nochmal: schreiben und kommentieren · augustine · ·


Themen · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Texte zitieren auf literature-online.de

Kipp-Phänomene: Brillante Rhetorik

Mein Buchhändler

welt

Dichte Reime

Zwei Gedichte

Enjambements in Heyms Berlin III

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Reise durch lit-on

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Ein Dogma

Distanz

in die nacht

Jahrestage


 

      augustine



nochmal: schreiben und kommentieren

   09.12.2008, 16:54 / 3 x geändert



Eigentlich bin ich's leid.
Trotzdem - und weil's ja nicht nur einen Beitrag betrifft - doch noch mal: dies Thema scharfer Kommentare.
Wir haben selten Neue hier, die mit der Substanz, dem Gedankenreichtum ihrer Beiträge also, auch der erkennbar durchgearbeiteten Mach-Art, ihrer Dialog-Bereitschaft von Anfang an überzeugen. Wär's anders, gäb's nicht Kommentare, die zu lesen weit spannender ist, als es die betrachteten Beiträge sind. Wär's anders: könnten auch die Kommentatoren, um die's hier geht, eher mal wieder zu Eigenem kommen.

Ich hab' nichts als das alte Lied nochmal zu singen:

1) Wer sich hier anmeldet, sollte vorher sich länger eingelesen haben (länger soll heißen: ein paar Wochen, ja!!) Er oder sie würde dann vermutlich einen streitigen Faden mitkriegen und entscheiden können: dem kann ich meine Sache aussetzen oder nicht.

2) Für mein Empfinden ist das, worum es hier gerade geht, ein Dienst an dem, was einigen wichtig ist. Seht das doch mal so! Dies ist ein kleines Forum und ein bisschen was Besonderes, das find ich schon. Große Foren mit den üblichen ahnungslosen kurzen Schmeichel-Kommentaren gibt's reichlich. Da hab' ich dann manchmal auch die Vorstellung: das, was Vladimir "wollüstig" genannt hat, wird vielleicht sogar gesucht*; die lost'sche* Spiel-Art, Wälle zu bauen durch extra hochgestochen vorgetragene Bildung, die hat man weniger gern. Und zuppas* fürsorglich-pädagogisch-psychologische Art der Kommentierung - die kostet auch viel Zeit und wird vermutlich nicht angemessen wertgeschätzt von denen, für die sie hilfreich sein soll.

3) Dies kleine etwas andere Forum ist dennoch ein öffentliches. Auch im öffentlichen Raum muss man sich aber doch nicht entschuldigen dafür, dass man hier ein paar mehr Ansprüche an einen Text hat, als sie üblich sind.
Nehmt wiki: jede/r kann mitmachen. Trotzdem gibt's da nicht so selten Beiträge, bei denen eine Überarbeitung angemahnt wird oder die gelöscht werden.

4) Ich hab' mir inzwischen auch angewöhnt, wem Neuen nachzugoogeln. Wer seine Sachen in mehreren Foren ausstellt, ist doch kaum auch nur zeitlich in der Lage, hier angemessene Kommentare zu dem abzugeben, was andere schreiben. Das ist: haben, aber nicht geben wollen (nichts zu geben haben). - Das ist besonders offenkundig bei denen, die gleich mehrere Texte an einem Tag hier rein schleudern.
Abhilfe-Vorschlag: nicht mehr als zwei pro Woche akzeptieren (admin! das geht doch, nicht?), die anderen löschen.

5) Höflichkeit (auch so was Altmodisches): Ich erinnere daran, dass es einen Vorstellungsfaden gibt. Man muss ihn nicht benutzen. Ein wenig sagt er aber aus über die/den, der/die (haha! absolut korrekt) hier zugehörig sein möchte.
Höflich wäre es auch, für erbetene Auskünfte kurzen Dank zu sagen. Vielleicht ist das schon mal per pn geschehen; aber bei mir etwa ist keine angekommen; und was öffentlich gefragt wird, kann auch öffentlich bedankt werden.

