Von Königen und Sternen · yannick.scherer · ·


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      yannick.scherer



Von Königen und Sternen

   10.02.2009, 05:59 / 1 x geändert



Eigentlich als Weihnachtsgeschichte gedacht, jedoch nicht mehr rechtzeitig fertig geworden... Für mich persönlich läuft der Text im Übrigen auch noch unter "Entwürfe", weil ich das Gefühl habe, noch einiges ändern zu wollen/müssen, wenn erst etwas Zeit ver- und eventuelle Kommentare eingangen sind.

Einen schönen Tag wünsch' ich euch!


[pdf] Von Königen und Sternen

 

      augustine



Von Königen und Sternen

   11.02.2009, 19:24



Hallo Yannick,
nur eine kurze Vorab-Rückmeldung: ich hab' deine Erzählung ausgedruckt und gestern abend gelesen - das ist eben, was hier passt!
Ich möchte aber nicht wieder, wie bei deinem Märchen, nur einfach sagen: es ist großartig; aber etwas Sorgfältiges schaff' ich jetzt nicht. Aber wird kommen!
Mit Grüßen von Nachteule an N achteule!

 

      yannick.scherer²



Von Königen und Sternen

   12.02.2009, 17:24



Hallo augustine,
danke für diese Vorab-Rückmeldung! Freut mich, dass dich die Länge des Textes nicht abgeschreckt hat! ;) Und jetzt bin ich sehr auf das angekündigte "Sorgfältige" gespannt - aber mach' dir nicht zuviel Mühe meinetwegen...
Von Nachteule zu Abendeule (wenn ich mir die Beitragszeiten so anschaue):
Schönen Nachmittag!
Yannick

 

      augustine



Von Königen und Sternen

   16.02.2009, 20:41 / 1 x geändert



Nun, Yannick, endlich;
vorweg, es war, wie dein Märchen, die reine Freude, dies zu lesen und einiges von dem zu bemerken, wie du's gemacht hast, und selbst dies Schreiben jetzt ist: Freude.
Es gibt da also - weihnachtslegendenbenannt - drei "Könige", die keine sind; drei Sterne sind nicht vergessen; drei unwahrscheinliche, todesnahe Ereignisse finden etwa zeitgleich zu Weihnachten statt und führen die drei Protagonisten in drei Betten in einem Krankenhauszimmer zusammen; es kommt tatsächlich ganz am Schluss ein zu Weihnachten geborenes Kind vor samt seiner Mutter; es kommen Kälte und Wärme vor (darunter fast tödliche Kälte und fast tödliche Wärme), Leben und Tod, Picassos Guernica - und: Glaube, Liebe, Hoffnung, 1. Kor 13,13, aber das wird nicht gesagt), so wie alle Leitmotive, auch die Farben dunkelrot und weiß, so unaufdringlich gesetzt sind, dass sie mir beim ersten Lesen, glaube ich, noch gar nicht aufgefallen sind. Ich muss es nochmal sagen: jedes einzelne Wort (ganz am Schluss kommt noch eine winzige Meckerei*), jedes Motiv ist überlegt und mit den anderen verbunden. Und es sind - wenn man die Geschichten der drei "Könige" gewissermaßen als eine nehmen darf - auch noch drei Kapitel.

Zuerst wollte ich die Geschichten der Personen nacherzählen.
Aber lieber doch nur, wie ich sie verstanden habe:
"Caspar" ist Außenminister seines Landes, eines nicht genannten, aber man darf sich wohl die USA vorstellen, ein entsetzlicher Rechtsaußen und christlicher Sektierer zudem (trifft nicht ganz selten zusammen). Er glaubt, dass sein weißer (!) "Montblanc" (!) ihn vor allen Gefahren schützen werde.
"Balthasar" ist ein schwarzer Barkeeper, der einen Messerstich in die Schläfe überlebt hat und in der Weihnachtsnacht niedergeschlagen, beraubt und angefahren wird.
"Melchior" ist ein Heruntergekommener, ganz nach unten Gekommener, der (weil er, nehme ich an) ganz nach oben wollte, das wird gesagt, viel Geld verdienen; nun hat er keins mehr. Er ist Arzt, aber praktiziert nicht. In seiner hundekalten kleinen Wohnung will er das Problem mit einer Überdosis von irgendetwas lösen, die einen epileptischen Anfall auslöst, in dessen Zucken er den Kanonenofen umreißt mit dem letzten Scheit drin, und es entsteht ein Brand, der ihn rettet (ja, so).

