Dämmerungsmotiv: Romantik, Expressionismus · monalisa · ·


Hausarbeiten · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Texte zitieren auf literature-online.de

welt

Kipp-Phänomene: Brillante Rhetorik

Reise durch lit-on

Mein Buchhändler

Dichte Reime

Zwei Gedichte

Enjambements in Heyms Berlin III

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Ein Dogma

Distanz

in die nacht

Jahrestage


 

      monalisa



Dämmerungsmotiv: Romantik, Expressionismus

   14.04.2009, 13:05



Guten Morgen,

vor einer Woche habe ich mein Thema für die Präsentationsprüfung im Abitur bekommen das lautet:

"Das Selbstverständnis und Weltverhältnis des lyrischen Ichs in Gedichten der Romantik und des Expressionismus"
mit der Konkretisierung : " Gehen Sie vom Motiv der Dämmerung aus und erläutern Sie die Bedeutung und Einfluss der Epoche im Hinblick auf die Gestaltung dieses Motives"
Die unterschiede zwischen Romantik und Expressionismus sind mir bekannt.
Und Dämmerung verbinde ich mit dem Ende,denn in dem Gedicht "der Abend" von Novalis dämmert es erst und am ende spricht er von abend:"wäre doch einst der Abens meines Lebens"
Dh. es besteht eine parallele zwischen der Dämmerung in der Natur und dem lyrischen Ich.
Daraus würde ich schließen dass im Expresionismus die Dämmerung in Verbindung mit der Untergangsstimmung steht ,aufgrund der ersten Weltkrieges.

Problem das ich bei meiner Recherche habe ist: Es findet sich nichts zum Dämmerungsmotiv und anscheinend beinhaltet das Dämmerungsmotiv nicht,dass in dem Gdicht das Wort "Dämmerung"enthalten ist
Auf dem Aufgabenblatt sind zwei Zitate noch angegeben:

"Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend duch die Bust" (Eichendorff,Der Abend)

"Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich" (Lichtenstein ,Dämmerung)

Grade in dem ersten Zitat leuchtet mir nicht ein warum dies ein Dämmerungsmotiv ist.

Bücher wie "Romatikhandbuch" von Helmut Schanze oder Köningserläuterungen "Lyrik des Expressionismus" haben mir nicht geholfen.

Für Literaturhinweise oder sonstige Hilfen wäre ich sehr dankbar.

 

      augustine



Dämmerungsmotiv

   14.04.2009, 15:45 / 1 x geändert



Guten Morgen,

vor einer Woche habe ich mein Thema für die Präsentationsprüfung im Abitur bekommen das lautet:

"Das Selbstverständnis und Weltverhältnis des lyrischen Ichs in Gedichten der Romantik und des Expressionismus"
Diese zunächst einmal überraschende Verbindung zweier Epochen, die ~100 Jahre auseinander liegen, solltest du bedenken.
mit der Konkretisierung : " Gehen Sie vom Motiv der Dämmerung aus und erläutern Sie die Bedeutung und Einfluss der Epoche im Hinblick auf die Gestaltung dieses Motives"
Die unterschiede zwischen Romantik und Expressionismus sind mir bekannt. Wirklich? Ausreichend?
Und Dämmerung verbinde ich mit dem Ende,denn in dem Gedicht "der Abend" von Novalis dämmert es erst und am ende spricht er von abend:"wäre doch einst der Abens meines Lebens"
Dh. es besteht eine parallele zwischen der Dämmerung in der Natur und dem lyrischen Ich.
Aus einer Beobachtung an einem Gedicht einen ganz allgemeinen Schluss zu ziehen, ist nicht wissenschaftlich.
Daraus würde ich schließen dass im Expresionismus die Dämmerung in Verbindung mit der Untergangsstimmung steht ,aufgrund der ersten Weltkrieges.
Das kannst du mit Recht vermuten, aber doch nicht aus der Beobachtung an einem romantischen Gedicht schließen.

