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Lilienfee
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Kleine Brücken bauen sich behutsam
Aus unsichtbarem Atem auf,
wachsen über Gänsehaut den Körper hinauf.
Kleine Brücken und Stege,
die ans Körpermeer ufern.
Pfade und Wege,
die zum Herzkrater führen.
Bitte nicht berühren,
weil Verbrennungs- und Einsturzgefahr!
Risse, die sich unter nackter Haut die Köpfe einrennen,
nicht fähig etwas zu erkennen
tief im Fleisch,
im Venenreich, das vom Blutrausch wird regiert,
arrestiert, attackiert und dominiert.
Doch kleine Brücken bauen sich behutsam
Aus unsichtbarem Atem auf,
wachsen über Gänsehaut den Körper hinauf.
Überwinden die Risse,
bauen Wege hinüber.
Verdrängen die Geschehnisse,
alles geht vorüber und letztendlich über die
kleinen Brücken und Stege,
Pfade und Wege,
zum Körpermeer,
vorbei am Herzkrater,
vorbei am teuflischen Neuronenheer,
runter ins Venenreich
tief ins Fleisch,
das vom Blutrausch wird regiert,
arrestiert, attackiert und dominiert.
Hinein ins kühle, laue Nass aus Geborgenheit und Zeitlosigkeit.
Sich in Wellen verlieren,
hohen Wogen,
tief verborgen,
fast nie zu sehn.
Drüber Regenbogen,
schön, wie am Frühlingsmorgen,
fast nicht zu verstehn.
Farbenpracht spiegelt sich spielerisch
In Wassertropfen wieder,
auf und nieder wogen die Wellen,
weggespülte Hirnzellen.
Verlorengegangener Verstand,
Ausnahmezustand.
Die Seelensirenen heulen im Sturm,
immer lauter ihre Rufe,
höchste Alarmstufe !!!
Die Wellen peitschen wild umher,
in vollem Aufruhr das Körpermeer.
Die Wellen schlagen um sich, wild,
es zeigt sich ein zerstörerisches Bild,
als die tobenden Wassermassen,
die Brücken und Stege erfassen,
und alles mit sich reissen,
regelrecht verspeisen und verschlingen,
niederringen, zerstören.
Doch schon bauen sich neue kleine Brücken behutsam auf,
aus unsichtbarem Atem.
Das Spiel nimmt weiter seinen Lauf,
hört niemals auf,
solange wir atmen.

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Gretchen
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11.03.2009, 01:58 / 2 x geändert
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Heia Lilienfee,
willkommen auf lit-on, dem Planeten, wo die infernalisch guten Texte wachsen.
Mich irritiert Vers 10 Deines Werkes. Risse, die sich unter nackter Haut die Köpfe einrennen - das klingt bisschen so wie: Aphten, die sich unter belegter Zunge die Finger wund schreiben - also, irgendwie ist das sonderbar, so unfreiwillig komisch schräg. Und im Venenreich, das vom Blutrausch wird regiert ist eigenartig yodamäßig verdreht - warum? Wie begründet sich diese Inversion (außer durch "das Metrum muss irgendwie passen" und "reim dich auf dominiert, oder ich fress dich!").
Der Rest wirkt aber ganz beruhigend auf mich: Nix Neues aus den Körperwelten, alles wie immer im grünen Bereich - Fleisch (nicht Gammel-, aber Venen-), Blutrausch(en), (Wellen)Wallung(en), Gänsehaut und Wer atmet, spielt (noch mit).
Angenehme Ruhe wünscht
die Nachtschichtkröte.

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Lilienfee²
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Wunderschönen guten abend werte Dame,
also erstmal herzlichen Dank für die doch recht positive Kritik!! :)
Ich hatt ja anfangs wirklichen Respekt hier was selbstgeschriebenes von mir reinzustellen, dacht ich werd zerfleischt......^^
Also nochmals, ich fühle mich geehrt!!!
Also bei den "Rissen, die sich unter nackter Haut die Köpfe einrennen", dacht ich irgendwie an so viel Chaos und HickHAck, sodass ichs irgendwie ganz passend fand das Ganze in dieses Bild zu packen.
Is vllt. echt en bissel schräg, aber mir hats gefallen :)
Und bei der etwas yodamäßig-abgedrehten Inversion......also du hast schon recht, und einerseits sollt sichs auch reimen und ins Metrum passen, aber ich bastel meine Sätze ganz gerne mal in dem Muster. Irgendwie mag ich das, weiß auch nich......:)
Allerliebste Feengrüße

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augustine
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19.03.2009, 18:38 / 1 x geändert
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Weniger vielleicht für die Lilienfee - wer weiß, ob die sich noch wieder zeigt - als für Literaturinteressierte:
Hab' ich doch da eben zufällig ein Stück Heinrich Heine gefunden, das genau vorführt:
die albernen hakligen Umstellungen im üblichen Satzbau sind Spott; und er markiert mit Gedankenstrich, wo der Spott aufhört.
Das liest sich so:
Als ich ging nach Ottensen hin
Auf Klopstocks Grab gewesen ich bin.
Viel schmucke und stattliche Menschen dort standen,
Und den Leichenstein mit Blumen umwanden,
Die lächelten sich einander an
Und glaubten Wunders was sie getan. -
Ich aber stand beim heiligen Ort,
Und stand so still und sprach kein Wort,
Meine Seele war da unten tief
Wo der heilige deutsche Sänger schlief: --
augustine

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