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ear
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10.11.2008, 12:22 / 1 x geändert
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Eschatologie-, verbleibende Fragen
Ehrung am Volkstrauertag auch fuer Soldaten,
Leiden symbol-verbraemt und Qual selbst vorm Tode.
Mohnblueten-Anstecknadel, tintenschwarz-blutend,
Aufschrei in Todeskaempfen, leicht ist's vergessen.
Namenlos eingescharrt sein, nichts bleibt als Scholle.
Ziel mancher Pilgerfahrten, Akt guten Willens.
Akt der Ergebenheiten, ewigkeit-heischend,
Weinlaub- und efeubekraenzt wartend auf Musen.
Plastik ersetzt den Docht, Filz ersetzt Blueten;
Fehlend das feldergruene Zentrum der Hoffnung:
Liebe statt Kriegsbereitschaft, Achtung des Lebens,
Latex-Milch, Opiumsucht mit --Eschatologie.

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augustine
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11.11.2008, 14:56 / 1 x geändert
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Es bleibt mir leider im Einzelnen unklar, ear, bei deinen bleibenden oder verbleibenden Fragen: was du eigentlich sagen möchtest; nur: es geht um den Volkstrauertag und darum, wie er begangen wird.
Eschato - logie jedenfalls ist eine theologische Lehre, eine Denkfigur meinetwegen. Man könnte demgemäß zwar Sehnsucht oder "Opiumsucht" nach einer neuen, schönen, gotterfüllten Welt haben, aber nicht nach einer Lehre davon.
Eine ausführliche christliche (wohl tendentiell chr.-fundamentalistische) Erklärung wäre diese, sonst tut's auch wiki.
Grüße von augustine, um Erläuterungen bittend

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ear²
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11.11.2008, 17:43 / 1 x geändert
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Sehr herzlichen Dank fur den Link und deine Kritik.
Ausgangspunkt war vorgestern in London der 'Remembrance Day'.
Einer der letzten Veteranen, 110 Jahre alt, sprach im Radio ein paar mir leider nicht mehr verstaendliche Worte. Seine Stimme wirkte koerperlos, aber gerade deshalb 'stark' auf mich.
Ich verfolgte mit Trauer, wie der Tag begangen wurde. Alte Menschen mit den Anstecknadeln: alles kuenstlich, The 'Last Post' erklang, Vorbeimarsch.
Realitaet der Kriege findet man nur noch in Geschichtsbuechern und Bunkern, welche Touristen zeigen, wie VIPs den Krieg ueberlebten.
Volkstrauertag in Deutschland war zeitweise in seiner Bedeutung degradiert als'Heldengedenken'.
Ich sehe mich raeumlich weit entfernt der Heimat. Zeitlich vorgerueckt in Richtung auf meine verbleibende Lebenszeit hier.
Aber mich beschaeftigen einerseits religioes geschichtliche Deutung und Mythen, andererseits bin ich lutherisch aufgewachsen. Ich kann die Bibel nicht woertlich nehmen, aber mich erstaunen Dinge, die sich ereigneten. Es ist gut, dass ich nichts Genaues weiss, dass ich mich vorantaste...,
das gibt mir Hoffnung.

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windflug
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Liebe ear,
dein Gedicht spricht mich durchaus an. Mir gefällt, wie sich verschiedene Ebenen vermischen, das Grauen des Krieges und das phrasenhohle Gedenktagsgerede, das Heldentümelnde und die Instrumentalisierung von Trauer, das echte Fragen und das Künstliche der Mohnblütentheatralik, wie du von den Blüten zum Opium und von da aus zur Religion als Opium des Volkes kommst, alles in Andeutungen - das ist schon stark.
Allerdings habe ich sprachlich ein paar Fragen und Anmerkungen. Warum in der ersten Zeile "auch" und in der zweiten "selbst"? Das erscheint mir nicht ganz schlüssig, und statt "Latex-Milch" in der letzen Zeile meinst du wahrscheinlich den Milchsaft der Mohnpflanze.
Da ich denke, dass nicht alle die englische Tradition der Mohnblütenanstecker am "Remembrance-Day" kennen, passt hier als Erläuterung vielleicht das Gedicht "In Flanders Fields" von John McCrae:
In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.
We are the Dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved and were loved, and now we lie
In Flanders fields.
Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep,
though poppies grow
In Flanders fields.
Es grüßt
windflug

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ear²
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Liebe windflug, deine Worte sind genau das, was ich angedeutet ausdruecken wollte. Das von dir eingesetzte Gedicht McCraes ueber den 1. Weltkrieg in Yppres ist eines der beruehmtesten Gedichte.
McCrae war als Arzt an den Burenkriegen beteiligt und meldete sich als Solcher sofort wieder beim Ausbruch des Ersten Welt-Krieges. Zwar konnte er die Leiden der Verwundeten mindern, aber Viele starben nicht nur durch Verwundung im Krieg, sondern anschliessend an Krankheiten, die koerperlich oder seelisch bedingt waren. Er selbst, ein Asthmatiker, starb an Lungenentzuendung und Blutungen mit 45 Jahren.
Das Gedicht wurde in kuerzester Zeit geschrieben, unter der Einwirkung der Trauer um seinen Freund, Leutenant Alexis Helmer. McCrae sass im Lazarettwagen , sah auf das Graeberfeld und zwischen ihnen bluehte erster wilder Mohn.
McCraes Gedicht wurde anfangs missbraucht , um weitere Freiwillige zu finden. Erst spaeter erkannte man, dass es ein Gedicht gegen jede Art von Krieg war.
Gemeint habe ich mit dem Wort “auch” in der ersten Zeile , dass ein Volkstrauertag nicht nur fuer hoehere Dienstgrade gedacht sein sollte, die stolz ihre Orden paradieren, sondern fuer jeden einfachen Soldaten, der 'gezogen' oder 'freiwillig' sein Leben einsetzte.
“Qual selbst vorm Tode” : das 'selbst' war hier im Sinne von “auch noch” gemeint, weil ihnen kein natuerlicher Tod gewaehrt wurde, da auch dieser symbolisch bewertet war.
Ich danke dir sehr, ear.

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ear²
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Noch ein kuzer Nachtrag.
Ich habe vergessen, die milchige Fluessigkeit, Latex, aus dem Mohn zu erwaehnen. Mohn als Symbol fuer Anregung, Schlaf und als Opfergabe fuer dieToten.
Paracelsus nannte es Laudanum ,in Brandy oder Wein aufgeloest, das manchem Dichter zum Erfolg verhalf,z. B. Coleridge, Baudelaire , de Quinceys. Opium galt nicht als Droge, sondern mehr als Medizin, oder Anti-Depressant. Mohn Kuchen, Bagels und MohnBrot koennen zeitweise falsche Werte an Opiaten anzeigen. Morphine wurde spaeter aus Opium genommen.

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