Shakespeare Sonette · Vladimir · ·


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      Vladimir



Shakespeare Sonette

   24.09.2008, 20:09



Angeregt natürlich durch windflugs kleines Ouevre - welches sind denn eure liebsten Sonette? Habt ihr zu einem eine besondere "Bindung"? Sind sie nicht manchmal vielleicht doch zu flach, zu einseitig, zu glatt? Wenn nicht, was ist das meisterhafte? Habt ihr selber mal etwas in der Richtung versucht - aus Jucks bloß, ähnlich wie windflug?

Das siebenundneunzigste - das Vorlagesonett zu windflugs Text - hatte lost ja schon gepostet - es rührt mich vor allem an, wegen der darin ausgedrückten Differenz zwischen äußerer Welt (Natur, Sommer etc.) und innerem. Im Winter zu leiden - gut, da steht einem die Natur dann gewissermaßen Pate, die Vergleiche fliegen einem nur so zu - im Sommer oder Frühling aber steht man einsam in der sich aufschwingenden Welt.
Und da dann im Sonett die Versuchung, doch die Natur wieder geradezubiegen dem Inneren, zu sagen: "And thou away, the very birds are mute." Und dann dieser einer der schönsten Schwenke hin zum Couplet - doch die Treue zum gesehenen und gehörten, das Eingeständnis: ja, sie singen doch "'tis with so dull a cheer, that leaves look pale, dreading the winter's near."

Ansonsten habe ich mal (gegen den erheblichen Widerstand meines Englisch-Lehrers, der mir dann hinterher auch eine sechs geben wollte wegen angeblichen Betrugs) eine Facharbeit geschrieben über "The limits of speech dealt with in shakespear's sonnets" in Verbindung zu Cordelias Satz: "I cannot heave my heart into my mouth" - also der ganzen Problematik auch im King Lear. Wenn jemanden das interessiert, kann ich dazu etwas schreiben.

Und dann auch - wir sollten uns selbst versuchen, das hab ich freilich getan:


When on a cold bright day in spring I take
my bike and ride out of the city, see
green fields, the midday-sun, which on a lake
shines brightly warm, climb on an apple tree
and breathe in all of nature's new-born might,
when then I have to smile unwillingly,
when people, happy 'bout some lovely sight
go for a walk and greet me joyfully,
then thou, for the duration of that day,
canst not win 'gainst such forces mightily
and other people, seeing this, do say,
the love had gone, which once I felt for thee.
But when the sun hath set, in dreams, dark night,
Thou standst in front of me with all thy might.


Vielleicht kommt ja was!
Euer Vladimir

 

      Gretchen



Shakespeare Sonette

   25.09.2008, 06:56 / 1 x geändert



Aye Vladimir, hab wenig Erfahrung mit Shakespeare-Sonetten - immer mal wieder eines gelesen, aber nie mich intensiver damit beschäftigt. Mir geht es so, dass diese Sonette wie Mantren auf mich wirken: Ich erfreue mich am Klang, am Wohlklang der Sprache, das hat was Betäubendes und führt dazu, dass sie mir alle ähnlich erscheinen. Ich bleibe im Sprachklang hängen, ehe ich "Sinn" oder "Bedeutung" erschließen kann bzw. dies wird mir durch das Brausen der Sprache sehr erschwert.
Obwohl ich also konkret gar nix beitragen kann, bin ich froh über diesen Faden, denn ich hoffe zu lernen.
Ich würd auch gerne deine Gedanken zu The limits of speech dealt with in Shakespear's sonnets lesen, du könntest die Arbeit ja auch direkt einstellen (z.B. hier - link?).

Deinem Aufruf zum selber-Üben musste ich natürlich folgen und auch was rausklopfen (link). Hab noch nie was auf English geschrieben und bin erstaunt, dass es irgendwie ging.

Viele Gretchengrüße.




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