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augustine
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Du hast dich wieder mal 'getraut', Liese. Denn du 'lyrikst' gern mal. Ja, und so ist auch das Gedicht, leider.
Wie das erste: tiefster Schmerz, große Verletzungen - aber du hast noch nicht die Distanz gefunden, die ein Gedicht trüge; oder du hast einfach nicht die Begabung, Gedichte zu schreiben, auch das kann ja sein. Es ist viel zu lang. Es fehlt ein Rhythmus. Die Metaphern sind gesucht und sehr oft einfach falsch:
wieso soll Verbundenheit die Lider schweren?
können sich Baumwipfel im Klang von Gemeinsamkeiten wiegen?
wieso sollen Früchte, die reif und prall sind, also das, wozu man Obstbäume pflanzt, Unwahrheiten sein?
außer Zitrusbäumen (Orangen also auch) gibt es jedenfalls in unseren Gegenden keine Bäume, die Früchte und Blüten zugleich haben
und so noch weiter
das Grund-Bild stimmt nicht: wenn da ein Paar ist, das einmal im Bild von zwei Bäumen dargestellt werden konnte (Wipfel, Wurzeln) - von wo an sieht sich denn das schreibende Ich nicht mehr als Baum? Außerdem sind die Früchte die Kinder. Über die sagst du doch sicher nicht, sie seien "Unwahrheiten"???? Das Bild stimmt auch deshalb nicht, weil auch das liebendste Paar nicht von Anfang an nebeneinander aufwuchs, die Wurzeln verschlungen (Sandkastenlieben ausgenommen).
Es ist schwer, Liese, dir etwas zu schreiben. Denn die Verletzheit des Ichs ist auch hier sehr deutlich erkennbar. Zugleich ist aber die lyrische Verarbeitung ganz unzulänglich.
Raten kann ich nur:
Such mal in deinem Text hier Sätze wie diesen ganz einfachen, aber schönen:
"Vergangen sind die guten Tage". Such welche, aus denen man so einfache Sätze machen könnte, wenn man jede Metapher vermeidet (statt "Meine Tränen düngen den Boden": "Ich weine"). Erstmal wird da nicht viel bleiben. Und was bleibt, ist Prosa. Zwinge dich, nur Hauptsätze zu schreiben. Lass das dann Entstandene liegen und sieh es eine Weile nicht an. Du brauchst Abstand nicht nur von den Ereignissen, sondern auch von solchem 'gelyriktem' Text. Diese Selbstironie macht ja das Geschriebene nicht besser.
Und dann? Das weiß ich nicht.
Ich hoffe aber, du fängst etwas an mit dem, was ich raten wollte.
Grüße von augustine

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Gretchen
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Heiala Liese,
du darfst mich gleich schlagen, und mir iss schon klar, es wär besser, ich hielte mal direkt meine Fresse, augustine hat ja schon alles gesagt eigentlich (zu den Logik-Brüchen und Unstimmigkeiten des Grundbildes v.a.) - aber, hackeauch, tut mir leid, ich muss das einfach loswerden, das ist so ein verdammt gutes Beispiel für ... naja, für ein schlechtes Gedicht - da bleibt kein Auge trocken, zumindest keins von meinen.
Das liest sich bisschen so als hätte wer Hesse, Rilke, Hölderlin und noch paar andere Elegiestrategen des mehr oder minder hohen Tons püriert, mit Sirup übergossen, in Puderzucker gewälzt, runtergeschlungen, unter Einsatz sämtlicher Wehmutsmuskeln alsbald wieder ausgekotzt, weil die Süße so schwerklumpig drückte im Magen, und - damit die Schmerzen am Ende nicht ganz umsonst waren - die ausgeworfene hochmelancholisch herbst- und erntegoldene, süßsäuerlich prallreife Wehleidsmasse ordentlich in die Länge gezogen, plattgewalzt und nach Gedichte-DIN-lyr standardbetitelt.
Also, ich finde, du hast nix ausgelassen, kaum ein abgenudeltes Wie-ist-der-Herbst-voll-Abschied / Weh-dass-wir-scheiden-müssen / Ach-du-was-hast-du-mir-getan-undsoweiter-Stereotyp fehlt, eines löst das andere ab, das geht so dahin und kommt nicht zur Klimax, weil eben alles (und noch viel mehr und viel zu viel) drin und dran ist, was ein gefühliges Gedicht so braucht --- von den wiegenden Wipfeln durch den Klang der Gemeinsamkeiten über die bodendüngenden Tränen, den Rausch des Hasses, die fehlenden Flügel, die das Lyrisch gern hätt, bis hin zum (hoffentlich nicht) zerschellenden Herz, zum in die Rinde geritzten Namen samt lebenslanger Narbe - ein Gedicht wie ein Schriftzug, der schmerzt.
Kleinlautkariert um Nachsicht heischend: Gretchen.
(Und kann ja sein, es liegt gar nicht am Text, sondern daran, dass ich nicht die richtige Zielgruppe bin.)

