Inshallah · Retep · ·


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      Retep



Inshallah

   28.04.2009, 09:41 / 4 x geändert



Edit 26.07.2010

- Faden von Kurzgeschichten nach Entwürfe verschoben - Elise



__________________________________________________


Hab mal versucht, die größten "Hämmer" wegzulassen, weiß, dass das immer noch nicht ausreicht. Werde die Geschichte neu schreiben.



Inshallah



Er sah auf den Wecker auf dem Nachttisch. 10.00 Uhr war es. Er hatte noch eine Stunde Zeit.
Länger geschlafen als sonst hatte er. Lange hatten sie in der Nacht diskutiert.
Hakim zog sich so an, als würde er zu einem Fest gehen. Als er in die Küche kam, sah er seine Frau, sie bereitete das Mittagessen vor. Sein Sohn spielte in einer Ecke mit einem Feuerwehrauto. Sie brachte ihm Kaffee „Zum Mittagessen bin ich wieder da“, sagte er.
Er stieg die schmale Treppe aus dem zweiten Stock hinunter. Als er aus der Haustür kam, blendete ihn die Sonne, er konnte zunächst nur Schatten erkennen.
Er ging in Richtung Wochenmarkt. Hier war er oft zur U-Bahn gegangen und zur Arbeit gefahren.

Anfänglich wollte Hakim sich in eine neue Kultur integrieren. Er hatte die Sprache gelernt und versucht, sich anzupassen. Als Arzt hatte er bald Arbeit als Krankenpfleger in einem Krankenhaus gefunden.
Dann aber war er durch die herrschende Überheblichkeit und soziale Kälte abgeschreckt worden, nachdem er den Schein der sogenannten multikulturellen Gesellschaft erkannt hatte.
In abendländischen Medien wurden Migranten als hilfsbedürftige, defizitäre und pathologische Individuen beschrieben, die von ihrer Doppellast von zwei Kulturen befreit werden müssten.
Erst als er sich immer öfter mit Landsleuten getroffen hatte, fing er an, über seine Lage nachzudenken, hatte gemerkt, dass er nicht allein war. Er war sich allmählich bewusst geworden, dass man etwas tun musste, wenn sich etwas verändern sollte.

Das Gedränge wurde immer größer, überall Menschen, die verkauften und kauften, Blumen, Obst und Gemüse, Gewürze, Töpfe aus Ton.
Er dachte an seine Eltern und Geschwister. Sie lebten nicht mehr; irrtümlich war ihr Haus von einer Bombe getroffen worden, wie man ihm gesagt hatte.
Sein Vater war Bauer gewesen, sie bescheiden gelebt. Was in den Städten passierte, bekamen sie kaum mit.
Ein paar Schafe und Ziegen hatten sie , Olivenbäume und einen kleinen Hund.
Aber plötzlich flogen Flugzeuge über sie, zum ersten Mal sah er Panzer vorbeifahren, Männer in Uniform aus anderen Ländern kamen und blieben.

Hakim drängte sich durch die Menschenmassen. Er war jetzt etwa in der Mitte des Marktes. Zwei Polizisten kamen ihm entgegen, sahen ihn kurz an, gingen weiter.
Ihm wurde immer heißer, er griff unter seinen Mantel und fasste die Schnur an. Ihm wurde erst jetzt richtig bewusst, was er da machen wollte; seine Sicherheit verlor sich ein wenig, er versuchte sich zu beruhigen.
Für seine Familie würde gesorgt werden, sie würde Deutschland verlassen. Er war jetzt und hier im Einsatz, im Dschihad, im Einsatz für die Sache Gottes.
Ihm waren in der letzten Nacht nicht die beiden Grabesengel erschienen, hatten ihn nicht über seinen Glauben befragt; er würde direkt ins Paradies eingehen.
Er tauschte dieses diesseitige Leben für ein jenseitiges ein, damit die nach ihm kamen, sich nicht mehr fürchten , nicht mehr trauern müssten.