6) Eine brauchbare Frage scheint mir immer noch die unter einem neuen Text: Was wünschst du dir? Wer da nichts zu schreiben weiß, hat sich dann als bloß kommentargeil geoutet. Wer was Dümmliches schreibt - hätte das Signal gegeben: man kann sich sparen, auf sie/ihn zu reagieren. Oder: Jemand oder eine Jemandin schreibt was Kluges:
und hätte damit ein Gespräch eröffnet, an dem gerne und mit Lust teilnähme

augustine

*zur Sicherheit ein edit: ich meine nicht etwa, diese/r und jene/r könnten die jeweils bei den anderen genannten Redeweisen nicht; hab' nur versucht das zu benennen, was mir dominant erscheint;
soll mir also bitte niemand deshalb einen "Federhandschuh" hinwerfen; lieber eine Handvoll Blüthenstaub.
Zum Beispiel dies Stäubchen:
5. Lehrjahre im vorzüglichen Sinn sind die Lehrjahre der Kunst zu leben. Durch planmäßig geordnete Versuche lernt man ihre Grundsätze kennen und erhält die Fertigkeit nach ihnen beliebig zu verfahren.

 

      kirmesbollo



nochmal:schreiben u.kommentieren

   09.12.2008, 18:11 / 1 x geändert



hallo und peace zusammen!

solche diskussionen gibt es ja nun immer wieder von zeit zu zeit in allen internet-foren, ob es um lyrik, kochrezepte, oder egal was geht. mittlerweile finde ich, dass eine gewisse polemik im diskurs durchaus pep hat. ob dabei grenzen überschritten werden zur beleidigung hin, sollte derjenige entscheiden, der sich z.b. eine üble kritik eingefangen hat. ich würde auf eine solche kritik wie bei „das ewige spiel“ (wie schön das auch zu diesem faden passt) sicherlich anders reagieren, wie es die vielen „neuen“ bisher getan haben und zwar mit humor. das ist im moment des lesens einer solchen kritik sicher nicht einfach, aber machbar. da, wo sich durch ein schmunzeln partout keine linderung der angekratzten dichterseele einstellen will, finde ich, ist die persönliche mitteilung DAS mittel der wahl. zum einen, weil sich dann derdiedas „off-topic“ in grenzen hält. zum anderen, weil das besser für karma, magen und sowieso ist, wenn nicht dreiundsiebzig andere user in einer virtuellen wirtshausschlägerei austeilen und einstecken. wenn ich die grenzen von text zu autorenschelte überschreiten würde, wäre ich mir z.b. nicht zu schade mich zu entschuldigen. anders ist es schon wieder, wenn es mal wieder heißt:
„ich weine und ich ritze mich
du alte sau, du liebst mich nicht...“
da weiß man, was einen erwartet, wenn man anmerkt, das sei poetisch nicht ganz so der burner. kurz: die polemik ist immer am jeweiligen adressaten neu zu justieren, klar, dass da fehler passieren können. ich sage PM, PM und immer wieder PM.
schönen gruß:dkb

 

      Vladimir



nochmal:schreiben u.kommentieren

   09.12.2008, 19:29



Dann antworte ich dir hier, Gretchen:
Ist gut, von mir aus belassen wir es dabei. Einzig, und das dann ganz ohne Diskussion oder Streit oder Kritik, würde mich interessieren, wieso dich diese schlechten Texte so angehen - ich lese da einfach drüber, klicks weg, denk mir: naja, so hast du vielleicht auch mal geschrieben - es tut mir jedenfalls nichts an. Trotzdem denke ich mir manchmal: es ist vielleicht nicht so verkehrt, da strenger zu sein; es tut ja doch was - verwässert die Sprache, begräbt anderes, was weiß ich - ich weiß es wirklich nicht. Also das ist so ein innerer Streit - und meistens siegt die Nachsicht gegenüber dem Schreibenden (hier zumindest; bei offenen Lesungen, da packt mich wirklich manchmal die Wut, und ich höre weg, und habe so einen Reflex mich wehren zu müssen). Also wenn du willst: das würde mich interessieren, gerne auch per PN.

Zu dem von dir aufgezählten, augustine, wüsst ich nicht viel hinzuzufügen. Es ist ja gewissermaßen eine Frage der Definition dieses Raumes, und wie offen man den sieht oder wie sehr er berahmt ist von Erwartungen, Gepflogenheiten etc. Ich sehe das vielleicht etwas offener. Seis.

Kirmesbollo - diese PN-Lösung halte ich für eine sehr schwache, sie nimmt doch allen Witz aus der öffentlichen Diskussion. Nein, das fände ich sehr schade, wenn das alles im privaten Eckchen ausgemacht würde, dafür bin ich auch zu neugierig, da ist mir auch gerade dies Teilhaben an gegensätzlichen Standpunkten zu wichtig.