Problem das ich bei meiner Recherche habe ist: Es findet sich nichts zum Dämmerungsmotiv und anscheinend beinhaltet das Dämmerungsmotiv nicht,dass in dem Gdicht das Wort "Dämmerung"enthalten ist
Dein Problem bei deiner Recherche scheint mir zu sein: du googelst. Und google findet (noch) nur die eingegebenen Begriffe.
Du wirst aber in Büchern suchen müssen, dich einlesen, nicht meinen, wenn dein Stichwort nicht auftaucht, du habest nichts gefunden. Das Dämmerungs- (Zwielicht-, es kann auch Morgendämmerung sein)Motiv ist ein derartig erzromantisches Motiv, dass es schlechterdings gar nicht möglich ist, nichts zu finden.
Auf dem Aufgabenblatt sind zwei Zitate noch angegeben:

"Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend duch die Bust" (Eichendorff,Der Abend)
Wann kann man denn Wetterleuchten sehen? Doch nicht tagsüber! Hier ist es Metapher, ist der Schauer im eigenen Inneren. Kannst du dich da einfühlen?

"Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich" (Lichtenstein ,Dämmerung)
Schön ausgesucht das Zitat von deinem Lehrer! Im ersten kannst du aufgehen (die Schauer sind ja nur leise), diesem aber nur gegenübertreten, denn alle 'romantischen' Anwandlungen werden weggeklatscht: der Himmel ist ohne die Schönheit des Übergangs Tag/Nacht - Nacht/Tag gesehen - wie ein Student nach durchsoffener Nacht etwa ihn sehen könnte.

Grade in dem ersten Zitat leuchtet mir nicht ein warum dies ein Dämmerungsmotiv ist.
Natürlich musst du das ganze Gedicht lesen und viele Eichendorff-Gedichte und romantische Gedichte überhaupt. Bestimmt gibt's das bei reclam. -
Und die berühmte, immer wieder aufgelegte Sammlung der expressionistischen Lyrik heißt MENSCHHEITSDÄMMERUNG. Die musst du dir wohl auch kaufen, ist ein TB.

Bücher wie "Romatikhandbuch" von Helmut Schanze oder Köningserläuterungen "Lyrik des Expressionismus" haben mir nicht geholfen.
Hast du den so vielgelobten Safranski bemerkt?

Für Literaturhinweise oder sonstige Hilfen wäre ich sehr dankbar.
Ich könnte dir noch weiterhelfen, ja. Aber nur, wenn ich an einer Antwort merke, dass du dich selbst inzwischen weitergebracht hast.
Du könntest mir auch eine pn schreiben; vielleicht geht das leichter.
Aufmunternde Grüße augustine
Und bitte: eine Anfrage wie diese vorher Korrektur lesen! Erstens musst du es für dich selber können, fehlerfrei schreiben (zumindest mit dem Anspruch, es zu tun); zweitens erwartest du hier etwas, und einen Text mit so vielen Fehlern loszuschicken ist einfach unhöflich.

 

      Gretchen



Dämmerungsmotiv

   15.04.2009, 02:01



Heia, monalisa,

nur paar Zeilen zu Deiner Anfrage. Wenn ich mich vorbereiten müsste, würd ich wohl so vorgehen:

1. Eine Kernthese überlegen, zu der man argumentieren kann. Also z.B., dass das lyrische Motiv der Dämmerung in beiden literarischen Epochen eine Reaktion auf die Gegebenheiten und Denkströmungen der jeweiligen Zeit ist.
In der Romantik dient es, grob gesagt, dazu, den Blick nach innen zu demonstrieren, also eine persönliche Befindlichkeit anzuzeigen (als Gegenreaktion auf die äußeren Umstände) und darzustellen, wie ein Ich über sich selbst und seine Situation reflektiert: Kunst und Literatur sind nicht Mittel zum besseren Weltverständnis, sondern zum intensiveren Erleben der Umwelt (Poetisierung oder Romantisierung), Novalis sagt: "Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Aussehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es".
Im Expressionismus verweist das Motiv der Dämmerung auf den Zustand der Welt, also nicht nach innen, ins Persönliche, Individuelle, sondern nach außen, auf die Umwelt, auf Umwälzungen und Krisen der Zeit, und dient dazu, diese um so drastischer sichtbar zu machen.

