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Gretchen
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17.10.2008, 08:59 / 2 x geändert
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aimez-vous la poésie morbide? - moi, je l'adore, bien-sûr!
Nachtmär
Fest die Feder in der Hand,
Reim' ich Nacht für Nacht verbissen,
Denn die Schuld plagt mein Gewissen:
Blut tropft schwarz auf weißen Sand.
Meine Träne bricht die Stille.
Wölfe heulen deinen Namen.
Auf die Stille reimt der Wille.
Zu dem Namen passt das Amen.
Schwarze Krähe, bleiche Leiche.
Vollmond, Friedhof, Weh und Wut.
Schauer, Schund, ein Sarg (aus Eiche!) -
Fuck! - das reimt sich fast zu gut!
Dann ist's Zeit für dich zu gehen
In dein Grab unter den Beumen.(³)
Bis wir zwei uns wiedersehen,
Meuch'l ich dich in meinen Reumen.(³)
Nacht für Nacht zur Geisterstund’,
Wenn im Moor wir einsam kosen,
Liegen wir auf roten Rosen
Und stechen uns die Ärsche wund ...
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(³) Verständnishilfe für den Leser:
Bäumen und Reimen reimt sich nicht, zu dumm; deshalb hab ich mich mit Beumen und Reumen
aus der Bredoullie gezogen, ich finde, das ist auch ganz hübsch und auf jeden Fall gerechter
als Bäumen und Räumen oder Beimen und Reimen, und das Metrum leidet auch nicht, woll ...

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rollerball
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Liebes Gretchen,
mit dieser morbiden Nachtmär ist dir wieder mal was höchst Amüsantes gelungen.
Für die widerspenstigen "Reume" hätt ich aber einen Lösungsvorschlag,
und in der letzten Zeile würd ich wegen des Metrums das UND am Anfang weglassen, dann wär´s perfekt:
Dann ist´s Zeit für dich zu gehen
In dein Grab unter den Weiden (Trauerweiden natürlich!)
Bis wir zwei uns wiedersehen,
Werd´ ich reimen und still leiden.

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Jolante
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Hallo, Roller! Ich denke, Gretchen hat in ihrer kleinen Persilflage aufs Reimen ganz bewusst die Beume und die Reume miteinander verkuppelt, um uns beim allzu süffigen Lesen ein wenig stolpern zu lassen. Schön schwarzhumorig schaurig sind die Reime vom morbiden Nachtmar. Nee, Gretchen, da würde ich nicht mit dem Plätteisen drübergehen. Du wirst ja immer wieder von zwielichtigen männlichen Nachtfaltern aufgesucht, die dich zum Dichten inspirieren. Ich denke an (den?) Sonett und (das?) Hexameter. Vielleicht verlinkst du`s mal, ich kann das nämlich nicht. Mich hat leider nur die lang- und wehleidige Grippe heimgesucht.
Grypptische Grüße
von Jolante

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zuppanova
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serv.s, Grtechen.
da ich in einem nachbarfaden grad gelesen hab, dass auch du gern kritik möchtest, schreib ich dir etwas her, etwas unkritisches aber, denn:
wie rollerball und Jolante bin ich recht angetan von deiner inspirierten persiflage auf morbid oder auch moribund poetische elaborate der sorte gothic light bzw. deren verfasser/innen. die liebe, der tod, die nacht, ja, daraus werden schauerklamotten gebastelt, gedichte voll gefühl - schreiben ist halt doch weniger einfach als manch eine/r meint. die beume und die reume sind, da schließe ich mich Jolante an, gewiss volle (böse) absicht, im sinne von "noch extra eins drauf setzen", wobei aber rollerballs weiden auch gut ins trauerambiente passen täten.
so viel einmal von zuppa (die im übrigen auch nicht weiß, wie man auf bestimmte reize viel anders reagieren könnte) im vorbeiflug.

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Gerd
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20.10.2008, 21:42 / 2 x geändert
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Ach
Gräte cara
Leichenliebling
mir morire
düster Lachen
senza
Deinen Hexenring
Du
Belladonnaunterwelt
schwing
weiter
so perfetto
Deinen spitzen Rächerechen
über
Reimeleichen hin
tanti saluti a quadretti grande
Geranio
PS: So sei stasera doch noch mit einer fiore gefochten

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Gerd
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Liebes Gretchen,
niemand kann so schön bekränzen, was da hingemeuchelt liegt. So überkam mich das Bedürfnis Dein feines Stückchen ganz nach oben zu holen, um sachte und sicher zu bedecken, was noch eben mit dem Tode rang.
Herzliche Grüße gemessenen Schrittes in gedeckten Karos
Gerd

