. · Eneas · ·


Briefe · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Dichte Reime

Texte zitieren auf literature-online.de

Poesiefeldambulanz

welt

Kipp-Phänomene: Brillante Rhetorik

Reise durch lit-on

Mein Buchhändler

Zwei Gedichte

Enjambements in Heyms Berlin III

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Ein Dogma

Distanz

in die nacht


 

      Eneas



.

   19.01.2009, 07:07 / 1 x geändert



.

 

      lost



ein kater schleicht durch meine

   19.01.2009, 09:51



ein brief an marie. warum marie? warum nicht elisabeth, renate, susi, ingrid oder mathilde? nein, es ist eine marie, an die geschrieben wird, der leser erfährt es, wenn er durchhält bis zum ende des briefes, oder wenn er tückisch nur die letzten sätze liest, und natürlich muss marie marie heißen, denn das ist ein name, um den ein autor nicht herumkommt, wenn er moderne literatur machen will, und dieser brief ist modern gestaltet, mit gelinde verschlungenen sätzen, um die gedankenschlingen des protagonisten stilistisch nachzuzeichnen - absichtlich also sind diese sätze so wie sie sind, nicht etwa, weil der autor es nicht besser könnte - nein, also, doch, wie auch immer, der brief ist modern gestaltet, als literarischer versuch, wohlgemerkt, mit schlingensätzen und kleinschreibung, wobei die kleinschreibung sich meiner meinung nach dadurch rechtfertigt, dass von einem kater durchschlichene gedanken niedergeschrieben werden, ein kater übrigens, der - wie sich allerdings erst nach und nach herausstellt - nicht die katze holly, genauer gesagt, die katze holly wood des bruders des briefschreibers ist, sondern ein völlig fremder kater, dass also, ich sage es noch einmal, von einem völlig fremden kater durchschlichene gedanken niedergeschrieben werden, sehr persönliche gedanken, nämlich gedanken an marie und gedanken daran, wie es war oder ist, sie zu lecken oder geleckt zu haben auf einem bett oder sofa, das wird nicht hinreichend klar, geleckt jedenfalls, oder es wird beispielsweise auch niedergeschrieben, dass dem briefschreiber der kopf explodiere vor all den malen und zeitebenen - so drückt er sich aus - da er an dieser besonderen stelle ihres, maries, halses, knapp oberhalb des schlüsselbeins sich ausruhen, sie einsaugen durfte, nun, von derlei intimen dingen wie sex, explosionen, bettgerüchen, schlüsselbeinen, einsaugungen handelt der brief, und derhalben ist alles klein geschrieben, um dieses intime zu unterstreichen, und ich meine, das sollte genügen, um die durchgehende kleinschreibung zu begründen, welche, zusammen mit den oben bereits erwähnten satzschlingen, hinwiederum begründet, dass es sich um einen modern gestalteten literarischen versuch handelt, weswegen der name der angeschriebenen geliebten, marie, außerordentlich passend erscheint, zumal, wenn man bedenkt, dass diese moderne machart des textes, dieses unablässige, ulissesgleiche fließen und sich schlingen der nächtlichen gedanken um marie, noch unterstrichen wird durch die absatzlosigkeit des textes, die ihn für den leser zwar nicht einladend macht, im gegenteil, aber was ist schon ein leser, es geht um den text und um den autor und um dessen intention oder intentionen, und es geht um bedeutsamkeit, und natürlich um kunst, es geht um einen avantgardistischen habitus beim schreiben eines briefes mit kater an marie, und dem allem arbeitet das äußerlich blockhafte, ungegliederte wunderbar zu, ebenso wie die kleinschreibung, die satzschlingen, das intime, nächtlich-suggestiv-mondische, das kalte laminat, der ominöse kater und dieser name, marie, ja, dieser text ist ein avantgardistisch angelegtes vibrato und ein blick in innere abgründe, ins triebhafte, animalisch tierhafte des menschen, welches sich kraftvoll verbildlicht in dem schleichenden kater, dessen schleichen in wirklichkeit kein schleichen ist, sondern natürliche bewegung, dies eine feststellung des briefschreibers, die enormes philosophisches potential trägt, es fächern sich an einer solchen scheinbar beiläufigen bemerkung die versuchungen und vergehen jedweder anthropozentrischen denkungsart auf, ein ganzes weltbild kritisch hinterfragt in wenigen sätzen, doch, es ist sehr viel philosophisches wägen in diesem text versteckt, wie zufällig wird beispielsweise das höhlengleichnis erwähnt, und das kann nur bedeuten, dass es in wirklichkeit um viel mehr geht als um einen gedankenkater auf laminat und marie, womöglich kreist dieser text um letzte, allerletzte, tiefste menschheitsfragen, um transzendenz oder spiritualität, um metaphysik, um das problem der theodizee, um ethische grundeinstellungen, um die gefahr des sinnverlustes, um gefühle, ganz viele gefühle, angst, sehnsucht, katzenjammer, küssen, liebe, schöne momente, die magie des mondes, ach, marie, der brief ist schlampig lektoriert, da sind einige schreibfehler noch ...

 

      Eneas²



.

   16.04.2009, 21:02 / 1 x geändert



.

 

      Jolante



ein kater schleicht durch meine

   16.04.2009, 22:23 / 1 x geändert



Werter Eneas,

du wendest dich mit deiner Frage an das Forum. Nun, ich bin nur eine kleine Stimme hier und von so schlichtem Gemüt, dass ich befürchte, dir in deine literarischen Höhen nicht folgen zu können. Da ich noch zu der Generation zähle, die von Oswald Kolle aufgeklärt wurde, frage ich mich errötend, ob der Ich-Erzähler und der mit "erhobenem Schwanz" schleichende Kater identisch sind. Brief oder Nichtbrief, das ist nicht die Frage. Eher geht es um Literatur oder Makulatur. - Dein Text hat immerhin den von mir ebenso geschätzten wie gefürchteten Kritiker lost zu einem, wie ich finde, bemerkenswerten Kommentar angeregt. Schade, dass er so selten hier schreibt !

Es grüßt Jolante




Views heute: 2.412 | Views gestern: 6.126 | Views gesamt: 5.496.476