2. Dazu würd ich dann Argumente bzw. Beispiele sammeln, d.h. viele Gedichte aus der jeweiligen Epoche lesen (hat augustine ja auch schon gesagt) und mir passende Stellen suchen, die mit Abend, Dämmerung usw. in Zusammenhang sind, also Gedichte durchkämmen von Eichendorff, Brentano, Tieck - van Hoddis, Heym, Trakl, Lasker-Schüler, evtl. Benn ... (kann man auch ganz gut online finden, z.B. hier - klick), und immer mit Textstellen argumentieren.
Bedeutend für die expressionistischen Dichter war nicht die eigene Situation und persönliche Schwierigkeiten, sondern es geht immer wieder um die Beziehungen aller Menschen untereinander. Fortlaufend wurde an Humanität, Menschenliebe (so u.a. in Gottfried Benns "Der Weltfreund") und Frieden appelliert; Krieg, (Völker-) Hass und Tod waren, insbesondere für die kriegsteilnehmenden Dichter, Horrorvision und Angriffspunkt (Gedichte wie "Der Krieg" von Georg Heym). Und warum wohl hat Kurt Pinthus seine 1919/1920 erschienene Gedichtanthologie zum Expressionismus, die im Nachhinein als Zusammenfassung der expressionistischen Lyrik des Jahrzehnts betrachtet werden kann, "Menschheitsdämmerung" genannt? Expressionismus, das ist: ein Notschrei als Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen und Angtsgefühle, auf politische Unsicherheit, Ich-Zerfall, Leben in der Großstadt, Monotonie des äußeren Lebens; Expressionismus ist Zivilisationskritik.
Das "romantische" Lebensgefühl und eine Erläuterung für das, was da gesucht und umgesetzt wurde, findest Du zusammengefasst z.B. hier (klick).
Man könnte sogar behaupten, dass in beiden Epochen die Bedingungen und Anforderungen gar nicht unähnlich waren, allerdings aber ganz unterschiedlich verarbeitet und mit jeweils anderen Mitteln lyrisch umgesetzt und thematisiert wurden.

3. In diesem Zusammenhang wär es sicher gut, nicht nur passende Textstellen parat zu haben, sondern auch einiges über die Denkfiguren der jeweiligen Zeit zu recherchieren, über philosophische Strömungen (Expressionismus z.B. Oswald Spengler, Untergang des Abendlandes, Nietzsche, Darwin), sowie auch

4. Einiges über Stilmerkmale der jeweiligen Epoche zu wissen (expressionistische Lyrik z.B. arbeitet mit Reihungsstil, Gleichzeitigkeit, Ästhetik der Hässlichkeit, Verzerrung der Wirklichkeit/Groteske, Montagen/Collagen, Sprachexperimenten/Neologismen, Synästhesien und Fraben als Stimmungsträgern, parodistischer Verwendung traditioneller literarischer Formen und Elemente, Paradoxien/Zusammenfügen von Widersprüchlichem, Zerreißen der Syntax/Sprachfetzen, Stilelementen des Pathos/Aufbegehrens/der Ekstase und Gefühlsintensität)

Naja, das fiel mir jetzt erst mal so ein zu Deinem Problem. Sag doch mal, obs Dir das was bringt.

Gretchennachtschichtgrüße

 

      augustine



Dämmerungsmotiv

   15.04.2009, 02:35 / 2 x geändert



Sachma, greta nocturna, studierste eigentlich Germanistik, wennde nachts auf Schicht bis???
Aba nich jleich janze Hausarbeiten schreibn vor lauter Bejeisterung, wa?
aujustine

 

      monalisa²



Dämmerungsmotiv

   15.04.2009, 19:26



Danke Augustine und Gretchen für die Antworten.
Beides hat mir sehr weitergeholfen.
Ich habe mir erstmal den Gedichte Band von Conrady und die Menscheitsdämmerung bestellt und werde die beiden Exemplare nach für mich "brauchbaren"Gedichten durchsuchen-mit etwas Glück finde ich ja eins was gut zu meinem Thema passt und mich persönlich anspricht.
Dann werde ich die Gedichte mal (mit dem Hintergrundwissen) miteinander vergleichen.
Dass im Expressionismus nicht das Individuum zählt,wusste ich nicht,das ändert natürlich vieles-auch hier noch mal danke für die Eklräung.

Gruß
Monalisa




Views heute: 5.920 | Views gestern: 5.897 | Views gesamt: 5.493.858