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Gretchen²
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Hei roller, Jolante, zuppa und Gerd!
Höchste Zeit, dass ich mich hier mal bedanke für euer Lesen und die freundlichen Anmerkungen zu dieser "gothic-light-Mahlzeit".
Dein Trauerweiden-Vorschlag, rollerball, ist nicht schlecht, aber wie Jolante vermutet und auch die zuppa formuliert, war die Beume-Reume-Verkupplung "volle Absicht, um extra noch eins draufzusetzen". Hat mich auch gefreut, Jolante, dass du dich an meine anderen Nachtschatten (Sonett, Hexameter) erinnerst.
Gerd, dankeschön für deine Resonanz-Dichtung. Das ist, find ich, auch eine Art, Kommentare zu schreiben - weiterführen, was Neues, Eigenes dazu stellen. Es lebe die Vielfalt, auch beim Kommentieren.
Angemessen tiefschwarzkarierte Nachtschattengrüße an alle
von der schlafmangelmorbidgemürbten Nachtschichtkröte!

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yannick.scherer
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Hallo Gretchen,
ich danke dir, dass du diese Mär nach so langer Zeit (Ende Oktober war der letzte Beitrag, wenn ich das richtig sehe) wieder in die Liste der neuen Beiträge geholt hast - sonst wäre ich ja nie auf diesen morbiden Leckerbissen aufmerksam geworden...
Ich finde es wirklich köstlich, wie du hier diese lebensfrohen (...) Texte persiflierst, die man an allen Ecken und Enden des Internets findet, alle gleich klingend, manches Mal in ihrer "Wirkung" bestärkt durch so manches (mehr oder weniger) "schauriges" Bildchen... Also, Gretchen, danke dass du diese Nachtschicht eingelegt hast!
Grüße aus der Gruft...
Yannick

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kirmesbollo
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19.12.2008, 21:16 / 4 x geändert
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Patchoulibomber
Sprachanfänger aller Länder,
Emos mit dem dünnen Felle.
Eilt herbei, ihr Zeilenschänder.
Schmeißt euch in die Gruftgewänder.
Dichtet eins, so auf die Schnelle.
Sprachanfänger aller Länder.
Kajal gibt klasse Augenränder,
Herz und Schmerz 'ne Villanelle.
Kommt macht mit, ihr Zeilenschänder
Rote Tränen, Trauerbänder,
schöpft aus eurer Kummerquelle,
Sprachnovizen aller Länder.
Sagt dann einer „Alter, änder
diese oder jene Stelle.“
Scheiß auf ihn, du Zeilenschänder.
Dunkelschwarzer Lyriksender -
Seufze, weine, greine, belle,
dichte Gram in alle Länder,
Sprachrohr aller Zeilenschänder.

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augustine
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Hey, kirmesbollo,
du kannst das ja genau so gut wie die Gretchenkröte! Dat haste aber bisher fein verschwiegen...
Vergnügte Grüße augustine

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Jolante
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20.12.2008, 19:21 / 1 x geändert
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Hallo Bollo,
bombig sind deine Verse in der Aussage, gekonnt und elegant in der Form. Sowas erfreut das Jolante-Herz, das manchmal schreit vor Schmerz, wenn ...., na ja, du weißt es schon.
Darum verkneif ich mir den Hohn und lass die ollen Sprachnovizen auf ihren bleichen Leichen sitzen.
Es grüßt Jolante

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Gretchen²
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Heia Yannick, jetzt aber mal vielen Dank für Dein freundliches Feedback!
Wenn Du da oben bei la poésie morbide reinklickst, kannst Du die Inspiration zu diesem moribunden Ausstoß sehen, war eigentlich auch nur ein Kommentar ... freu mich auf jeden Fall, dass Du es lesen mochtest. Danke!
Aye, Bomber Bollo, Du hast ne Villanelle hingelegt, einmal fokussieren, maßnehmen und gegentreten bitte, durchziehn ohne Vertun zielgerade nicht zögern und zackdieBohne schon sind die Reime auf Posten jeder Vers ein Treffer heißt Tooor! undmanno das rockt abersowasvon wattenschuss boahey-eeeh da kommt Jubel auf!
Krötchen grüßt.

