mord an den gewohnheiten · kirmesbollo · ·


Tod · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Texte zitieren auf literature-online.de

welt

Kipp-Phänomene: Brillante Rhetorik

Reise durch lit-on

Mein Buchhändler

Dichte Reime

Zwei Gedichte

Enjambements in Heyms Berlin III

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Ein Dogma

Distanz

in die nacht

Jahrestage


 

      kirmesbollo



mord an den gewohnheiten

   09.09.2008, 20:54



flughafenluft erschnuppern
geldgebergespräche belauschen
wieder einmal unpassend angezogen
burned-out zum check-in noch eine seven-up
dann mit angstschweißleibern im flieger
stunden unbegreiflicher physik
welt von oben erhaben begaffen
dann landen und staunen
mit händen voll sand
selbst die luft nicht mehr grau
die seele rollt aus bis sie steht
das ist droge es geht nie mehr zurück
dahin wo die stunden und tage
in geldwerten sterben
ein abend noch sommer ein wein
und ein strand photographisch
gebrannt in das ende der zukunft im kopf
das war alles ist gut so und hier soll es enden
und noch einmal geld und physik
ein gemietetes boot eine flasche vergessen
dann raus auf das blau und getrunken
bis schmerz nicht mehr greift
nur die wellen im unteren blau
dann gischt in der lunge gezeiten
der kreislauf steht still nur der große geht weiter
endlich am ende zuhaus

 

      zuppanova



mord an den gewohnheiten

   10.09.2008, 13:44



jessas, jessas, bollo, was hast du denn da gemacht?
das ist ein feines, sehr gut ausgearbeitetes, stimmiges, rundes gedicht.
nur einmal grob umrissen, was mir gleich aufgefallen ist an deinem lied, deinem gesang (das ist nicht ironisch gemeint, s.u.) von einer kleineren und der einen ganz großen reise.

1. der text ist "versmaßmäßig" sehr homogen; bin keine metrikhexe, aber ich behaupte einmal, tragendes element sind die daktylen: am anfang des textes, wo inhaltlich noch der stress, das verquere, anstrengende, entmutigende des alltags hereinspielt (bis zeile sieben) mit häufigen synkopen (also stimmig zum inhalt unterbrochen, zerhackt), ab der landung (d.h. ab der ankunft in der nicht-gewohnheitsbedrängten aus-zeit-welt des urlaubs) dann ganz flüssig laufend; daktylus ist ein "epischer" versfuß (hexameter), auch ein tänzerischer, ist melodiös, liedhaft, flüssig, leicht - nimmt hier den leser unwiderstehlich mit, trägt ihn sicher durch den inhalt, welcher ja alles andere als "leicht" ist;
ich denke, die metrik , der gelungene sprachfluss, die "melodie" des textes sind hier sehr wichtig, kontrapunktieren die inhaltliche ernsthaftigkeit, die dadurch um so eindringlicher wird;

2. der text enthält sehr viel "emotion" - bewegung; das meine ich (auch) ganz wörtlich: der text steigt in ein leben ein an der stelle, wo sich alltag und urlaub berühren (punkt A), wo es darum geht, den gewohnheiten kurzfristig zu entfliehen, und endet dort, wo dieses leben endet (punkt B) im suizid, im endgültigen ausstieg aus dem sterben in geldwerten; diese gewaltige bewegung von A nach B geschieht unmerklich, geschmeidig, leise, ohne brüche, dramatische sprünge, erzählend in einem großen bogen; eine so existentielle bewegung ungekünstelt im text zu transportieren - das ist keine einfache sache; evtl. hängt es (u.a.) mit dem fehlen eines (womöglich auch noch dramatisch röchelnden, stammelnden, klagenden, leserbedrängenden) Sprecher-Ich zusammen, dass dem text der transport großer emotion so unaufdringlich eindringlich gelingt;

3. sehr interessant finde ich die gestaltung der bildbereiche im text; zwei große felder: luft, himmel, fliegen, flugzeug, ("oberes blau") - wasser, boot, das "untere" blau, ertrinken; archetypisches material, finde ich, und viele details, die noch erwähnenswert wären ... aber ich bin nur auf einem schnellen durchflug und breche deshalb hiermit meine "gedichtbesprechung" vorerst kurzerhand ab;

danke dir für diesen steilen einstand.
angetan: zuppa.

