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ear
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28.09.2008, 08:38 / 2 x geändert
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Ein Cottage abseits gelegen in North Yorkshire.
Die Eigentuemer sind aeltere Menschen, beide aus dem Schuldienst kommend und lange schon pensioniert.
Das Haeuschen wurde vor 8 Jahren gekauft, damals in einem unbewohnbaren Zustand. Jedes Restaurieren kostet Geld, vor allem aber koerperlichen Einsatz. Haben sich die Jahre des Verzichtes gelohnt?
Von aussen her ist es ein ganz unscheinbares, in einer Reihe stehendes Cottage, gestuetzt von ebenso alten an beiden Seiten.
Man sieht nicht viel mehr ,als eine niedrigeTuer mit einem Fenster und darueber ein weiteres. Der Stein ist grau, unregelnaessig. Vor dem Cottage ein Vogelhaeuschen, Fuchsien, Frauenmantel. Ein Schotterweg, gerade breit genug fuer Autos, davor das Village Green.
Keine Klingel. Lautes Bellen, eine schwarze Neufundlaenderin , die schlaefrig auf der breiten Fensterbank gelegen hatte,freundschaftliche Begruessung.
Innen fuehrt ein schmaler Gang zum Wohn/ Esszimmer . Die niedrige Decke bestueckt mit Milchkaennchen und Kruegen, seltsam geformtem Holz, einer alten Mistgabel und einem Dreschflegel an den Balken. Sie wurden auf Carboot-Sales erstanden. An der weissgekalkten, unregelmaessigen Wand Aquarelle, in naechster Umgebung entstanden. Ein ganz kleines Cottage. Eine Stufe zur winzigen Kueche, ueberall Tueren, eine stark gewundene Treppe fuehrt nach oben zum Schlafzimmer und winzigen Studio.
Wie kamen die Garderoben nach oben? Die Betten? Wir erfahren, dass Teile der Balken im Wohnzimmer unten durchgesaegt sind. Moebel, oder auch ein Sarg, koennen nur durch die entfernten Balken mit Seilen hoch- oder heruntergetragen werden.
Wegen oft fehlender Elektrizitaet, sind Kerzen unentbehrlich. Ein schmaler Gang zwischen Mauern fuehrt schliesslich zu einem grossen geschuetzten, runden Garten mit einer pilzartig verteilten Vielzahl an Schuppen, die ein Radio-Museum beherbergen. Es besteht seit Jahren , wird gelegentlich ergaenzt, zeigt aber bereits die schaedigenden Einfluesse von Feuchtigkeit. Es sind sehr empfindliche Valves in den Radios. Was wird einmal daraus werden? Der Besitzer ist in den Achzigern. Noch kann er mit seinem Berlingo die steile Umgebung mit Gefaelle bis zu 16% bewaeltigen. Noch ist er faehig, mit der Naesse fertigzuwerden, die in Abstaenden entweder von unten ins Cottage dringt, oder vom Nachbarn her durch die Wand kommt.
Nachbarschaft ist wichtig, man beobachtet jede Bewegung, kleinste Veraenderungen sind Neuigkeit und es wert, sich darueber zu unterhalten. Ueberfluss bei Gemuese und Obst wird an Nachbarn verschenkt. Keine Post, keinen Laden gibt es im Dorf, nur eine Schlossruine, eine Pub, eine Methodisten Kapelle.

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augustine
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28.09.2008, 15:02 / 1 x geändert
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Ear!! Ich freue mich über diesen Text! Irgendwie hast du das zurückgenommene Schreiben, das Beschränken aufs Wesentliche, das Erzählen von Atmosphäre 'gelernt', wenn ich das so sagen darf.
Ein paar kleine Reibungen lese ich trotzdem, z. B. "erstanden", "entstanden" kurz nacheinander. Aber es sind solche Feinheiten, um die es hier gehen könnte.
Das Ungewöhnlichste sind sicher die herausnehmbaren Holzbalken in dem Cottage, durch die auch ein Sarg passen würde. Damit würde ich aufhören, die hohen Hauspreise aber gar nicht erwähnen.
DAS hier ist nun mehr als eine Notiz, ist eine feine Miniatur.*
Liebe Grüße von augustine
* Die Kategorie gibt's noch nicht. Aber wir könnten sie brauchen, nicht?

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ear²
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28.09.2008, 20:47 / 1 x geändert
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augustine, danke,ja Miniaturen koennten durchaus eine extra Rubrik haben.
Ich gebe zu, dass der Schluss ohne die Angaben von Reichtum , der Miniatur besser zustaende. Das langsame Vergehen, die Zeichen des Zerfalls, auch wenn sie nur angedeutet sind, kommen, ohne den Schluss, besser heraus. Ich werde den letzten Satz entfernen.Gruss, ear.

