Mutter · Jolante · ·


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      Jolante



Mutter

   01.06.2006, 13:04 / 2 x geändert



Als ich begann
nach den Dingen zu greifen
nahmst Du sie mir aus der Hand

Als ich begann
die Dinge zu begreifen
schlugst Du sie mir aus dem Kopf

Als meine Hände leer waren
und mein Kopf hohl
griffen die Dinge mich an

 
        arisia
        (Gast)

RE: Mutter

   13.06.2006, 09:40



Hi, Jolante,

habe lange gezögert einen Beitrag zu diesem Gedicht zu schreiben, weil es mich
sehr berührt, und ich erst nicht wußte, wie ich damit umgehen kann.
Dann viel mir eine Möglichkeit ein, etwas was auch bei mir bisher nur im
Nähkästchen lag:


Mutter begegnete mir auf den Schollen
Der Abstand war zu groß
Um ihre Hand zu erreichen
Ich wurde bestraft
Weil mein Arm nicht lang genug war

lg
arisia

Du kannst sicher etwas damit anfangen

 

      Jolante²



RE: Mutter

   15.06.2006, 12:07



Hallo arisia,

in meinem Gedicht hat die Mutter ihrem Kind nichts zugetraut und ihm deshalb alles abgenommen, in deinem Gedicht hat die Mutter von ihrem Kind zuviel erwartet und es deshalb wegen seiner "Unzulänglichkeit" bestraft. Sie passen gut zusammen, die beiden Gedichte !

Gruß Jo

 

      augustine



RE: Mutter

   17.07.2007, 17:03



Es tut mir leid, Jolante, dass ich nicht geantwortet habe, als dies Gedicht neu war. Schon dieser Text zeigt deine Fähigkeit, die Aussagen aufs Wesentliche zu reduzieren und prägnant gegeneinander zu setzen - hier um die Worte 'greifen', 'begreifen' im doppelten Sinn und 'angreifen' arrangiert und das in einem Dreischritt, den man dialektisch nennen darf. Nur ist die Syn-These nicht im Sinn des Fortschrittsglaubens ein Schritt zum Besseren. Minus UND minus ergibt nicht plus - in der Mathematik nicht, im Leben nicht, aber im Gedicht.
Liebe Grüße augustine




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