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augustine
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21.05.2006, 19:32 / 4 x geändert
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HÖHE DES SOMMERS
Abseits
Auf einer Juliwiese im Gras liegen.
Sorglos. Hier. Jetzt.
Uns nichts fragen.
Mit Ameisenaugen die Halme der Gräser
Emporsteigen,
Die über uns baumhoch sich wiegen.
Selig versinken in üppigen Düften der Blüten,
Umfangen von Wärme voll Kraft.
Immer war's so, meinen wir,
Und bliebe so jeder Zeit.
Den Sommer saug' von der eigenen Haut
Oder lieber von meiner:
Heiß ist deine, ist meine.
Tu's wie die Bienen.
Ihre verlangenden Zungen trinken
Aus ihnen geöffneten Kelchen.
Das Ziehen der Wolken siehst du nicht,
Die hoch aufquellen und, noch, vor der Sonne wieder vergehen.
Das Singen der Lerchen hören wir nicht,
Die weit oben im Aether eins werden mit ihm,
Der sie trägt.
Wir jubeln den eigenen Doppelgesang.
In dieser Nacht vergeht der Sommer.
Gewitterlos ist er vorbei.
Die Wolken bleiben. Wir wärmen einander.
Spinnen haben Netze gebaut.
Wir sehn sie am Morgen.
Sie fangen die Zeit nicht ein.
Bald schon: erste Blätter fahlen, gilben.
Manche werden sich noch
Glühend röten und Abschied nehmen
In der Farbe des Begehrens.
Es riecht nach Herbst.
Beides ist ahnbar: Vollendung, Verwesung.
Wir aber, geerdet,
Hoffen auf den nächsten Sommer,
Einen von denen, die uns noch zufallen werden.
(Ich sage nicht, wie du gern möchtest:
Zugemessen; auch nicht: geschenkt.)
In der Wiederholung finden wir Trost,
Wenn schon nicht in der Dauer.
Abseits auf einer Juliwiese liegen …
Wenn wir uns nicht, bis dahin, abhanden gekommen sind.

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arisia (Gast)
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22.05.2006, 11:28 / 2 x geändert
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Hi, Augustine,
leider bin ich gerade, als ich fertig mit dem Beitrag war, und ich mir die Vorschau anschauen wollte aus dem Netz geflogen. Es ist blöd, daß frau sich dann wieder neu anmelden muß. Der Beitrag war natürlich weg, mal sehen, ob ich das nochmal so zusammenbekomme. Auf gehts!
Ja, diese Sprache verstehe ich. Das Beurteilen von Metaphern und ählichen Dingen überlasse ich lieber dem Marcel. Ich bleibe lieber beim Atmosphärischen. Mir gefällt die Dichte, die Leichtigkeit vor dem Einsetzen der leichten Melancholie.
-- Es ärgert mich, ich bekomme es nicht mehr so hin wie eben --
Was mir aufgefallen ist:
Die vierte Strophe ist etwas holprig, ich würde das "Aber" in der ersten und letzten Zeile weglassen. Die Zeilen 3, 4, 5 würde ich nochmal überdenken. Formal und inhaltlich steht diese Strophe in der Mitte und könnte einen ganz eigenen Rhythmus vertragen, der sich in den ersten beiden Zeilen (ohne das "Aber") schon ankündigt.
Liebe Grüße
arisia

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Jolante
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08.06.2006, 21:32 / 1 x geändert
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Hallo Augustine,
Dein Gedicht machtl Lust, es wieder und wieder zu lesen. Und immer trifft es mitten ins Herz. Um es mit Rilke zu sagen: "Auf welches Instrument sind wir gespannt, und welcher Spieler hat uns in der Hand ? - oh süßes Lied." Auf die Höhe des Sommers folgt der Spätsommer, der Herbst, vielleicht ein eisiger Winter. Um so mehr kommt es darauf an, den Sommer auch wirklich zu genießen und zu feiern, wie Du in Deinem wunderschönen Gedicht.
Gruß Jo

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