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Liese²
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29.08.2008, 16:17 / 1 x geändert
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Hallo Augustine,
und vielen Dank für deine Antwort.
Es mag ja sein, dass ich so einiges brauche, aber psychologische Ratschläge habe ich hier sicherlich nicht gesucht.
Wie um alles in der Welt kommst du darauf, dass mein LyrIch hier mit mir als Person identisch ist?
Und um ein Paar geht es schonmal überhaupt nicht.
Ich fürchte in der Tat, das Bild ist hier verzerrt.
Du fragst wie Verbundenheit Lider schweren kann, und wie Baumwipfel sich im Klang der Gemeinsamkeiten wiegen können? Irgendwas passt hier nicht. Wahrscheinlich hast du Recht, und ich kann es wirklich nicht - so wie du es subjektiv als alleinig richtig weißt. Nochmals ein Danke für dein Wissen.
Lieben Gruß
Liese

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Liese²
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Sorry Gretchen,
da haben wir uns mit den Antworten überschnitten.
Auch dir danke ich recht herzlich für deine ehrliche und fundierte Meinung.
Lieben Gruß
Luise

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augustine
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29.08.2008, 17:55 / 2 x geändert
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@Liese, weil du ja wahrscheinlich nochmal reinsiehst:
Es mag ja sein, dass ich so einiges brauche, aber psychologische Ratschläge habe ich hier sicherlich nicht gesucht.
Ich habe dir schreibhandwerkliche Ratschläge gegeben, wie ja deutlich oben zu lesen ist
Wie um alles in der Welt kommst du darauf, dass mein LyrIch hier mit mir als Person identisch ist?
weil es aus jeder einzelnen Zeile so schreit
Und um ein Paar geht es schonmal überhaupt nicht.
Nein? Die gesamte Bildlichkeit zeigt das aber so.
Ich fürchte in der Tat, das Bild ist hier verzerrt.
Deins, ja.
Du fragst wie Verbundenheit Lider schweren kann, und wie Baumwipfel sich im Klang der Gemeinsamkeiten wiegen können? Irgendwas passt hier nicht.
Das ist richtig. Hier werden keine Kränze gewunden für den, der schlecht schreibt. Es gibt aber zahllose Foren, wo das geschieht. Da liest man dann "klasse"/"cool"/"find ich auch", evtl. noch ein bisschen elaborierter (Pardon, Fremdwort; gibt aber Wörterbücher im Netz)
Wahrscheinlich hast du Recht, und ich kann es wirklich nicht - so wie du es subjektiv als alleinig richtig weißt.
So ganz alleinig bin ich ja nicht, wenn ich Gretchens Beitrag lese.
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Und eine allgemeine Bemerkung: Jetzt habe ich einmal wieder nicht gesagt: lass es, sondern (und mit Beispielen!!!!): verändere es. Gleich aber meint da eine jemandin (du in diesem Fall), sich nur wehren zu können, indem sie der Kritikerin vorwirft "alleinig" zu sein - 100 000 Ameisen können nicht irren, oder so.
Kritik, steht nicht zum ersten Mal hier: heißt Unterscheidung. Auch eine negative Kritik kann hilfreich sein, wenn man sie sich zur Hilfe nimmt.
Forum für Literatur & Germanistik[color=#3333ff
] [/color]steht hier oben drüber. Das signalisiert einen Anspruch, ja.
Wer das nicht merkt: hat der mehr verdient als das deutliche Setzen von Distanz? Dein Text ist leider wieder ein Beispiel dafür, dass es Texte gibt, bei denen man gleich weiß, dass weitere Bemühung um sie verlorene Zeit ist.
augustine
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Petronius
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Auch wenn ich absolut nicht befugt bin, Gedichte zu kommentieren (was Rhythmus usw betrifft), so doch vielleicht die Metaphern. Ich kann das nicht auf dem Niveau von augustine oder Gretchen, sondern eben nur auf meinem laienhaften. Da sehe ich aber Stimmiges neben Unstimmigem. Ich zähle das mal im einzelnen auf.
Klang von Gemeinsamkeiten: zumindest ist die Gemeinsamkeit des Klanges geläufig, das ist die Harmonie. In der Harmonie klingt damit auch die Gemeinsamkeit an, daher kann ich mit dieser Metapher durchaus etwas anfangen.
Verbundenheit schwert die Lider: bekannt ist, dass man nicht so genau hinsieht, wenn man mit jemandem verbunden ist. Schwert die Lider klingt allerdings nach Einnicken, so dass sich hier zwei Bilder schneiden.
Unwahrheiten im Lebensbaum: ich vermute, das kommt aus der Genesis, es wird eine Verschränkung zwischen Baum der Erkenntnis und des Lebens vorgenommen. Der Unwahrheit im Lebensbaum entspräche dann dem Tod im Erkenntnisbaum. Übrigens ist Genesis 1ff das Großartigste, was es überhaupt an Literatur gibt - und das sage ich als bekennender Anhänger des Celsus!
