22.09.2008, 18:19 / 6 x geändert
|
|
MITTE Vom Spreenweg seit langem geschieden, nun für gezählte kostbare Tage zurückgekehrt an die Spree, wohne ich näher als sonst sommerlich quellenden Wolkengetümen oder milden Frühherbstschleiern; nahe aufgegrabenen fast vergessenen Klosterfundamenten hier auf der Insel, nah auch babylonischer Wahrheit; ganz nah einem Flussarm, und auch der Bahn meiner Kindheit mit den zaubrischen Namen, so unerklärt damals: "Spittelmarkt", "Hausvogteiplatz" und ganz einfach, ganz genau: "Stadtmitte". Hier: in der Mitte zu sein! Unter mir pulst die vielspurige Leipziger Straße im Rhythmus der Ampeln die warme Septembernacht durch. Einst führte sie zu Fannys und Felix' Musik. Ich denk' mich dahin, aber nahe dem Oktogon erklingt kein Oktett mehr. Ach, Sehnsucht nach rückwärts ist widersinnig. Sieh aber: Sehnsucht nach meiner Stadt, erfüllbare, hab' ich immer und nach der Philharmonie, ihrem jubelnden Herzen. Dort ist sie manchmal gestillt, das ist wahr, und, ja, solche Erfüllung ist wirklich doch schon größer gewesen als vorher das Sehnen. (Cöllnisch-Berlinisches,
dort nächstens gedacht)
|