Verhältnis geschrieben/gepostet? · Vladimir · ·


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      Vladimir



Verhältnis geschrieben/gepostet?

   20.07.2008, 21:58



Das würde mich interessieren: wieviel ihr von dem, was ihr schreibt, eigentlich hier postet. Und nach welchen Kriterien ihr auswählt.

Neugierig grüßt

Vladimir

 

      Jolante



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   21.07.2008, 14:41 / 1 x geändert



Lieber Vladimir,

ich schreibe eigentlich (außer Tagebuch) nur, wenn mich eine (un/gewisse) innere Notwendigkeit dazu drängt, d.h. eher selten. Wenn ich den Text mehrmals gelesen und an ihm herumgebastelt habe, lasse ich ihn ein paar Stunden ruhen. Wenn ich danach glaube, ihn in die Öffentlichkeit entlassen zu können, dann tue ich es. Wenn nicht, zerreiße ich das "Werk" gnadenlos. Kommt vor, dass ich mich danach sehr erleichtert fühle.

Es grüßt
Jolante

 

      augustine



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   22.07.2008, 19:43



Das würde mich auch interessieren, Vladimir, sehr sogar, und noch manches mehr, denn neugierig bin ich auch.
Aber ich halte es für eine Frage, die jedenfalls mir zu tief ins Private geht, als dass solche Sachverhalte oder Überlegungen jeder hier lesen dürfte.
Wie du sicher nicht vergessen hast, haben gerade wir beide vor deinen Reisen öffentlich ziemlich viel ausgetauscht, darunter auch einiges, was ich meinerseits lieber als pn geschrieben hätte. Du hast erkennen lassen, dass du diesen Austausch so nicht möchtest, indem du nicht geantwortet hast (das war nur 1 oder 2 mal, dann hatte ich begriffen; und eigentlich ist es natürlich taktlos, das öffentlich zu schreiben, aber ...). Nun kann ich bei jedem einzelnen Thema aber überlegen, ob ich etwas schreiben möchte, was auch über mich etwas aussagt (das ist sogar noch mehr als nur: über mein Schreiben); einige werden's richtig, einige eher falsch, einige gar nicht verstehen. Die richtig verstehen - nun, das sind eben die, mit denen es auch privaten Austausch gibt. Der ist gewachsen und intensiver geworden, wenn er substantiell ist.
Der Austausch mit dir ist mir wichtig. Den möchte ich auch mit dieser Antwort nicht etwa abbrechen.
Verstehst du beides?
Neugierige Grüße auch von mir. augustine

 

      Vladimir²



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   23.07.2008, 00:13



Naja ich denke, dass es hilft, das, was die anderen posten, einzuordnen. Ist es nur Fragment eines größeren "Werks"? Sind es Schnipsel, Experimente, was kriegen wir nicht zu lesen? Was bedeutet die Veröffentlichung hier?
Das wirst du, augustine, dir sicher auch denken, und ich will es deinem nicht-preisgeben-wollen auch nicht entgegensetzen, was ich nur meine ist, dass gerade in der Gruppe eine Behandlung dieser Frage denke ich hilfreich sein kann. Um sozusagen die Maßstäbe zu vergleichen, mit denen hier gepostet wird.
Ich werde Jolantes Sachen jetzt mit anderem Auge lesen.
Und was mich betrifft (es wäre ja ungerecht, würde ich von anderen Antwort erwarten und selber keine geben): Das, was ich hier poste, ist im Vergleich zu dem, was ich schreibe, sehr wenig. Oft bin ich versucht, "das beste", bzw. das, was ich dafür halte, von mir hier vorzustellen auch gemessen an dem, was vorher Anklang gefunden hat. Dann aber entscheide ich mich für das, was gewissermaßen neu für mich ist, wo ich noch experimentiere und neugierig bin, was darauf für Antworten kommen.
Ich lese außerdem regelmäßig hier in Köln in einem Café (eine Stunde offene Bühne jede Woche, ich weiß nicht ob hier Kölner dabei sind, es wäre toll einen mal dort zu hören von euch!). Weiß nicht, ob das wichtig ist, ich schreibs einfach mal.
Ich wüsste gerne, wo dein Misstrauen gegenüber einer Beantwortung dieser Frage liegt, augustine, zumindest einer öffentlichen. Über eine pn diesbezüglich würde ich mich freuen.
Und ja, ich denke ich verstehe beides...
Erwartungsvolle Grüße,
Vladimir

