zuppanova
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grüß euch alle.
schwieriger fall, dieser text. folgendes in kürze:
inhaltlich der versuch, ein bestimmtes lebensgefühl (das der "Streuner"?) nachzuzeichnen bzw. ein (eher skizzenhaftes) porträt einer bestimmten jugendlichen lebensphase (pubertät, kurz davor, kurz danach) zu entwerfen, wie sie innerhalb einer bestimmten schicht/gegend, innerhalb eines ganz spezifischen, schon im titel umrissenen (Dorfjugend) sozialisationsfeldes also, erlebt werden kann.
ich stelle mir zu dem text eine "metaszene" vor, in der ich ihn aufhängen kann, nämlich einen dialog von zwei sprechern (könnten zum beispiel "nachbarinnen" sein, die ebenfalls an der bushaltestelle stehen, mit forschenden blicken beobachten, und anfangen, sich tuschelnd über die jugendlichen auszutauschen); sprecher 1 gibt die stimme für die ersten drei päckchen (es sind ja nach strenger definition keine "strophen", sondern so etwas wie "sinneinheiten"), sprecher 2 antwortet mit diesem ominösen letzten satz, Was wissen Streuner von Heimat?, der unterschiedlich gelesen werden kann, entweder als ergänzung und bekräftigung zum zuvor gesagten, oder als erklärung/erläuterung, oder auch als postulat, als meinungsäußerung, als vorurteil. in seiner aussage jedenfalls ist dieser satz eine diskutable behauptung, über deren richtigkeit man streiten könnte (nicht, dass ich das jetzt hier wollte, das wäre ein anderer faden): Streuner suchen eine Heimat, sie streunen, weil sie wömöglich mehr und Tieferes über Heimat wissen als "die Bürger"! - das wäre z.b. ein gegenentwurf.
wie auch immer, spürbar wird, dass in dem text detaillierte beobachtungen (wahrscheinlich deines eigenen umfeldes, schaf?) und gedankenarbeit stecken, erkennbar ist zudem ein bemühen um strukturierte umsetzung in sprache - aber ... die umsetzung, will sagen: die sprache, die überzeugt mich nicht, da kommt bei mir keinerlei begeisterung auf, denn die sprache ist ungelenk, ja, für mein gefühl misslungen und teils grammatikalisch falsch.
der gesamte text krankt an adjektivlastigkeit, die wiederholten partizipien sind "des guten zu viel", Wunden lecken ist, hmm, eine reichlich abgeleckte wendung (um einmal nicht "abgegriffen" zu sagen) - wobei das bei einer anderen gesamtgestaltung evtl. sogar ein pluspunkt sein könnte.
das hauptproblem steckt aber in der zweiten einheit, die ja, wie bereits bemerkt wurde, analog zur ersten konzipiert ist, aber grammatikalisch nicht stimmt. die satzkonstruktion(*) ist nicht korrekt durchgeführt, wahrscheinlich ist die satzbaulogik dir hier, schaf, aufgrund der gehäuften partizipialkonstruktionen (kollokationen) abhanden gekommen (kann sein, dass sich aus dem inkorrekten satzbau auch Vladimirs eindruck von "auf merkwürdige art quer" erklärt). also zumindest das zweite päckchen müsste korrigiert werden. (ich würde auch den rest überarbeiten, so wie es momentan sprachlich gestaltet ist, gäbe ich es nicht in eine öffentlichkeit. aber das ist eine persönliche sache, über die man nicht weiter sprechen muss.)
lg, zuppa.
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(*)du merkst es, wenn du den verschwurbelten satz auseinandernimmst:
- sie fliehen im Flüsterton der Mädchenzimmer ungeschminkt verachtet modrige Laken
man kann in den Flüsterton der Mädchenzimmer fliehen, man kann auch den Flüsterton der Mädchenzimmer fliehen, oder man kann meinetwegen im Flüsterton fliehen (wenn es gar nicht anders geht) - aber im Flüsterton der Mädchenzimmer fliehen? ich weiß nicht ...
worauf bezieht sich ungeschminkt? auf das subjekt? auf die verachtet modrigen laken (akk.obj.)? (ebenso: verachtet) sie fliehen ungeschminkt die verachtet modrigen laken? sie fliehen die ungeschminkt verachtet modrigen laken? ungeschminkt verachtet fliehen sie die modrigen laken? - das ist so überladen, dass es nichts mehr sagen kann;
- sie fliehen [ ... ] die verachtet modrigen Laken zur Bushaltestelle
das kann man so nicht zusammensetzen; du brauchst hier ein zweites prädikat: sie fliehen die Laken und laufen zur Bushaltestelle -> das ginge;

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