüllen und Offenbaren wohl nicht leicht gefallen. Sehr schön finde ich die Gegenüberstellung von "gewaltigem Beginn" und "unwissbaren Zukünften". Ich möchte in das Gedicht auch nicht mehr hineinlesen als herauszulesen ist, die gedankliche Beschäftigung damit reizt mich aber.

Lb. Grüße
Jolante

 

      augustine²



damals

   25.05.2009, 00:14



Lieber Gerd, liebe Jolante -
ihr habt beide, wie ich finde, Richtiges gesehen. Ich mag mehr nicht aufdecken; außer: wenn man den Versuch macht, mit wechselnden Perspektiven zu schreiben, dann ist das gleißende Weiß das, was ein Neugeborenes zuerst von der Welt sieht. - Für mich bin ich sehr froh, dass ich einmal so etwas Kurzes habe schreiben können.
Liebe Grüße augustina mater

 

      kirmesbollo



damals

   29.05.2009, 13:03



hallo augustine,
ich lese den beginn getrennter wege und das vorläufige ende der gemeinsamen geschichte. meine erste assoziation war auch die einer klassischen liebesbeziehung. nach deinem kleinen tipp die lesart betreffend geht natürlich noch viel mehr und der text öffnet sich zu einem gedankenspielzeug, das so schnell nicht langweilig wird. einzig der schluss ist ein für mein empfinden unschöner bruch. „unwissbare zukünfte“ – das liest sich, als flanierte man ausgeruht und wohlgesättigt durch den garten eden und träfe dort unvermittelt auf den behandlungsstuhl eines zahnarztes. unwissbar allein ist ein spröder neologismus (so es denn einer ist), und der plural der zukunft noch dazu… da blutet ein wenig die zunge.
lieber gruß vom bollo

 

      Randfigur



damals

   10.12.2009, 18:22



Es scheint, dass dies ausreicht.

Man schreibe zunächst nichtssagende, jedoch bedeutsam klingende Worte aneinander, am besten benutzt man hierbei bekannte, alltägliche Worte, die mit kuriosen Adjektiven geschmückt werden, ließe ein wenig Platz für einer noch bedeutungsärmere/schwagere Stille (Moment, wobei die Thematik des Kreiß-Saals wieder aufgegriffen wäre, ganz kreativ) und sähe dabei zu, wie der dumme Mensch, getrieben von seiner Nächstenliebe, das Beste in den Dingen sehen möchte und anfängt, "das Stück" für sich zu deuten.

Nicht anders als ich nun.

Vielleicht wäre es besser, nicht derart abgenutzte/vergriffene Worte wie "eingeschlafen"
"aufwachend", "allein", "gemeinsam",...."leicht".... "Zukunft" zu verwenden.

Zumal die Anordnung "ich sage immer etwas und nenne dann das Gegensätzliche davon" recht einfallslos wirkt.
Dadurch wird dem Zuhörer dann die Tragweite deiner Gedanken klar, nach dem Motto: die Trübe eines Sees sagt nichts über dessen Tiefe aus..

Es mag gewiss schwer sein, gerade bei dieser Kürze konkret zu werden, doch ist nicht gerade dies die Kunst? Gerade nicht diese plakativen Wörter zu verwenden,... als ginge man durch ein Warenhaus und griffe immer wieder zu den selben, sich ewig wiederholden Phrasen ...


Ich hoffe, dass mir hierbei der Tonfall eines höflichen Beitrags nicht abhanden gekommen ist.


es grüßt,

die Randfigur




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