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ear
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21.09.2008, 10:03 / 2 x geändert
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Angeregt durch eine Anfrage aus Italien, kam ich auf John Donnes beruehmtes Gedicht:
“The Good Morrow”. Hier ist mein Uebersetzungsversuch.
Der Morgendliche Gruss
Ich moecht bei meiner Ehr ergruenden, was wir taten
Bevor wir uns verliebten? War es noch kindlich Tun?
Vermischt mit manch Geluesten, und doch nur lieblich Spiel?
War's wie in Ephesus' Hoehle, dem tiefen Schlaf verfallen?
Gewiss so war's; Genuss sollt das Vergnuegen sein ;
Denn wenn ich Schoenheit sucht' und glaubte sie zu sehen ,
Die ich ersehnt genossen, es war dein Traumbild nur.
Hier kommt ein Morgen-Gruss fuer unsere wachen Seelen,
Die wir aus banger Furcht uns nicht betrachten wollen;
Denn Liebe aendert stets das Wesen der Geliebten,
Und gibt dem kleinsten Raum eine Unendlichkeit.
Lasst Weltumsegler staendig ein neues Land erkunden ;
Gebt Karten einem Anderen,auch weitre Welten zeigend;
Uns reicht die eine Welt schon und jeder hat die eigene.
Mein Antlitz dir im Auge, spiegelt das meine mir,
Und treue schlichte Herzen ruhen betrachtend aus;
Wo kann man eh wohl finden zwei bess're Hemisphaeren
Von keinem Nord behindert und weichend western Wind?
Es stirbt nur und verendet,was nicht genug sich mischte:
Sollt' unsere Liebe bleiben, ganz so, dass du und ich
Uns lieben ohn' Ermatten, kann keins dem anderen sterben.
The Good Morrow
I wonder, by my troth, what thou and I
Did till we loved? Were we not weaned till then?
But sucked on country pleasures childishly?
Or snorted we in the Seven Sleepers' den?
T'was so; but this, all pleasures fancies be.
If ever any beauty I did see,
Which I desired , and got, t'was but a dream of thee.
And now good morrow toour waking souls,
Which watch not one another out of fear.
For love all love of other sights controls,
And makes one little room an everywhere.
Let sea-discoverers to new worlds have gone,
Let maps to other, worlds on worlds have shown;
Let us possess one world, each hath one, and is one.
My face in thine eye, thine in mine appears,
And true plain hearts do in the faces rest.
Where can we find two better hemispheres
Without sharp north ,without declining west?
Whatever dies was not mixed equally;
If our two loves be one, or thou and I
Love so alike that none do slacken, none can die.

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windflug
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Liebe ear,
wie schön, dass du uns Donnes Morgengruß "für unsre wachen Seelen" schickst. Deine Übersetzung empfinde ich als sehr geglückt, besonders die letzten Zeilen der ersten Strophe oder die Wendung "Und gibt dem kleinsten Raum eine Unendlichkeit".
Nur bei der Zeile davor in ich nicht ganz einig mit dir. Ich lese bei Donne nicht, dass die Liebe das Wesen des Geliebten verändert (auch wenn das zutreffen mag), sondern eher dass die Liebe den Blick so verengt, dass man nichts anderes als den oder die Geliebte mehr wahrnehmen kann, dass das geliebte Wesen zur ganzen Welt wird.
Jedenfalls freue ich mich, dass du uns immer wieder neue Begegnungen mit diesem Dichter schenkst.
Es grüßt dich herzlich
windflug

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ear²
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Danke windflug, du liegst genau richtig mit der Kritik an dieser Zeile.
Ein Voschlag, es zu veraendern, waere vielleicht:
'denn Liebe truebt den Blick, vernebelt klares Denken'
Ich gruesse dich herzlich, ear

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rollerball
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21.09.2008, 16:57 / 2 x geändert
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Basierend auf ear´s Version hab ich versucht, einige wichtige Aspekte noch deutlicher zu zeigen und auch die Metrik etwas flüssiger zu machen. Ear hat mich ermutigt, auch meine Fassung zur Diskussion zu stellen:
Morgendlicher Gruß
Ich möcht´ bei meiner Ehr´ ergründen, was wir taten
bevor wir uns verliebten? Waren wir noch nicht entwöhnt?
Genossen kindlich Freuden, die das Land uns bot?
War'n in Ephesus' Höhle wir dem tiefen Schlaf verfallen?
Gewiss, so war's: Genuss sollt´ stets nur Wunschtraum sein,
denn wenn ich Schönheit sucht' und glaubte sie zu sehen,
die ich ersehnte und genoss, war es dein Traumbild nur.
Hier kommt ein Morgen-Gruß für unsere wachen Seelen,
die wir aus banger Furcht uns nicht betrachten wollen,
denn Liebe trübt den Blick für andere Perspektiven
und macht aus kleinstem Raum Unendlichkeit.
Lasst Weltumsegler ständig neues Land erkunden,
gebt Karten einem Anderen, weitere Welten zeigend.
Uns reicht schon eine Welt, und jeder hat und ist die seine.
Mein Antlitz dir im Auge, zeigt dich das meine mir,
und treue schlichte Herzen ruh´n im Anblick der Gesichter aus.
Wo könnten wir wohl bess´re Hemisphären finden
von keinem Wind behindert, ob aus Nord, ob West?
Es stirbt nur und vergeht, was nicht genug sich mischte:
Wenn unsere Lieben eine blieben, oder du und ich
uns liebten ohne nachzulassen, dann kann keine sterben.

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wortbändiger
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12.07.2010, 17:26 / 1 x geändert
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Liebe "ear" und andere!
Ich habe kürzlich das Gedicht "The Good Morrow" von John Donne kennen gelernt und wollte es gerne ins Deutsche übertragen.
Da ich auf dieser Seite bei Ihnen und Euch andere Übersetzungen gefunden habe, stelle ich meinen Versuch nun auch hier ins Netz. Ich hoffe, er gefällt:
DIE GUNST DER STUNDE
(Nach dem englischen „ The Good Morrow“ von John Donne)
-I- Ich wüsste wahrhaft gern, was ich und du
getan, bis Amor rief...? Hielt uns, der Brust
der Mutter gleich, das Los im Kinderschuh?
Kein Schrei entriss dem Dauerschlaf die Lust.
Das war’s: nur Schein, so schal wie jeder Spaß.
Wann immer mir ein Kleinod gut gefiel,
ich träumte mit ihm nur von dir, wenn ich’s besaß.
-II- Uns sei nun, herzerquickt, die Zukunft hold,
wenn auch dem Augenblick noch Furcht entspringt.
Weil Liebe gegen fremde Liebe grollt,
und lang Gewohntes in Bewegung bringt.
Entdeckten Segler forsch auch Welt um Welt,
und sind auch viele Länder längst kartiert-
für uns zählt nur, dass jeder seine Welt behält.
-III- Mein Antlitz äugt aus dir und deins aus mir,
von treuen, reinen Herzen zeugen sie.
Zwei feine Hemisphären bilden wir,
und Sturm und Flauten gibt es bei uns nie.
Es stirbt, wer der Melange sich niemals weiht.
Wenn unser Lieben Einklang schafft und uns
Geduld im Lieben trägt, winkt uns die Ewigkeit.

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