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arisia (Gast)
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24.05.2006, 18:30 / 3 x geändert
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Du bist Deutschland I
Du bist Deutschland?
Oder nicht?
Ich,
Gewiss nicht!
Bin nicht Merkel, Münterfering
Bin nicht Schäuble oder Beck
Bin nicht Ackermann, nicht Schering
auch nicht Bohlen oder Heck
Du bist Deutschland?
Oder nicht?
Ich gewiss
So nicht!
Du bist Deutschland
Die westliche Welt hat fast den Zenit der Individuation erreicht. es war ein weiter Weg von Stammesgesellschaft über die Großfamilie zur Autonomie des Individuums.
Ein notwendiger Weg, und er ist auch noch nicht zu Ende. Nun lässt sich aber Entwicklung, wenn sie gut verlaufen soll, nicht vom grünen Tisch aus diktieren.
Ich verstehe das „Du bist Deutschland“ so, dass wir auf „Teufel komm raus“ auf Gemeinschaft „eingeschworen“ werden sollen (das macht mich misstrauisch), um die Versäumnisse und Fehlentwicklungen des Sozialstaates zu deckeln.
Gemeinschaft aber entsteht nur dann, wenn ein Ziel da ist, das entweder notwendig ist (d.h. das Not wendet), oder begeistert.
Ich sehe gerade nichts, was begeistern könnte.
Die Raumfahrtprogramme schleppen sich dahin,
sinnvolle Förderung alternativer Energien aus nachwachsenden Rohstoffen geschieht zu wenig,
und das von der Regierung aufgestellte Motto „Deutschland, Lande der Ideen“ mit seiner „Kunst im öffentlichen Raum“, erschöpft sich in Skulpturen von z.B. einem Paar Riesenturnschuhen und einem Riesenauto, wie ich kürzlich sah.
So arm im Geist sind wir geworden? Kein Wunder, dass die Begeisterung sich schaudernd abwendet und andere Gefilde aufsucht, sucht – Sucht?
Bleibt also das Wenden der Not. Diese Not wird gerade geschaffen. Obwohl Deutschland ein reiches Land ist, klafft die Schere zwischen Armutsgrenze und Hyperreichtum immer weiter auseinander. Und es ist keine von sich aus entstehende Armut, sondern produzierte.
Welches Deutschland sollen wir sein?
Das der ARGE II Empfänger?
Das der Ackermänner?
Können wir uns überhaupt vorstellen, dass eine einzelne Person ein Einkommen von 900.000 (neunhunderttausend) Euro im Monat hat? 30.000 Euro pro Tag? Und derer gibt es nicht wenige.
„Du bist Deutschland“
arisia
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augustine
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Entgegen dem, was ich eigentlich wollte, ist mir als Antwort-Möglichkeit die folgende eingefallen:
tongeritzte kriegsziele
versiegelt
verraten
außer landes gebracht
als lastende fracht
vergraben
vergessen
gefunden
entziffert
linien sinnlos erkriegter siege
siegreiche götterfiguren gepriesen
besiegte verhöhnt zerschlagen
vernunft aussichtslos
einst und einst
friedfertigkeit
enthielt sie nie
die genetische disposition
von homo sapiens sapens
augustine

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arisia (Gast)
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27.05.2006, 10:46 / 1 x geändert
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das (so ähnlich jedenfalls) mußte ich doch tatsächlich
vor einiger Zeitmit eigenen Ohren hören!
Zwei Jungs, mit Kindergesichtern, Dosenbier in der Hand.
Prost Deuchtschland
aufgeschnappt
... rational gedacht, muß man sich vorbereiten,
und überhaupt, so schlimm ist das alles gar nicht,
die Kameradschaft ist gut, echt gut,
doch ganz anders als in der Schule,
eben erwachsen,
man lernt doch einiges, Mutter hat immer schon gesagt:
- "Beim Bund lernt er schon Ordnung" -
jawoll
ist nicht verkehrt, die Ordnung,
ein Griff, und du findest im Dunkeln, was du brauchst
ist echt praktisch
Krieg? Ach, wer redet denn davon?
Aber vorbereitet muß man ja sein,
tust du doch auch, dich vorbereiten,
für deine Klassenarbeit.
Ja, tschüss dann,
muß um zehn in der Falle liegen

