Der Abend bricht vor meiner Türe · Gretchen · ·


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      Gretchen



Der Abend bricht vor meiner Türe

   21.02.2009, 17:26



Untergang

Der Abend hat sich wieder mal mit Restlichtfusel zugesoffen
und kann infolgedessen kaum noch stehen.
Dass er so furchtbar dicht ist, macht mich wirklich tief betroffen:
Ich mag dies ewig gleiche Abendelend einfach nicht mehr sehen.

Jetzt hängt er an der schwarz gestoch'nen Rasenkante, kotzt im Bogen
blutrot den Restlichtfusel aus, verdammt, der kotzt mir direkt vor die Tür!
Am liebsten trät ich, aber ehrlich, ungelogen,
ihm in die Fresse - nee! Ich beherrsch mich nochmal, schließlich kann er nix dafür:

Er macht das, weil er solche Angst hat vor dem Untergang!
Er kommt nur in die Nacht, wenn er sich abfüllt, bis er bricht!
Hat er gebrochen, kriegt er Ruhe und kann pennen, tief und lang,
beschienen von des endlich aufgegang'nen, milden Mondes Licht!

 

      ruelfig



Der Abend bricht vor meiner Türe

   21.02.2009, 22:03



Hallo Gretchen,
ein feines Zeitzündergedicht hast du da gestrickt, erst war ich etwas irritiert, aber dann! Sehr schön, diese Respektlosigkeit vor der heiligen Anwallung der Abendröte. Wer sowas schreibt, tritt hoffentlich bald auch die Morgenröte und den güldenmond mit extra dicken Stiefeln.
Nur mit: "ich beherrsch mich nochmal, schließlich " komme ich metrisch nicht ins reine, ich muss da immer krumm betonen. Geht es nicht auch ohne "nochmal"?
Du hast mir Freude gebracht in trüber Zeit.
Danke dafür,
R

 

      Jolante



Der Abend bricht vor meiner Türe

   22.02.2009, 19:27



Grüß dich, Greta des Untergangs,

in ruelfigs Lob über dein "feines Zeitzündergedicht" stimme ich gerne ein, denn auch mir hat deine kleine Satire (steht allerdings unter Constanze) ausgesprochen gut gefallen. Ich bin sicher, du liebst die Abendröte, wehrst dich aber gegen verlogenen Sonnenuntergangskitsch, weil du seinen besoffenen So-Netten nicht traust. Es sei denn, sie kommen in der Nacht und führen sich besser auf als die Hexameter.

Liebe Grüße
vom Tantchen

 

      Gerd



Der Abend bricht vor meiner Türe

   24.02.2009, 01:02 / 3 x geändert



Abendrot/Sonnenuntergang, der ungebärdige Range gefühlsbeduselt und bedeutungsschwanger, reichlich übertragen, zugezuckert und vor Sirup triefend. Eine abgegriffen klebende Bahnhofstoilettentürklinke. War zu vielen Motivdieben und Schüttelreimdrechslern schon Inspiration für einen schlechten Vers. Erst wenn dieser ausgespien, ist in der Dichterschmiede ruh und der geschäftige Handwerker kann sich sanft vom Mondlicht zudecken lassen. Damit wäre das Yin und Yang der Do-it-your-self-Werkzeugkiste oder „Malen nach Zahlen“-Strickanleitung für das Gedicht von „echtem“ Gefühl beisammen. Ungeschrieben soll man ja nicht schlafen gehn, sonst wüsst später keiner, dass man an dem Tach existiert hat.

Heiala Gretchen, ist das herrlich respektlos gegenüber dem güldenen Abendrot. Onkel Heinz hätte, wie ich, sicher seine Freude daran gehabt, da er doch selbst gerne einigermaßen respektlos mit unantastbaren Klassikern verführ – äh, verführt hatte mich das gute Stück – das wollt ich ja gar nicht erzähln – verfuhr. Ei, war das verführt ..., ach nein, verfahren.

Hallo Onkel Heinz,
da oben auf Wolke 7 ½, alles Gute zum 100.
Ich hoffe, Du schaust uns manchmal zu, was wir hier so auf dem Lyrichplaneten fabrizieren und hast zuweilen was zu lachen.

Karolachende Dankesknicksgrüße an Krähta
Gerd

 

      zuppanova



Der Abend bricht

   27.02.2009, 00:13



Mei, Gretchen, meine Vorredner/innen haben eigentlich schon alles gesagt, deshalb mach ich's ganz kurz.

Du hast hier zu einem der gängisten Stilmittel gegriffen, zur Personifikation, und aus dieser Kernidee einen flotten Dreistropher gebaut. Ein Abstraktum (könnte auch Tier, Pflanze, Gegenstand sein; hier ist es eben der Abend) wird mit menschlichen Zügen ausgestattet - da bist du zwar nicht die erste, die so etwas tut, bei Gryphius heißt es z.B. die Nacht schwingt ihre Fahn /Und führt die Sternen auff, aber das Gute an deinem Abendstück ist, dass es grade nicht versucht, barocke Dramatik oder die atmosphärische Dichte der Romantik nachzuahmen, sondern dass es den ganzen lyrischen Abendwahnsinn demontiert und ins Groteske führt: Das Hereinbrechen der Dämmerung wird wörtlich genommen.

