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Fuchs
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20.04.2009, 20:19 / 2 x geändert
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Sehr geehrtes Forum, ich habe vor kurzen meine Abiturprüfung im Deutsch Grundkurs absolviert.
Das Thema war u.a. "Literatur und Krieg".
Den Text den wir bekamen war ein Auszug von "Die Festung" von Gerrit Engelke.
Ich werde hir nun einen Link posten, damit ihr eventuell den Ausschnitt einmal nachlesen könnt: Die Festung (Quelle: Spiegel online Kultur /Gerrit Engelke "Die Festung/ Stand 20.04.09)
Wichtig ist dabei, dass es sich hierbei nur um die Hälfte des ersten Kapitels handelt (Ab dem 5. Absatz= Nachdem sie sich eine Weile angesehen...) bis zum Ende des Kapitels)
Es wäre mir von großer Bedeutung wenn ihr mir zu folgendem Punkt einige Lösungsvorschläge geben könntet:
- Worin sehen beide Personen (Marks und Lehrer) den Sinn des Krieges und sind sie dafür oder dagegen?
- Wie lässt es sich mit anderen Werken z.B. "Im Westen nichts neues vergleichen?"
Ich habe in der Klausur geschrieben, dass ich der Meinung bin, dass es eher ein Antikriegstext ist. Jedoch unterscheiden sich beide Personen drastisch. Ein Freund von mir meint jedoch, dass beide den Krieg wollen?
Was meint ihr dazu? Würde mich wirklich freuen wenn ihr mir helfen würdet!
Danke schonmal im Voraus!!!
(Achja und entschuldigt bitte wenn es sich hierbei nicht um eine Kurzgeschichte handelt, sondern um eine andere Gattung, ich wusste es leider nicht!)
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zuppanova
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Grüß Dich, Fuchs.
Leider hab ich immer sehr wenig Zeit, möchte Dir aber doch wenigstens kurz antworten. Du bist sicher in Spannung wegen dem Abitur.
Den Engelke-Text hab ich überflogen - gut, dass Du den Link beigegeben hast! - und ganz spontan würd ich sagen, dass dies auf jeden Fall ein Text ist, der dazu aufruft, diesen Krieg kritisch zu hinterfragen, selbst wenn innerhalb des Textes Argumente für den Krieg geliefert werden. Deiner These, es sei ein Anti-Kriegs-Text, würde ich mich anschließen, auch unter Berücksichtigung des sonstigen Werkes von Engelke und seiner Biografie. Er hat den ersten Weltkrieg mitgemacht und ist in jungen Jahren im Krieg schließlich gestorben.
Der Name Marks dürfte ein telling name sein, denn er erinnert an Mars, den Kriegsgott, auch an markig oder martialisch. Dadurch, durch den Namen, wird die Position, die Marks vertritt, noch unterstrichen. Marks ist jung und befürwortet den Krieg, er hat sich von der Propaganda vereinnahmen lassen, machte sich die entsprechenden Parolen und Argumente zu eigen. Der andere Mann, sein "Gegenspieler", wenn man so will, wird nicht durch einen Namen individualisiert: Über ihn erfährt man nur, dass er "pessimistisch" ist, dass er "Lehrer" ist und wohl etwas älter als Marks. Ein Lehrer ist ja eigentlich jemand (oder sollte jemand sein), der viel weiß, der Überblick hat, der besonnen ist und so gefestigt in seinem Wissen und seiner Person, dass er andere auf ihrem Weg begleiten oder sogar führen kann.
In dem Abschnitt, den Du verlinkt hast, ist dieser Lehrer der einzige Mensch, mit dem Marks in einen näheren Kontakt tritt. Dass gerade dieser Mensch umkommt, bringt Marks offenbar aus dem Gleichgewicht, lässt ihn zweifeln und vielleicht die Sinnlosigkeit des Kriegsgeschehens erkennen oder doch zumindest ahnen. Auch dies spricht dafür, dass es eher um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg geht als um eine glorifizierende Darstellung des Krieges.