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arisia (Gast)
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30.05.2006, 04:32 / 3 x geändert
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30. Mai 2006, 2 Uhr
Du bist Deutschland II
Auch du bist --- ---?
Bist ein Biest?
Bestia est Germania!
Verbissen, verbiestert,
Voll ängstlicher Ohnmacht.
Wie? Was?
Wie haben wir das geschafft?!
Wenig den Vielen,
Den Wenigen Viel,
Tolles Ziel!?
Jetzt schau doch,
Die Tollheit schwappt über den Rand!
Auch Du bist --- ---
Oder eher nicht?
geschrieben, nachdem ich die sog. Talk-Show
mit Sabine Christiansen am Sonntag gesehen habe,
die den Titel trug:
"Arm durch Arbeit, reich mit Hatz VI".
arisia

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ear
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30.05.2006, 08:28 / 1 x geändert
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Gruss vom Ausland,habe vor 25 jahren Deutschland verlassen, sehe Deutschland als ein Land unter vielen. Und doch:die Duefte, Gerueche, das Essen und die Gespraeche unter Freunden bedeuten mir mehr, weil sie nur als Erinnerung blieben. Man liest on-line von Verbrechen, der Sicherheitsangst bei der WM, aber das ist Vereinzeltes aus Staaten, nicht Deutschland.Meine Kinder habe ich bewusst in deutscher und englischer Kultur aufwachsen lassen,aber sie sehen alles kritisch und das ist gut.Zweisprachigkeit ebenso.
Je aelter ich werde, um so mehr brauche ich die deutsche Sprache, sie ist mein Deutsch-Sein und ich bin dankbar dafuer. Liebe Gruesse,ear.

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arisia (Gast)
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03.06.2006, 15:44 / 3 x geändert
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Vom Hindukusch bis Zentralafrika?
Du bist Deutschland?
Du sagst: "Ja?"
Wie gut paßt das Gewehr in deine Hand
Wie ausgewogen Lauf und Schaft
Wie gut bist du im Regiment bekannt?
Wer kennt die Träume deiner Nacht?
Du hast noch keinen Krieg
Noch kein Gehorchen blind
(Und in den Nächten kommt der Feind
quält deinen Schlaf)
Mit offenen Augen, die du innen schließen mußt
Du hast noch keinen Krieg an dir erfahren
Mag sein, daß dir die Überzeugung fehlt
Und du nur keinen Ärger willst
Dem Angriff aus dem Wege gehst
Der der Person im Innern gilt
Und lieber dann nach außen greifst
Gefahren siehst, die durch dein Denken
Dein Handeln erst entstanden sind
Und die mit voller Kraft
Du jetzt bekämpfen mußt
Darin die Legitimation dann findest
In deiner Feigheit bist du nicht alleine
Millionenfach gibt es dich auf der Welt
Wie lang' noch willst du darauf warten
Daß ein anderer
Die Entscheidung für dich fällt?
Wie gut paßt das Gewehr in deine Hand
Wie ausgewogen Lauf und Schaft
Und die Ästhetik ist ja auch
Befriedigt von der ruhigen Kraft
arisia
P:S: Um weitere Beitäge wird gebeten, kann frau, mann auch in der
Gäste-Lounge zu schreiben!

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ear
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04.06.2006, 10:05 / 1 x geändert
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Wir vom Jahrgang neununddreissig
waren gerad geboren, weiss ich,
als der Zweite Weltkrieg startet
und in Schrecknisse entartet.
Schultag in Gefaengnis-Hoefen,
Unterricht mit kalten Oefen.
Innenhof: Gefangne wandern
rundherum, ein'nach dem andern.
Mutter geht zum Baeume-Faellen,
Wachkommandos staendig gellen,
Tageslohn: sie bringt ein Brot
in der grossen Hungersnot.
im "P.C.", vom Feind betreut (prison camp)
ein Gefangener bereut,
das Gewehr in seiner Hand
brachte Deutschland nichts als Schand.
Soldaten-Ehr, Soldaten-Neid,
es bracht Familien bittres Leid!
sie gaben alles,mussten's tun,
wir schulden Dank,-nun lasst sie ruhn.