Alles begann sich um ihn herum zu drehen, zu kreisen. Er hörte Geräusche, Verkehrslärm, Stimmen, als hätte er Wasser in den Ohren.
Er zog an der Schnur.
Und dann sah er seine Frau und seinen Sohn. Sie liefen ihm winkend entgegen. Jetzt waren sie schon fast bei ihm.

„Allah’u Akba“, flüsterte er.

 

      augustine



Inshallah

   28.04.2009, 18:02 / 2 x geändert



In der Leselupe, Retep, hast du ja wieder die die Lobhudeleien empfangen, nach denen du so gierst.
Ich hab' drin gelesen und mir dann gedacht: Dieser Mensch hat's gar nicht verdient, dass man sich sorgfältig mit seinem Text befasst, er begreift doch keine Feinheiten.
Nur soviel also:
Da ist ein harmlos scheinender Alltagsablauf von Aufstehen bis Markt, immer wieder durchsetzt mit Biographiestückchen, die signalisieren sollen: da läuft aber in dem Menschen mehr ab, als dass er sich am ersten Urlaubstag freut.
In einer Kurzgeschichte müsste all dieses Zweite wegbleiben.
In einer Erzählung müsste alles sehr viel sorgfältiger ausgeführt werden.
Es müsste auch alles richtig sein, was du schreibst. (Sieh nach, wo die Schrift und die Mathematik erfunden wurden.)
Es wimmelt von Banalitäten/Plattitüden/Klischees. Das Geschriebene besteht daraus. (Das hatten wir schon mal.)
Wenn der Mann Arzt ist und als Arzt arbeitet, wie du nahe legst, hat er nicht nur die Sprache des Landes gelernt, sondern übt Medizin in dieser Sprache aus. Da ist man dann wohl integriert. Und müsste besser denken können als der Erzähler hier es kann.
Der hat die Pointe im Sinn, dass der Mann Frau und Kind mit in die Luft sprengt; jedenfalls scheint mir das die Lesart zu sein, die dir wünschst.

Der einzige Rat, den ich dir noch gebe, ist: Satz für Satz und Wort für Wort nach hinten und nach vorne selbstkritisch vergleichen. Wenn du das nicht auf dich nehmen möchtest, brauchst du eigentlich nicht zu schreiben.
augustine

 

      Gretchen



Inshallah

   28.04.2009, 20:46 / 1 x geändert



"Hatte den Text in verschiedenen Foren eingestellt, erhielt zahlreiche Kommentare."

Joa, zahlreiche Kommentare sind was Feines! Also:

Dieser Text ist ganz brav und wacker geschrieben, und er bewegt sich so vom Anfang zum Schluss, dass ein Leser mit kommen kann, mancher geht vllt. sogar neugierig mit und ganz gern. Ein Plot ist da, eine Szenerie, Figuren, aber - so wirklich gut issett nicht.

Zwei gravierende Schwächen:

a) Szenerie und Figuren "leben" nicht, werden nicht stimmig und unmerklich entwickelt, sondern es haftet ihnen eine schulaufsatzmäßig wirkende, durch das dünne Gewebe der Handlung allzu leicht spürbare hölzerne Konstruiertheit an - wie ausgestanzt. Die Gedankenwelt des Protagonisten beispielsweise bleibt unglaubwürdig, da schablonenhaft und mittels undifferenzierter Phrasen dargestellt. So ein Satz: "Wie schön sie war." - uff, das ist Klischeegelee, und zwar von der billigsten Sorte. Schmeckt nicht (mir). (Was nicht heißt, dass nicht in einem anderen Zusammenhang, anders eingesetzt, eingebaut in einen Text, genau derselbe Satz absolut perfekt sein könnte.)