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lost
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14.01.2009, 09:38 / 2 x geändert
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angefügt zur freundlichen Kenntnisnahme: ein zufällig mir unter die Leselupe geratenes Werk des Friedrich Rudolf Ludwig Frhr. von Canitz, 1654-1699, Satiriker, Lyriker, Kammerjunker, ab 1680 Hof- und Legationsrat im Dienst des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, seit 1688 Geheimer Rat, möglicherweise zu bezeichnen als ein eloquenter Stammvater der neobarock light oder heavy schmerzumkreisenden Trauer- und Todesdichtkunst, vulgo auch: Gothic.
regards, lost in black
Klag-Ode
(v. Canitz über den Tod seiner ersten Gemahlin Dorothea Emerentia von Arnim. 1695)
Soll ich meine Doris missen?
Hat sie mir der Tod entrissen?
Oder bringt die Phantasey
Mir vielleicht ein Schrecken bey?
Lebt sie? Nein, sie ist verschwunden;
Meine Doris deckt ein Grab.
Schneid, Verhängniß, meinen Stunden
Ungesäumt den Faden ab!
Solt ich dich noch überleben!
Der ich mehr, als mir, ergeben,
Die ich in mein Hertz gedrückt;
Dich, die du mich so beglückt,
Daß die Welt mit Kron und Reichen
Mich zu keinem Neid gebracht,
Weil ich sie, dir zu vergleichen,
Niemahls groß genug geacht?
Doris, kanst du mich betrüben!
Wo ist deine Treu geblieben,
Die an meiner Lust und Gram
Immer gleichen Antheil nahm?
Du eilst zur bestirnten Strassen,
Und hast nun zum ersten mahl
Mich und unsern Bund verlassen;
Deine Wonne schafft mir Qvaal!
Was für Wellen und für Flammen
Schlagen über mich zusammen!
Unaussprechlicher Verlust,
Wie beklemmst du meine Brust!
Und wie kömmts? da ich mich kräncke,
Werd ich gleichsam wie ergötzt,
Wenn ich nur an die gedencke,
Die mich in diß Leid gesetzt.
Möchte mir ein Lied gelingen,
Sie nach Würden zu besingen:
Doch ein untermengtes Ach
Macht mir Hand und Stimme schwach;
Worte werden mir zu Thränen,
Und so muß ich mir allein,
In dem allergrösten Sehnen,
Der betrübte Zeuge seyn.
Ihr, die ihr mit Schrifft und Tichten
Könnt die Sterblichkeit vernichten,
Singt die Angst, die mich verzehrt,
Und der Doris ihren Werth;
Daß man sie, nach langen Jahren,
Mag bedauren, und auch mich.
Doch ihr könnt die Arbeit spahren;
Wer kennt beydes so, wie ich?
Ihrer edlen Seelen Gaben
Hielt sie zwar nicht als vergraben;
Nein, sie waren Stadt und Land
Meistens, mir doch mehr, bekannt.
Manches Weib wird hoch gepriesen,
Das kaum so viel Tugend zehlt,
Als die Seligste von diesen
Aus Bescheidenheit verhöhlt.
Daß sie wohl mit Gott gestanden,
Sieht man, da sie von den Banden
Dieses Lebens wird befreyt;
Seht, wie sie der Tod bedräut,
Aber selbst beginnt zu zittern!
Denn sie zeigt ihm lächlend an,
Daß, der die Natur erschüttern,
Ihren Schlaff kaum hindern kan.
In dem eiteln Welt-Gedränge,
Ward von der verführten Menge,
Die man allenthalben spührt,
Doris dennoch nie verführt,
Niemahls hatte sie erkohren
Einen Gifft, der Zucker hieß;
Weil ihr etwas angebohren,
Das so fort die Probe wieß.
Doch, in Worten und in Wercken,
Ließ sie einen Umgang mercken,
Der nicht fremdes Thun verhönt,
Und das Seinige beschönt.
Was für kluge Tugend-Sätze
Macht indessen nicht ihr Mund,
Und für ungemeinte Schätze
Noch vielmehr ihr Wandel kund!
Gütig jederman begegnen,
Lieb und Wohlthat lassen regnen,
Das war ihre beste Kunst.
Auch der höchsten Häupter Gunst, [1]
Und ihr innerstes Vertrauen,
Hat sie nie zum Stoltz bewegt.
Wir und das, worauf wir bauen,
Sprach sie, wird in Staub gelegt.
Durch verstelletes Beginnen
Fremden Beyfall zu gewinnen,
War ein zu verächtlich Spiel,
Das ihr niemahls wohlgefiel.
Und was war es ihr vonnöthen?
Ihre Stirn, die nie betrog,
Machte so den Neid erröthen,
Als sie Hertzen an sich zog.
Von der Anmuth ihrer Sitten
Fand ich mich schon längst bestritten;
Doch in unserm Ehestand
Ward ich hefftiger entbrannt:
Weil ich so ein Hertz erlesen,
Das, wenn Unglück auf uns stieß,
Eben ein so sanfftes Wesen,
Als im Glücke spüren ließ.
Bey der liebsten Kinder Leichen [2]
