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      kirmesbollo



egoshooter

   17.09.2008, 01:32



geträumt
was ginge

gesehen
was geht

auf den straßen
in den bahnen
in den fluren
ein liebeslied
geschrien

zu alt
zu brüchig
zu leise für das vakuum
dort ist er zuhause
der möchtegern

wie gern
weiß nur ich

 

      Younis der Poet



egoshooter

   17.09.2008, 22:31 / 1 x geändert



that looks like a part of black Comedy play
great
theaterstück und das meine ich ,i did read it more than 10 times ,
and it is beautifully written and needs to be on the Stage .

best regards

younis

 

      zuppanova



egoshooter

   18.09.2008, 14:00



grüss dich bollo,

das ist ein sparsames gedicht, keine ausladenden wortkaskaden, sätze anskizziert, das subjekt fehlt - und ich könnte jetzt gleich interpretierend sagen: das passt, denn der da spricht und reflektiert, der ist alt, brüchig und leise, der ist scheu und versteckt sich hinter dem möchtegern, hinter einer möchtegernmaske.
der möchtegern ist (satzbaumäßig) das erste subjekt, das auftritt, danach erst erscheint das sprechende ich als subjekt, im letzten wort des textes enthüllt es sich und stellt damit den zusammenhang her zum ersten wort, zu dem ego im titel, der kreis schließt sich.
überhaupt, der titel: macht türen auf, fällt aber nicht mit der tür ins haus - weckt (bei mir) assoziationen, die dann beim lesen wieder ein stück weggedrängt werden, aber eben nicht ganz; der titel gibt eine tönung, einen verweis auf ein lebensgefühl vielleicht - der text handelt nicht vordergründig davon oder davon, aber bezüge kann man herstellen.

oben hab ich schon gesagt, der text sei sparsam; jetzt sag ich noch: er ist streng und funktioniert nach dem these-antithese-prinzip. dem "geträumt, was ginge" steht das "gesehen, was geht" gegenüber. das wiederholt sich bzw. wird vertieft/erläutert im dritten paket: hier stehen "straßen, bahnen, flure" als geräuschvolle, anonymisierte (flure -> ämter -> verwaltung des menschen) orte städtischen lebens dem "liebeslied" (empfindung, innenwelt, persönliches, beziehung) gegenüber. das liebeslied, obwohl es herausgeschrien wird (d.h. es handelt sich um ein immerhin mit nachdruck versuchtes "durchdringen-wollen"), vermag die seelenlose egoshooter-welt nicht zu verändern, kann nicht gegenhalten: es ist "zu alt, zu brüchig, zu leise" und geht verloren, geht unter "im vakuum". so, und hier finden textlogisch der eine und der andere strang des gedichts zusammen (meine lesart jedenfalls), denn diese vakuum-welt, das ist der ort, wo der möchtegern sich rumtreibt, der ja wiederum ein alter ego des "ich" ist, welches den text spricht und seine empfindungen, seine innenwelt mit der außenwelt abgleicht und überlebensstrategien entwickeln, sich anpassen musste.

mir gefällt, dass hier über ... mhhh ... traurigkeit? resignation? versagen? die fragwürdigkeit oder gar unmöglichkeit von befriedigenden lebensentwürfen? ... geschrieben wird auf leise, fast möchte ich sagen: brüchige weise.

lg, zuppa.

 

      kirmesbollo²



egoshooter

   03.10.2008, 20:01



Hallo Younis & Zuppa!

Younis, mehr als 10 mal? Ich denke, da kann ich zufrieden sein, auch wenn meine kleine Miniatur es wohl nicht bis auf die Bühne schaffen wird, denn was die Print-Veröffentlichung meiner Texte angeht mache ich mir schon keine großen Illusionen.

Hey Zuppa, es ist mir ein Vergnügen, Kommentare zu bekommen, die von so einer Beobachtungs- und Emphatiefähigkeit zeugen. Du triffst mit den meisten Deiner Betrachtungen zum Text ins Schwarze. Der skizzenhafte leicht fragile Aufbau war mir Bedürfnis beim Transport der Botschaft, so denn da eine konkrete ist. Der Verweis auf ein Lebensgefühl, den Du im Titel siehst war ebenso intendiert wie die Möglichkeit der verschiedenen Bezüge. Dabei war der egoshooter als Spiel um schießen und erschossen werden weniger ausschlaggebend. Das Wort sah mir von Anfang an wie ein Assoziationsmonster aus, wo einiges mit möglich war. Für mich steht es für das Abschießen des eigenen Egos, das im Falschen versucht, halbwegs „richtig“ zu leben. Insofern war keine „Maske“ angedacht, sondern einer, der wirklich gern die Fähigkeit hätte im Trivialen zu existieren, im Alltag zu bestehen. Da greift Dein „innen-außenwelt-Abgleichs“ und “Überlebensstrategiemodell“ vollkommen und da merke ich, dass ich erzählen konnte, worauf es mir ankam.
Vielen Dank vom bollo