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zuppanova
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guten abend, ear.
einen schönen text hast du mitgebracht aus north yorkshire.
mir gefällt, dass du so einfach, direkt und dennoch detailreich beschreibst, was es zu sehen gibt beim rundgang durch's cottage. viele kleine pinselstriche, aus denen ein ruhiges, fein ausgemaltes, sehr "ansprechendes" bild entsteht, in der tat eine miniatur; zugleich bleibt hinter dem ganz gegenständlichen bild - oder ich könnte auch sagen: zwischen den beschreibenden zeilen - genügend raum für meine gedanken, auch für mein staunen als leserin über diese eigene welt, die sich mir auftut, und vielleicht sogar auch für ein gefühl stiller traurigkeit darüber, dass es wohl eine welt ist, die allmählich verschwindet (dahin führt mich der titel, Lebensabend, den ich gut gewählt finde, und auch - das hat augustine schon hervorgehoben - der hinweis auf den Sarg).
wenn ich das sagen darf: ich denke, dass dieses knappe, unumständliche, "ungeschwätzige" beschreiben dir liegt, es ist eine art des schreibens, welche dir zu entsprechen scheint, ein guter weg. hier ist es dir gelungen, atmosphäre gerade entstehen zu lassen, indem du dich "ganz prosaisch" auf die greifbaren, sichtbaren dinge konzentrierst, ohne worte des großen gefühls zu gebrauchen - ja, das gefällt gut
der zuppa.

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ear²
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Liebe zuppa,
Nett dass du 'Pinselstriche' erwaehnst. Nur mit deren Hilfe kann man als Fremder in ein Leben schauen, an welchem man keinen wirklichen Anteil hat.
Der Freiraum fuer eigene Gedanken muss bleiben, man sieht, man hoert, fuehlt Schwingungen im Raum und die Mauern bewahren jahrhundertealte Vergangenheit. Menschen kamen, lebten, starben. Zerbrechlichkeit des Lebens im Gegensatz zur Bestaendigkeit der Mauern. Wurde nicht bei einer Hochzeit auch ein Totenhemd geschenkt?

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windflug
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Liebe ear,
dem Lob der anderen kann ich mich nur anschließen. Ich finde, dir ist eine ganz wunderbare Schilderung einer verschwindenden Lebensweise gelungen. Ich sehe das Cottage und seine Bewohner vor mir und stelle mir vor, wie die Vorbesitzer aus dem Haus getragen wurden. Auch hier bleibt ein Eindruck von karger Schönheit
findet windflug

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Jolante
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Liebe ear,
auch wenn ich mit meinem Lob etwas hinterherhinke, möchte ich es nicht versäumen, dir zu sagen, wie sehr mich deine "Notiz" angesprochen hat. Die leise Melancholie, die in diesem kurzen Text zum Ausdruck kommt, ist ganz unaufdringlich im Ton, erzeugt dadurch beim Lesen aber Nachdenklichkeit und Betroffenheit angesichts der Unmöglichkeit, die Zeit an- und den allmählichen Verfall aufzuhalten. Tröstlich finde ich, dass sich die Nachbarn gegenseitig helfen, so dass sich der "Lebensabend" der Bewohner des Cottages trotz nachlassender Kräfte im Alter sicher "menschlicher" und "natürlicher" gestaltet als in einem komfortablen Seniorenheim mit allen "Annehmlichkeiten" einer saturierten Wegwerfgesellschaft.
Da ist dir, liebe ear, ein feiner kleiner Text gelungen.
Liebe Grüße
Jolante

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ear²
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Liebe windflug und Jolante,
genau diese Szene des Sarges, als naturgegebenes Ableben, entspricht der kargen Landschaft, die eigentlich nur aus Bergen, Taelern,eingefassten Drystonewalls, Galloways und Schafen besteht. Ein Mensch ist winzig , abhaengig, ausgeliefert, wenn seine Kraefte versagen.
Verfall, der sich im 'Wattle and Daub' (Holz, Erde, Lehm, Sand, Stroh und Dung) einnistete, brauchte Jahrhunderte, um das Cottage unbewohnbar zu machen. Restauriert wird es auch diesen alten Menschn einen tragbaren Lebensabend bieten. Du hast die nachbarliche Hilfe als Trost hervorgehoben und den guten Vergleich zu einem herzlich wenig anbietenden, teuren Seniorenheim aufgezeigt. Ich moechte euch herzlich danken.

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