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lost
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Gretchen schrieb:
Die Schabe, mal hochgestochen ausgedrückt, ist eine literarische Anspielung (Referenz heißt das, glaub ich ...). Wer's rät, kriegt von mir nen schlechtes Gedicht gewidmet.
Verehrte Greta, die Schabenbezüglichkeit ist eindeutig. Man könnte gar auf den Gedanken verfallen,
diesen Text als Hommage zu verstehen. Bitte mithin darum, mir ein schlechtes Gedicht widmen zu wollen.
best, lost.

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Gretchen²
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verehrter li-la-lost, hier ist ja noch was offen, also hör mal her:
bestimmt hast du den text durchschaut von vorn und hinten, nicht dass ich daran zweifelte. und ich hab auch nen schlechtes gedicht geschrieben. aber ich sag mal so: bevor du das gewidmet kriegst, sollst du schon bisschen mehr sagen. bitte. ja?
Kreta krühst
(hab auch mal wieder ne PDF probiert, iss nicht die königin der schaben geworden, leider, aber ich häng sie trotzdem ganz oben mit rein ...)

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lost
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20.02.2009, 10:32 / 4 x geändert
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lost endlich zur Stelle!
ihr Befehl ist ihm Wunsch!
er versucht einige Anknüpfungen!
1. ein möglicherweise ziemlich abgefucktes, sich eher krud artikulierendes, vitales Textaussagesubjekt (heftige Kopfschmerzen, verursacht durch Alkohol- oder Drogenexzess?), das, während es noch mit der Attitüde des wild sich aufbäumenden Selbstekels, des Sich-in-die-Fresse-knallen-Wollens kokettiert, doch genau weiß, dass ihm alle Arschlochtage der Welt nichts werden anhaben können, weil es geübt ist darin, sich auszuhalten, reflektiert morgens (am Neujahrsmorgen?) im Bad (s)eine ungünstige Befindlichkeit ("Depression").
anders ausgedrückt: gnadenloser Narzissmus (ex negativo).
2. Reinhard Mey: Es gibt Tage ... (link) => streu dem gutbürgerlichen Dackel Pfeffer unter'n Schwanz!
(Vers 1)
3. Eric Malpass: Morgens um sieben ... (link) => in den Ausguss mit dem ekelhaft süßen Frühstückskaffee des gemütvollen Lebensgefühls! (Vers 1)
4. Radiohead: (link) => "I wish I was special / But I'm a creep, I'm a weirdo / What the hell am I doin' here? / I don't belong here ..." (Vers 3 ff.)
5. die Klage des Dichters Rimbaud - JE est un autre, oder auch La vraie vie est absente (Das wahre Leben ist abwesend) - schwingt durch den gesamten Text.
6. Gregor Samsa: warst nicht du es, Greta, die mir jene Anekdote erzählte, wie einer ein ekles Insekt, das er morgens beim Aufwachen neben seinem Bett auf dem Boden erblickt, mit einer Taschenbuchausgabe von Kafkas Tagebüchern erschlägt? (Vers 8)
7. Annette von Droste-Hülshoff: Das Spiegelbild (link).
8. die verwendete Spiegelmotivik, auch eine Spielart des Doppelgängermotivs, bietet reiche intertextuelle Möglichkeiten (v.a. Bezüge zur [schwarzen] Romantik, Hoffmannsthal, Jean Paul ... ).
9. Luther verkehrt herum interpretiert, das berühmte Apfelbäumchen umgelegt: eine Absage an jeglichen religiös gestützten Optimismus? Eingeständnis "menschlichen Versagens" gegenüber der Schöpfung? Aufruf, darüber nachzudenken, wer woran "schuld" ist? (Vers 11)
10. mit Vers 15 wird eine zusätzliche Ebene eingeführt: der Text outet sich als ein metapoetischer, kreist um den Schreibprozess; Schreiben als Ventil innerer Not? mehr nicht?
11. der Text enthält Links auf deine eigenen Gedichte: womöglich ebenfalls ein Hinweis darauf, dass der Text metapoetisch verstanden werden möchte; dass es im Kern um den Prozess des Schreibens geht; um die Sinnlosigkeit allen Schreibens?
12. Vers 20: "das war's". ein interessanter Schlusspunkt. das Ich, Subjekt des Textes, registriert seine im Aufschreibimpuls kreativ umgesetzte Eruption: der Moment der Befreiung verlöscht bereits, wird aber auch in seinem Verlöschen noch notiert. dies könnte bedeuten, daß der Text nicht nur inhaltlich als Momentaufnahme einer Augenblickserfahrung eigener Befindlichkeit gelesen werden will, sondern auch als poetische Rekonstruktion der sich in einer komplexen Verskomposition ausdrückenden Wahrnehmung an sich. das Ich des Textes ist eine selbstreflexive Figur; es ist beschäftigt mit der eigenen Wahrnehmung, mit den eigenen Reaktionen und Verarbeitungen, sein Bezug auf das Selbsterlebte mag gelten als ein Versuch, Verläßliches, Überprüfbares zu sagen, und dies, das Eigene, als einen der rasenden Erosionskraft der Zeit abgerungen Moment von Evidenz entgegenzusetzen allen leeren Parolen (i.e. Sprachhülsen, Sprechhblasen): hierin, so wage ich zu sagen, wird sinnfällig ein Grundgesetz von Lyrik überhaupt.
13. ein sehr "befrachteter" Text; dennoch: nicht ungern gelesen.
regards, lost