Gab sie kein verzagtes Zeichen.
Hof und Hauß vergieng in Glut, [3]
Aber nicht ihr Helden-Muth.
Regung, Sinn und Wunsch zu brechen
Nach des weisen Schöpffers Rath,
Und mir tröstlich zuzusprechen,
Das war alles, was sie that.
Mit was lieblichem Bezeigen
Gab sie sich mir gantz zu eigen!
Und wie sehr war sie bemüht,
Biß sie meine Neigung rieth
Alles das hab ich verlohren!
Ach! wie werd ich Traurens-voll!
Hat mein Unstern sich verschworen,
Daß ich sterbend leben soll?
Selbst das Pfand von unserm Lieben,
Das von allen übrig blieben,
Wenn ichs in der Unschuld seh,
Machet mir ein neues Weh;
Weil sein aufgeweckt Geblüte,
Seiner Mutter frohen Geist,
Und sein unverfälscht Gemüthe,
Ihren wahren Abdruck weist.
Was mir ehmahls wohlgefallen,
Schmeckt itzund nach lauter Gallen,
Und mich beugt der kleinste Wind,
Weil er mich verlassen findt;
Mir erweckt das Schau-Gerüste
Grosser Höfe nur Verdruß,
Und mein Hauß scheint eine Wüste,
Weil ich Doris suchen muß.
Ich durchirre Land und Seen,
In den Thälern, auf den Höhen,
Wünsch ich, wider die Gewalt
Meines Schmertzens, Auffenthalt.
Berg und Thal, samt See und Ländern,
Können auch zwar mein Gesicht,
Aber nicht mein Leid verändern;
Denn ich finde Doris nicht.
Euch, ihr Zeiten, die verlauffen,
Könt ich euch mit Blut erkauffen,
Die ich offt, aus Unbedacht,
Ohne Doris zugebracht!
Sonne, schenck mir diese Blicke!
Komm, verdopple deinen Schritt!
Eilt ihr Zeiten, eilt zurücke,
Bringt mir aber Doris mit!
Aber nein: Eilt nicht zurücke!
Sonst entfernen eure Blicke
Mir den längst begehrten Tod,
Und benehmen nicht die Noth.
Doch, könt ihr mir Doris weisen?
Eilet fort! Nein, haltet still!
Ihr mögt warten. Ihr mögt reisen.
Ich weiß selbst nicht, was ich will.
Helffte meines matten Lebens,
Doris! ists denn gantz vergebens,
Daß ich kläglich um dich thu?
Kanst du noch in deiner Ruh,
Die getreuen Seuffzer hören?
Rührt dich meiner Schickung Grimm?
Ach so laß dein Schlummern stöhren!
Sieh dich einmahl nach mir üm!
Zeige dich mit den Geberden,
Die so manches mahl auf Erden
Mich von Sorgen loß gemacht.
Gib mir noch, zu guter Nacht,
Nur mit Wincken zu verstehen,
Daß du meinen Jammer kennst,
Wenns der Himmel so versehen,
Daß du dich auf ewig trennst.
Laß in der Gestalt dich schauen,
Wie dich in den sel'gen Auen
Eine Klarheit nun erleucht,
Der die Sonne selbst nicht gleicht.
Oder scheint der Engel Freude
Nicht durch grober Sinnen Flohr;
Wohl! so stell, in meinem Leyde,
Dich auf andre Weise vor.
Dürfft ich küssend dich umfassen,
So, wie ich dich sah erblassen,
Wie der werthen Augen Paar
Dir zuletzt gebrochen war,
Und der Angst-Schweiß deine Wangen
Als mit Perlen angefüllt!
Denn so wäre mein Verlangen,
Sollt ich meynen, schon gestillt.
Ja, ob gleich die Träume trügen,
So will ich mich doch vergnügen,
Wenn du in der stillen Rast
Meinen Wahn befriedigt hast.
Ist denn dieses auch verboten,
Ey! so steht die Hoffnung fest,
Daß der finstre Weg der Todten
Mich zu dir gelangen läßt.
Denn will ich, nach langem Schmachten,
Dich in Sions Burg betrachten.
Brich, erwünschter Tag, herein!
Und mein sterbliches Gebein
Soll, biß künfftig unsre Seelen
Wieder in die Cörper gehn,
Nechst bey dir, in einer Höhlen,
Die Verwesung überstehn.
Wie geschicht mir? Darff ich trauen?
O du angenehmes Grauen!
Hör ich meine Doris nicht?
Die mit holder Stimme spricht:
Nur drey Worte darff ich sagen:
Ich weiß, daß du traurig bist;
Folge mir! Vergiß dein Klagen,
Weil dich Doris nicht vergißt.
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Fußnoten
[1] Churfürst Friedrich erwehlte sie einsmahls, aus eigener Bewegniß, um mit Sr. Durchl. Gemahlin nach Hanover auf den Carneval, als Ober-Hofmeisterin, zu reisen. Von beyden aber ward sie jederzeit eines gantz besondern Vertrauens gewürdiget.
[2] Von sieben in der Ehe erzeugten Kindern blieb ihr nicht mehr als ein einziger Sohn im Leben.
[3] Das schöne Land-Gut Blumberg, welches 1695 fast gantz in die Asche gelegt ward.

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