 

      Vladimir



egoshooter

   07.10.2008, 09:39 / 1 x geändert



Hallo,
mir gefällt da, wie dieser Ausdruck "möchtegern", der ja eigentlich einer ist, gegen den man sich wehren möchte, der als Plakette sofort runter soll, denn man i s t ja einer, ein bestimmter, und nicht einer, der bloß gerne wäre - wie dieser Ausdruck gewendet wird, dieses gerne etwas sein würden nicht nur in etwas ganz natürliches verwandelt, sondern gerade zur Anklage gegen die wird, gegen die man sich eigentlich verteidigen zu müssen glaubte.
Etwas unklar: wo das lyr. Er nun zu Hause ist - im Liebeslied oder in der Vakuumwelt? Aber es würde ja beides passen.
Und dann reizt mich irgendwie so eine gewisse Enge der Sprache - es sind ja keine großartigen Metaphern, nichts modernistisches, man könnte beinah meinen es ist ein noch junger, fast pubertärer Stil (eben in dieser Hinsicht der Begrenztheits der Ausdrucksmöglichkeiten) - und doch wird sich da auf eine Weise Luft gemacht, die irgendwo trifft, und doch die Enge als Gefühl bestehen lässt - wodurch? Dadurch, dass der Clou sozusagen, das Ende mit einem Wort gemacht wird, das eben nicht vom Autor erfunden ist, sondern von den "Gegnern kommt". Im Sinne von: zwar hat er noch keine eigene Sprache, aber in die der anderen kann er hineinschlüpfen und sie zu sich wenden.
Beim ego-shooter dacht ich - wohl Opfer der Medien - merkwürdigerweise direkt an einen Amoklauf: - der könnte dann auch das geschriene Liebeslied sein. Gefällt mir beinah.

Beste Grüße,
Vladimir

 

      kirmesbollo²



egoshooter

   07.10.2008, 11:03 / 1 x geändert



Guten Morgen Vladimir,
vielen Dank auch an Dich, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Ja, der „Möchtegern“ ist schon im Grunde negativ konnotiert, doch eigentlich ein kleines unschuldiges Wort, wenn man es auseinandernimmt, mag sein man könnte das von fast jedem Wort sagen, aber da ist tatsächlich jemand, der einfach gern möchte. Deine Lesart mit dem Amokläufer hatte ich so gar nicht im Auge, doch auch sie haut wohl hin. Was den fast pubertären Stil angeht bin ich froh, dass Du ihn als „fast“ wahrnimmst, denn wenn ich mich an die Herzeleidschreibereien aus meiner Pubertät erinnere, meine ich, dass es in diesem schweren Alter selten war, dass es mal gelang, das was man sagen wollte in einem Satz unterzubringen, in dem nicht mindestens 10x „ich“ vorkam. (Sowieso ein interessantes Ding, dies „lyrische“ ich, das ist was für den smalltalk). Mir ist es jedenfalls oft ein Bedürfnis, die Texte dicht zu bekommen, ohne mögliche Zweit-, oder Drittmöglichkeiten der Rezeption auszuschließen. Schön, dass Dir der egoshooter (xxxxxx) gefallen konnte.
Einen charmanten sonnigen Herbsttag wünscht: der bollo

 

      Vladimir



egoshooter

   07.10.2008, 13:10



kirmesbollo,
das "beinah" war auf die Version des Amoklaufes bezogen.
Das "fast" beim pubertären Stil macht das Gedicht eben gerade (in meinen Augen) gut, weil es etwas aus dieser Richtung anklingen lässt, ohne selbst hineinzurutschen - eben das, was ich versucht hab mit sprachlicher Enge zu beschreiben. "möchtegern" - das ist doch so frei heraus auf den Lippen getragen eher ein Wort der Jugend, oder?
Gruß,
Vladimir

 

      kirmesbollo²



egoshooter

   07.10.2008, 21:24



Jau Vladimir,
stimmt schon der Möchtegern ist eher ein Wort der Jugend, und der Rest war wohl eher ein kleines Verständnisproblem, daher war ich so frei das „beinah“ in meinem Vorpost wegzueditieren. Danke für Deine klärende Rückmeldung und lieben Gruß vom bollo




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