Gretchen
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Heiala Hausrabe,
leider hab ich den Verdacht, dein Text könnt so ein kleines gugg-ich-bin-moderne-Lyrik-Prötzchen sein. Wie also lesen? Vielleicht so:
"Wir" ( = 1 Allianz-Angestellter, verheiratet, zwei Kinder, dritter Frühling + 1 Friseurin mit Fußpflegerinnen-Zusatzzertifikat, immernochSingle, guterhalten, abermitsinkendemMarktwert unddeshalbfrustriert) beim Betreiben unserer spätsommerlich-frühherbstlichen Affäre in einer Waldhütte des Deutschen Alpenvereins, proseccotrinkend und über die Zeit, die erbarmungslos gnädig immer weiter vergehende, philosophierend, während wir ficken? Das würde eventuell erklären, warum die Türen beständig geschlossen sein müssen (der vor dem Fenster kriechende Wind ließe sich als von der Ehefrau des Allianzmannes gedungener Privatdetektiv deuten, und das Sommerlichtige, das in der Ferne klingt, wäre das schlechte Seitensprung-Gewissen, das sich doch nicht ganz unterdrücken läßt). Aber wie erklärt sich, dass die Sekunden heiß und die Minuten waldmeisterlich sind und die Stunden trocken tropfen? Warum tropfen nicht die Stunden heiß, und die Minuten sind trocken und die Sekunden waldmeisterlich? Oder die Minuten sind heiß, die Stunden waldmeisterlich, und die Sekunden tropfen trocken? Wäre es nicht überhaupt besser (im Sinne von: "lustvoller"), wenn die Sekunden feucht und die Minuten glitschig wären, und die Stunden tropften schlüpfrig ... ?
Was ich damit sagen will: Für mich hat das Gedicht keine innere Stimmigkeit, keinen Ton, keine Botschaft; es begründet sich mir nicht aus einer eigenen sprachlichen Vitalität heraus, sondern bleibt leere, müde, artistisch-artifizielle Attitüde. Eine Luftnummer, sozusagen.
Gretchengrüße, und nfu (bestimmte Texte versteht eine wie ich wohl nicht).

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