b) Der Text ist getränkt von einer zwar latenten, aber nichtsdestotrotz penetranten Rührseligkeit und Gefühligkeit, er "leckt ins Ohr", "hat eine Botschaft" - und dass er "was vermitteln will" und "auf unterhaltsame Weise zum Nachdenken anregen möchte", ist viel zu offensichtlich (darin liegt die Schwäche, in der Offensichtlichkeit; nicht darin, dass es überhaupt eine "Botschaft" gibt). Der Text appelliert unterschwellig permanent an den Leser, doch bitte beizupflichten, zu nicken (mancher Leser macht das ja ganz gern), betroffen zu sein von der ganzen Lebensschicksalhaftigkeit, die ihm da in wohlsortierten, hübsch abgepackten, ordentlichen Portiönchen verkauft wird.
Nochmal anders gesagt:
"Wir beide", raunt auf einer Subebene dieser Text dem Leser zu, "wir wissen, wo man betroffen zu sein hat und wo nicht, wir wissen, was politisch korrekt ist, wir wissen, was falsch ist, was richtig ist, und deshalb geben wir uns jetzt so richtig genüßlich die Schlusspointe, die haben wir uns verdient." - Gut, kann man machen, kann gegebenenfalls ein Kniff sein, um die Literarizität eines Textes zu potenzieren. Hab aber hier das Gefühl, der Autor setzt das nicht bewusst ein, sondern weil er eben nicht anders kann.

Gretchen

 

      ruelfig



Inshallah

   29.04.2009, 23:26



Hallo Peter,
so Allah will, werde ich dir antworten.
Der Islam hat weder die Schrift noch die Mathematik erfunden oder entwickelt. Warum diese Kultur untergegangen ist, lässt sich nachlesen bei: Bernard Lewis - Der Untergang des Morgenlandes. Und nein, entgegen der billigen "Die Kreuzzüge sind an allem Schuld" Polemik ist nicht "der Westen" Schuld an der Tragödie, die den Orient befiel sondern Korruption, Vetternwirtschaft und Lethargie (basierend auf einem 1400 Jahre alten Buch, welches universelle Gültigkeit beansprucht). Und jetzt kommst du mit so einem billigen Sozialromantikschmarren und einem Protagonisten, dessen Name bedeutet: Weiser, Arzt, Herrscher, Richter und der wohnt natürlich in einem ausbesserungswürdigen Altbau und dann kommt noch die Müllabfuhr. Geht es noch klischeemäßiger? Ja, es geht. "Wir" sind überheblich und kalt aber "da" ist Familie und warm und Zusammenhalt. Lässt sich das noch übersteigern? Ja, du schaffst es, der Arbeitskollege ist ein Arschkriecher. Aber warum und wozu, wo er ihn (den Hakim) doch ablehnt als terroristischen Müllkutscher? Und jetzt wird es richtig übel, jetzt kommt der böse Jude (unter wechsenden Deckmänteln), der den armen, alten, hart arbeitenden Eltern den Olivenbaum unterm Arsch wegbombt. Oder vielleicht waren es auch nur andere, in deren Auftrag? Und jetzt kommt Hakim an in Allahs Auftrag, als Dschihadist darf er sich selber morden und die Andersgläubigen und ja, auch Frau und Kind. Das ist nun mal so, bei Radikalens zuhause, wer nicht für uns ist und so weiter.
Und das ist die Glorie Allahs, eine billige Multikultiwirsindalleeins-Gedächtnisnummer?
Dein Hakim ist so unglaubwürdig wie Schweinescheiße im Souk von Mekka und die Geschichte ist nicht ein wenig besser. Boah, Gutmenschen, die Pest.

 

      Retep²



Inshallah

   03.05.2009, 08:08 / 1 x geändert



Guten Morgen, liebe augustine,

wie ich sehe, bist du nicht nur eine professionelle Kritikerin sondern wahrscheinlich auch noch eine graduierte Psychologin.
Deine Bemühungen hier zu Texten Kommentare abzugeben, erscheinen mir äußerst dürftig und wimmeln von Plattitüden. („Satz für Satz und Wort für Wort nach hinten und vorne selbstkritisch vergleichen“)
Wenn jemand einen Text gut findet und am nächsten Tag schlecht, du weißt, was ich meine, zeigt das auch keine große Kompetenz.
Ich habe mir mal deine anderen Kommentare angesehen, sie sind nicht besonders konstruktiv. Du verletzt andere Menschen, bezeichnest ihre Texte als „Geklimpere“, machst abwertende Aussagen über andere Foren. Du kritisierst bei Texten mangelndes Erregungspotential , rätst Autoren ihren Text bei nächster Gelegenheit in den Orkus zu entsorgen usw.