In einem Krankenzimmer also treffen sie zusammen. Das ist das Kapitel "Erwachen". "Balthasar" geht es relativ gut: ein paar gebrochene Rippen; aber da ist auch eine Narbe an der Schläfe von früher, die hätte tödlich sein können. "Melchior", der Arzt, kommt nach noch einem Anfall wieder zu Bewusstsein und sieht, dass der im mittleren Bett, "Caspar" also, umstanden ist von intensivmedizinischem Gerät.

Im Kapitel "Reise" gehen die drei wieder auseinander und treten unterschiedliche Reisen an von diesen "Tiefpunkten ihrer Leben". Hier liegt der gedankliche Schwerpunkt des Erzählens. "Caspar", obwohl der Autor kurze Zeit die Erwartung weckt, er werde überleben, stirbt. Aber er will nicht im Krankenzimmer sterben und bittet die beiden anderen, ihn im Rollstuhl auf den Gang zu schieben. (Wieso ist ein Rollstuhl im Zimmer?) Da wird erzählt, aber nur dem Leser, was seinen, des Außenministers, Hass erklären soll. Zuvor aber, als Vorbereitung gewissermaßen, am Tor zum Tod, stellt er die Frage nach dem GLAUBEN, erzählt von einem Moslem, "eingesperrt, isoliert" (Guantánamo fällt einem ein) für das, wovon er geglaubt hatte, dass es richtig sei, der nicht zerbricht, weil er sich im täglichen Gebetsritual am Leben erhält. Er, "Caspar", hat solche Möglichkeit nicht, statt dessen den Aberglauben an die Kraft des weißen Berges. Das andere Erlebnis denkt er nur. Aber "Balthasar", der Schwarze, sagt der allwissende Autor, versteht es wohl, aber geht fort. "Caspar" stirbt danach an den Verletzungen durch die Kugel der jüdischen Frau des Innenministers bei dem Abendessen, das am Anfang erzählt wird.
Dazwischen eine Geburt an Weihnachten: ein GELIEBTES Kind ist auf der Welt.
"Melchior", der, dem die Sympathie des Erzählers ganz offenkundig gilt (das darf sie auch, finde ich), der Denker unter diesen Dreien, nimmt sich eine HOFFNUNG mit aus dem Geschehen dieser Weihnachtstage, während "Balthasar" "nach hinten gerissen" wird (durch den sterbenden
"Caspar", der aus dem Rollstuhl kippt?) einfach aus der Geschichte gleitet. (Darf auch so sein, finde ich; der wird eben irgendwie in seiner Kneipe weitermachen).

Und das betrachtest du als "Entwurf"??

* Die "Meckerei" lass ich jetzt. Du wirst ja antworten, andere werden etwas dazu sagen. Und ein paar neugierige Fragen hätte ich schon auch noch.
Gute Nacht!
augustine

 

      yannick.scherer²



Von Königen und Sternen

   18.02.2009, 20:25



Hallo augustine,
erst einmal ein riesengroßes Dankeschön für diese ausführliche Auseinandersetzung mit meinem Text! Sowas hatte ich bisher noch nie und versetzt mich daher in einen nicht zu beschreibenden Freudenzustand :)

Dann zum Thema "Entwurf": abgesehen vom abergläubischen, schulprüfungshaften "Das hab ich jetzt total verbockt!" (dem Herunterfahren jeglicher Erwartung also), ist es meiner Meinung nach ziemlich wahrscheinlich, dass mir (oder anderen) Kleinigkeiten auffallen, die so nicht stehen bleiben können. Es dauert seine Zeit, bis der Blick sich soweit geklärt hat, dass das wieder möglich ist, und solange spreche ich lieber von "Entwurf" als "Werk" ... (Bestes Beispiel ist hierbei der nicht zu erklärende Rollstuhl im Krankenzimmer ...)