Wichtig sind sicherlich die folgenden Stellen, denn da werden die unterschiedlichen Positionen der beiden Protagonisten ganz deutlich herausgestellt:
1. - »Ja -«, fing der Jüngere (=Marks) wieder an, »das Blut wird zu dick und satt im schläfrigen Frieden – wir hatten auch schon zu viel Kraft in den Friedensjahren seit achtzehnhundertsiebzig aufgespeichert, jetzt will und muß es mal wieder explodieren.« Er hatte die Hand empathisch erhoben und schlug, während er weitersprach, immer bei den Kraftpunkten in die Luft. »Was sind wir für graue Menschen geworden, wir sind Krämer und Gewerbetreibende, Industrieleute und sonst alles mögliche – aber wir haben nicht mehr den großen Sinn in die Ferne, die wilde Lust nach Abenteuern, Besitzergreifungen, wie sie unsere Vorväter hatten.
Wir wollen nicht wissen, daß unser Blut immer Kampf will, immer! Freie Faust und Kampf!«
2. - »Das ist alles ganz gut, wie Sie es sagen«, meinte ruhig der Ältere (=Lehrer) »Aber warum nicht ein friedlicher Kampf: Klugheit gegen Klugheit – statt dieser barbarischen, von den niedrigsten Urinstinkten des Menschen genährten Kriege? Das ist ja nun gar kein Kampf mehr: Kraft gegen Kraft des anderen, Faust gegen Faust wie früher – das ist eine maschinenmäßige Schlächterei; Maschinengewehre, Schnellfeuergeschütze, gepanzerte Luftschiffe, Minen wüten gegeneinander. Der Kampf ist unpersönlich, riesiger und entsetzlich geworden – und das Ende ist: grenzenlose Zerstörung alles Lebens. Bedenken Sie, daß der Sieger – das ist der, der die jungen Männer des feindlichen Staates am kunstgerechtesten niedermäht – durch seine erfolgreiche Schlachten dessen ganze Zukunft für hundert oder viele hundert Jahre vernichtet?«
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Marks macht eine Entwicklung durch, denke ich. Er kommt ins Nachdenken, seine ursprüngliche kriegskonforme Haltung wird erschüttert. Ich könnte mir vorstellen, dass dies ein wichtiger Punkt an dem Text ist!
Am Anfang, im Dialog mit dem Lehrer, gibt Marks sich hart, er ist "gleichmütig", hat sich auch freiwillig gemeldet:
»Na, Gott sei Dank, morgen geht es endlich ins Gefecht.« Als der Lehrer nichts hierauf erwiderte, sah Marks ihn von der Seite an – er glaubte Wasser in seinen Augen zu sehen.
»Ja –«, seufzte dieser schließlich, »es ist entsetzlich.«
»Entsetzlich?« fragte der Student. – »Haben Sie Angst?«
»Ach nein, das ist es nicht«, lächelte der junge Lehrer wehmütig. – »Haben Sie noch an Ihre Eltern und Verwandten geschrieben?«
»Ach was«, meinte Marks gleichmütig, »die werden schon früh genug erfahren, ob ich unter ihnen oder über der Erde bin.«
»Ich habe auch nicht geschrieben – es ist so vielleicht besser.«
Sie schwiegen.
Am Schluss aber heißt es:
Wehmütige, zweifelnde Beklommenheit beengte seine - (gemeint ist Marks) - Brust: »...dieser Krieg ... dieser Krieg!« Ächzen entfuhr ihm. Er hob den starrenden Blick vom Steinboden und sah wieder in die Weite -
Scharlachrot glühte die Sonnenkugel zwischen zartangelaufenen Wölkchen.
Wie ein blutiger Klumpen hing sie da; so entsetzlich rot, als habe sie sich vollgesogen mit all dem schwimmenden Blut da unten. Es war ihm, als ob die Bergkuppen in der Ferne, die langabwärts gezogenen zerstampften Felder und Weinberge – als ob der ganze Morgenhimmel und er selbst – mit Blut, mit brüllendem Blut übergossen seien!
