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      dertras



--

   10.09.2008, 19:35 / 1 x geändert



Ich wollte diesen Beitrag wieder löschen, habe hier allerdings keine Möglichkeit gefunden, das erledigen zu können. Wenn jemand weiterhelfen kann, wäre das nett.

 

      Gretchen



In einer Welt

   10.09.2008, 20:15 / 4 x geändert



weil ich eigentlich nicht meine zeit verplempern will mit unausgegorenen pseudolyrischen machwerken, sag ich dir direkt und kurz, bevor du noch mehr hier rein pumpst: auch dieses teil ist nicht besonders gelungen, sprachlich dürftig, uninteressant, angekitscht, redundant, ohne rhythmus oder fluss, und so unbeholfen und gefühlströpfelig winselnd wie es daher kommt, würd ich's an deiner stelle nicht öffentlich machen, sondern schön im schublädchen verwahren, als andenken, und mir das mit dem schreiben vielleicht überhaupt nochmal überlegen.

grüße von Gretchen.

_________________

edit 12.09.2008
dertras, es ist schade, dass du deinen text "In einer Welt" (Screen1 / Screen2) weggenommen hast. ich finde, das solltest du nicht, nur weil ein Gretchen einen dummen kommentar schreibt. und schau mal, wenn man nicht wüsste, wer das da verfasst hat, dann könnte man womöglich auf die idee kommen, es auch ein wenig kitschig zu finden. und Benn war es (oder?), der mal sinngemäß gesagt haben soll, wenn einem autor im laufe seines lebens vier oder fünf wirklich gute gedichte gelängen, dann könne er absolut zufrieden sein ...

 

      jürgen h.



In einer Welt

   19.09.2008, 01:59



Manche Texte würde man gar nicht lesen, wenn es diese Foren nicht gäbe.

> Benn war es (oder?), der mal sinngemäß gesagt haben soll, wenn einem autor im laufe seines lebens vier oder fünf wirklich gute gedichte gelängen, dann könne er absolut zufrieden sein ...

Ja, sinngemäß bei dem Marburger Vortrag 'Probleme der Lyrik', 1951. Allerdings war Benn der Ansicht, keiner 'auch der großen Lyriker' hätte mehr als 'sechs bis acht vollendete Gedichte' hinterlassen. Vollendete, wohlgemerkt, nicht sehr gute, gute oder mittelmäßige wie das verlinkte Gedicht von Rilke.
Der Wahrheitsgehalt von Benns Aussage darf angezweifelt werden: er selber hat weitaus mehr als die sechs bis acht vollendeten Gedichte geschaffen.
Wobei - eben fällt mir ein, dass Christian Morgenstern schon einmal die 'sechs bis acht' in einem Gedicht erwähnte:

Meistens ist in sechs bis acht
Wörtern völlig abgemacht,
und in ebensoviel Sätzen
läßt sich Bandwurmweisheit schwätzen.

Vielleicht hat es G.B. dann doch nicht so ernst gemeint mit seiner vielzitierten Aussage?

Grüße ans Gretchen
und die anderen Forumsmitglieder,

Jürgen

 

      Gretchen



noch mal wegen Benn

   20.09.2008, 07:57 / 1 x geändert



Heia jürgen h.,

das finde ich sehr gewitzt, hier auf die Korff'sche Zauberbrille zu verweisen --- und ein Dankeschön auch an dich für's Präzisieren meiner etwas verwischten Benn-Allusionisierung; es war mir ja weniger um exaktes Zitieren zu tun, sondern mehr darum, eine bestimmte Botschaft an dertras zu vermitteln. Um gleich noch eine Analogie zu ziehen: Ich denke, dass man es nicht unbedingt wörtlich nehmen sollte (-> "Wahrheitsgehalt"), wenn Benn in seinem poetologischen Vortrag von den sechs bis acht vollkommenen Gedichten spricht, sondern mehr "im übertragenen Sinn" - also, der "will uns was sagen" damit, der verzwickte, kalt Artist, der will auf irgendwas raus, der verbildlicht da eine bestimmte Message mit seinen "sechs bis acht" ...

-----

>> Manche Texte würde man gar nicht lesen, wenn es diese Foren nicht gäbe. <<

Ist das mehr gut oder mehr schlecht? Ich komme für mich zu keiner definitiven Entscheidung. Foren wie dieses geben die Möglichkeit, Einfälle aller Art sofort öffentlich zu machen, Ergüsse auch, die in den Zeiten, als es das www noch nicht gab, auf geduldigem Papier vertrocknet und beim nächsten Umzug dann entsorgt worden wären ...

Passendes Benn-Zitat (ebenfalls aus Probleme der Lyrik, 1951) könnte sein:

Es geht um "[...] die monologische Kunst, die sich abhebt von der geradezu ontologischen Leere, die über allen Unterhaltungen liegt und die die Frage nahelegt, ob die Sprache überhaupt noch einen dialogischen Charakter in einem metaphysischen Sinne hat. Stellt sie überhaupt noch Verbindung her, bringt sie Überwindung, bringt sie Verwandlung, oder ist sie nur noch Material für Geschäftsbesprechungen und im übrigen das Sinnbild eines tragischen Verfalls? Gespräche, Diskussionen – es ist alles nur Sesselgemurmel, nichtswürdiges Vorwölben privater Reizzustände (link), in der Tiefe ist ruhelos das Andere, das uns machte, das wir aber nicht sehen. Die ganze Menschheit zehrt von einigen Selbstbegegnungen, aber wer begegnet sich selbst? Nur wenige und dann allein."