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Willimox
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27.05.2010, 10:05 / 2 x geändert
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in ergänzung zu lost:
1. De Pressione
Die ÜberSchrift "de pressione vitae" ist lesbar als "Depression", dann aber auch als lateinische Angabe eines Themas: "Über den Druck des Lebens". Naja und ein wenig kapillar traktiert: Ein "Presse"-Erzeugnis meint (Aus-)Gedrucktes und Veröffentlichtes.
Der klinische Ausdruck " Depression" und das Abhandlungs- und Thematisierungssignal "de", sie installieren beide - wenn auch in unterschiedlicher Höhe - eine Observationswarte. Gedeckt durch die zentrale Spiegelsituation:
2. Spiegeln
Das Spiegeln selber, eine unmittelbare Reflexion und schon mehr:
a) Zurückwerfen (opt.) von Wellen und Strahlen
b) verbale Reflexe als Reaktion auf ein Spiegelbild
c) Rückbezug auf eigene und fremde Ich-Bilder der poetischen Provinz, ehemals Reflexe, transskribiert
d) Prüfende Betrachtung und Evalutaion, Selbstvergewisserung
e).....
3. Iche
Die Doppelung und Verdreifachung des Ich,
a) ein beobachtetes Ich samt seinen kopräsenten Gedichtpartikeln
b) und ein beobachtendes Ich, das sein anderes Ich "leise" zurechtweist und dabei Hochsprache "vergiss" und Slang "verpiss" kombiniert und dann noch ein
c) drittes Ich, das seine zwei Iche in Prosazeilen, beim Reimansatz in Vers-Zeilen umbricht. Spielerisch, verzweifelt, resignativ, situationsmächtig im Spiel, bis zu einem gewissen Grad situationsmächtig im Spiel.
vergiss
sagst du leise zu der da im spiegel verpiss
dich du bist nur ein schlechtes gedicht
und gehst aus dem bad.
hockst später am bildschirm drückst hoffnungslos text
ballerst lausigen junk für das spiegelgesicht
in den kanal bis zum head-crash.
das war's.
4. Das war´s?
a) ein Ich nämlich, das sich zuschaut, wie es das tut, was es tut.
b) "Head-Crash" als finales Finale, Prosa- und Textende, eine textgebundenen Reflexion hört auf,
c) Vorgriff auf ein Lebensende mit Rückschau auf das, was war.
5. Das war´s?
Mit sanftem Ingrimm und ohne allzu therapeutisches Schulterklopfen sagt sich der Leser:
Mit diesem "Über etwas Schreiben"
fern von "Dröge & Bräsig"
ist Elevation angesagt,
dunkel, flink und licht.
(Oh du meine Fresse)
w

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Willimox
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28.05.2010, 15:10 / 2 x geändert
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de pressione
vitae
über druck
des Lebens
Sieht man einen Text sehr übergriffig und hermeneutik
unterlaufend als "autonom" an, zeichnet man
das "spiel der signifikanten" nach
und die ständige verschiebung von Sinn
und ist der text doch gegen beliebigkeit der deutungen
gefeit, gleicht er also nicht einem rorschach-test,
sondern schimmert im frame-shifting das große
wilde eine chamäleon, so entsteht über druck glück.
Link: rorschach und diese Sache mit "im Auge des Betrachters"

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Gretchen²
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30.05.2010, 11:44 / 1 x geändert
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Du hast, lost, mal was formuliert über die Kunst und Gunst des Antwortens (links da), und nun hab' ich Dir hier in diesem Faden so lange nicht geantwortet auf Deinen Kommentar und Deine Mühe, die Du aufwandtest, und bitte sieh mir das nach - war nicht, weil ich nicht zu schätzen wüsste, was Du schreibst, nein, war einfach, weil es sich nie so anfühlte als sei der richtige Augenblick gekommen für das Dankeschön.
Jetzt aber. Jetzt:
Danke.
Und willimox! Ja, was Du zum Titel notierst (und auch, was Du überhaupt notierst; weißt Du, das Chamäleon nehme ich ernst, wirklich ernst!) - das ist es. So. Genau. Hab lang an dem Titel rumüberlegt, wie man dies und jenes reinpacken könnte - bin echt froh über Deine Zuschriften, die sagen, was ich selbst so nicht hätte ausdrücken können. Danke. Kriegst auch noch Antwort bei "Jessica", bitte nicht ungeduldig werden, bin oft notgedrungen bisschen flüchtig.
Also, das Prose-Poem fühlt sich zutiefst gelesen, alle seine Iche fühlen sich verstanden und gewürdigt, und die Lyrikpommesbudenschabe bedankt sich artig bei den Herren willimox und lost mit einem just frisch aufgeblühten kleinen Herpesbläschen (bitte weiter gehen, immer der Beschilderung folgen ...)
Beschenkt grüßt
die Maigrete

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