Spielplatz · Vladimir · ·


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      Vladimir



Spielplatz

   21.12.2008, 16:43 / 1 x geändert



Sie füllt die gelbe Gießkanne mit plumpem Kratzsand.
Das Mäuerchen ragt fest und kantig in die flachen Winterstrahlen.
Sie hebt sich auf und trägt sich in die Schaukel;
sie saugt sich fest an Ketten und am Wintermorgen.

Der Rutschturm betet dunkelholzig von zwei Aufgängen flankiert,
die beide weh tun. Ein Spaziergang wütet draußen noch in der Allee.
Angst wirbelt um die Reckstange. Verlorene Schippen singen - bunt und leer -
das Mittelmeer und seine Krebse in den aufgestülpten Eimer.

Noch andre spielen; ihre Augen aber halten ihren Himmelangelhaken -
die Mutter starrt auf sie umsonst. Sie weiß das Holz zwischen den Zähnen
und hält sie vielen Jungen hin und ihren Burgen; wartet,
gießt, der noch kalt und feucht ist von der Nacht, den Sand auf einen der bezopften Schöpfe.

 

      augustine



Spielplatz

   22.12.2008, 20:36



Vladimir auf dem Spielplatz - das ist erstmal eine ungewöhnliche Szenerie! Aber ich komm mit.

Da gibt's eine gelbe Gießkanne, in der aber Sand ist, ein Mäuerchen, eine Schaukel, einen Rutschturm, eine Reckstange, bunte Sandschippen. Soweit, so Spielplatz.
Dann gibt's ein Mädchenkind und seine Mutter, das 'du' begleitet hast, das hat ein paar eigene Wörter, glaub' ich: "Kratzsand" und "Himmelangelhaken", vielleicht "aufgestülpt"; das erste find ich unmittelbar einleuchtend, das andere versteh ich nicht (erklärst du's?), das dritte kann auch von dir sein.
Dann gibt es den Beobachter und Schreiber; der nennt den "Kratzsand" 'plump' (ein wenig vereist, klumpig?), der beobachtet vom Mäuerchen aus, und er müsste ja nicht V. heißen, wenn er nicht sehr eigene Worte fände für das erst Nicht-runter-wollen von der Schaukel; dann für den Rutschturm (weil er fürs Kindlein ähnlich aussieht wie ein Kirchturm? weil's Raufsteigen weh getan hat und man dann beten muss, dass es nicht mehr weh tut?); für eine laute Gruppe von Spaziergängern auf der Allee nahebei; wirklich süß ist der Satz über die verloren rumliegenden Schippen mitsamt den Erinnerungen an mittelmeerischen Sommersand.
Wer hat die bezopften Schöpfe, auf die der Sand aus der gelben Gießkanne gekippt wird (der kann im Winter aber auch tags nicht warm und trocken werden...)?

Du merkst, ich hab' was ausgelassen. Das versteh ich nicht. Ist aber egal. Kindersprache ist so einfallsreich und schöpferisch wie Dichtersprache.
(Nebenbei: weißt du, dass es im Bukowiner Deutsch - vielleicht im ostjüdischen Deutsch - wirklich heißt: "sie hebt sich auf" für "sie steht auf"?)

Vergnügte Grüße von augustine




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