 

      augustine



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   23.07.2008, 01:25



Was ich hier und jetzt schreibe, ist noch nicht sonderlich gut überlegt. Aber ich kann sagen:

Dies ist ein öffentliches Forum; es kommen immer mal Leute vorbei, die nicht herpassen, die nicht ihre subjektiv besten Sachen hier zeigen, sondern irgendwas Geschriebenes, was da ist und schon für etwas gelten soll, einfach weil es geschrieben ist. Da pfeffere ich dann heftig dagegen, wenn's nicht schon jemand sonst getan hat; früher war ich damit ziemlich allein. Das ist ein Grund, weshalb ich öffentlich nicht zuviel preisgeben möchte. - Meine Distichen, bei Interesse ja leicht zu finden, waren Notwehr.
Die Maßstäbe hier: die musst du erfühlen. Wer Teile eines größeren Projekts, zumindest einer Idee, vorstellt, wird das sagen. Wer mehr hat, als er herausgibt, hat doch sicher Gründe, die er (auf Nachfrage vielleicht gerade) nicht nennen möchte, so unterschiedlich die auch sein mögen; die Gründe. - Dass bei dir die Sachen aus der Fülle kommen, habe ich vermutet; nein, ich war mir dessen sicher. Das ist bei mir nicht so.
Du liest manchmal öffentlich. Ich bin manchmal in Köln. Dürfte ich denn mal - zuhören?

Sonst: ich hab' einen Packen Erzählungen hier liegen, die - wie ich inzwischen finde - überarbeitet werden müssten, als Kurzgeschichten nicht taugen und als Erzählungen zu lang sind für hier. -
Mir fällt überhaupt nicht jeden Tag ein Gedicht ein. Was was taugt, entsteht im ersten Ansatz nachts als Gedanke und handschriftlich. Dafür stehe ich dann sogar wieder auf. Dann weiß ich eigentlich schon: es wird was. Kann aber sein: gar nicht schnell. Den Märkischen Sand hatte ich zwei Monate in der Hosentasche, eine Vorform auf dem PC. Bearbeiten geht hier leichter.
Etwas werd' ich mich mal trauen hierher zu schreiben, denn ursprünglich wollte ich es veröffentlichen, hab' sogar einen Vertrag hier liegen (nicht bei Suhrkamp ...); das gibt's als blogspot, leicht zu finden unter Familienentstrickung. Vielleicht magst du mal reinlesen. Jolante und Gerd haben's gelesen.
Sonst schreibe ich auch, aber Wissenschaftliches, z.Zt. was Historisches, das ich anfangs mit der Menge seiner Materialien nicht übersehen habe.
So, und weiteres wirklich per pn. Aber nicht mehr heute, d.h. nicht in dieser Nacht. Am besten fragst du.
Noch immer neugierig und übrigens eigentlich sehr - manche finden manchmal zu - offen.
Schade, dass du nicht mehr jetzt liest; eben warst du noch 'hier'.
Also, wiederum erwartungsvolle Grüße! augustine

 

      Jolante



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   23.07.2008, 11:17 / 1 x geändert



Was genau willst du damit aussagen, Vladimir, dass du jetzt meine Sachen mit anderem Auge lesen wirst? Verschieben sich denn bei dir die Maßstäbe für die Bewertung des Gelesenen, wenn du über die Intention des Autors/der Autorin besser Bescheid weißt? Sollte nicht allein der Text, und welchen Eindruck er beim Leser hinterlässt, Maßstab sein für eine sogenannte "Beurteilung"?