Wie du in deiner Zusammenfassung die Personen beschreibst, stimmt absolut mit meinen Gedanken überein. Zu Caspar hätte ich noch eine Anmerkung: egal wie radikal er auftritt, egal wie fanatisch er seine Überzeugungen vertritt, macht er dennoch Ausnahmen, zum einen bei der Musikwahl (Django Reinhardt war Sinti), zum anderen bei der Wahl seines Vorbilds (des Moslems). Ob man das nun als Abschwächung seiner "Bosheit" oder als Opportunismus interpretiert, bleibt jedem selbst überlassen. Ich persönlich denke nur, dass man das nicht unbedingt unter den Tisch fallen lassen sollte.

Was du an Motiven entdeckt hast, finde ich phänomenal, auch wenn ich gestehen muss, erst heute, nach dem Lesen deines Kommentars auf die genannte Bibelstelle 1. Kor 13, 13 aufmerksam geworden zu sein. Mein Grundgedanke waren stets die Gegensätze, die es irgendwie zu vereinigen gilt: schwarz - weiß, kalt - warm, Trostlosigkeit - Hoffnung, etc... Und Weihnachten als das Fest der Geburt des Erlöser, die ultimative Auflösung aller Gegensätzlichkeiten also, war für mich das beste zu findende "Setting", auch wenn es sich mit meiner Religiösität ziemlich in Grenzen hält.

Ich bin froh, dass dir die Erzählung gefallen hat, danke dir für deinen aufschlussreichen Kommentar, hoffe, dass mein eigener nicht in Selbstherrlichkeit ertrinkt (...), und würde mich (allein deshalb schon) freuen, die kleine Meckerei doch noch zu hören. Und für alle weiteren Fragen bin ich natürlich jederzeit offen.

Schönen Abend!

Yannick

 

      augustine



Von Königen und Sternen

   18.02.2009, 23:12



Hallo, Yannick!
Nun kann ich mich auch noch über deine Freude freuen!
Dass "Glaube/Liebe/Hoffnung" nicht Absicht war - es ist ein großartiges Beispiel dafür, dass Recht hat, wer sagt: der Text ist (der gute) noch 'irgendwie' mehr als sein Autor.

Also gut: gemeckert (weniger Wichtiges und Wichtigeres durcheinander):
- Seitenzahlen fehlen
- die Initialen auf dem Montblanc verstehe ich nicht (3)
- "zögerlich" herabfallende Schneeflocken? "zögerlich" setzt ein Bewusstsein voraus (3)
- "Nigger", "Juden", "Zigeuner" (sic!) (3)
- 1. Absatz: 2x "sagte", hier nicht als Stilmittel der Wiederholung
- Davidstern ist immer 6-zackig
- ob Eiswürfel durchsichtig sind oder nicht? am besten: Attribut weglassen
- auch "klimpern" genügt
- kann Whiskey hämmern? (alles S. 4)
- die Eiswürfel: halb geschmolzen/halb vergangen -doppelt gemoppelt
- Formulierungen wie "Hand strich"/"Stimme fragte" u. ä. - so was machen Kitsch-Schreiber (6)
- "lechzten" am Holz? (9)
- ein "Paar Schlappen ruhte...": wieso überhaupt? und wieso 'ruhen'? (15)
- Django Reinhard, ja, ist (war?) Sinto; Ibrahim als Vorbild Moslem: aber: der eine war so berühmt, dass man darüber hinwegsehen konnte (Goebbels: wer Jude war, bestimmte er); und beim Moslem habe ich die Darstellung so gelesen, als gebe das Gebot des 5maligen Gebets allein durch die Form Halt (die dann aber auch genügt)
- passt das zu Caspar, von einem "Fixpunkt" zu sprechen? (17)