Er merkte, daß ihm übel wurde; er wurde schwindlig – er stand auf und wollte ... da! – er stößt mit dem Fuß an die andere Leiche – und – das – das ist – der Lehrer!
Er schwankt, greift in die Luft und bricht mit einem dumpfen Aufstöhnen zusammen.
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Das sind meine ersten Gedanken zu dem Text bzw. zu Deiner Frage. Ob sie Dir helfen, weiß ich freilich nicht: Über eine Rückmeldung diesbezüglich freu ich mich natürlich.
Einen Vergleich zu Remarque oder auch anderen Werken kann ich nicht so ohne weiteres aus dem Ärmel schütteln, da müsst ich mich erst ein wenig schlau machen. Aber vielleicht erhältst Du noch andere Feedbacks.
LG, zuppanova
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PS
Ich hab den Faden in eine passende Rubrik verschoben. Die Abteilung Kurzgeschichten ist nur für selbstverfasste KG gedacht. ;)

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Fuchs²
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Erst einmal vielen Dank für deine schnelle Antwort zuppanova (So spät noch solch eine gute Antwort zu geben, nicht schlecht :-)
Deine Gedanken zu dem Textauszug decken sich in den größten Teilen mit meinen. Ich habe während der Prüfung vor allem über folgenden Abschnitt gegrübelt und er wird mir auch nach mehrmaligen lesen nicht wirklich verständlich:
| Zitat: |
| »Das ist alles ganz gut, wie Sie es sagen«, meinte ruhig der Ältere (=Lehrer) »Aber warum nicht ein friedlicher Kampf: Klugheit gegen Klugheit – statt dieser barbarischen, von den niedrigsten Urinstinkten des Menschen genährten Kriege? Das ist ja nun gar kein Kampf mehr: Kraft gegen Kraft des anderen, Faust gegen Faust wie früher – das ist eine maschinenmäßige Schlächterei;. |
Zunächst bestätigt der Lehrer die Argumente von Marks (»Das ist alles ganz gut, wie Sie es sagen«), der sich über die aktuelle Situation in Deutschland beschwert und sich eine Veränderung wünscht, die durch den Krieg verwirklicht werden kann.
Weiterführend spricht der Lehrer dann:" »Aber warum nicht ein friedlicher Kampf: Klugheit gegen Klugheit – statt dieser barbarischen, von den niedrigsten Urinstinkten des Menschen genährten Kriege?"
(Für mich eine eindeutig negative Stellung zum Krieg)
Danach sagt der Lehrer: "Das ist ja nun gar kein Kampf mehr: Kraft gegen Kraft des anderen, Faust gegen Faust wie früher – das ist eine maschinenmäßige Schlächterei;"
(was meint er mit: das ist ja nun kein Kampf mehr? => meint er den WK1 / oder meint er den friedlichen Kampf den er vorher beschrieben hat?
Also dieser Abschnitt bereitet mir Sorgen.
Und danke für das Verschieben des Themas! Bin ja ganz neu hier und wusste es nicht! ;-)
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zuppanova
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So, auf meinem nächtlichen Rundflug übers Forum versuch ich, Deine Anmerkungen nochmals auf zu greifen, Fuchs.
Mit diesem "Das ist ja nun gar kein Kampf mehr: Kraft gegen Kraft des anderen, Faust gegen Faust ..." meint der Lehrer - da bin ich mir sicher - die Art, wie im WK gekämpft wird, das Abschlachten, das Gemetzel. Dagegen setzt er seine Utopie, einen ganz anderen Entwurf von "Kampf", nämlich dieses: "Aber warum nicht ein friedlicher Kampf: Klugheit gegen Klugheit – statt dieser barbarischen, von den niedrigsten Urinstinkten des Menschen genährten Kriege?"