Die drei Strophen sind inhaltlich schön gegliedert. Die erste könnte man als Exposition oder Darlegung der Situation allgemein lesen, mit einer kurzen Stellungnahme des Sprechers/der Sprecherin ("ich kann es nicht mehr sehen"), welche überleitet zum Inhalt der zweiten Strophe. Hier nämlich entwickelt sich eine dramatische, emotionsgeladene Krisis ("in die Fresse treten oder nicht?") inclusive kathartischer Lösung ("nein, doch nicht treten"), und die dritte Strophe schließlich erläutert psychologisierend die Gründe für das Verhalten des Abends, macht den Leser zum Mitwisser, weiht ihn ein und lässt ihn dieses aber zugleich durchschauen, stellt ihn somit über die Situation und verschafft ihm dadurch einen Genuss an dem Gedicht, eine emotionale Befreiung, oder wie man auch sagt: ein Schmunzeln.

Soviel mit lieben Grüßen von der
zuppa

 

      carhard(t)



Der Abend bricht

   07.02.2011, 23:51



Abend-Bruch,
Beates genug,
Taktes gewiss,
und Ihres Diss´:

http://www.youtube.com/watch?v=pq5HdmUZh_Q

 

      Gretchen²



Der kleine Guttenplag in uns -

   25.04.2011, 00:30



Heiala, carhardtcarsten!

Ob Du hier noch liest?
Naja, ich schreib mal kurz was dazu:



Die von Dir im Vid gebrauchte "graukarierte Hündin" ist ein von Hertha Müller verwendetes Bild; passt zu "Grete Karo": ein Heteronym, das ich manchmal benutze.
Der im Video ab 2:52 eingesprochene Text ("Abendbrechen") stammt von Grete Karo.

Hm.

Gretchen weiß nun gar nicht, wie sie das finden soll, dass da einer mit ihrem Text rumgebastelt hat. Ist ja ganz nett einerseits und macht grinsen. Andererseits könnte es noch vielviel netter sein, nämlich dann, wenn "carhardtcarsten" unter sein Vid einen Link auf diesen hierigen Faden setzte (Konj.), damit klar würde, wo er den Text her hat.

So, ungefragt benutzt und ohne Verweis auf die Quelle, ist da i-wie eine kleine Trübung dabei. Schade ...

. . . . . . . . . . . Grätchen grüßt

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> Haiku?


Man könnte das ja nachholen, das mit dem Link, oder?

 

      SimonLore



Alternativer Vorschlag

   26.04.2011, 13:08 / 1 x geändert



Äh, eine andere Möglichkeit wäre, dieses unsägliche Machwerk schnellstmöglich aus dem Netz zu entfernen. Es ist unglaublich schlecht produziert (nein das ist kein Stilmittel, das ist Unvermögen). Dieses uninspirierte Elektro-Fruity-Loops-Gedingel zusammen mit dieser Hundejammerostberlinstimme ist einfach nur ein fürchterliche Zumutung für jeden Hörer. Ich kam nicht mal zu der Stelle, wo Gretchens Text verarbeitet wurde.

Gretchen, vielleicht willst du der Welt einen Gefallen tun und das Ding wegen Copyright-Verletzungen sperren lassen...? Büdde?

Einfach auf die kleine Flagge neben "Weiterleiten" klicken > Grund auswählen > Verletzt meine Rechte > verletzt mein Urheberrecht.

 

      homecooking



GuttenPigs

   01.05.2011, 06:25 / 2 x geändert



Der unsägliche "carhardtcarsten" antwortet auf meine und SimonLores Plagiatsvorwürfe wie folgt:

Zitat:
"Die zweite Achse der Machenschaft "abend-brechen" ist ein Datenklau. Sozusagen die Re-Adaption eines enervierend depressiogenen Tatbestandes eines Kompositums von Ihnen als Metonymien des literarisch Unbewussten. Als Torso erfüllt sie wegen Non-Konkludenz Ihrer als des Initiators die Erwartung personaler Zivilität nicht. Meiner zumindest."

Gegen diesen Schwurbel sind die Guttenbergschen Windungen und Wundungen ja von geradezu blendender Luzidität. Man sieht wieder mal: Es geht immer noch schlimmer!

http://www.youtube.com/watch?v=pq5HdmUZh_Q

 

      Gretchen²



gone ...

   07.06.2011, 03:01 / 1 x geändert



Heiala, homecooking und Simon Lore,

Ihr hattet Kommentare geschrieben zu dem youtube-Video. Danke für Eure Mühe.
"carhardtcarsten" hat inzwischen das Video vom Netz genommen, hab da nicht interveniert, wollte ich nicht, aus verschiedenen Gründen. Dennoch - hatte mich über Euer Engagement in der Sache gefreut. So long ...


. . . . . . . Gretchengrüße

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> Sehnsuchtslied




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