Grüße in die Runde
von Jolante

 

      Vladimir²



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   23.07.2008, 12:44



Danke also doch für die Offenheit, augustine!
Ich verstehe nicht ganz, warum dir diese "dahergelaufenen", also die nur kurz etwas unreifes zum besten geben und wieder verschwinden oder ein bisschen kleben bleiben, so, naja, wichtig sind. Aber du hast mehr Erfahrung hier, und vielleicht ist deine Vorsicht klüger als meine Unvoreingenommenheit.
Wer mehr hat, als er herausgibt, wird das vielleicht auch deshalb tun, weil das ganze hier doch auch in einem gewissen Maß bleiben soll. Stichwort Verhältnis Kritiken - Veröffentlichungen - was ich auch sehr schätze. Nur wie dieses Maß zustande kommt interessierte mich eben.
Weiteres dann per pn.

Tja Jolante, da haste mich natürlich erwischt. Nein, ich würde bei einer Rückmeldung immer noch nur auf dem Gedicht basierend schreiben - kann ja schlecht schreiben "in Anbetracht der Stellung dieses Textes in deinem Werk denke ich aber....." Vielleicht kann ichs dann so sagen: was aber dich, die du dahinterstehst, angeht, habe ich vielleicht einen etwas anderen Blick.
So, ich hoffe das war jetzt nicht wieder zuviel rumstöberei - ich hätt wirklich nicht gedacht, dass das hier ein heikles Thema sein könnte!

Vorsichtige Grüße,

Vladimir

 

      augustine



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   23.07.2008, 13:12 / 1 x geändert



Dies Forum finde ich zur Zeit ganz gut ausgependelt, allgemein gesagt. Das kann sich aber in jeder Minute ändern. Es kostet Kraft, mich wenigstens, dagegen zu halten, wenn Leute es sozusagen kapern wollen. Ist schon passiert. Die meisten warte(te)n dann ab. Ich kann das nicht. Was Gretchen und lost dann tun, ist wirkungsvoll (und noch vergnüglich zu lesen). Es soll nach meinem Wunsch nicht etwa 'kalt' hier sein und ist es auch nicht, aber ein Psycho-Forum (das wäre dann Küchenpsychologie) ist es auch nicht. Solche gibt's ja reichlich.
Das eben noch jetzt.
Sei bloß nicht zu vorsichtig, Vladimir. Gerade deine unerwarteten Fragen rühren doch was auf und an.
augustine

 

      Younis der Poet



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   24.07.2008, 00:09 / 3 x geändert



Sehr geehrte Damen und Herren,

erlich gesagt verstehe ich das ganze nicht, da es ein bisschen kompliziert ist.
In einem Forum zu schreiben, wo die meisten Leser/innen Autoren sind,
sollte man keinen Lob, sondern Kritik erwarten.

Liebe Freunde und Freundinnen,

mit meinem Hauptschulabschluss werde ich es auf meine Art versuchen, zu vermitteln.
Auf deutsch gibt es so viel schönes zu sagen, so viele schöne Wörter.
Man kann sie einfach aneinander reihen, von Heidelberg bis nach Strassbourg,
Dort vom Gutenbergplatz, bis nach Zürich, kann man mit einem "Guten Tag" den Tag anfangen.

Wenn ich mich als Leser, und nicht so genauen Leser, bezeichne,
werde ich verstehen, was sich auf dieser Bühne hier abspielt.
Ich möchte keinen Autor, oder Person der hier schreibt beurteilen,
solange ich diesen Menschen nicht kenne.
Ich werde nicht sofort angreifen, und auf meine digitale Tastertur einschlagen.
Nur um andere Menschen, unbeabsichtigt, zu verletzen.