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Jolante
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Hallo ear,
dein Beitrag hat mich sehr berührt, vielleicht, weil sein Inhalt in dieser verdichteten Form mehr aussagt als seitenlange Erörterungen über Sinn und Unsinn des Krieges. Ich finde es super von arisia, dass sie dieses Thema zur Diskussion stellt und werde mir auch Gedanken darüber machen, hierzu für mich eine Ausdrucksform zu finden.
Gruß Jo

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Jolante
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14.06.2006, 13:52 / 1 x geändert
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Liebe arisia,
zu deinem V. Deutschlandlied fällt mir folgendes ein:
Du bist Deutschland !
Eine Warnung ?
Oder nur eine Ermahnung ?
Deutsch zu sein, bedarf es wenig,
deutsch zu fühlen,
find ich schwierig.
Aber gar dies Land zu sein,
das fällt mir im Traum nicht ein !

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ear
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"Ich bin der Welt abhanden gekommen",
Das Rueckert-Gedicht hab ich oft vernommen
Als Vater begleitete, Mutter mir sang
Und manches Lied bei uns erklang.
Hab haeufig erstaunlich Gutes erfahren,
als Deutschland ich liess vor vielen Jahren,
Auch deutsche Kultur, in Lyrik, in Dichtung,
Historisch,romanhaft, in jeder Richtung.
In Wissenschaft, Technik und Sprache erscheint
Ein geistiges Leben in Fuelle vereint.
Naturwissenschaften und Walddoerfer Schulen
Den deutschen Namen gewiss nicht besuhlen.
Wie Deutschland erlebt wird in aller Welt
Und ob-was ich denke- auch Andren gefaellt,
Im Schaffen der Schriftsteller kann ich es lesen,
Ich sehe das Deutschsein in einzelnen Wesen.
Gruss,ear.

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Jolante
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Hallo ear,
das von Gustav Mahler vertonte Rückert-Gedicht "Ich bin der Welt abhanden gekommen" gehört zu meinen Lieblingsliedern, und auch ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Singen und Musizieren einen hohen Stellenwert hatten.
Vielleicht kann man ein Land als Heimat nur lieben, wenn man sich räumlich von ihm entfernt hat und es aus dem nostalgischen Blickwinkel heraus betrachtet. Das Land der Dichter und Denker gehört meines Erachtens der Vergangenheit an, aktuell lässt eher PISA grüßen. Trotzdem gefällt mir deine Liebeserklärung an Deutschland !
Gruß Jo

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ear
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Ich danke dir, ja, das Fernsein von Deutschland bringt auch Probleme.Ich muss einmal pro Jahr in die Heimat kommen, sonst ist das Heimweh schrecklich. ear.

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arisia (Gast)
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15.06.2006, 22:43 / 1 x geändert
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hi, Jolante,
es gab mal eine Zeit, noch vor der sog. Antike, hat sich bis in die Artus-Sage gehalten, da verkörperten einzelne Menschen das Land.
Der König war das Land, und er war verantwortlich für sein Wohlergehen. Wenn es dem Land schlecht ging, wurde der König geopfert, teilweise buchstäblich, teilweise symbolisch.
Heutzutage werden keineswegs die Verantwortungsträger geopfert, die werden allerhöchsten mit hohen Abfindungen entlassen, wenn sie denn überhaupt entlassen werden, geopfert werden die Bürgerin, der Bürger , zumal die, die sich am wenigsten wehren können.
Oder sind etwa ein Horst Köhler, oder eine Angela Merkel, das Land? Der letzte Kanzler, der sich meinem Dafürhalten noch annähernd mit Deutschland identifizierte, und auch identifiziert wurde, war Willi Brandt. Und er war der letzte, meines Wissens, der sich für Unachtsamkeit durch Verlust des Amtes verantworten mußte. Wenn die Guillome-Geschichte denn nicht eine Intrige war, oder gerade zupaß kam.
hi, ear,
ich verstehe was Du siehst, und das Heimweh kann ich auch nachvollziehen, das hatte ich auch, als ich in den USA lebte, mir geht aber diese aufgedrückte Kampagne "Du bist Deutschland" auf die Nerven. Du müßtest Dir mal die Beiträge im deutschen Fernsehen dazu anschauen.
Ich sehe das so: Ich kann mich daran erfreuen, in einem Land zu leben, in dem die Dinge so sind, wie Du beschreibst, (wobei ich vermute, daß da auch eine gewisse Verklärung aus der Distanz heraus eine Rolle spielt).
Der Sprung, der 1998 mit einer rot-grünen Regierung in den Bereich des Möglichen rückte, blieb aus. In Deutschland sind zur Zeit nicht die Dichter, Denker und andere kreativ Schaffende Vorbild. Wenn es denn überhaupt noch so etwas wie Vorbilder gibt, dann eher im negativen Sinne.
"Der da, weiß wie's geht, der hat Aktien von so und so, Versicherungen bei hier und da."
"Geiz ist geil", "ich bin doch nicht blöd, ich geh' zum Was auch immer Markt", oder so ähnlich. Was für eine Sprache.
Wenn ich den Jugendlichen in Bus und Bahn zuhöre wird mir schlecht. Was das Ganze wirklich schlimm macht in diesem Zusmmenhang ist der Punkt: Wir sind, was wir sprechen!
Nimm den Jugendlichen mal ihr "Eh, Alter und ihre Fäkalinjurien weg, dann bleibt nur noch ein dumm-hilfloses Grinsen übrig, das selbe dumm-hilflose Grinsen das bei manchen unserer Politiker in sog. Talk-Shows zu sehen ist, wenn ihnen jemand (vorzugsweise jung und weiblich) mit einer klaren Vision gegenübersitzt, und diese auch noch ausspricht (Sendung vom 28.5 mit Sabine Christiansen).
Wer liest denn noch, um noch einmal Rückert zu bemühen die Parabel, die so beginnt:
"Es ging ein Mann im Syrerland
Führt ein Kamel am Halfterband"
gescheige denn hat ein Verständnis für das Gesagte?
Nun gut, genug der Tiraden.
Ich neige halt zum Gegensteuern, und das Schwimmen gegen den Strom erschöpft mich auch nicht mehr so wie zu früheren Zeiten, eher das Gegenteil.
Liebe und verständnisvolle Grüße
arisia

