Kelcy (Gast)
|
Ich habe diese Erzaehlung, die wahrscheinlich aus dem (ausgehenden?) 19. Jahrhundert stammt, vor rund einem Jahr gelesen bzw. als Hoerbuch gehoert; deshalb kann es sein, dass ich mich nicht ganz genau an alle Details erinnere.
Der Erzaehlort ist wahrscheinlich Deutschland im 19. Jahrhundert, auf jeden Fall Europa, und die Geschichte spielt beim Militaer. Die Hauptfigur, ein Offizier, wird mit anderen Offizieren zum Trinken ins Haus des Kommandanten eingeladen. Die Stimmung ist froehlich, die Witze anzueglich. Ebenfalls anwesend ist die Geliebte des Hausherrn, der gegenueber sich dieser unverhohlen grob und geringschaetzig verhaelt. Der Protagonist findet die Dame attraktiv, und irgendwie beginnen sie eine Affaere. Das Militaer missbilligt diese Liebschaft und droht, den Ruf und die Karriere des Offiziers zu zerstoeren. Seine Haltung ist, dass Liebe alles ueberwinden kann. Er sucht einen Vorgesetzten auf und glaubt zuerst, dass er dessen Erlaubnis, diese Beziehung fortsetzen zu duerfen, erhalten wird. Aber das ist nicht der Fall.
Schliesslich zieht sie bei ihm ein. Die Wohnung und die Treppe, die zu ihr fuehrt, werden sehr bildlich beschrieben. Ich erinnere mich nicht genau an die Einzelheiten, aber es folgt nun ein ausgekluegelter Plan – eine Art Verschwoerung. Unter einem militaerischen Vorwand soll er zu einem Manoever weit weg geschickt werden, so dass die anderen Offiziere sich ihrer in der Zwischenzeit entledigen koennen. Dieser Plan gelingt aber nicht (dieser Teil ist sehr spannend geschildert).
Der letzte Ausweg ist, sie zum Landhaus zu bringen, das der Offizier von irgendjemandem geerbt hat und das viele Jahre lang von einem Verwandten/Cousin verwaltet wurde. Die Reise uebers Land in einer Kutsche bildet den Hintergrund fuer den einzigen Moment dieser Geschichte, in dem die beiden frei sind und das Zusammensein geniessen koennen. Eine gemeinsame Zukunft scheint moeglich zu sein.
Sie wartet in der Kutsche, waehrend er mit seinem Cousin spricht, der ueber das Auftauchen der beiden nicht gerade begeistert ist. Der Protagonist erklaert seinem Cousin, dass er das Anwesen nun wieder selbst uebernehmen moechte. Aber der Cousin teilt ihm mit, das Testament verfuege, dass das Gut automatisch nach mehreren Jahren an denjenigen faellt, der sich darum gekuemmert hat. Und natuerlich wird er, der Cousin, es auch nicht aufgeben. Also verschliesst sich eine weitere Tuer fuer unseren jungen Offizier – im wahrsten Sinne des Wortes.

|  |