Sensiebelität ist ein Teil des Menschen, die er einfach nicht verlieren darf!

Manchmal schreibt man nicht viel, weil vieles einfach ungünstig ist!

Am Anfang meines Lebens, habe ich manchmal Schrott geschrieben.
Manchmal auch Schrott gelesen.
Aber jeder hat das Gute in sich!

Und jeder, soll das Gute an die Anderen weiterleiten.

Ihr schreibt; & ich lese.

Mit meinen Schreibbeschränkungen kann ich nicht,
beschreiben, wie ich an Euch alle gedacht habe,
während ich in der Siena-Univäristät war.

Die Universität ist achthundert Jahre alt.
Aber das Dorf, Rosia, ist auch etwas schönes, und unvergesslich.
Dort habe ich gecampt.
Die Häuser,
Die Menschen,
waren so alt, und grob, wie der Kalkstein in den Mauern.

Dort habe ich ihn in den Händen getragen.
Der kleinen Mauersegler durfte mit mir weiter reisen.
Er hat die Reise leider nicht überlebt.
Da Baby-Mauersegler bis zu 200 Insekten zum überleben benötigen.

Dort in Rosia habe ich Eure Gesichte gesehen.
Ihr wart Alle da!
Ein Teil einer riesigen Zeremonie.

In der Nacht von Rosia!

Ein Teil von "der Tanz der Glühwürmchen", der an Euch
bald weitergeleitet wird...


Liebe Grüsse an Euch alle.

Younis

 

      zuppanova



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   24.07.2008, 12:15



zum thema: Verhältnis geschrieben/gepostet?

da kann ich ganz klar sagen: was hier unter zuppanova steht, ist nur ein bruchteil meiner textproduktion.

ich schreibe, so oft ich nur zeit dazu finde (zeit ist meine knappste und kostbarste ressource!), täglich, ständig, einiges ganz gezielt auf abruf/anfrage (früher mehr, inzwischen weniger), anderes "zum vergnügen" oder besser gesagt, weil ein unstillbares verlangen mich treibt (immer schon trieb), "mir die welt in worte zu fassen".
hinter, unter, neben, über, rund um die fertiggestellten texte, die sehr unterschiedlich sein können, liegen ganze haufen von zetteln, virtuelle zettel, in word-dateien gestopft, aber auch leibhaftige aus echtem papier - das sind meine sammlungen: notizen, bruchstücke, splitter, ideenblitze, beobachtungen, begebenheiten, verknüpfungen; manchmal schon kleine texte, aber halt noch unfertig; manchmal vielleicht nur ein einzelnes wort, an welchem wie ein erinnerungsfädchen ein gedanke oder eine geschichte hängt.

schwer zu beantworten ist die frage: warum stelle ich etwas hier ein - oder eben nicht.
ich sag's einmal so:

was in die öffentlichkeit geht, wird von einem zuppanovesischen zensor untersucht, der muss vor allem befinden, dass es NICHT schlichter mist ist. kann natürlich sein, er ist manchmal (oder oft? oder immer?) trübäugig, der zensor, oder er langt nicht richtig hin, weil er grad schwächelt, oder er ist aus neigung befangen: es ist schwer, die eigenen sachen einzuordnen, selbsteinschätzung ist auch eine "kunst". und dann ist es noch so: nicht alles (selbst wenn es vom zensor für ausreichend bis gut befunden) eignet sich (aus verschiedenen gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte) dafür, als zuppa-text im forum zu stehen.

das ist, was mir spontan zu deiner frage einfällt, Vladimir.