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Dana
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30.08.2006, 23:32 / 1 x geändert
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Du bist Deutschland.
Das Meer und die Sterne.
Das Land und sein Gewand.
Der Blick in die Ferne.
Eingeflochtener Faden.
Von links nach rechts und zurück.
Sind wir nicht Nomaden?
Der Mensch in seinem Glück.
Die Wanderwege der Unzähligen.
Ein kleines Erdenstück.
Die Steine meiner Wurzeln
Ich weiß nicht wo sie liegen……

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arisia (Gast)
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Hi, Dana,
ja, so wie du es beschreibst, kann ich Deutschland auch sehen. Aber letztendlich fühle ich mich eher der Idee der Demokratie verpflichtet, als einem bestimmten Land, außer dem ganz besonderen kleinen Landstrich, in dem ich geboren bin, und auch das nur bedingt, denn mein Vorfahren stammen aus mindestens 4 europäischen Länden und einem Asiatischen, so daß meine Wurzeln eher verstreut in der Welt herum liegen.
Dein Gedicht gefällt mir gut, zeigt es doch in sehr schönen Bildern genau das auf: wir sind letztendlich alle Nomaden, die Sesshaftigkeit und Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ist im großen Weltgeschehen immer eine nur Vorübergehende.
Mich nervt halt zur Zeit diese platte Werbung der Bundesregierung mit ihrem "Du bist Deutschland" Slogan.
liebe Grüße
arisia

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Dana
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05.09.2006, 22:23 / 3 x geändert
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hallo Arisia,
ja, wir sind Nomaden. Als ich im Schwarzwald war wunderte ich mich über die schwarzen Frauenhüte, die mit roten Bommel geschmuckt waren, und als ein Teil der deutschen Tracht aus der Region dienen. Die Bommel, die roten Bommel..... Kommen sie nicht irgendwie aus Spanien???
Und so die Traditionen, wie die Menschen vermischten sich über viele Jahre untereinander.Wenn man tief in die Geschichte greift und viele, viele Jahre zurück schaut, sieht man, dass auch oft die Grenzen verschiedener Länder in der Bewegung blieben.
Was bin ich???
Früher war die Frage in mir oft wach.
Heute weiß ich es.
In dem Land meiner Geburt, bin ich der Verräter und Versager, und doch ein Fremder.
In den Ländern meiner Vorfahren bin ich ein Ausländer.
Mein Daheim ist aber immer da, wo ein Stückchen Boden gibt`s auf dem ich mich wohl fühle, also in mir.
" Du bist Deutschland ".
Eine Autosuggestion in einer Kriese??
Ob mich das nervt? Nein.
Ich beobachte gerne.
Als es die WM gab konnte man plötzlich sehen, dass das nationale Selbsbewußtsein des Menschen aufgestiegen ist. Man konnte viele Nationalflaggen unterschiedlicher Länder auf den Balkonen, in den Fenstern und auf den Autodächern sehen.
Und plötzlich alle die Menschen waren ETWAS.