Ich kenn das: einen Text liegen lassen müssen, um Distanz zu gewinnen, aber auch nicht zu lange liegen lassen dürfen, um nicht zuviel Zeit zu brauchen, sich in ihm in alle Richtungen wieder auszukennen.

Seit wann schreibst du?
Eigentlich möchte ich fast kindlich fragen: wieso kannst du das, so gut schreiben? Aber natürlich musst du nicht oder nicht öffentlich antworten.

Grüße in die Nacht!
augustine

 

      yannick.scherer²



Von Königen und Sternen

   20.02.2009, 18:47



Hallo augustine,
die "Meckereien", wichtige und unwichtige, habe ich mir zu Herzen genommen und werde sie nach bestem Gewissen auf den Text übertragen. Es ist immer heilsam, einen kleinen Kampf mit seinem Ego auszufechten. ;) Zwei Sachen dazu noch:

1. Hiermit merke ich mir "Sinto" offiziell als einzig richtigen Singular von "Sinti" und werde beim weiteren Verfassen von Texten und Kommentaren darauf achten.

2. "Nigger", "Juden", "Zigeuner": Im Sinne der political correctness sollte man auf solche Bezeichnungen verzichten, selbst wenn sie dazu dienen den Charakter einer dargestellten Person über dessen (in-)direkte Rede zu unterstreichen?

-----

Für alle, die's interessiert: ein kleines Offtopic-Biographie-Schnipselchen (auf mehr oder minder so gestellte Anfrage augustines):

Meine erste "Geschichte" habe ich mit acht Jahren geschrieben. Allerdings war diese eher eine Ausgeburt übermäßigen TV-Konsums und begann in etwa so: "Ich war ein Detektiv und suchte einen Freund. Als ich ihn gefunden hatte, sagte dieser Freund (...)" Wie Kinder halt so sind... Dann war erstmal Pause für weitere acht Jahre, so dass ich sagen würde, dass meine ernsthaftere Ich-schreibe/dichte/habe-etwas-zu-sagen-Phase vor etwa vier Jahren begann. Und es macht Spaß. ;)

-----

Ich danke dir nochmals für all deine Gedanken und Hinweise, und nicht zuletzt das Lob, und wünsche euch allen auch weiterhin eine schöne Zeit.

Yannick

 

      augustine



Von Königen und Sternen

   20.02.2009, 19:19



Hallo, Yannick, meinerseits erstmal nur ganz kleine Anhängsel:
ich hab' dich ja hier gefragt, wann du angefangen hast zu schreiben, darum darf diese off-topic-Antwort (wenn's eine ist) hier auch bleiben;
dann hat die zuppa mal einen extra Faden dazu angefangen, den hier; nur, falls es dich interessiert.

Gefragt hab' ich, weil bei deinen Texten ein weiteres Mal in diesem Forum zu erleben ist, dass auch literarisches Können, dass: die Sprache in den Fingern haben, dass Gedanken - nicht vom Alter abhängen, so wie es eben andere früh Reife auch gibt. Aber was heißt: "eben". Selbstverständlich ist da gar nichts. Mich jedenfalls bewegt es sehr.

Und die politisch inkorrekten Bezeichnungen: ja, war mir klar, dass du damit den Caspar kennzeichnen wolltest. Aber für diesen selben ist ein Moslem Vorbild; da ist eine Reibung drin, finde ich.

Grüße von augustine und Dank auch

(Bitte, Elise, HIER stehen lassen!!!)




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