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kubelböck
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Hallo Leute!
Ich suche Interpretationen zu "Der Kreisel" von Franz Kafka!
Wäre nett, wenn ihr mir helfen könntet!
Vielen Dank
Der Kreisel
Ein Philosoph trieb sich immer dort herum, wo Kinder spielten. Und sah er einen Jungen, der einen Kreisel hatte, so lauerte er schon. Kaum war der Kreisel in Drehung, verfolgte ihn der Philosoph, um ihn zu fangen. Dass die Kinder lärmten und ihn von ihrem Spielzeug abzuhalten suchten, kümmerte ihn nicht, hatte er den Kreisel, solange er sich noch drehte, gefangen, war er glücklich, aber nur einen Augenblick, dann warf er ihn zu Boden und ging fort. Er glaubte nämlich, die Erkenntnis jeder Kleinigkeit, also zum Beispiel auch eines sich drehenden Kreisels, genüge zur Erkenntnis des Allgemeinen. Darum beschäftigte er sich nicht mit den großen Problemen, das schien ihm unökonomisch. War die kleinste Kleinigkeit wirklich erkannt, dann war alles erkannt, deshalb beschäftigte er sich nur mit dem sich drehenden Kreisel. Und immer wenn die Vorbereitungen zum Drehen des Kreisels gemacht wurden, hatte er Hoffnung, nun werde es gelingen, und drehte sich der Kreisel, wurde ihm im atemlosen Laufen nach ihm die Hoffnung zur Gewissheit, hielt er aber dann das dumme Holzstück in der Hand, wurde ihm übel und das Geschrei der Kinder, das er bisher nicht gehört hatte und das ihm jetzt plötzlich in die Ohren fuhr, jagte ihn fort, er taumelte wie ein Kreisel unter einer ungeschickten Peitsche.

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zuppanova
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Grüß dich, kubelböck.
Für viele eigene Worte fehlt mir die Zeit zur Zeit, aber einen Aufhänger oder Anregung für weitere Gedanken findest du vllt. in diesem FAZ-Artikel (klikng).
Bewegung und Festhalten (des Kreisels) sind unvereinbar => zwei sich gegenseitig ausschließende Begriffsinhalte (=Oxymora) werden in der Parabel so zusammengeführt, dass eine Sackgassensituation sich konstelliert ("Erkenntnis" über die Beschaffenheit der Welt bzw. die Bedingungen der menschlichen Existenz ist nicht möglich), eine Art "stehende Bewegung", ein gap, aus dem der Protagonist nicht entrinnen kann. Die Veränderung der Ausgangssituation ("Erkenntnis suchen") wird zwar angestrebt, aber niemals erreicht. Eine solche Situation ist "typisch Kafka", viele seiner Figuren fristen so eine labyrinthische Existenz ohne Entwicklung, ohne Handlungs- oder Erkenntnismöglichkeiten - man könnte vllt. auch sagen: sind gefangen in einem ewigen, ewig ereignislosen Jetzt, in einer gewaltigen, auch ominösen "Ordnung", die unabänderlich scheint und meist auch undurchschaubar bleibt.
>> Ein altmodischer Kreisel wird mit einer Peitsche getrieben, was einige Geschicklichkeit erfordert. Der Höhepunkt, der unverkennbar die Signatur unseres Autors trägt, ist im letzten Sinnbild enthalten. Da wird der Mann selbst zum Kreisel, wenn auch nicht als ein Verwandelter wie Gregor Samsa, sondern nur im Vergleich. Wer oder was immer den Gejagten treibt, ob er selbst oder eine höhere Gewalt, ist kein Könner, denn der Kreisel-Mensch taumelt. Im letzten Wort sind wir Leser unvermutet mit der Zweideutigkeit des Instruments, das einen Kreisel in Gang hält, und dem gleichnamigen Folterinstrument für lebende Wesen konfrontiert. Am Anfang des Satzes ging es um ein Kinderspiel, in das sich, mit einem Hauch von Komik, ein Erwachsener mischte, am Ende blitzt mit der ambivalenten "Peitsche" die ungeschminkte menschliche Qual auf. Ein Übergang, wie er sich schneller und vollendeter nicht denken lässt.
Das eigentlich Kafkaeske liegt in dem Zustand des Mannes, nachdem sein Experiment fehlgeschlagen ist. Plötzlich ist die empirische Welt, die er in der Hoffnung auf abstrakte Gewissheit ausgeklammert hatte, wieder da, und sie zerfällt: Der Kreisel gehört Kindern, deren Spiel er unterbrochen und die er mühelos ignoriert hatte und deren unausstehlichem Lärm er nun ausgeliefert ist. Dazu lässt ihn sein Körper durch Übelkeit die geistige Enttäuschung fühlen. <<
Liebe Grüße, zuppa

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