Anstatt dich mit den Texten konstruktiv zu befassen, machst du Aussagen über die Persönlichkeit der Autoren. (gierst nach Lobhudeleien, begreift keine Feinheiten, , autistisch, sind nicht im Stande aus Fehlern zu lernen)

Nein, ich habe nicht „verdient“, dass du dich mit meinem Text befasst und verzichte auch gerne auf deine Kommentare. Sie helfen mir (und anderen) nicht weiter.

Retep

---

Hallo ruelfig,

das scheint dein erster Kommentar zu sein, man merkt es. Informiere dich mal, wie man Kommentare schreiben sollte oder lass es sein. Bei einigen Anmerkungen hast du Recht, andere kann ich nicht nachvollziehen. Aber der Ton macht die Musik. Deine vulgären Ausdrücke verbessern deinen Kommentar nicht.

---

Hallo gretchen,

du hast dich im Wesentlichen mit dem Text beschäftigt, über etliche Anmerkungen werde ich nachdenken, sie wahrscheinlich auch bei einer Überarbeitung aufgreifen.
Zum Schluss schreibst du:
„Hab aber hier das Gefühl, der Autor setzt das nicht bewusst ein, sondern weil er eben nicht anders kann.“
Das kann man zwar nicht wissen, aber so sehen. (das schreibst du ja auch –Gefühl)
Ich bedanke mich für deine konstruktive Analyse.

Gruß

Retep

_____________________________________________

Edit 03.05.2009: Mehrfachpostings zusammengefügt

Retep, bitte die Antworten an verschiedene Kommentator(inn)en nicht
auf mehrere Postings innerhalb von wenigen Minuten verteilen.
all-in-one heißt die Devise. Danke. zuppanova

 

      Gretchen



Inshallah

   03.05.2009, 17:38



Heiala, retep, noch mal ich mit paar Sätzchen.

Ja, nachdenken über und aufgreifen ("wahrscheinlich") - das ist fein: Bin immer ganz glücklich, wenn meine Feedbackbemühungen nicht vergebens sind! Wie Du die Sache angepackt haben wirst und was aus dem Text geworden sein wird, na ja, das werd ich denn wohl sehen, wenn er im Nachbarforum (kl->kn) auftaucht.

Vielleicht solltest Du bei einer Überarbeitung aber doch auch den Kommentar von ruelfig mit berücksichtigen, da er einige trefflich treffende Hinweise auf die inhaltlichen/gedanklichen Seichtigkeiten, Kurzschlüssigkeiten, Fehler usw. Deines Textes enthält. Dass ruelfig seine Kritik nicht gerade blutleer-betulich und paterpiofromm formuliert, sondern mehr knackig mit Biss, sollte Dich als lernwilligen Autor nicht stören: Man nimmt doch mit, was immer man kriegen kann, oder?
Also: Du könntest Dich ja mal mit dem Inhalt der Kritik befassen und dazu Stellung beziehen, differenziert, anstatt zu spekulieren, wie viele Kommentare r. schon geschrieben hat oder nicht, und Dich über den "schlechten" Ton zu mokieren. Und Du könntest auch selber mal konstruktiv sein, nen Faden eröffnen - bei Small-Talk, oder bei Vorschläge, oder bei Themen; oder benutz einen bereits vorhandenen Faden, wo so was reinpasst - könntest Kriterien auflisten und zur Diskussion stellen, wie man (Deiner Meinung nach) Kommentare schreiben sollte.

Gretchengrüße
(und Entschuldigung für offtopic!)




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