-----

@younis noch:

>> Ich möchte keinen Autor, oder Person dier hier schreibt beurteilen,
solange ich diesen Menschen nicht kenne.<<


das möchte ich auch nicht, über einen menschen urteilen, den ich nicht kenne. ja, mehr noch: ich hüte mich in der regel sogar, die menschen "zu beurteilen", die ich sehr gut kenne.
allerdings: texte, die hier eingestellt werden, sollten, denke ich jedenfalls, schon beurteilt werden dürfen, und ich finde es wichtig (und eigentlich ist es die basis eines jeden austauschs hier), younis, sich klar zu machen, dass, was über einen text gesagt wird, nicht zugleich ein urteil über die person des autors ist, und dass nicht jede/r, der/die einen schlecht geschriebenen text kritisiert, deswegen tückisch und böse ist(*) und "auf die tastatur einschlagend angreift, um menschen zu verletzen".

lg, zuppa.
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___________________________
(*) kleine fußnutte noch, geschuldet einigen unterhaltsamen beiträgen im nachbarfaden, die ich eben las:

es gibt verlage (z.b. Cornelia- oder August-von-Goethe-Verlag, Frankfurt), die drucken für ein paar tausend euro a-l-l-e-s, wirklich j-e-d-e-n mist, da geht kein zensor wo drüber. insofern, freilich, muss eine/r sich keinerlei selbstkritische sorgen machen um sich respektive die eigenen texte, so sie/er nur passend liquide ist, pekuniär. und falls etwa nicht (liquide): lotto spielen, gell ...

 

      yupag



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   31.07.2008, 00:46



Ich habe erst vor kurzer Zeit angefangen, Texte zu schreiben, die meiner Phantasie enstammen oder zu denen ich durch eigene Erlebnisse und Beobachtungen angeregt wurde. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht und weil ich Bilder im Kopf habe, für die ich Texte erfinde und auch das Umgekehrte macht mir Spaß, zu einem Text ein passendes Bild zu erarbeiten.Ich kann jetzt schreiben, was ich will und wie ich will, im Gegensatz zu meiner Berufsphase, in der ich, durchaus gern, viele fachlichen Texte geschrieben habe. Ich habe eine Menge Ideen und Konzepte und erste Fassungen, habe aber nur einige wenige hier gepostet, mit dem Ziel, mal zu hören, wie sie ankommen, wie sie wirken, was man besser machen kann. Ich versuche unterschiedliche Texte vorzustellen, auch, um herauszufinden, was mir am besten liegt. Ich will vermeiden, das Forum mit meinen Werken zu überschwemmen. Vielleicht habe ich schon zuviel in zu kurzer Zeit hier reingestellt, aber man hat ja die Freiheit, nur das anzuklicken, was man lesen möchte. Wem meine Arbeiten gefallen, kann weitere Texte und auch die Bilder dazu auf meiner Homepage (www.yupag-fotoart.de) einsehen.

Gruß yupag

 

      Younis der Poet



RE: Verhältnis geschrieben/gepostet?

   31.07.2008, 21:25 / 2 x geändert



Sei authentisch
(Peter Lauster)



---
edit 01.08.2008:
Younis, ich habe den Text, den du hierher geschrieben hattest, durch einen Link ersetzt. Gemäß den Urheberrechtsbestimmungen dürfen Texte nur aufgeschrieben werden, wenn deren Autor seit mehr als 70 Jahren tot ist oder wenn eine entsprechende Einverständniserklärung für den Abdruck/Kopie des Textes vorliegt.
Bitte auch an alle anderen: achtet darauf. Gegebenenfalls Gedicht oder Text verlinken, das ist unschädlich.
Elise

---

 

      Gretchen



Verhältnis geschrieben/gepostet?

   11.09.2008, 02:04



@Younis: I read that Peter-Lauster-poem dealing with the difficulty to have an authentic and very special individual "tongue" and way of expression. Aside from the fact that I also wish to find my very own personal expression, I must say, I'm not so very impressed by that Lauster-poem. It ist (ohoh!) bit of kitschig and in my opinion, to challenge somebody "be authentic" is absurd - ähnlich absurd wie wenn man wem befiehlt: "Jetzt sei aber mal bisschen spontan!". Also, hier (link) iss nen poem facing up to similar theme, aber mit anderen Mitteln and in an less shopworn way, yeah, I re-discovered this by chance, und jetzt, okeeh, mal was von Gretchen, also:

Bevor ich mich hier registriert hab, gab es mich eigentlich gar nicht (als Schreibende).
Sonn' Hang zur Sprache hatt ich zwar schon immer, auch als Kind, aber ...