 

      augustine²



nochmal:schreiben u.kommentieren

   09.12.2008, 20:11 / 1 x geändert



Weißt du, Vladimir, ich könnt' mein ganzes langes Geschriebenes von eben hier auch so zusammenfassen: diese Kommentare zu Texten, die du einfach wegklickst und ich zunehmend auch, die Texte, die sind, die Kommentare, je nach Temperament eben, ein Freihalten dieses 'Spielplatzes' hier. Sie kommen also aus der Sicht aufs Ganze, aus dem Wunsch, dies winzige Eckchen in der Unermesslichkeit des Netzes freizuhalten für (ich nenn' auch hier einen Namen, bitte, lass es erlaubt sein, elis) solche Kostbarkeiten wie Elises Gedicht in den gewollten Scherben eines Sonetts von so wunderbarer Schönheit. Dergleichen gäb' es sonst nicht hier.
Dies Forum, du hast's gelesen, gibt's jetzt drei Jahre. Vor drei Jahren - doch, ich hab's gehofft, dass es bliebe; auch, dass es wüchse. Denn es waren fast sofort einige da, die ungewöhnlich waren und die noch immer da sind. Nur wenige sind dazu gekommen und geblieben, unter ihnen: du.
Ich hab' früher mehr gekämpft und Schelte bekommen.

Evtl. nachher weiter.
Liebe Grüße augustine

 

      kirmesbollo



nochmal:schreiben u.kommentieren

   09.12.2008, 22:39



hey vladimir,

das:

„Nein, das fände ich sehr schade, wenn das alles im privaten Eckchen ausgemacht würde, dafür bin ich auch zu neugierig, da ist mir auch gerade dies Teilhaben an gegensätzlichen Standpunkten zu wichtig.“

...fände auch ich schade, mich hat ja z.b. gretchens kleine krötenexplosion gar nicht so aufgeregt wie scheinbar dich. für solche fälle von vermeidbarer aufregung war mein pn-vorschlag gedacht, nicht für den „normalen“ diskurs mit „normal“ gegensätzlichen standpunkten.
da war mein innerer gandhi wieder auf harmonie gebügelt.

 

      Gretchen



Gretchenfrage

   11.12.2008, 03:56



>> würde mich interessieren, wieso dich diese schlechten Texte so angehen - ich lese da einfach drüber, klicks weg, denk mir: naja, so hast du vielleicht auch mal geschrieben - es tut mir jedenfalls nichts an. Trotzdem denke ich mir manchmal: es ist vielleicht nicht so verkehrt, da strenger zu sein; es tut ja doch was - verwässert die Sprache, begräbt anderes <<


Vladimir, die Frage, die du mir da stellst, ist direkt eine Gretchenfrage - gar nicht so leicht zu beantworten, und fordert mich auf, Position zu beziehen, über mich nachzudenken, über Sinn und Zweck des Kommentierens und auch darüber, was denn so ein Forum nun überhaupt sein soll oder sein kann, und noch, was denn der Rahmen, die Gestalt, das spezifische Profil oder Markenzeichen dieses "unseres" Forums ist. Vielschichtig also, da muss ich ein bisschen sortieren. Will aber gerne eine Antwort versuchen, dieser Faden hier bietet sich an, darüber zu sprechen.

Wie angedeutet, ergeben sich aus deiner Frage weitere, die in verschiedene Richtungen führen (siehe auch das, was augustine geschrieben hat). Ich will mal zunächst nur einen Strang verfolgen und ganz schlicht und unmittelbar zu beschreiben versuchen, was mit mir, in mir manchmal passiert, wenn ich hier lese.