 

      Jolante



mord an den gewohnheiten

   10.09.2008, 15:42



was noch sagen, bollo, nach deinem fulminanten lyrischen Einstieg und zuppas Eloge, die kaum zu toppen sein dürfte, zumal sich zuppa hier nur sehr selten zu Elogen hinreißen lässt. - Und so stehe ich auch vor deinem Gedicht -beinahe- ehrfürchtig. Es ist formvollendet geschrieben und hat eine Aussagekraft, die einem vom ersten bis zum letzten Vers auf die Reise von ganz oben nach ganz unten mitnimmt, jedenfalls m i c h mitgenommen hat. Ich danke dir für dieses Gedicht, das ich sicher nicht zum letzten Mal gelesen habe.

Jolante

 

      augustine



mord an den gewohnheiten

   17.09.2008, 23:09



Hallo, kirmesbollo, wat heest'n det?
Ja, 'mir gefällt' dein Text auch und aus denselben Gründen wie zuppa. Bloß wenn ich ihn auch in (mindestens) zwei anderen Foren lese, wo er früher stand, dann verschließt mir das den Mund oder lähmt die Finger, die sonst gerne auf die Tastatur klopfen.
Wer was Gutes hat, kriegt hier oft sehr viel sorgfältigere Rückmeldungen als anderswo, das scheint mir doch so zu sein. Aber Kommentare hier und da und dort absammeln, das gefällt mir nicht - und siehe voriger Absatz.
Ja, ich weiß, jeder hat das Recht, die ganze virtuelle Welt mit seinen Produktionen zu erfreuen oder zu belästigen ...
Wär schön, du sagtest dazu was.
Darüber würde sich freuen: augustine

 

      kirmesbollo²



mord an den gewohnheiten

   17.09.2008, 23:31 / 2 x geändert



Hallo augustine,
schönen Dank erstmal, dass es Dir, obwohl ich den Text auch anderen zugänglich gemacht habe gelungen ist, ihn trotzdem für „gut“ zu befinden.
Ich sammle keine Beiträge ab, sondern lese und schreibe gern, dabei ist es mir egal wo.
Wenn Du über sehr viel sorgfältigere Repliken sprichst, die man hier erhält, meinst Du dann auch z.B. Deine Replik zu ruelfigs Traumsturm? Da wird er sicherlich viel draus lernen.
Er hat übrigens auch schon woanders veröffentlicht, wie so ziemlich alle.
Das kann einem gefallen, oder, wie in Deinem Falle auch nicht. Ich kann daran zumindest nichts verwerfliches finden, doch das ist sicher eine geschmäcklerische Frage, deren Beantwortung müßig ist und in diesem Faden eigentlich nichts zu suchen hat, oder?
Sollte mein Text durch Deine Vorbehalte an Substanz verlieren, dann möchte ich mich gern entschuldigen, dass er nicht exklusiv hier veröffentlicht wurde.
Ebenso, wenn er Dich „belästigt“.
Ich hoffe, ich darf nicht nur neue Texte einstellen, sondern auch ein paar meiner „Lieblinge“
in dieses Forum retten, da es mir als eine ansprechende Plattform für Textkritik erscheint.
An dieser Stelle vielen Dank für Eure ausgiebige Beschäftigung mit meinem gebrauchten
Text, ich gehe später noch ausgiebiger auf Eure Antworten ein.

PS: augustine, hömma, wat liest Du in andere Foren rum, ey?

de groeten: bollo

 

      augustine



mord an den gewohnheiten

   07.10.2008, 22:26



Hallo, bollo,
bin dir noch eine Antwort schuldig, nämlich, warum ich manchmal in anderen Foren lese. Man lernt einfach Neue möglicherweise etwas schneller kennen.
Deine drei Texte hier gefallen mir, ja. Schreib ich gerne.
Vice versa lese ich auch gerne Kommentare.
Grüße von augustine




Views heute: 5.710 | Views gestern: 5.897 | Views gesamt: 5.493.648