Die Sache mit der Blüte und der Frucht ist natürlich irgendwie genial von augustine erkannt, aber wenn der Baum der Erkenntnis ein Apfelbaum war, was weithin bekannt ist, was war der Baum des Lebens? Trotz aller biologischen Bedenken würde ich doch dem Baum des Lebens einen Sonderstatus einräumen, er ist der wahre Paradiesbaum, während der Baum der Erkenntnis nur Elend gebracht hat. Allerdings ist die Gleichsetzung des Geliebten mit dem Baum des Lebens gewagt, aber was ist in der Liebe nicht gewagt? Liebe: das ist doch Paradies und Hölle gleichzeitig, oder wenn man es weniger paradox mag: das Paradies in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hölle!
Eines fiel mir bei der Bestäubung auf, das klingt zwar sexistisch, hat sich mir allerdings aufgedrängt: da du wahrscheinlich weiblich und heterosexuell bist, müsste dein Geliebter männlich sein, und der nun wird von "einem" bestäubt. Das eröffnet Perspektiven! Auch wenn das nicht so gemeint sein mag: ich habe es so empfunden.
"die uns gleichsam liebte, stärkte": gleichsam, also als Gleichnis, oder in gleichen Teilen, zugleich? Wenn ersteres, dann wäre die Liebe und Stärkung nur Metapher und daher nicht wirklich.
Kummerperlen: das hebt völlig ab von der Baummetapher, die ich bislang als stimmig empfand. Es gibt keine Perlen auf Bäumen, und wenn du Tautropfen auf Blättern meinst, dann ist die Metapher schief.
"in deinen Schein": das verstehe ich nun gar nicht mehr. Oder ist das ein Ausdruck aus der Ökologie von Bäumen, ihr Schein etwa als der lichte Platz um einen Baum? Könnte ja sein, kenne es aber nicht.
erntest: der Baum lässt fallen, der Gärtner erntet. Das passt also nicht ganz.
salzig: Nun kommt es heraus: die größten Früchte hängen am Baum, weil sie von deinen Tränen versalzen sind! Du machst ihm Vorwürfe, dass er seine Früchte nicht abwirft, und nun ist dir selbst klar, dass sie versalzen sind?
Überhaupt die Tränen (Kummerperlen): sie "düngen den Boden", aber gleichzeitig fangen seine Blätter sie auf bzw. die Früchte? Das geht nicht: du musst dich entscheiden: entweder düngen sie den Boden oder sie werden aufgefangen, oder teils/teils.
Der Rest des Gedichts verlässt die Baummetapher, nur als Hintergrund für ein geschnitztes Herz ist sie jetzt noch gut. Das kann man vielleicht tun, vielleicht auch nicht, da kenne ich mich nicht aus, aber mir kommt das unmotiviert vor, als Stilbruch gewissermaßen. Du bist als Baum auf die Erde in Form einer Messerstecherin gekommen und willst den armen Mann solange aufritzen, bis er sein Haupt neigt und dir seine durch dich versalzten Früchte präsentiert? Was hättest du davon?
Ich bin ja nun - leider, aber was soll ich tun? - ein grob-sinnlicher Mensch. Daher habe ich mir nochmal das ganze Gedicht aus erotischer Perspektive rekapituliert: die größten Früchte, die der Geliebte (ich vermute weiterhin, dass er männlich ist) nicht fallen lässt, hmm, mir fällt natürlich sein Samen ein, d.h. er ist zwar fruchtbar, aber sein Bestes hält er zurück. Vielleicht ist nicht dieser erotische Aspekt gemeint, sondern "seine besten Eigenschaften" o.ä. Wie auch immer, richtig klar wird das allerdings nicht. Das geht mir allerdings bei vielen Gedichten so.

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Liese²
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Hallo augustine,
reg dich bitte nicht so auf.
Ich habe dich doch nicht angegriffen, aber deine Reaktion macht fast den Anschein. Wenn du mich besser kennen würdest, dann wüsstest du, dass ich auch mit negativer Kritik sehr gut umgehen kann. Ich bitte also darum, nicht mit all den anderen über einen Kamm geschoren zu werden, die ihre Werke für unantastbar halten. Übrigens handelt es sich um Geschwister, und nicht um ein Paar.
Ich wünsche dir alles Gute!
Herzlich
Liese
Hallo Petronius,
vielen Dank für deine Mühe!
Lieben Gruß
Liese

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augustine
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Eh' ich hier was anderes schreibe (ich meine nur: lesbar auf diesem Monitor) will ich nur eben sagen:
wenn ich mich aufrege, Liese, das liest sich GANZ anders.
gelassene Grüße von augustine

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Liese²
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Ist schon okay, augustine.
Ihr spielt halt in einer anderen Liga. ;)
Ich habe bereits um Löschung meines Accounts und meiner Texte gebeten.
Weiterhin alles Gute wünscht die Liese

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