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augustine
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01.10.2008, 18:04 / 4 x geändert
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Unter Straßenbäumen, aus Traumgründen heraufgewachsen,
grünflimmernd
im Licht der Laternen,
auf denen die Bengels hockten und spucken,
hüpft eine, vor denen geschirmt,
über granitene Wiegen
mit ausgewaschenem Himmel, verblasster Hölle.
Bucker schob sie in Murmellöcher aus löchrigem Beutel,
erntet die Kugeln von andern, nimmt sie,
und sie zerrannen ihr unter den Fingern.
In einer Ladentür, die grade ihr Vater verschloss,
lehnt, ein grinsender Schemen,
die Freundin, die sie als erste
verraten wird.
In der Tasche aber klingelt das Telefonino
grad vor dem offenen Tor zu einem Hof.
Da hat ein Licht sie gemeldet der weißen Bank
vor einer Tischtennisplatte
nah einer Hauswand,
in der Artillerieeinschläge sichtbar sein werden.
Zwischen Platte und Mauer geht sie im Zug schwarzer Konfirmandinnen,
die sehr bald ein Versprechen ablegen, das sie
nicht hielten,
während ich gleich Verabredungen ausgemacht haben werde -
mit dem Blick auf die erleuchteten Fenster
einer Wohnung, in der ich nie gewesen bin und immer sein werde -
für den gestrigen Tag, den folgenden
und die Zeit nach der Zeit
http://fc-foto.de/25321396

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Gretchen
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Morgen, augustine,
hab mal angelesen deinen neuen Text, stutzte gleich bei Vers 4, "hockten und spucken", nanu, warum hier Tempuswechsel, ein Versehen oder watt, das passt doch nicht - las dann weiter und merkte, dass da Methode dahinter ist. Also, verstehen tu ich nicht alles, jetzt eben les ich es als Montage oder Collage, die verschiedene Phasen eines Lebens übereinanderzieht, Mittelpunkt des Ganzen ist ein Ort, eine bestimmte Straße in einer bestimmten Stadt, wo sich dieses Mädchen- oder Frauenleben abgespielt hat. Mehr weiß ich noch nicht, muss auch los gezz, aber der Text interessiert mich. Vielleicht haben andere noch mehr Ideen dazu.
Grüße vom Gretchen.

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augustine²
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03.10.2008, 19:26 / 2 x geändert
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Du hast schon gesehen, Gretchen, worum mir's hier ging: verschiedene Phasen eines Lebens übereinanderziehen. Wie kann man das machen, habe ich mich gefragt, und bin dann auf die (zugegeben: nahe liegende) 'Lösung' mit den unterschiedlichen und natürlich auch Surreales produzierenden Tempora gekommen.
Unter dem, was die Szenen einfach 'Lesbares' darstellen, liegen noch andere Bedeutungen wie übrigens auch hier und in den früheren Texten, wo der Sand vorkommt, der rheinische und der märkische.
Und das alles (und vielleicht Weiteres) ist ein Umkreisen von
diesem.
augustine

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Vladimir
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Hallo augustine,
kurz nur etwas zu diesem Gedicht:
dass mir da so eine Distanz am ehesten auffällt, sehr kühl eigentlich, schon am Anfang mit dem "abgeschirmten", die Kugeln (Kontakt zu den anderen), die doch wieder zerrinnen, die Hauswand ist schon wieder entfernt durch die baldige Zerstörung, das Versprechen der Konfirmanden entfernt sie vom eigenen Wort, ihrem Erscheinen, die Versprechungen sind so vage, dass es doch wieder keine sind, die Wohnung ist die des Sprechers und ist sie nicht.
Und in der Mitte und wo es mich am meisten angeht: dieser Verrat, der schon aus der Zukunft hereinragt und das vielleicht noch bestehende unterhölt - entfernt.
Das ist irgendwie befremdlich, aber eigentlich in dieser Form selten und also interessant.
Der Wechsel der Tempora - ich finde es noch ein bisschen gestelzt, vorgesetzt, denke eigentlich, man könnte anders besser den Effekt erzielen, den ich da intendiert vermute - andererseits ist es dann an den Futurstellen wieder ganz einleuchtend und für die bestimmte Stelle notwendig.
Soweit.
Liebe Grüße,
Vladimir

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augustine²
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08.10.2008, 21:27 / 1 x geändert
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Hallo, Gretchen und Vladimir -
jetzt bin ich mal in der Situation zu sagen - dir, Vladimir -, das, was ich sagen wollte (und glaube, gesagt zu haben) ist mit dem Wortfeld Distanz/kühl/ fremd/entfernt nur zum Teil erfasst.
Kindheit über Gegenwart in den beiden Hälften, wie's Gretchen sah: ja, am Anfang und am Schluss Zeitlosigkeiten (Traum und - nun ja, wieder Sehnsucht oder Zuversicht). Sollte mir dies durchgehend kühl geraten sein, da ich mich doch so "beschirmt" (das ist doch positiv!) gefühlt habe??
Ja, meine Kindheitsstraße. Die Bäume, die darin wirklich inzwischen stehen, habe ich geträumt, ehe sie da waren! Ich habe sie jetzt nicht zum erstenmal gesehen (das war natürlich auch in Berlin), aber ich habe ganz stark empfunden: im Schutz dieser Traumerfüllung konnte ich jenen ersten Verrat (wie auch an sich schon längst) erinnern, ohne zu hadern, und all das andere Kinderzeitliche: es ist gewesen, verarbeitet.
Aber mehr wohl, als wir wissen, wirkt es in die Gegenwart (o je, das war gewagnert; sei's drum). Da auf dem Hof zwischen einer Kirche und einem Gemeindehaus; ich war da einmal sehr zu Hause; habe ich das auch ganz stark empfunden: die immer noch nicht 'geheilte' Wand und ein Gedanke an die Friedlosigkeit von uns Menschen; "dazwischen" verstehe ich als örtlich und zeitlich; und die Wohnung, nein, ist nicht die des Sprechers/der Sprecherin, aber in gewisser Weise verbindet sie Kindheit und Gegenwart.
"Soweit."
Liebe Grüße! augustine

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