Es gibt Gedichte, Texte, die mich - wie du es ausdrückst - angehen (ich würde lieber sagen: mich reizen oder herausfordern). Wut als Emotion ist dabei selten im Spiel, ab und zu wohl ein Gefühl von Genervtsein oder Empörung (aber auch nicht immer), es ist schwer zu fassen für mich, was genau die Empfindung ist, am ehesten wär sie vielleicht zu beschreiben als ein "achdumeinefresse, was ist das denn!?". Dann geht alles ganz schnell. Das Gelesene bewirkt, dass Wortgirlanden entstehen, Sätze drängen sich heran, welche das Gelesene umschreiben, oder es um schreiben, es abbilden, wiedergeben wollen in der Tonart, die es für mich eben hat. Formulierungen wie da ist Schimmelflaum drauf, das ist ja eine weichgekitschte Lebensweisheitsausstülpung, eine herzschlagbeschleunigend pubertäre, trübgraue Nullachtfuffzehnsprechblase oder sehnsuchtsvoll runtergetränte Pickelpfuhllyrik sind Metaphern, die mir einfallen können, um die Wirkung eines Textes zu beschreiben. Oder ich muss an den Känguru-Wettbewerb der Mathematik denken und mache das zum Leitmotiv für einen Kommentar. Oder ich las die Geschichte von yupag (bitte entschuldige, yupag, dass ich das hier aufgreife), und dieser Männerphantasien-Blickwinkel ging mich so heftig an, dass ich eine Gegenbewegung machen musste und also versuchte, in meinem Kommentar einen anderen Fokus zu geben, indem ich beschrieb, was für eine Sorte Mann ich mir vorstelle, wenn ich lese, da nimmt einer eine Anhalterin mit, spendiert ihr eine Portion Essen und geilt sich nebenbei an ihrem Fleisch auf.

All diese Ideen oder Gedanken oder Formulierungen, die ein Text so in mir wachgerufen hat, liegen mir nun also auf der Zunge, und ich kann entscheiden, ob ich sie runterschlucke oder ausspucke, i.e. den reizenden Text schnell wegklicke und zu vergessen versuche oder den meist nicht minder reizenden Gretchen-Kommentar schnell hinschreibe.

An diesem Entscheidungspunkt angelangt, fragt es in mir dann so: Warum soll eigentlich Gretchen ihre wallenden, quellenden Kommentarworte runterschlucken, da doch der Autor/die Autorin den Text auch nicht runtergeschluckt hat? Das ist etwas wie Trotz. Ist das gerecht, dass es dem Autor zustehen soll, sich auszudrücken, dem Leser aber nicht bzw. nur in glattzensierter, eingeschränkter, gefälliger Form? Muss Gretchen ihre Wildwasser-Wort-Kaskaden in die betonierte Enge eines "Konstruktivitäts"-Kanals zwängen, weil der lebendige Wasserfall womöglich eine sensible Seele durch sein Zischen und Sprühen erschrecken könnte, weil einer oder eine, der/die sich in die Gegend begeben hat, wo Gretchens Bäche tosen, toben, vielleicht ein bisschen nass gespritzt wird? Soll ich in meinem Sprechen und Schreiben mich blöde und zimperlich machen, nur weil andere nichts können als zimpern?

Naja, so fragt es in mir ... und dann sagt irgendwas "nö", und ich lang in die Tasten, und schon ist es wieder passiert.
Keine Ahnung, ob du mit dieser ersten, schlichten Antwort etwas anfangen kannst.

Mir ist bewusst, dass ich mir Sympathien verscherze durch meine Art zu kommentieren. Ich setze mich auch aus damit, aber ich hab andererseits oft keine Lust, mich zu bremsen und einzuschränken, ich will mir meinen (Sprach- und Sprech-)Raum im Kommentieren nehmen, so wie andere sich Raum nehmen durch das Einstellen von Gedichten oder Texten, von denen ich manche als Verwässerung von Sprache und Denken empfinde, als seichtes, dümmliches, achtloses, bewusst-loses Dümpeln in Klischees und Floskeln, das ich nicht "stehen lassen" kann, weil es mir gegen den Strich geht, weil es etwas in mir - ja, ich gebrauche jetzt dieses Wort - beleidigt.

So viel erst mal. Besser sortiert hab ich (mich, innen) jetzt im Moment grade noch nicht. Und Entschuldigung, wenn das stellenweise pathetisch klingt, das kommt, weil ich auf Nachtschicht bin.