... nicht mehr nur so vor mich hin und für mich allein schreiben tu ich erst seit Beginn meines Forenlebens, ja, ich schreib eigentlich vorwiegend "für" dieses Forum --- was hier auftaucht von mir, ist meist auch speziell für hier gemacht und liegt nicht seit WochenMonatenJahren in der Schublade rum, um nun endlich mal wo gepostet zu werden, sondern iss aktuell frisch. Ich zieh Anregungen aus dem, was andere hier einbringen an eigenen Sachen und an Hinweisen und Gedanken ganz allgemein, und ich reagiere gern, greife was von anderen auf (wenn da was kommt, was mich anspitzt), hab auch Spaß, sellbst was reinzubringen, worauf andere vielleicht reagieren können. Bei manchen Sachen von mir ist direkt offensichtlich, wovon sie angeregt wurden, bei anderen ist es nicht so einfach zu erkennen.
Was ich damit sagen will: Ich begreife dieses Forum nicht nur als Möglichkeit, die eigenen Texte auszustellen, sondern auch als so was wie ... hm - einen Gesprächskreis. Oder Inspirationskreis.

Ansonsten bewege ich mich mit Leuten durchs Leben, für die Schreiben kein Thema ist, und Lesen von Literatur auch nicht - die beißen sich schon mal durch eine Gebrauchsanweisung oder einen Reisekatalog durch, aber von "meinen Texten" muss ich da nix erzählen, interessiert keinen.
So was wie "Anspruch" an mich selber beim Schreiben hab ich schon, und an andere Texte will ich meine Latte auch legen dürfen, die Freiheit nehm ich mir, jawoll. Wenn ich etwas hier einstelle, muss es fertig sein, d.h. es muss oberhalb einer gewissen Marke liegen, die ich in mir trage (schwer zu beschreiben; sei also mal so offen in den Raum gestellt - kennen andere so was auch?), ich selbst muss jedenfalls auf eine bestimmte Weise zufrieden sein mit dem Geschriebenen (wie ein Text auf Leser wirkt, ist dann noch mal was anderes). Oft bin ich auch unsicher und überlege: posten oder nicht --- ?

Ich mag es, bei Gedichten mit Reimen zu arbeiten und mit altbekannten Formen (möchte für mich aber auch noch freiere Formen finden, andere Stimmlagen ausprobieren, auch mehr Prosa schreiben). Tatsächlich wurde ich durch dieses Forum zum ersten Mal angeregt, mir klar zu machen, was denn ein Sonett ist (das war am Anfang, als ich meine Forenexistenz hier eben begonnen hatte), und ich hab zur Übung paar Sonette geschrieben für hier (hatte nie zuvor eines geschrieben), dabei versucht, über epigonenhaftes Säuseln hinauszukommen, sollte schon Schmackes dabei sein und Eigengeist.

Strukturlosigkeit ist mir zuwider. Wenn ich schreibe, hab ich immer das Gerüst, das Skelett des Textes oder Gedichtes innerlich vor mir, in mir - und ich weiß auch, wie etwa das Gewebe beschaffen sein muss, welches die Knochen umhüllen soll. Hab also so was wie eine Textgestalt innerlich, die ich in Worten, Sätzen abbilden muss, damit andere sie auch sehen, lesen können.

