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augustine
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06.01.2009, 23:44 / 1 x geändert
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ungestalte ebene.
knicks sind da oft das bedeutendste:
grenzen windschutz lebensräume,
alle paar jahre auf den stock gesetzt:
in der märzdämmerung büschel fahler baumscheiben
wie rasch gewachsene riesenpilze.
der holzweg dazwischen gerädert vom traktor:
tiefe einschnitte im schlamm, überfroren oben, unten abgründig quellend feucht.
da kommst du nicht weiter,
da gehst du zurück, in den eigenen stapfen vorwärts tastend.
da siehst du noch helligkeit in den wolken im westen.
die öffnen sich einen spalt weit.
in dem erscheint untergehend ein streifen rotdunkler sonne.
erst jetzt bemerkst du zwischen den verjüngend niedergeschnittenen sträuchern
halme
vom ersten gras des neuen jahrs.
augustine

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Gretchen
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hei augustine,
dein text wirkt auf mich sehr sorgsam bearbeitet. auch hier, find ich, ist (wie bei windflugs Ödland) "seelenlandschaft" ein passendes wort. was mir gleich auffiel: genau in der mitte des textes, nämlich bei
tiefe einschnitte im schlamm, überfroren oben, unten abgründig quellend feucht.
da kommst du nicht weiter,
verändert sich etwas im fokus des textes. hier wird zum ersten mal dieses du angesprochen (eigentlich ist es ein selbstgespräch), an dieser stelle beginnt auch der rückweg, rückzug, genau da, wo es abgründig quellend feucht ist unter einer dünnen, nicht wirklich tragenden decke von eis.
dies ist für mich der dreh- und angelpunkt des textes, aus dem sich ein zugang, eine interpretation ergeben kann: ein beeindruckendes bild für beherrschtsein, selbstbeherrschung, sich-im-zaum-halten an der oberfläche, um nichts preisgeben zu müssen oder sich nicht beschäftigen zu müssen mit dem, was innen drin untergründig, abgründig (be)drängt an wünschen, sehnsüchten, begierden. das "einfrieren" ("eis" könnte auch auf "intellekt" hinweisen!) ist also auf dauer keine lösung, mit der eine/r weiter kommt.
aber ich les hier auch starke hoffnungsmotive, nämlich die helligkeit am himmel, den spalt in den wolken, die sonne, die zwar untergeht, jedoch ist sie rot und kraftvoll und kommt ja auch wieder am nächsten morgen, und vor allem die ersten grashalme. ein neues jahr beginnt, ein neuer zyklus des wachstums, nichts ist verloren, das leben ist immer noch, immer wieder jung (vllt. lautet deshalb der titel ein rückweg, und nicht der rückweg oder rückweg: weil es ein lebenslanger prozess ist, der da beschrieben wird, weil es immer wieder mal rückwege und auch wieder neue vorwärtswege gibt?). und die gute verbindung zwischen oben und unten, innen und außen, ist eben nicht die kalte, starre, eigentlich trennende eisschicht, sondern das lebendige herauf-wachsen.
graswurzelgrüße von Gretchen

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Jolante
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09.01.2009, 19:30 / 5 x geändert
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Ein ausdrucksvolles Gedicht von dir, augustine, und ein beeindruckender Kommentar von Gretchen, den ich gut nachvollziehen kann. Meine Variante ist folgende: Was vordergründig als Naturbetrachtung erscheint, erweist sich für mich spätestens ab der Formulierung "...der holzweg dazwischen gerädert vom traktor.." als Innenschau eines lyr.Ich an einem Wendepunkt seines Lebens, der spät kommt, aber nicht zu spät, um den Holzweg, der bekanntermaßen in die Irre führt, zu verlassen und ein Stück zurückzugehen in den eigenen Fußstapfen, um schließlich den Rückweg als "neuen" Weg zu entdecken. - Das Gedicht gefällt mir nicht nur inhaltlich, sondern auch formal sehr gut. Wenn man es als Leser nicht mit Psychologie überfrachtet, bleibt genügend Raum für eigene Nachdenklichkeit. - Und die auf dem Rückweg bemerkten "Halme vom ersten Gras des neuen Jahres" künden von Aufbruch und Erwartung. Das ist schön, das kommt unaufdringlich daher, das macht (mir) Mut !
Lb. Grüße von Jolante

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windflug
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09.01.2009, 23:51 / 1 x geändert
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Was mich an deinem Gedicht so fasziniert, liebe augustine, ist, dass die Seelenlandschaft, die Gretchen und Jolante so trefflich daraus herauslesen, ganz unaufdringlich aus einer sehr konkreten und realen Landschaftsbeschreibung, Wegbeschreibung aufsteigt. Die Art, wie du diese norddeutsche Wallheckenlandschaft betrachtest, (die im Übrigen viel unkonkreter auch den Hintergrund zu meinem Ödland abgibt) die Baumscheiben, die Traktorspuren im Holzweg, den überfrorenen Schlamm und die auf den Stock gesetzten Knicks, hat selbst etwas sehr Norddeutsches, eine Sparsamkeit in den Worten, die Tiefe schafft und Raum gibt. Das gefällt mir sehr gut.
Es grüßt
windflug

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augustine²
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02.02.2009, 22:07 / 1 x geändert
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Hier Dank an Gretchen, Jolante und windflug.
Es ist schon so, dass aus einem kleinen äußeren Ereignis sich die Wendung ins, sie soll ich sagen: Seelische, ergab. Das war, als ich's aufschrieb, schon fast ein Jahr her. Da die Erinnerung blieb und zugleich sich langsam verwandelte, dachte ich, dass sie sich vielleicht gestalten ließe.
Liebe Grüße augustine

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