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arisia (Gast)
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07.09.2006, 11:49 / 1 x geändert
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hi, Dana,
ja, ich weiß auch, daß eine Gemeinschaft ihre Rituale braucht, um eine Gemeinschaft zu sein, um ein Gefühl für das Gemeinsame zu entwickeln. Auf Grund der jüngern deutschen Geschichte bin ich aber auch sehr zwiespältig solchen Ritualen gegenüber, wenn sie ins Nationale gehen, ins Patriotische. Ich habe da immer die Angst, daß die Situation kippt, Größenwahn und Gewalt entsteht. Dagegen komme ich auch nicht an, gegen diese Angst, diese Zweifel.
Genau dieses: und plötzlich sind alle die Menschen ETWAS,
das ist es was mich ängstigt. Menschen, die vorher sich eher als nichts sahen, beziehen ihre Energie aus einer Massenveranstaltung, statt aus sich selbst heraus. Das trägt nicht. Wenn die Veranstaltung vorbei ist, fallen sie wieder in ihre vorherige Unscheinbarkeit, aus der heraus sie dann wieder anders gefährlich werden, und sie suchen die nächste Veranstaltung, undifferenziert, ob Papst oder Zufall, ganz egal. Die Macht der Schwachen, der in sich Unsicheren ist nicht zu unterschätzen, denn immer erst die Masse der Mitläufer bringt einem Diktator seine Macht.
Das ist alles sehr zwiespältig in mir und macht mich unruhig.
liebe Grüße
arisia

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Dana
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25.09.2006, 22:04 / 2 x geändert
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Hallo Arisia,
ja, das kann man auch so sehen.
Aber die von Dir beschriebene Gefahren lauern um jede Ecke.
Eine Veranstaltung , in Form eines Familiensommerfestes.
Es wird gegrillt, gelacht, getrunken.
Die Kinder werfen Bälle, und die jungen Springstiefelträger ermutigen die Kleinen zu weiteren Spielteilnahmen, bringen den die Bälle zurück, verteilen Eis und Dauerlutscher, nehmen die Kinder auf den Schoß, lachen zusammen, usw., usw…. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, und um die Kinder und deren Eltern breitet sich eine vertrauensvolle Atmosphäre, und das Gefühl, wir sind das wert, und jemand kümmert sich um uns, usw…wird geweckt…..
Plötzlich hält jemand eine Rede: - “ Wir müssen zusammen halten. Ihr seid unsere Brüder und Schwester, und… (das übrige)….”.- Dann wird weiter gegrillt, getrunken, gelacht und gespielt….
Plötzlich steht ein Reporter von der Kamera und die Familien dürfen eigene Meinungen äußern.
Die erspare ich mir hier……..
Die Tricks einen Weg zu finden, auf dem die verhüllte Botschaften auf einer autosuggestiven Art bestimmte Menschenschichten erreichen können sind raffiniert und voller Kreativität.
Natürlich gefährdet sind immer “die Kurzsichtigen “, die sich von der Regierung, von der Gesellschaft betrogen , manchmal abgestoßen, oft verlassen fühlen.
Je weniger der Mensch weißt, desto schutzloser von Manipulationen der Außenwelt ist er.
Dana

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Younis der Poet
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Ob du der alte Heine bist?
Ich wüßt’ es nicht zu entscheiden;
Doch sicher ist’s: Du bist immer neu –
Das mag ich eben leiden.
Die Träne rollt dir noch vom Aug’,
Und wie in früheren Zeiten;
Du hast die alte Grazie,
Und Kraft und Lust zu streiten.
Und wenn du über Deutschland schimpfst,
So kommt’s dir aus dem Herzen;
Ach, was wir lieben, das macht uns ja
Die ungeheuersten Schmerzen
Eduard von Bauernfeld (13.1.1802 Wien – 9.8.1890 Wien

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