Womit ich manchmal (nicht immer) ein Problem hab: wenn wer Sachen postet, die er mal vor Jahren geschrieben hat. Falls das zeitlos gute Knall- und Hammersachen sind, die strotzen und schillern vor Sprachkraft, stilistischer Eleganz und brillianten Gedanken - okeeh. Oft kriegt man da aber nur vertrockneten Altquark mit höchstpersönlichem Souvenirwert zu fressen, weil nix frisch Angerichtetes verfügbar ist (so Teeniesachen z.B., "mein erstes Gedicht, da war ich 14, ist es nicht süüüß" ...). Also, mich interessiert eher nicht, welche Schreibstadien wer vor Jahren pubertäts- oder sonstwie-krisengebeutelt durchlitt, nee, muss ich als Leserin nicht alles nochmal mit-nach-leiden - mich interessiert, was "jetzt" ist - deshalb ist (fast) alles, was ich hier einstelle, ein "Jetzt". Das "Jetzt" eines Schreibenden kann mir auch erkennbar werden darin, wie seine Kommentare zu Texten von anderen gestaltet sind.

Also, ich fühl mich eher als eine "im Dialog" Schreibende (ist viel weniger hochtrabend gemeint als es wahrscheinlich klingt) innerhalb eines bestimmten Feldes - für mich momentan nun mal dies Forum. Und ich hab schon einiges dazugelernt, deshalb: danke an die anderen hier.

Naja, das reicht wohl erstmal. Genug geoutet.
Gretchengrüße.

 

      kirmesbollo



Verhältnis geschrieben/gepostet?

   11.09.2008, 14:05



Hallo Vladimir, ich finde die neugier symphatisch, weil im web eigentlich alle schiss haben, sich zu nackig zu machen, da ist es erfrischend, wenn mal jemand ganz unverkrampft daherkommt und so eine frage in die menge wirft. ich schreibe überhaupt erst seit 2006. mein notizbuch, das ich meist dabeihabe, dient mir als fragmentarium, als rumpelkammer für gedanken, betrachtungen, grübeleien, oder einfach nur, da bin ich ehrlich, als müllkippe für aufgestaute emotion gleich welcher art. hin und wieder finde ich einen fetzen daraus zumindest verfolgenswert, und lese mir selbst was vor. daraus entstehen gebilde, die ich dann auch erstmal etwas ruhen lasse. irgendwann ergänzt sich sowas von ganz allein. von diesen dingern gibt es dann ein paar, die mir sogar selbst gefallen und nachdem ich sie mir mehrfach selbst vorgelesen habe, entscheide ich, ob es eher was für den verbleib im notizbuch ist, oder ob ich denke, man könnte die außenwelt damit behelligen. gut, ein paar spontane reimgedichtchen sind auch mal dabei, wenn mir einfach der klang gefällt, oder man darüber schmunzeln kann, quasi was für zwischendurch. nicht zuletzt durch die weinerliche kritikablehnung von autoren und autorinnen, die mal eben ihren herzens-schmock in ein forum für lyrik schlabbern, bin ich ein wenig vorsichtig und immer darauf bedacht, nicht alles, was ich sekundenlang für lesenswert erachte direkt zu posten. das hat den vorteil, dass dann wirklich polemische und vernichtende kritik meist ausbleibt, weil eben ersichtlich ist, dass man niemand beleidigen möchte, indem man die leser ins tagebuch stubst und sagt: „kumma, wie findste?“ natürlich kann man selbst dann noch in maßloser fehleinschätzung der eigenen fähigkeiten von kritik zerlegt werden, dann ist es aber in der regel klar zu differenzieren, ob da hilfreiche und konstruktive kritik vorliegt, von jemandem der weiß was sache ist, oder ob jemand nur seine eigene eloquenz abfeiert. damit kann man leben.
so, ich denke, ein großer teil der worte war keine antwort auf deine frage, aber bisken verschnitt is immer. kurz: ein eher kleiner teil meines hingeschriebenen findet seinen weg in den thread eines solchen forums.
einen charmanten warmen spätsommertag wünscht: der bollo




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