Gretchen

 

      zuppanova



nochmal:schreiben u.kommentieren

   12.12.2008, 00:17



grüß euch alle, nur kurz:

es tauchen schon manchmal texte hier auf, die ich ganz hanebüchen finde, und zu denen ich eigentlich auch etwas sagen möchte. nun bin ich aber sehr knapp mit der zeit, die ich ins forum investieren kann: die reicht schon nicht, um alles zu würdigen, was mir gefällt, und darum schieb ich die hanebüchenen sachen in der regel schweigend zur seite, bin jedoch gar nicht unfroh, wenn jemand anderes, Gretchen etwa, mir die arbeit eines kritischen kommentares (für mich eine unangenehme sache, das gestehe ich) abnimmt und "zur sache" spricht. meine sympathie, Gretchen, hast du dir nicht verscherzt, und ich riskiere jetzt auch einmal ein wort, indem ich sage: lieber 1 forum mit zungenschlagender nunchakukröte, als 10 foren ohne ...

lg, zuppa.

 

      yupag



Gretchenfrage

   12.12.2008, 00:25



hallo zusammen!
Zunächst mal möchte ich sagen, dass ich dies Forum gut finde und auch die Art, wie hier diskutiert und kritisiert wird (obwohl ich auch nicht immer über jeden Kommentar begeistert bin). Das Forum hat Qualiltät, weil die Leute, die sich hier tummeln, Interesse und Kompetenz haben. Das sollte so bleiben.
Nun zu dem, was ich sagen will. Man schreibt und stellt das Geschriebene hier ein, weil man Aufmerksamkeit will, Kommentare, Resonanz oder mindestens die Information, dass einige Leute den Text angeklickt und dann hoffentlich auch gelesen haben. Warum sollte es nicht legitim sein, um Aufmerksamkeit zu buhlen? Wenn man Rückmeldungen bekommt, die einem nützen, hat man eigentlilch schon das Optimum erreicht, man ist motiviert, weiter zu arbeiten , auch weiter an sich und seinem Stil.

In meinem Fall ist es so, dass vieles hier gepostet wird, das mich nicht interessiert oder das ich nach kurzem Anlesen abbreche. Das ist, finde ich, in einem Forum mit Vielfalt normal. Wenn ich mich mit einem Text nicht auseinandersetze, berührt er mich auch nicht und wenn ich mich auseinandersetze, kann es schon sein, dass Emotionen aufkommen, positive oder negative. Vielleicht wollte das der Autor, vielleicht ist das etwas, was viele Autoren wollen, aber nur wenige schaffen. Zumindest ist es dann ein Text, mit dem zu beschäftigen sich lohnt.
Mir würde es aber nie einfallen, jemanden zu kritisieren, weil er einen bestimmten moralischen Standpunkt vertritt oder ihm dann nur deswegen Inkompetenz unterstellen oder Langweile (auf andere wirkt derselbe Text vielleicht ganz anders, ich kann ja nur beurteilen, wie er auf mich wirkt). Kritik sollten man am Stil oder an der Form üben, aber nicht an dem Thema oder dem beschriebenen Lauf der Handlung. Natürlich kann man auf unlogische Abfolgen oder Aussagen hinweisen, aber wenn jemand umgebracht wird oder vergewaltigt wird, dann ist das nun mal Teil der Geschichte. Und, bitte beachten, der Autor ist im Privatleben nicht gleich ein Mörder oder Kinderschänder oder hat ein zutiefst verabscheuendstwürdige Psyche oder Moral. Dieser Moralfinger, der gelegentlich auftaucht, ist unnötig und ärgerlich. Wenn man immer nur brav und im Mainstream schreiben würde, wäre recht bald nur noch eine große Ödnis da.
Da ich selber auch stark selektiere und nur das lese, was mich interessiert, habe ich volles Verständnis dafür, wenn jemand meine Texte ablehnt, weil sie nicht in sein Weltbild passen oder weil er sie für langweilig oder überflüssig hält oder unterstellt, dass es Plagiate seien (vermutlich ist alles, was schreibbar ist, schon mal geschrieben worden und alle sind wir Plagiatoren). In dem Fall, kann ich nur sagen, wegklicken, aber vielleicht gibt es auch ein paar Leute, die das gar nicht so schlecht finden und von den gelesen zu werden, ist doch auch schon was.
Gruß yupag