Im Grunde ist in diesem kleinen, von Dir sehr gut heraus gefilterten Dialog der beiden Protagonisten so etwas wie eine philosophische Diskussion versteckt. Der Lehrer holt das, was Marks sagt, ab ("Das ist alles ganz gut, wie Sie es sagen ..."), er kennt diese Ansicht, versteht sie vielleicht sogar (er bleibt "ruhig", das wird extra erwähnt), aber er will sich damit nicht zufrieden geben, er fragt, ob es nicht mehr geben könnte als gegenseitiges barbarisches Sich-Umbringen und öffnet für Marks eine Tür in ein diesem bislang unbekanntes Denken (das können gute Lehrer manchmal), indem er fragt, ob sich das Menschsein in der animalischen Brutalität erschöpfen dürfe: Er entwirft eine Utopie, nämlich die des "friedlichen Kampfes" (auffällige Formulierung: ein "friedlicher Kampf", das ist ja eigentlich etwas schier Unmögliches), bringt den Begriff der "Klugheit" ins Spiel - Klugheit ist mehr als bloße Intelligenz, die ja kalt und egoistisch sein kann. Klugheit sieht mehr, sie hat immer auch eine soziale Komponente, weil sie nie ganz kalt ist (behaupte ich jedenfalls).
Für mich sieht es so aus, dass hier zwei sehr verschiedene Bilder vom Menschen gegeneinander gehalten werden. Es bleibt unklar, wer am Ende sich durchsetzen wird: Der materialistisch-vitale, brutale, kampftüchtige Mensch, der zwar intelligent und schlau genug ist, immer bessere Waffen zu ersinnen, aber andererseits herzlos und aggressionsgesteuert handelt, oder der kluge Mensch, der seine tierhaften Instinkte beherrscht und als soziales Wesen eine lebenswerte Zukunft für alle gestalten möchte. (Dieser Konflikt ist eigentlich ein ganz aktueller ...) ---
So etwa sind meine Gedanken zu den von Dir zitierten Stellen. Da steckt eine Menge drin, der Text ist tiefgründiger als man im ersten Moment denken könnte und geht über die bloße Beschreibung der Kriegsgeschehnisse weit hinaus.
Mir ist ein Zitat aus Im Westen nichts Neues untergekommen, das man hier sehr gut anfügen könnte:
"Wie sinnlos ist alles, was je geschrieben, getan, gedacht wurde, wenn so etwas möglich ist ! Es muß alles gelogen und belanglos sein, wenn die Kultur von Jahrtausenden nicht einmal verhindern konnte, daß diese Ströme von Blut vergossen wurden [...]"
(E.M. Remarque: Im Westen nichts Neues. KIWI Verlag Köln 1999. S.177)
Hier auch noch ein Link zu einer kurzen, wie ich meine ganz brauchbaren Beschreibung dieses Buches von Remarque. Mehr kann ich dazu aber nicht sagen, denn ich hab es nicht gelesen.
Du machst Dir wohl Gedanken, ob Du in der Prüfung alles richtig getroffen hast? Ich drück die Daumen ...
LG, zuppa

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Fuchs²
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Guten Abend noch einmal! Und nochmals ein "Dankeschön" an dich ZUPPA!!!
Ich habe durch dich jetzt begriffen, wie umfangreich dieses Thema doch ist . Wahrscheinlich lassen sich auch verschiedene Antworten und Interpretationsansätze für dieses Stück finden.
Und ja, du hast es richtig erkannt, ich bin wirklich gespannt was bei meiner Prüfung herausspringen wird, da ein Freund von mir den Text anders aufgefasst hat als ich.
Ich bin auch kein Profi im Fach Deutsch und bewege mich eher immer im Dreierbereich. Gerade deshalb war es für mich wichtig nachzufragen, in wie fern ich den Text verstanden habe.
Also noch einmal einen großen Dank an dich, du hast mir wirklich geholfen und ich glaube ich müsste den Sinn des Textes in meiner Prüfung einigermaßen getroffen haben.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich in einem Forum eine solch professionelle Hilfe bekommen würde.
Naja wenn ich noch einmal Fragen oder Anregungen habe, dann weiß ich ja wo ich nachfragen kann!!!! :)
Liebe Grüße, Fuchs

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