Fast klingt er prophetisch, dieser Gottfried Benn.


Gretchengrüße.

 

      jürgen h.



noch mal wegen dir

   21.09.2008, 01:01



Ja, der übertragene Sinn. Wie alt mag der Themenersteller sein? Der erschreibt sich eben die Welt u. löscht seinen Beitrag wieder, mokiert. Dabei war der Verriss vom Feinsten, sowas kann man sich nur wünschen, wenn dertras beim Schreiben bleibt (u. es spricht nichts dagegen, er/ sie scheint noch jung zu sein), dann werden aufkommende Zweifel das eigene Vermögen in einem viel schlechteren Licht dastehen lassen als dein beherzter Zugriff. Oder auch nicht.

> Manche Texte würde man gar nicht...
... mehr lesen, sie erinnern möglicherweise an die eigenen Anfänge. Sind gut, die Podien, anregender Zeitvertreib, eine Möglichkeit, zu Lesern zu kommen, was letztendlich das Wichtigste ist. Erinnere mich an eine Faustwatschn im ehem. Lit.-Cafe, die mir gut get(h)an hat. Die war allerdings - natürlich - völlig ungerechfertigt (jetzn Smiley dazudenken, bitte).

> Vorwölben privater Reizzustände
Fein, die kummergetriggerte Schabe, das passt.
Kummergetigerte, kummergetränkte, kummergetriggerte Schabe.

Grüße ans Gretchen,
Jürgen

 

      Gretchen



und gezz wegen die Podien

   21.09.2008, 02:47



>> Sind gut, die Podien, anregender Zeitvertreib, eine Möglichkeit, zu Lesern zu kommen, was letztendlich das Wichtigste ist. <<

Ein fetter Satz, der hat's schon in sich. Und zwar, weil du das Wort "Podium" (=> "Bühne") verwendest. Podien dienen dem Zeitvertreib, ja (und man könnte an dieser Stelle kurz staunen darüber, dass es in dieser unserer Gesellschaft überhaupt noch Leute gibt, die so viel Zeit haben, dass sie sie vertreiben müssen - aber das ist ein anderes Thema und führt endgültig ins Offtopic), und sie dienen auch der Selbstinszenierung und Selbstdarstellung (oder der Darstellung dessen, was man gern wäre - "Dichter" odersowas vielleicht ...), und ich denke also manchmal, diese Podien sind nichts weiter als Schau-Spiel-Plätze für grandiose interaktive Soaps mit Protagonisten, die ad hoc das Skript produzieren und es gleichzeitig umsetzen. Wieviel insofern das, was auf "Schreib-Plattfor(m)en" (platt!?) gepostet wird, mit "Schreiben" (ich meine jetzt mehr diese Art Schreiben, auf die z.B. ein Benn in seinem Vortrag abhebt) zu tun hat, lass ich mal offen. "Anregendes" in dem Sinne, dass es mich packt, interessiert, reizt, mir guten, neuen, hungerstillenden Input gibt, ist kostbar und nicht eben wohlfeil in den Foren ... und die Leser, okeeh, sind schon wichtig, aber "das Wichtigste" sind sie (mir) nicht.

Die Schabe, mal hochgestochen ausgedrückt, ist eine literarische Anspielung (Referenz heißt das, glaub ich ...). Wer's rät, kriegt von mir nen schlechtes Gedicht gewidmet. Muss ich dann noch schreiben (jetzt auchn Smiley dazudenken, bitte).

Späte Grüße an den jürgen h. von der KummerKrötenGrete.

 

      jürgen h.



shellplattform

   28.09.2008, 21:27



> führt endgültig ins Offtopic
Fein! Man verschiebe dertras' Kellergewölbe, in dem wir uns herumtreiben, an den richtigen Ort, eine Etage höher, in Augenhöhe, wohin auch immer.
Gretchens Zeit vertreib ich gerne. Rilke (du kennst es) hat das gestochen zu Papier gebracht:
Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
Sie zu halten, wäre das Problem

> interaktive Soaps mit Protagonisten, die ad hoc das Skript produzieren und es gleichzeitig umsetzen.

Die drei aristotelischen Einheiten also, die Jamben glühn und die nachahmende Tragödie 'bestimmter Größe' nimmt ihren Lauf.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt kommt man als Darsteller nicht mehr weiter und mischt sich mit dem Publikum, das die Bühne betritt: lauter Platzanweiser.

> "Schreib-Plattfor(m)en" (platt!?)

Die shellplattform
und
dies fördern hier
brennstoffe
zuhauf

zutage

> Wer's rät

Mei, von Kafka war in den letzten FAZ-Ausgaben viel die Rede, zuletzt eine fünfschwänzige Allegorie über 'Hoffnungslos': 'Hoffnungslos fuhr in einem kleinen Segelboot um das Kap der Guten Hoffnung.' Und noch vier weitere Sätze aus dem Nachlass.
Dürfen es denn auch Kakerlaken sein? Damit liege ich zwar daneben, es handelt sich dabei um Lesestoff vom Feinsten.

Wo die Erde bereits wie ein durchgedrehter Brainburger
durch die große kapitalistische Imbißstube saust,
rasend,
rotierend,
dem Selbstverzehr entgegen,
bis der letzte Biß und der letzte Schiß in einem Reim
zusammenfallen
und die Führung endgültig an die Kakerlaken übergeht ...


(Aus: Peter Rühmkorf: Paradiesvogelschiß. Gedichte. Rowohlt Verlag 2008.)

Grüße ans Gretchen,
Jürgen




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