 

      kirmesbollo



nochmal:schreiben u.kommentieren

   12.12.2008, 10:21 / 2 x geändert



hoi yupag.
mhhh, da lohnte fast ein neuer thread, etwa „attitüde einer erzählung als gegenstand der textkritik?“ klar kann der kritiker dem autoren nicht vorwerfen, was seine prots so treiben, da muss ich dir recht geben yupag, das weltbild des texters darf nicht mit dem der handelnden in einer geschichte verwechselt werden, auch da: d'accord. doch im von dir angesprochenen fall trifft das nur bedingt zu. was die geschichte für mich so langweilig machte, war die auswahl der personen, ihre motivation sich so oder so zu verhalten, und die, aus dieser konstellation sich ergebenden spannungsfelder. eine geschichte kann für mich durch mehrere faktoren bedingt funktionieren. einmal durch glaubwürdige konflikte, dann durch einen interessanten plot, oder durch eine faszinierende gedankenwelt der prots, durch eine überraschende wendung, einen heißen spannungsbogen, personen, die mir eine minimale möglichkeit geben, mich als leser mit ihnen zu identifizieren, oder eine für mich neue perspektive etc. all das fehlt in der geschichte. wenn der autor dann mir als leser das ding als anregung meiner phantasie unterjubeln mag, muss es doch legitim sein zu sagen: negativ - anregung missglückt. eine vergewaltigung, um dein beispiel aufzugreifen kann bestandteil einer geschichte sein, es geht nicht um die tabuisierung von inhalten; aber diese inhalte müssen auch im kontext der erzählung ihren platz haben, als teil des ganzen eine funktion haben, die dem leser irgendetwas an die hand gibt mit dem er sich auseinandersetzen kann. in der anhalterinnenstory gibt es soetwas nicht und ich, als damit allein gelassener leser denke nur: man, sind das alles hohle fritten. keine reibungspunkte, keine interessanten konfliktsituationen, oder frischen gedanken, ein plot der dahinplätschert wie ein schulaufsatz. ich finde, die kritik, die du als „pogrom“ empfindest muss sich dein text gefallen lassen, denn fehlendes sprachgefühl muss sie sich nicht vorwerfen lassen, wie auch deine anderen werke hier belegen. ein wenig frech finde ich in dem zusammenhang deinen rat, unliebsames einfach wegzuklicken, denn wenn einer schon handwerklich lesenswert zu schreiben in der lage ist, wird man diese dinger auch lesen und dann soll man sich mit negativkritik zurückhalten, wenn einem das nicht gefällt, was einem da begegnet? nö! da geht es mir wie mit diesem filmchen „300“, der in seiner ästhetik durchaus zu faszinieren weiß, doch zuletzt als propagandastreifen für sozialdarwinistische macho-attitüde da steht. da muss ich mir die distanz selber hineindenken, klar kann ich das, aber warum sollte ich das wenn das werk nicht im geringsten reflektiert? es muss z.b. die vergewaltigung nicht zwingend als „no go“ dargestellt werden in einer geschichte, das sollte eigentlich klar sein, aber als simples entertainment nehme ich sie nicht. ich hoffe, das war nicht zu diffus und ich konnte einzwei klare gedanken formulieren, die dich erreichen können.
beste grüße vom bollo


(hätte ebensogut unter „die versuchung“ von yupag stehen können, war mir unsicher wohin damit)

 

      yupag



nochmal:schreiben u.kommentieren

   13.12.2008, 00:50



Hallo bollo!
Deine Ausführungen sind klar und deutlich und ich verstehe sehr gut, was du sagen willst. Nur in meinem Beitrag wollte ich ja gar nicht über meine Geschichte sprechen. Dennoch vielen Dank für deine Bewertung. Das ist ein praktisches Beispiel, dass es sich lohnt in diesem Forum zu schreiben. Ich werde demnächst meinen Beitrag erneut ersetzten (vermutlich eine Ungeheuerlichkeit), aber so wie er jetzt da steht, ist er eigentlich nicht vorn mir und er gefällt mir nicht. Aber das nur nebenbei. Mir ging es in dem Beitrag in erster Linie darum, klar zu stellen, dass ein Autor, der eine Geschichte schreibt, die Handlung oder die Protagonisten nicht moralisch gut finden muß. Daraus folgt, dass diie erwünschte Kritik sich auch immer auf die Geschichte beziehen sollte und nicht den Autor in irgend einer Form werten, verdammen oder diskreditieren solllte. Diese Kritik kann durchaus den Text ablehnen, das ist bestimmt nicht der Punkt, der mich stört. Deine Anregungen sind willkommen und ich werde an sie denken.
Gruß yupag




Views heute: 2.287 | Views gestern: 5.897 | Views gesamt: 5.490.225